Die holländische Brille von Lothar Englert

Buchvorstellungund Rezension

Die holländische Brille von Lothar Englert

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Die holländische Brille“,, 288 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Ostfriesland im Jahr 1564. David Fabricius, Sohn eines Schmiedes, wird in eine Epoche hineingeboren, in der die religiösen Unstimmigkeiten, die aus der Reformation hervorgingen, den Alltag bestimmen. Ostfriesland wird von den drei Brüdern Graf Edzard II., Graf Christoph und Graf Johann regiert, die untereinander zerstritten und somit völlig unfähig sind, ihren Herrschaftsbereich angemessen zu führen. In dieser Zeit religiöser und politischer Unsicherheit wagt es der junge Fabricius, das Theologiestudium aufzunehmen und hierauf sein weiteres Leben aufzubauen. Als Pastor versucht er sein Möglichstes, der Gemeinde Rückhalt und Orientierung zu bieten – doch das kann sehr gefährlich werden. Auch seine wissenschaftlichen Forschungen im Bereich der Astronomie halten das Leben Fabricius’ in Aufruhr.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine Entdeckung im Walfisch“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Ostfriesland, 1564. David Jansen, der sich nach seinem Vater latinisiert David Fabricius nennen wird, kommt in Esens zur Welt und wird in einen Landstrich hineingeboren, in dem immer noch das geozentrische Weltbild herrscht und die Reformation allmählich um sich greift. Als er achtzehn Jahre alt ist, hat er bereits ein starkes Interesse für die Astronomie entwickelt und wird von seinem Lehrer Heinrich Lampe an die Universität von Helmstedt empfohlen, da der ihm nichts mehr beibringen kann.

Schon nach kurzer Zeit des Studiums der Astronomie, der Arithmetik, Geometrie, Musik und vor allem der Theologie wird ihm eine Pastorsstelle in Resterhafe angeboten, das er mit einigen Zweifeln auch annimmt. Kurz darauf heiratet er die junge Witwe Meta, die ihm fortan zur Seite steht und ihm etliche Kinder gebären wird.

Doch neben dem persönlichen Glück Davids braut sich in Ostfriesland politisches Ungemach zusammen. Das Haus Cirksena liegt im Streit, und die Reformation greift um sich. Doch gegen alle Widrigkeiten schafft es Fabricius, sich weitestgehend aus allem politischen herauszuhalten, soweit es geht, wenn er nicht gerade gegen die Obrigkeit wettert. Er beschäftigt sich mit der Astronomie und entdeckt einen sich verändernden Stern im Sternbild Walfisch, worüber er sich mit dem Astronomen Tycho Brahe austauscht. Auch mit Gelehrten wie Kepler steht er in Briefkontakt. Seine größte Entdeckung, die Rotationsdauer der Sonne, macht er zusammen mit seinem Sohn Johann, der aus Leiden ein Teleskop mitgebracht hat, das man auch die „holländische Brille“ nennt.

Ostfriesland zur Zeit der Reformation

Der Wahlostfriese Lothar Englert hat mit seinem zweiten historischen Roman Die holländische Brille erneut einen Roman vorgelegt, der sich mit Ostfriesland befasst und in eine Zeit des Umbruchs eintaucht. Luthers Lehren verbreiten sich durch die Lande, es entsteht ein Glaubenskrieg zwischen dem geozentrischen und dem heliozentrischen Weltbild und in Ostfriesland ist die zerstrittene Familie Cirksena an der Macht, wo sich zwei Brüder bekämpfen, die eigentlich zusammen arbeiten sollten.

All dies wird von Englert hervorragend eingefangen und anhand der Biografie des Astronomen und Theologen David Fabricius erzählt. Fabricius ist ein bescheidener Mann, der einen ihm möglichen Aufstieg macht und gelegentlich auch ob seiner eigenen Meinung sich nicht nur Freunde macht. Rückhalt erhält er durch seine Familie, allen voran seine Frau Meta und ihre Magd, die zufälligerweise auch Meta heisst, was die beiden Frauen ordentlich zusammenschweißt. Glücklicherweise hat Englert eine gute Lösung gefunden, wie man die beiden nicht verwechselt. Auch die zahlreichen Kinder werden angenommen und wachsen in guter Obhut auf, Fabricius’ Sohn Johann wird ihm sogar in seinen astronomischen Studien folgen, wenngleich er ein anderes Fachthema wählen wird.

Sprachlich gekonnt

Der Roman besticht durch ein enormes historisches Hintergrundwissen, das dem Leser allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern immer in die Handlung und in immer wieder eingestreute Briefe Fabricius’ eingestreut wird und so ein authentisches Bild der Zeit malt. Auch sprachlich passt sich Englert der Zeit an, so dass man sich jederzeit in der Reformation zu Hause fühlt und dabei auch die friesische Lebensart kennen lernt. Alte Traditionen und neu aufkommende Begebenheiten bestimmen den Alltag, der nicht einfach war. Fabricius ist als Pastor tätig und hat seine Gemeinde im Griff, wenngleich man nicht viel über sein Wirken als Pastor erfährt. Doch vieles kann man sich dazu denken, und schließlich steht sein Leben und Wirken als Astronom im Vordergrund des Romans.

Zwischen all den wissenschaftlichen Monologen und Dialogen, an denen es nicht mangelt, menschelt es doch auch, und so liest man sich auch mit Interesse durch die manchmal doch etwas lang geratenen, teils recht philosophischen Gespräche, die in dem Roman gelegentlich geführt werden. Vielleicht hätte man hier ein wenig den Rotstift ansetzen können, aber das mag Geschmackssache sein.

Tycho Brahe

Höhepunkt des Romans ist sicher die erste Begegnung Fabricius’ mit dem dänischen Astronomen Tycho Brahe, den er stets verehrt hat und den er nun durch Vermittlung persönlich kennen lernt. Nervös wie so oft, wenn man als vermeintlich kleiner Mensch einen „Prominenten“ kennen lernt, kann man diese Begegnung und ihre Bedeutung für Fabricius gut nachvollziehen, und so mancher mag sich in dieser Situation selbst wiederentdecken.

Englert versteht es durch den gesamten Roman, seine Charaktere bunt zu zeichnen und jedem ein passendes Eigenleben zuzuschreiben. Die Zeit wird hervorragend dargestellt, und mit wenigen Worten lässt der Autor eine Stimmung entstehen, in der sich jeder Leser gebannt zu Hause fühlt. Ein achtseitiges lesenswertes Nachwort, eine Danksagung und ein Personenverzeichnis ergänzen den überaus gelungenen Roman, der einem Lust macht, sich ein weiteres Werk des Autors zu greifen. Die holländische Brille ist ein würdiges Denkmal für einen Astronomen, den vielleicht viele nicht kennen, dessen Namen sie aber nach dieser 270seitigen Lektüre nicht mehr vergessen werden. Mehr davon.

Ihre Meinung zu »Lothar Englert: Die holländische Brille«

Gerd Constapel zu »Lothar Englert: Die holländische Brille«05.08.2013
Mit seinem neuen Roman "Die holländische Brille" erzählt Lothar Englert auf fesselnde und unterhaltsame Weise von dem Pastor und Astronomen David Fabricius vor dem Hintergrund dramatischer Geschehnisse im Ostfriesland des 16. Jahrhunderts. So wie in seinem ersten historischen Roman "Friesische Freiheit" beweist der Autor auch hier wieder seine unvergleichliche Erzählkunst. Auch wenn "ein Roman alles darf", wie Guido Knopp sich über historische Romane äußert, wirkt dieser Roman außerordentlich authentisch aufgrund des Hintergrundwissens des Autors. Alle Personen, ob historisch überliefert oder fiktiv, wirken echt, repräsentieren den Geist jener Zeit und behalten auch in diesem Roman vom Anfang bis zum Ende ein hohes Identifikationspotential. Die meisterhafte Beschreibung der auftretenden Figuren, deren Allüren, Verhaltensweisen und Dialoge machen den Roman anschaulich und spannend.

Auch dieser historische Roman ist für uns Ostfriesen eine glückliche Gelegenheit, auf anregende und kurzweilige Weise etwas über die eigentümliche Geschichte unseres Landes zur Zeit der Reformation, der Herrschaft der zerstrittenen Grafen Edzard II, Christoph und Johann und der stürmischen Ereignisse der Emder Revolution zu erfahren.

Wir können uns nur wünschen, dass Lothar Englert uns schon recht bald mit weiteren, ebenso überzeugenden, spannenden und emotional bewegenden fiktionalen Geschichten aus Ostfrieslands ereignisreicher Vergangenheit beschenkt. Es würde mich sehr freuen.
Hartmut Sittel zu »Lothar Englert: Die holländische Brille«18.04.2013
Bereits bei der Lektüre von Lothar Englerts erstem historischen Roman "Friesische Freiheit" konnte man seine wahrlich brillante Erzählweise kennenlernen: Farbig, blumig und manchmal deftig - gerade so, dass man glauben muss, so war es damals. Diese Kunst des Erzählens setzt Lothar Englert im neuesten historischen Roman "Die holländische Brille" fort. Im Kolorit des damaligen Lebens in der Gesellschaft beschreibt er spannend die Kämpfe der schwachen ostfriesischen Grafen gegen die niederländische Dominanz. Dabei wird die Gemengelage aus weltlichen und religiösen Motiven immer wieder vor Augen geführt. Mittendrin der lutherische Pastor David Fabricius, der, soweit es seine Konfession zulässt, immer wieder vermitteln will. Das Einzige, was in Konkurrenz zu des Pastors Seelsorge tritt, ist seine Liebe zur Wissenschaft von Himmel und Sternen. Immer wieder zieht es den forschenden Pastor weg von seinem Schreibtisch hin zum Mauerquadranten im Hof. Auch der Wissensaustausch wird im Roman sehr anschaulich beschrieben: Wochenlange Reisewege und zäher Postverkehr lassen angesichts der modernen Zeit des Internets erahnen, wie mühevoll und zeitraubend damals der wissenschaftliche Austausch war.
Fazit: Lothar Englerts sehr lebendige Erzählkunst und der verwendeten Duktus der Dialoge lassen den Leser sich wie einen stillen, unsichtbaren Zuschauer mitten im Geschehen fühlen. In Verbindung mit der außerordentlichen historischen Detailtreue kann man den Roman charakterisieren als spannendes Lesevergnügen mit einem Geschichtsseminar über Ostfriesland und Astronomie im 16./17. Jh.
Harald Borst zu »Lothar Englert: Die holländische Brille«11.02.2013
Lothar Englerts zweiter historischer Roman, Die holländische Brille' unterstreicht einmal mehr die brilliante Erzählkunst dieses Autors. Ein eher trockenes Thema, die politischen Verwicklungen in Ostfriesland und das Leben eines dortigen Landpfarrers und Hobbyastronomen werden durch die lebendige Erzählweise vor dem geistigen Auge des Lesers wieder zum Leben erweckt. Man fühlt mit den handelnden Personen und erhält einen bleibenden Eindruck vom Leben in der damaligen Zeit. Ich freue mich schon auf das neue Werk des Autors, das genauso spannend und unterhaltsam zu werden verspricht.
Werner Steffens zu »Lothar Englert: Die holländische Brille«01.01.2013
Lothar Englert, der offensichtlich ein Faible für die Lebens- und Wirkensweise der Menschen in seiner Wahlheimat Ostfriesland etwa zu Zeiten der Reformation oder des 14. Jahrhunderts (in seinem Roman "Friesische Freiheit") entwickelt hat, versteht mit dem ihm eigenen Sprachgebrauch Zusammenhänge in den an sich wirren damaligen Zeiten verständlich, pointiert und packend darzustellen.
Wie er selbst in seinem Nachwort anführt: Was kann man eigentlich interessantes über das Leben eines protestantischen Pastors und Hobby-Astronomen schreiben? Lothar Englert kann es!
In einer gekonnten Mischung aus Fiktion und belegter Historie hat er mit diesem Roman ein Werk geschaffen, das dem interessierten Leser Möglichkeiten, vor allem aber Grenzen im Leben der Ostfriesen aufzeigt. Der Fokus richtet sich dabei auf David Fabricius, dessen Leben von Geburt bis zu seiner Ermordung mit allen seinen religiösen, politischen und gesellschaftlichen Facetten beleuchtet wird.
Fabricius' Liebe zur Astronomie wird ein sehr ueberschaubarer Raum gewährt, was die schon aufgrund mangelnder persönlichen Ressourcen stark begrenzten Hobbyausübungsmöglichkeiten gekonnt widerspiegelt. Wieso ueberrascht es dabei den Leser nicht ernsthaft, dass auch in der damaligen Zeit neben fachlichen Meinungsverschiedenheiten ebenso Neid, Missgunst und Vorteilserhaschung unter Sterndeutern wie unter "einfachen" Leuten verbreitet waren?
Ich warte sehr gespannt auf das nächste Werk von Lothar Englert.
Anke Wehner zu »Lothar Englert: Die holländische Brille«01.11.2012
Die Holländische Brille verbindet meisterhaft die blutige Geschichte Ostfrieslands im Mittelalter, das Leben und Wirken des Pastors Fabricius und das Forschen und Wissen auf dem Gebiet der Astronomie in der Zeit von Keppler, Brahe und Galilei.
Es ist ein Roman, der begeistert,
der spannend und unterhaltsam zugleich geschrieben ist. Ich habe ihn sehr gerne gelesen.
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