Der fremde Reiter von Marion Johanning

Buchvorstellung

Der fremde Reiter von Marion Johanning

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Der fremde Reiter“,, 496 Seiten.ISBN 1542049784.

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Kurzgefasst:

Vissel am Rhein, 1188: Als das Bauernmädchen Lioba einen bewusstlosen jungen Mann im Wald findet, ahnt sie nicht, dass ihr Leben eine entscheidende Wendung nehmen wird. Der Verletzte überlebt, hat aber keinerlei Erinnerung an sein früheres Leben. Thomas, wie er genannt wird, arbeitet von nun an als Tagelöhner auf dem Bauernhof ihrer Eltern. Lioba und er kommen sich näher und spüren eine starke Verbindung, werden aber getrennt, als Thomas zurück zu seiner wahren Identität und Familie findet. Er erfährt, dass er ein Ritter ist, der sich einem Kreuzzug verschrieben hat. Doch Lioba kann den Mann nicht vergessen, der nun ein ganz anderer zu sein scheint. Und auch sie wird von ihrer Vergangenheit eingeholt ...

Ihre Meinung zu »Marion Johanning: Der fremde Reiter«

mabuerele zu »Marion Johanning: Der fremde Reiter«13.02.2018
„...Es ist, als hätte ich vor dem Überfall ein anderes Leben geführt. Eins, das ich nicht mehr kenne...Wie bei einem Buch, bei dem die ersten Seiten verbrannt sind...“

Wir schreiben das Jahr 1188. Vissel ist ein Dorf am Rhein. Dort ist die 14jährige Lioba mit ihrem Bruder Friedrich im Wald unterwegs, um Lattichblätter gegen den Winterhusten zu sammeln. Plötzlich liegt vor ihnen ein verletzter Mann. Der Kranke wird zu Pastor Werinhart gebracht. Er kann sich an nichts erinnern und bekommt den Namen Thomas. Ida von Rothe, die Herrin des Dorfes, bestimmt, dass er dem Hof von Liobas Vater zugeteilt wird.
Die Autorin hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen.
Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Wie Thomas sich fühlt, ist im Eingangszitat präzise formuliert. Lioba ist ein selbstbewusstes junges Mädchen. Doch sie hat eine schwere Bürde zu tragen. Ihre Stiefmutter mag sie nicht. Im Dorf wird sie wegen ihre Mutter verachtet. Erst nach und nach erfahre ich, was warum mit ihr geschehen ist. Das folgende Zitat bringt die Situation genau auf den Punkt:
„...Niemand, der reinen Herzens ist, hätte ihr etwas antun können. Es ist immer der Neid, der Böses in die Herzen der Menschen sät. Es sind die boshaften Zungen, es ist die Dummheit, die alles glaubt...“
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Schon die beiden Zitate zeigen, dass die Autorin die Situation sehr konkret und treffend schildert. Es geht nicht nur um Äußerlichkeiten. Sie ermöglicht mir einen Blick in die Psyche der Protagonisten.
Sehr behutsam wird die sanfte Annäherung von Thomas und Lioba beschrieben. Als Thomas seine wahre Identität wiederfindet, wird die Geschichte in zwei Handlungssträngen erzählt. Zum einen darf ich Thomas oder Otto von Linn auf den Kreuzzug folgen, zum anderen Lioba durch bittere Jahre begleiten.
Die Kreuzfahrt wird mit all ihren Schattenseiten und Verlogenheiten thematisiert. Das geschieht vor allem in gut ausgearbeiteten Gesprächen. Plündern und Morden ist allgegenwärtig. Die Grausamkeiten allerdings werden nur mit wenigen Sätzen angedeutet. Das hebt die Geschichte wohltuend von manch anderen Büchern ab. In Ottos Verhalten ist deutlich ablesbar, wie ihn die Zeit auf dem Bauernhof verändert hat. Er zeigt Empathie und plötzlich auch Verständnis für einen Bruder.
Während die Kreuzritter angeblich das Christentum verteidigen, gibt es im heimatlichen Gefilden Ritter, die die Situation ausnutzen, um sich die schlecht geschützten Burgen anzueignen. Sie hoffen, dass keiner zurückkehrt. Dass die Burgen mittlerweile als Lehen der Kirche gehören, schert sie überhaupt nicht.
Auch auf Lioba kommen dunkle Jahre zu. Ihrer Freundin Christina hat sie es zu verdanken, dass sie neuen Lebensmut fasst. Hier gelingt es der Autorin, in berührenden Szenen die bitteren Folgen von Aberglauben und Dummheit auf die Psyche ihrer Protagonistin zu veranschaulichen. Lioba bleibt letztendlich nur die Flucht, will sie nicht das Schicksal ihre Mutter teilen.
Zu den beeindruckendsten Protagonisten gehört die Heilerin. In vielen tiefgehenden Gesprächen
macht sie Lioba klar, warum die Menschen so handeln, wie sie handeln. Es ist Neid und Missgunst, aber auch das Unvermögen, damit umzugehen, dass andere genauso oder mehr geliebt werden wie sie selbst. Hier sind ihre Worte:
„...Menschen mit einem großen Herzen können dulden, wenn der geliebte Mensch noch andere liebt. Aber die Kleinherzigen können das nicht. Sie ahnen nichts von der wahren Größe Gottes...“
Das Buch zeugt von exakter Recherche der Autorin. Es verfügt über einen hohen Spannungsbogen und verknüpft die historischen Geschehen gekonnt mit den persönlichen Schicksalen.
Die Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen.
Gartenkobold zu »Marion Johanning: Der fremde Reiter«04.02.2018
Spannender, sehr guter historischer Roman
In Vissel am Rhein findet 1188, die Protagonistin des Romans Lioba einen schwer verletzten jungen Mann im Wald, der sein Gedächtnis verloren hat.. Sie holt Hilfe, pflegt ihn wieder gegen alle Widerstände gesund, nicht ahnend, dass sich nach dieser Begegnung ihr Leben völlig verändern wird, denn der verletzte junge Mann ist ein Ritter, der als er erkannt wird, zu seiner Familie zurückkehrt, weil er sich einem Kreuzzug anschließen wird… Lioba, deren verstorbene Mutter eine Heilkundige war, machen die Dorfbewohner das Leben unsäglich schwer, bis sie eine Entscheidung treffen muss…
Marion Johanning hat einen fesselnden, packenden und spanenden historischen Roman geschrieben, dessen zwei unterschiedliche Handlungsstränge den Leser in zwei völlig unterschiedliche Welten mitnehmen, der Welt von Lioba, die in einem kleinen Dorf aufwächst, die am eigenen Leib erleben muss, was es heißt, von der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, weil sie eine vermeintliche Hexe ist und auf der anderen Seite die Welt der Ritter und des Hochadels, die sich zu einem Kreuzzug zusammenschließen, um Jerusalem von den „ungläubigen“ zu befreien, zwei Welten, die verschiedener nicht sein können.
Die Protagonistin Lioba und alle handelnden Charaktere sind authentisch beschrieben und beim Lesen entstehen bildhaft die handelnden Personen. Der Autorin ist es perfekt gelungen, die damalige Geschichte so lebendig werden zu lassen, dass der Leser als stiller Beobachter mittendrin ist, man spürt fast die Blicke, die Lioba durchbohren, den Pfarrer, der sich weigert, ihren Sohn zu taufen, spürt die Verzweiflung Liobas, erlebt die Qualen des Kreuzzuges, den Hunger und Durst der Kreuzfahrer und ebenso den Neid und die Missgunst, taucht ein in die Geschichte, die geprägt war von tiefem Glauben und von Hörigkeit gegenüber der Kirche und den Kirchenvertretern. Eine grausame Zeit, voller Aberglauben und Vorurteilen gegenüber Menschen, die die geltende Norm nicht erfüllten, die Heilkundige waren oder körperliche Makel aufwiesen.
Der flüssige Schreibstil überzeugt ebenso wie der Spannungsbogen von Beginn an. Ich habe gebangt und mitgefiebert, die Geschichte hat mich gefesselt, ich war mittendrin und von mir eine klare Leseempfehlung für einen sehr guten historischen Roman.
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