Die Kinder der Meerfrau von Konrad Hansen

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel „Die Kinder der Meerfrau“, , 572 Seiten. ISBN 3-455-40190-2.

Kurzgefasst:

An einem stürmischen Tag im Jahre 1725 stranden zwei Brüder in einer Bucht an der Ostseeküste und siedeln sich dort gegen den gewaltsamen Widerstand der Einheimischen an. Wenig später retten sie eine rätselhafte Frau aus den Fluten. Aus ihrem Liebesverhältnis entsteht eine ungewöhnliche Familie, deren abenteuerlichen Schicksale bis in die Grönlandsee und auf die dänischen Zuckerrohrplantagen in der Karibik führen.

Der Roman breitet ein Panorama des 18. Jahrhunderts aus, erzählt vom rauhen Dasein an der Küste und auf dem Meer, vom Walfang, von Glücksrittern und kühl kalkulierenden Kaufleuten, vom Sklavenhandel und von dessen Profiteuren.

Das meint Histo-Couch.de: „Poetisch und Gnadenlos zugleich: Eine tiefsinnige Familiengeschichte“

von Rita Del'Agnese

Sie kamen aus dem Meer und siedelten in der Dorschbucht. Die Brüder This und Momme Gregersen hatten ihre Heimat nach dem Tod ihres Vaters verlassen, um ihr Glück in einer anderen Welt zu suchen. Einige Zeit später gibt ihnen das Meer eine Frau: Lena. Die Schiffbrüchige findet bei Ties und Momme, die sich gegen erfolgreich gegen den Versuch der ortsansässigen Fischer, sie zu vertreiben, behauptet haben, ein neues Zuhause. Zum Entsetzen der braven Bevölkerung des nahegelegenen Dorfes werden dem in Sünde zusammen lebenden Trio vier Kinder geboren: Mikkel, Ljuba, Ose und Boje. Alle haben sie ihre Träume und versuchen, diese auf ganz unterschiedliche Art umzusetzen. Davon und vom Kampf Lenas, die als Hexe verschrien wird, handelt Die Kinder der Meerfrau.

Faszinierende Sprachbilder

Autor Konrad Hansen belässt es nicht bei einer extravaganten Story, die in unzähligen Facetten schimmert. Er bietet eine Fülle faszinierender Sprachbilder und haucht seinem Roman dadurch unergründliches Leben ein. Ruhige Momente und Schilderungen lassen zu Atem kommen, ohne den Faden zu verlieren. Unglaubliche Brutalität und ekelerregende Bilder lassen zuweilen den Atem stocken. Begleitet von fast körperlich wahrnehmbaren Sinneseindrücken ist es kaum möglich, sich vom Verlauf der Geschichte zu trennen. Keinen Moment kommt aber der Eindruck auf, dass hier Effekthascherei betrieben wird. Vielmehr präsentiert Konrad Hansen ein poetisch und gnadenlos schönes wie erschütterndes Werk.

Mühelos verknüpft

Hansen hat sich viel vorgenommen: Er erzählt von Lena, Ties und Momme als Lebensgemeinschaft. Er erzählt aber auch von Momme, der sich auf die Suche nach dem eigenen Glück macht und doch wieder dort ankommt, wo er losgezogen ist. Er schildert, wie es Mikkel auf seiner Fahrt mit den Walfängern geht und was aus ihm wird. Er stellt das Schicksal von Ljuba dar, die lange vergebens darauf hofft, ihrem Mann Nachwuchs zu schenken. Etwas, das Ose mühelos gelingt, obwohl das Kind Felix in Sünde aufwachsen muss. Boje, der stille Nachzügler, findet nach einer mystischen Begegnung in den Meerestiefen zur Malerei. Und Felix, der sein Glück in die eigene Hand nehmen möchte, macht sich auf eine lange Seereise und wird mit den Abgründen der Sklaverei bekannt. All diese Erzählstränge gehen in eine eigene Richtung, scheinen sich loszulösen vom Ganzen und sind doch immer wieder verknüpft, so dass niemand dabei verloren geht. Der Wechsel von einem Schicksal zum anderen ist sprachlich so geschickt aufgebaut, dass er weder einen Bruch darstellt, noch dass man Bedauern verspürt, die gerade eben begleitete Person zurücklassen zu müssen.

Auf sich wirken lassen

Die Kinder der Meerfrau ist ein Buch, das man nach der letzten Seite nicht gleich aus den Händen legen mag. So, als wolle man die starken Bilder für einen Moment zurück halten und noch mal auf sich wirken lassen. Es ist auch ein Buch, das man wohl jederzeit wieder zur Hand nehmen und irgendwo aufschlagen kann, um sich in die Geschichte hinein fallen zu lassen und Seite für Seite zu genießen. Wer allerdings das temporeiche Abenteuer liebt, wird mit Die Kinder der Meerfrau nur begrenzt glücklich. Zwar kann das Buch auch diesen Anspruch in manchen Belangen erfüllen, doch wartet es mit einer unglaublichen Tiefe auf, die ein rasches Konsumieren fast unmöglich macht. Die Kinder der Meerfrau verlangt vom Leser mehr, als ein wenig Aufmerksamkeit. Es will mit allen Sinnen erarbeitet werden.

 

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