Lucrezia Borgia und ihr Schatten von Mary Lavater-Sloman
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 1952 unter dem Titel „Lucrezia Borgia und ihr Schatten“, , 352 Seiten. ISBN 3905894009.
Kurzgefasst:
Sie war eine der bewegendsten Frauen der Renaissance: Lucrezia Borgia (1480-1519), Tochter des späteren Papstes Alexander VI., wurde bereits im Alter von 13 Jahren zum Spielball der großen Politik und der Intrigen ihres Vaters und ihres Bruders.
Bewundert und gefürchtet, beneidet und als Mitglied des berüchtigten Borgia-Clans zugleich übelsten Verleumdungen ausgesetzt, wurde Lucrezia Borgia den Ruf einer Giftmischerin und Geliebten des eigenen Vaters bis in unsere Zeit nicht los.
Das meint Histo-Couch.de: „Wo Mord, Betrug und leidenschaftliche Liebe zu Hause sind“
von Rita Del'Agnese
Es kommt nicht häufig vor, dass ein historischer Roman von 1952 erneut aufgelegt wird. Wenn, dann handelt es sich in der Regel um ein außergewöhnliches Werk. Dies ist auch bei Lucrezia Borgia und ihr Schatten von Mary Lavater Sloman der Fall. Die eigenwillige Aufmachung der Neuauflage führt die mögliche Leserschaft gleich zu Beginn auf eine – fast – falsche Fährte: Wohl die Meisten gehen davon aus, ein Sachbuch in Händen zu halten. Hinter dem unprätentiösen Cover verbirgt sich aber nicht wirklich ein Sachbuch. Vielmehr lässt Mary Lavater-Sloman durch den so intelligenten wie unscheinbaren Schreiber Jakob eine Geschichte lebendig werden, von der so mancher schon gehört hat, die er in seiner ganzen Unfassbarkeit aber wohl kaum je präsentiert bekommen hat.
Dem Grauen auf der Spur
Um das Leben der schönen und oftmals todbringenden Lucrezia Borgia sichtbar zu machen, stellt die Autorin der Papsttochter einen Milchbruder zur Seite: Jakob. Er erlebt, wie aus dem selbstbewussten Kind Lucrezia die Schönheit heranwächst, die sich ganz dem Spiel der Liebe hingibt. Sie wird zum Spielball von Mächten, lässt die Männer um sich herum selber zu Spielbällen werden und ins Verderben laufen. In Form eines Tagebuches hält Jakob diese Entwicklung fest, verzichtet dabei aber in der Regel auf eine Wertung der Vorgänge. Dadurch könnte der Roman tatsächlich einen Einschlag in Richtung Sachbuch erhalten.
Gewöhnungsbedürftige Sprache
Das Buch wird der Autorin, die zahlreiche Romane über bekannte Persönlichkeiten verfasst hat, durchaus gerecht. Ihre Sprache wurde in der Neuauflage beibehalten. Allerdings stellt dies an die Leserschaft hohe Anforderungen. Die Sprache der 50er Jahre ist gewöhnungsbedürftig und hemmt den Lesefluss immer mal wieder. Dies allerdings ist ein geringer Preis für die wunderbare Geschichte, die Mary Lavater Sloman vor ihren Lesern ausbreitet. Vieles, was der – fiktive – Jakob in seinen Tagebüchern festhält, wirft ein ganz anderes Licht auf die als Giftmörderin verschriene Papsttochter. Anderes bestätigt, was die Geschichte schon mehrfach offen gelegt hat. Dass die Autorin für ihren Roman einzelne Figuren – allen voran Anton Fugger – in seinen Lebensjahren etwas verschoben hat, muss ihr vor dem Hintergrund nachgesehen werden, dass es sich einerseits nur um eine Nebenfigur handelt und durchaus durch eine fiktive Persönlichkeit hätte ersetzt werden können und sich andererseits die Ansprüche hinsichtlich Detailtreue in den letzten bald 55 Jahren maßgeblich verändert hat.
Nicht bloß Unterhaltung
Trotz allem bleibt Lucrezia Borgia und ihr Schatten ein Roman, der eher in Richtung Biographie eingereiht werden muss. Wer bloße Unterhaltung und ein modernes Borgia-Bild sucht, lässt besser die Finger von diesem Buch. Wer sich aber vertieft mit der Persönlichkeit der schönen Papsttochter auseinandersetzen möchte, wird hier ausgesprochen gut bedient und kann bedenkenlos zugreifen.
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