Das Haus der verlorenen Kinder von Linda Winterberg

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus der verlorenen Kinder von Linda Winterberg

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Das Haus der verlorenen Kinder“,, 528 Seiten.ISBN 3-7466-3220-X.

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Kurzgefasst:

Norwegen, 1941: In dem kriegsgebeutelten Land verlieben sich Lisbet und ihre Freundin Oda in die falschen Männer – in deutsche Soldaten. Ihre verbotene Liebe fordert einen hohen Preis, und die beiden jungen Frauen verlieren alles, was ihnen lieb ist. Ausgerechnet bei den deutschen Besatzern scheinen sie Hilfe zu finden, doch dann wird Lisbet von ihrer kleinen Tochter getrennt. Erst lange Zeit später findet sich ihre Spur – in Deutschland.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Kinder der Feinde“85Treffer

Rezension von Annette Gloser

Norwegen, 1941. Das Land ist von den Deutschen besetzt. Aber das kleine Fischerdorf Loshavn spürt davon nichts. Für die Freundinnen Lisbet und Oda ist das Leben friedlich und ruhig. Aber dann bauen die Deutschen eine Festung in der Nähe des Dorfes und bei den Familien der beiden Mädchen werden deutsche Soldaten einquartiert. Lisbet verliebt sich in Erich und auch Oda glaubt, die große Liebe gefunden zu haben. Weder die Eltern der Mädchen noch die anderen Dorfbewohner haben Verständnis für eine Liebesbeziehung mit den Besatzern. Aber die beiden Freundinnen verlassen das Dorf, suchen sich Arbeit in der nächstgelegenen Kleinstadt und tun alles, um mit den geliebten Männern zusammenbleiben zu können. Sie hoffen auf ein gemeinsames Leben, auf Familienglück, ganz egal ob in Norwegen oder in Deutschland. Oda wird als erste schwanger. Zur gleichen Zeit wird ihr Freund an die Ostfront versetzt. Die junge Frau sieht keine andere Möglichkeit, als in ein Heim zu gehen, das die Deutschen extra für jene Frauen gebaut haben, die mit den Besatzungssoldaten Kinder zeugten. Auch Lisbets Freund Erich wird an die Front versetzt und die junge Frau kann nicht zu ihrer Familie nach Loshavn zurück. Auch ihr bleibt nur der Weg in das Heim. Noch ahnt sie nicht, dass sie hier an einem Ort gelandet ist, welcher der Zucht arischer Menschen dienen soll. Dies ist das Ziel des Lebensborn, der das Heim betreibt. Aber schnell stellt sie fest, dass ihre Freundin Oda hier nur unwillig geduldet wird. Odas Mutter stammt von Samen aus dem Norden Norwegens ab, und so ist sie keine reinblütige „Arierin“ wie Lisbet. Oda bekommt ein Kind zweiter Klasse. Lisbet jedoch hofft noch immer auf eine gemeinsame Zukunft mit Erich.

Jahrzehnte später, im Jahr 2005, erhält in Wiesbaden eine junge Frau einen unerwarteten Brief mit verstörendem Inhalt.

Ein unbequemes Sujet

Linda Winterberg wendet sich in ihrem Roman einem Thema zu, das bisher in historischen Romanen kaum Aufmerksamkeit gefunden hat und literarisch aufgearbeitet wurde: Der „Lebensborn“, jene Nazi-Organisation, die nach Himmlers Willen der Zucht „reinrassiger Arier“ dienen sollte. Dabei geht die Autorin nicht nur der Frage nach, wie Frauen in die Fänge des „Lebensborn“ geraten konnten. Sie hinterfragt auch die Schicksale jener Kinder, die in den Heimen geboren wurden, häufig von ihren Müttern getrennt und in Deutschland von wohlhabenden Nazifamilien adoptiert. Dass dabei zwei norwegische Mädchen zu Hauptprotagonistinnen des historischen Teils wurden ist naheliegend, denn Norwegen war eines jener Länder, in denen der „Lebensborn“ am aktivsten war. So sind die Schicksale von Lisbet und Oda keine Einzelschicksale sondern betreffen tausende Frauen und mit ihnen auch tausende Kinder. Umso erstaunlicher, dass dieses Thema bisher so wenig Aufmerksamkeit fand. Und umso erfreulicher, dass Linda Winterberg sich damit auseinander gesetzt hat. Sie erzählt ihren Roman auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Eine Ebene sind die Jahre 1941 bis 1942 in Norwegen. Die zweite Ebene spielt 2005, überwiegend in Deutschland. Allerdings ist die historische Erzählung sehr viel intensiver und sensibler geraten als die moderne. Der historische Teil ist homogen, in sich schlüssig und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich in die Welt von Oda und Lisbet zu versetzen. Man versteht die Gefühle der Mädchen, man spürt auch die Atmosphäre in dem kleinen Piratennest Loshavn. Der moderne Erzählstrang ist leider nicht so stimmig. Viele Dinge passieren, ohne dass man sie als Leser wirklich nachvollziehen kann. Manches scheint so auffällig konstruiert, dass es einfach nur unglaubwürdig wirkt. Dennoch beleuchtet dieser Teil des Romans deutlich, mit welchen Schwierigkeiten möglicherweise Kinder zu kämpfen hatten, die in den Heimen zur Welt kamen und von ihren Müttern getrennt wurden. Und der Roman verschweigt auch nicht, wie grausam die Norweger mit den jungen Frauen nach dem Krieg umgingen.

Zwei liebenswerte Heldinnen

Entsprechend sind auch die einzelnen Romanfiguren sehr unterschiedlich in ihrer Charakterzeichnung und ihrem Tiefgang. Im historischen Erzählstrang haben die einzelnen Protagonisten deutlich mehr Schattierungen, wecken Interesse. Die Romangestalten aus dem Jahr 2005 fallen dagegen deutlich ab, bleiben bis auf Betty und Marie recht eindimensional und eher blass. Auch die Handlung zeigt hier gelegentlich Längen und die Spannung lässt nach. Die Freundinnen Lisbet und Oda sind allerdings zwei so sympathische und liebenswerte Heldinnen, dass ihre Geschichte den Leser schnell in den Bann zieht, dass man mit ihnen bangt und mit ihnen trauert. Linda Winterbergs Geschichte ist im historischen Teil zwar bis zu einem gewissen Punkt vorhersehbar, aber sie ist interessant und mit vielen Details erzählt, die auf eine intensive Recherche der Autorin schließen lassen. So entsteht das Gefühl, eine authentische Geschichte zu lesen und man mag das Buch gar nicht mehr zur Seite legen.

Ein Roman, der viele Gefühle weckt

Es wurde Zeit für einen Roman zu diesem Thema und es ist zu hoffen, dass es nicht der letzte bleibt. Das Haus der verlorenen Kinder ist ein Roman voller Tragik. Hier wird von Enttäuschung, betrogener Liebe und zerstörtem Glück erzählt, von Gewissenlosigkeit und Schuld. Und vom Leben jener Menschen, die das Opfer eines irrsinnigen „Zuchtprogramms“ wurden, nicht nur in der ersten sondern auch in der nachfolgenden Generation. An dieser Stelle sei auch das Nachwort der Autorin empfohlen, welches noch einmal auf die Fakten zum Lebensborn eingeht. Und ein Dank geht an den Aufbau Taschenbuch Verlag, der diesen wichtigen und lesenswerten Roman in sein Programm aufgenommen hat.

Ihre Meinung zu »Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder«

Gelinde zu »Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder«12.02.2018
Das Haus der verlorenen Kinder,
ein sensationelles Debüt von Linda Winterberg (Pseudonym)

Cover:
Sehr passend zum Buch, leicht melancholisch und nostalgisch angehaucht.

Inhalt:
Norwegen 1941.
In dem kriegsgebeutelten Land verlieben sich Lisbet und ihre Freundin Oda in die falschen Männer – in deutsche Soldaten.
Ihre Liebe fordert einen hohen Preis, sie werden sogar von ihren Familien verstoßen und sie verlieren alles was ihnen lieb ist.
Ausgerechnet bei den deutschen Besatzern scheinen sie Hilfe zu finden, doch diese handeln nicht aus Menschlichkeit.
Auch hier sind Menschen nicht gleich, auch hier ist „arisch“ ein Schlagwort, wenn auch hinter vorgehaltener Hand.
Eine dramatische Geschichte um zwei junge Frauen im Zweiten Weltkrieg in Norwegen, deren Schicksal bis in die Gegenwart reicht.

Meine Meinung:
Ein unglaublich bewegendes Buch über einen Teil der deutsch-norwegischen Geschichte, die so nicht sehr bekannt ist. Menschen werden getrennt und es gibt so viele Geheimnisse die nie mehr geklärt werden können.
Ich bin super in die Geschichte reingekommen und sofort darin abgetaucht.
Gleich zu Beginn wurden viel Fragen aufgestellt und somit wurde von Anfang an eine Spannung aufgebaut.
Die Schreibweise ist sehr emotional und beeindruckend, denn ich wurde so einbezogen und integriert, es war so hart an der Realität, dass ich oft atemlos und sprachlos war beim Lesen.
Immer wieder wurde uns vor Augen geführt wie unsinnig so ein Krieg doch ist, und dass Menschen doch einfach gleich sein sollten, egal welcher Herkunft.
Sehr gut gefallen haben mir auch die Entwicklungen die viele der Protagonisten durchgemacht haben, diese waren jeweils sehr gut nachzuvollziehen.

Viele Fragen bleiben (Geheimnisse die wohl niemals mehr zu enträtseln sind), das Ende ist zum Weinen und zum Freuen, es gibt Hoffnung in der ganzen Trauer.

Das Nachwort rundet dieses hervorragende Buch dann nochmals zusätzlich wunderbar ab.

Autorin:
Hinter Linda Winterberg verbirgt sich die erfolgreiche Autorin Nicole Steyer.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus.
Bei einer Reise nach Norwegen stieß sie auf die historischen Fälle, die diesem Roman zugrunde liegen und die sie nicht mehr losließen.

Mein Fazit:
Ein wirklich zu Herzen gehender Roman, der an diesen beiden Einzelschicksalen zeigt wie grausam und hart der Krieg und die Menschen sein konnten und wie alles noch auf die Generationen danach Auswirkungen hat.
Von mir eine klare Lese- und Kaufempfehlung und hervorragende 5 Sterne mit Plus.
Mohnblume zu »Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder«15.05.2016
Arietta

vor 35 Minuten
Arietta
(1)

Inhaltsangabe: Nimmt man einer Mutter ihr Kind …

Norwegen, 1942: In dem kriegsgebeutelten Land verlieben sich Lisbet und
ihre Freundin Oda in die falschen Männer – in deutsche
Besatzungssoldaten. Die verbotene Liebe fordert einen hohen Preis, und
die beiden Frauen drohen alles zu verlieren: ihre Familien, ihre
Geliebten – und die Kinder, die sie erwarten. Nach der Geburt werden sie
ihnen von den Deutschen genommen. Erst lange Zeit später, als die junge
Deutsche Marie in Wiesbaden einer besonderen alten Dame namens Betty
begegnet, findet sich ihre Spur.

Eine dramatische Geschichte um zwei junge Frauen in Norwegen im Zweiten
Weltkrieg, deren Schicksal bis in die Gegenwart reicht

Mit einem Nachwort und einem Anhang zu den historischen Hintergründen




Meine Meinung zur Autorin und ihrem Buch:

Sie ist für mich ein Begriff, auch wenn unter ihrem Namen Nicole Steyer, in der sie Historische Romane verfasste und die ich alle mit sehr großer Begeisterung gelesen habe. Diesmal begibt sie sich auf anderes Territorium, sie schreibt über den 2. Weltkrieg, ich gratuliere ihr ganz Herzlich zu ihrem hervorragend gelungenem und Großartigem Debüt. Man spürt beim Lesen wie viel Herzblut, sie in dieses Geschichte fließen ließ, sie hat wirklich alles gegeben was machbar wahr. Allein diese Akribische Recherche, sie ist dafür sogar mit ihrem Mann nach Norwegen gereist, um sich auf die Spurensuche der verlorenen Kinder zu machen, man merkt wie sehr ihr die Sache am Herzen lag.

Der Roman hat mich sehr tief bewegt und Emotional aufgewühlt. Ich erfuhr hier zum ersten mal was unter, der deutschen Führung im 2 Weltkrieg, in Norwegen eine Haus Lebensborn, eine Art Zuchtanstalt gab, eine SS Organisation, wo Frauen Hilfe fanden, aber auch nur um reinrassige und arische Kinder großzuziehen, denen man aber auch oft unfreiwillig die Kinder fortnahm um sie an Deutsche Ehepaare zu vermitteln. Diese Frauen und Kinder die nach dem Krieg in Norwegen zurück blieben sie hatten es schwer, sie wurden als Huren und Deutschenmädchen beschimpft. Das alles hat mich doch sehr entsetzt, das mir an einigen Stellen die Tränen kamen. Ihre Schreibweise ist Hochsensibel, feinfühlig und mit sehr viel Gespür, lässt sie eine düstere Wahr-und Vergangenheit, wieder lebendig werden und ans Tageslicht kommen. Auch hat sie sehr Kunstvoll, die zwei Zeitstränge auf der die Geschichte basiert mit einander verknüpft. Ihre Personen auch wenn sie Fiktiv sind, wirken sehr real und Lebendig, wie auch der ganze Handlungsaufbau.Auch die einzelnen Charaktere hat sie sehr schön klar heraus Kristallisiert. Ein sehr Bildhafter, flüssiger und fesselnder Schreibstil.


Meine Meinung zum Inhalt: Sehr schön beschrieben hat die Autorin:

Die beiden unzertrennlichen jungen Norwegerinnen Lisbeth und Oda, zwei Freundinnen die wie Pech und Schwefel zusammen halten. Auch von ihrem Pech, am falschen Ort und zu einer ungünstigen Zeit, ausgerechnet die beiden deutschen Soldaten Erich und Günter kennen zu lernen, die in ihrem Ort untergebracht sind, und sich in die beiden verlieben. Oda in Günter, und Lisbeth in Erich, gegen den Willen der Eltern. Wie sie ihnen sogar bis Kristiansand folgen. Aber ihre Freunde müssen nach Russland. Sie sind allein auf sich angewiesen, nach Hause können sie nicht mehr. Ihre Schwangerschaft, die Schande die sie über ihre Familien bringen und der Bruch mit den Eltern. Hilfe fanden die beiden im Haus Lebensborn in Hurda Yerk, der Zuchtanstalt der Deutschen, hier ging es ihnen verhältnismäßig sehr gut, man kümmerte sich um sie, bis zur Geburt und bis kurz danach. Lisbeth traf es noch ganz gut, sie bekam Unterhalt von Erich, Oda dagegen hatte mit Günter nicht das große Los gezogen, er verweigerte jede Zahlung und erkannte auch seine Vaterschaft nicht an. Das Schicksal meint es nicht gut, durch einem dummen Fehler um Oda und deren Tochter Siri zu helfen, begeht Lisbeth einen großen und unbedachten Fehler, sie verliert ihre kleine Tochter Liselotte ,man nimmt sie ihr einfach fort .Viele, viele Jahre Später findet sich eine Spur, die in Deutschland in Wiesbaden endet. Hier lernen wir Marie im Jahre 2005 kennen, die im Haus Sonnenschein in Wiesbaden, Senioren betreut und Vollwaise ist. Ihr Herz hängt an der alten Dame Betty, die zwei sind wie ein Herz und eine Seele. Bei Marie taucht eines Tages ein alte Tagebuch in Norwegischer Sprache auf, mit einem Foto darin, das sie erschrecken lässt. Nun, macht Marie sich auf eine Rätselhafte Spurensuche, darin Betty mit verstrickt zu sein scheint, wer ist sie wirklich.

"Eine Grandiose Geschichte, ein Kaleidoskop ,über eine tragische Liebesgeschichte, die unter die Haut geht. Ein große Epos "
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