Die Rache des Samurai von Laura Joh Rowland
Buchvorstellung und Rezension
unter dem Titel „Bundori“, deutsche Ausgabe erstmals 1999 , 523 Seiten. ISBN 3-404-92070-8.
Kurzgefasst:
Das Jahr: 1689. Der Ort: Edo, die Hauptstadt des feudalen Japan. Ein allmächtiger Shogun hält alle Fäden in der Hand, umgeben von heimtückischen Umtrieben und politischer Intrige. SanoIchiro ist ein junger Samurai, der vom Gelehrten zum Polizisten und schließlich zum persönlichen Ermittler des Shogun wurde. In einer Welt, in der die alten, ehrenhaften Prinzipien längst vergessen sind, ist er einer der wenigen, die dem bushido , dem Weg des Kriegers, zu folgen versuchen. Doch plötzlich taucht ein Relikt aus jenem alten Ehrenkodex auf: bundori, die Kriegstrophäe – ein abgetrennter Kopf, als öffentliches Schaustück an ein Brett genagelt. Aber die letzten Kriege liegen Jahrzehnte zurück. Ist es ein Racheakt, die Tat eines Wahnsinnigen oder eine bewußte Provokation? Weitere solcher Trophäen werden gefunden. Während die Bewohner der Stadt in Panik geraten und der Shogun um sein politisches Überleben fürchtet, muß Sano alles einsetzen, was er als Samurai gelernt hat, um den Täter aufzuspüren. Wird der schurkische Kammerherr Yanigasawa seine Absichten vereiteln? Oder wird die ebenso schöne wie geheimnisvolle Aoi, eine in den Ninja-Künsten bewanderte Tempelwächterin, ihn mit Hilfe der Totengeister auf die richtige Spur führen? Während es immer offensichtlicher wird, daß der Mörder einer von drei sehr mächtigen Männern ist, muß Sano seine Ehre als Samurai mit seiner Pflicht gegenüber dem Shogun in Einklang bringen. Wird die Aufklärung des Verbrechens zu Ruhm und Reichtum für Sano führen oder zu seinem erzwungenen rituellen Selbstmord?
Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Einblicke in die Traditionen und Gedankenwelten der Samurai, vor denen der Kriminalroman zurück tritt“
von sb
Sano Ichiro hat es eigentlich geschafft: Er sonnt sich in der Gunst des Shogun, bewohnt ein prächtiges Haus und auch privat läuft es bestens, steht doch seine Verlobung mit einer jungen Frau aus gutem Hause an. Leider bewahrheitet sich auch hier wieder das Sprichwort „Wer hoch steigt, der kann tief fallen“ und so sieht sich Sano plötzlich mit einer unlösbaren Menge von Aufgaben betraut, die sein bisheriges Leben durcheinander wirbeln.
Zum einen wird der „höchst ehrenwerte Ermittler von Ereignissen, Gegebenheiten und Personen“ mit der Klärung einer schrecklichen Mordserie beauftragt, die einen finsteren Schatten über seine Heimatstadt Edo wirft. In diesem Fall begnügt sich der Mörder nämlich nicht nur damit, seine Opfer vom Diesseits ins Jenseits zu befördern, sondern stellt deren Köpfe auch noch kunstvoll geschminkt an öffentlichen Orten aus. Zum anderen sind da noch die rituellen Vorschriften, die ein Verlöbnis so mit sich bringt und die auch noch mit der geziemenden Würde zu erledigen sind. Und als ob das nicht genug wäre, muss Sano Ichiro sich auch noch der offen zur Schau getragenen Feindseligkeit des mächtigen Kammerherren Yanagisawa erwehren, der letztlich nicht nur droht, seinen guten Ruf sondern ihn auch selbst zu vernichten.
Im Laufe seiner Untersuchungen gerät der Ermittler daher zwischen alle Fronten: Einerseits gehört seine Treue seinem Lehnsherren, an dessen Moral und Lebensweise er jedoch immer mehr zweifelt. Andererseits ist er auch dem strengen Kodex der Samurai unterworfen, der wiederum seinen eigenen Anforderungen an ihn stellt. Und ganz zum Schluss ist Ichiro auch noch ein Mensch, mit seinen normalen Bedürfnissen, Ansprüchen und der Suche nach Wärme und Freundschaft und gerade diese Eigenschaft bereitet ihm bei der Lösung dieses Falles zunehmend Schwierigkeiten.
Das starre Korsett des „Bushido“
Laura Joh Rowland stellt in ihrem Krimi Die Rache des Samurai Sano Ichiros Ringen um die Rolle des Samurai, die den strengen Regeln des „Bushido“ unterworfen ist, in den Vordergrund. Der „Weg des Kriegers“ verpflichtet nach seinen Vorschriften den Samurai zu bedingungsloser Treue gegenüber seinem Lehnsherren bzw. gegenüber seinen Vorgesetzten und steht somit unantastbar über persönlichen Einschätzungen und auch gegenüber der Logik. Diese Logik muss für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht verständlich sein, und so erscheint das Verhalten des eigenwilligen Detektivs oft als verknöchert und in Traditionen erstarrt. Hier ist es jedoch die besondere Leistung der Autorin, die Auffassungen und Werthaltungen Ichiros als Kind seiner Zeit anschaulich und verständlich zu vermitteln. Aber auch Sano Ichiro muss erkennen, dass das starre Korsett der japanischen Traditionen nicht allheilbringend ist und dass insbesondere die, denen er zur Treue verpflichtet ist, sich keineswegs an die Wertvorstellungen halten. Im Zuge des Romans durchläuft der Held daher eine Entwicklung, die ihn zwar grundsätzlich von der inneren Haltung des Samurai entfernt, aber dafür hin zum eigenen denkenden Charakter innerhalb der Traditionen führt.
Der Krimi wird zum Nebenschauplatz
Die Entwicklung Sano Ichiros ist eingebunden in die Suche nach einem Mörder, der offensichtlich von einem alten Rachevorsatz getrieben, eine Blutspur durch Ichiros Heimatstadt Edo zieht. Hier treten leider die Schwachstellen des Romans auf, denn dem durchschnittlich sprachbegabten Leser dürfte es schwer fallen, Namen wie Futsei Matsugae, Tokugawa Tsunayoshi, Oda Nobunaga oder Tokugawa Ieyasa – um nur einige zu nennen – auseinanderzuhalten. Der Versuch der Autorin, die historische Grundlage und die Motive des Mörders zu konstruieren, muss daher im Chaos der Namen und der vielfältigen japanischen Bezeichnungen untergehen. Aber auch wenn es sicherlich das besondere Anliegen eines Kriminalromans sein sollte, die Sparte „Krimi“ zu bedienen und die Jagd nach einem Übeltäter zu schildern, so ist es hier unerheblich, wenn dieses Ziel zur Nebensache geriert. Rowlands Stärke liegt vielmehr darin, dem Leser die traditionellen Strukturen und Zwänge denen der Held und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter unterworfen sind, nahe zu bringen. Dieser Einblick macht letztendlich die Größe dieses historischen Romans aus, so dass die Bewertung von 70° sicherlich nicht für den Krimi, aber für die Darstellung des damaligen Lebens gerechtfertigt ist.
Ihre Meinung zu »Laura Joh Rowland: Die Rache des Samurai«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!

