Der Kreis der Rabenvögel von Kate Mosse

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „The Taxidermist's Daughter“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 400 Seiten.ISBN 3-426-28146-5.Übersetzung ins Deutsche von Klaus Timmermann, Ulrike Wasel.

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Kurzgefasst:

England, 1912: Connie, die Tochter des Tierpräparators Gifford, lebt zurückgezogen mit ihrem Vater in der Nähe des kleinen Dorfes Fishbourne. Connie kann sich seit einem Sturz vor vielen Jahren nicht mehr an ihre Kindheit erinnern; ihr Vater verweigert jegliche Auskunft. Connie spürt, dass etwas nicht stimmt, denn erste Erinnerungsfetzen kehren zurück, sie fühlt sich beobachtet und verfolgt. Als man eine Leiche in den Sümpfen findet, holt die Vergangenheit Connie, ihren Vater und eine Reihe scheinbar unbescholtener Bürger auf grausame Weise ein. 

Das meint Histo-Couch.de: „Düstere Atmosphäre, gepaart mit einer spannenden Handlung“92Treffer

Rezension von Karin Speck

In einem kleinen Dorf in England lebt Constantia. Sie ist eine junge Frau, die ein Geheimnis mit sich herumträgt. Als 12jährige ist sie schwer gestürzt und kann sich seitdem nicht mehr an ihre Kindheit erinnern. Ihr Vater ist nicht bereit über ihre Vergangenheit zu reden. Oft stellt Connie sich die Frage, was damals wohl passiert ist. Dann wird eines Morgens im Sumpf, nahe bei ihrem Haus, eine Leiche gefunden. Was hat diese nur mit ihrem Vater zu tun und warum verhält er sich so seltsam? Die Vergangenheit scheint sie alle einzuholen. Nicht nur Constantia und ihren Vater, sondern auch Menschen, die sie gar nicht kennt, scheinen betroffen zu sein.

Aus dem Leben eines Tierpräparators

Diese schaurige Geschichte spielt im England des Jahres 1912 in einem abgelegenen Dorf an der Küste. Es ist umgeben von Sümpfen und ein schwerer Sturm kündigt sich an. Schon allein die Beschreibungen der Naturgewalten lässt einem Schauer über den Rücken jagen. Damit aber nicht genug, der Vater von Constantia ist ein berühmter Tierpräparator dieser Zeit. Er selbst arbeitet kaum noch, da er mit der Vergangenheit hadert, aber er hat seiner Tochter alles beigebracht, was es darüber zu wissen gibt. Connie arbeitet mit Hingabe in diesem Beruf und die Autorin erzählt hier, wie damals Tiere präpariert wurden. Immer wieder zitiert sie dazu aus einem Werk aus dem 19. Jahrhundert, somit bekommt der Leser schöne Einblicke, wie es damals in diesem Beruf vonstattenging. Manche Szenen sind dabei schon etwas gruselig und auch ein bisschen eklig, also nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.

Viele Geheimnisse, die in einer unbekannten Vergangenheit ruhen

Die Beschreibungen dieses Berufsstandes sind aber nur der Rahmen der Geschichte. Eigentlich geht es hier um die Tote, die nicht unbedingt eines natürlichen Todes gestorben ist. So wird aus dem Roman schnell ein Krimi und der Leser ist mittendrin in einer spannenden Handlung. Connie selbst stellt hier Fragen und begibt sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Sie bekommt dabei unerwartet Hilfe von Harry Doyle, einem jungen Mann aus Chichester. Harry selbst hat damit zu kämpfen, welche Erwartungen das Leben und vor allem sein Vater an ihn stellen. Mit Connie lernt er eine ganz andere Seite des Lebens kennen und gemeinsam kommen sie den Geheimnissen der Vergangenheit und Gegenwart auf die Spur. Auch die Beziehung von Constantia zu ihrem Vater schildert die Autorin Kate Mosse nachvollziehbar. Die Atmosphäre hier ist schon ziemlich düster und schaurig, aber es passt zu dieser Zeit des Jahres 1912.

Nervenkitzel garantiert

Die Autorin wechselt immer wieder die Perspektiven, sodass der Leser mal bei Constantia ist und dann wieder bei Harry. Auf diese Weise erlebt der Leser hautnah mit, wie die beiden den Geheimnissen immer näherkommen und die Lösung finden. Mosse nimmt ihre Leser von der ersten Seite an mit auf diese Reise und lässt sie nicht mehr los. Der Spannungsbogen hält bis auf die letzte Seite.

Der Kreis der Rabenvögel ist ein spannender, schauriger Roman aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein wenig Liebesroman, ganz viel Krimi und vor allem schaurig gute Unterhaltung.  

Ihre Meinung zu »Kate Mosse: Der Kreis der Rabenvögel«

Sagota zu »Kate Mosse: Der Kreis der Rabenvögel«11.02.2017
"Der Kreis der Rabenvögel" von Kate Mosse ist bereits der 5. Roman dieser sehr bekannten englischen Autorin, der ins Deutsche übersetzt wurde (hier vom Übersetzer-Duo Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, denen ich hier ebenfalls meinen Dank für hervorragende Übersetzerarbeit aussprechen möchte): Der Roman erschien 2017 (HC, gebunden) im Droemer-Knaur-Verlag. Das grau-schwarze Cover mit der jungen 'Rabenfrau' weist bedeutungsvoll auf den düsteren, aber überaus spannenden Romaninhalt hin....


Sussex, England, 1912: Contantia Gifford, genannt Connie, wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrem Vater auf, seines Zeichens ein anerkannter und berühmter Taxidermist, der nach der Aufgabe seines Museums ausgestopfter (Vogel)Kuriositäten mit Connie nach Blackthorn House, einem etwas abgelegenen Landgut, zieht. Die ersten 12 Lebensjahre fehlen Connie, die seither 'ab und zu aus der Zeit fällt' durch einen mysteriösen Unfall, nach langwieriger Erholung des Mädchens macht der Vater stets nur sehr vage Andeutungen, was an jenem Tag geschah...

Während der verbitterte Vater u.a. ob der Tatsache, dass die Ergebnisse seines Handwerks mehr und mehr aus der Mode kommen, zum Trinker wird, erlernt Connie (für die viktorianische Zeit ungewöhnlich) die Kunst des Ausstopfens von Vögeln. Die sensible, intelligente Tochter führt Tagebuch und hat - an Amnesie leidend - dennoch 'Erinnerungsblitze', die stärker werden...

Um jenen Abend geht es im gesamten Roman, der zwischen Prolog und Epilog 3 Romanteile hat und stilistisch sehr gekonnt und sprachlich brillant die viktorianische Ära in England mit seiner schaurigen Düsterkeit wieder aufleben lässt; der Leser wird von Beginn an durch den szenischen und glasklaren Schreibstil von Kate Mosse in die Handlung hineingezogen.

Man ahnt, dass sich etwas Mysteriöses, Böses, ja Katastrophales ereignet haben muss, was die kurzen Einsprengsel des "beobachtenden Erzählers" in Kursivschrift noch verstärkt und die Spannung bis ins fast Unerträgliche zu steigern vermag. Ständig fragt man sich, was für ein schwerwiegendes Verbrechen von sog. 'feinen Gentlemen' verübt wurde, bis sich durch das Anspülen einer Leiche die Situation dramatisch verschärft: Die Emotionen peitschen hoch und die ohnehin schon spannungsgeladene Atmosphäre ist vergleichbar mit der Gischt und dem Unwetter, das vom Meer kommend, alles zu überfluten droht. Die Ereignisse spitzen sich zu wie eine Sturmflut, die tatsächlich zum Romanende hin sehr symbolträchtig auftritt...
Es kommt zu einem sturmumtosten 'show down', der den Leser in Atem hält: Kate Mosse hat eine unglaubliche Spannung aufgebaut, die sich auf den letzten Seiten Bahn bricht und mich sehr fesseln konnte.

Etwas unangenehm zu lesen, jedoch der Düsterkeit und der Romanidee entsprechend und sie immer wieder atmosphärisch unterstreichend, fand ich die Auszüge der Beschreibungen über die Kunst der Taxidermie von Mrs. Lee (1820). Diese alte Handwerkskunst gibt der gesamten Rahmenhandlung des Romans einen Teil der Düsterkeit; jener Abend, an dem sich Connie's Unfall ereignete, tut das Übrige und entlarvt einige zuvor völlig unbescholtene Bewohner. Leider kann ich persönlich nur bedingt nachvollziehen, dass es Menschen gab/gibt, die ausgestopfte, tote, präparierte Tiere mögen - hier passen sie jedoch in die Zeit sowie als Rahmenhandlung bestens in den Roman, auch wenn ich selbst mehr das Tote, "Entseelte" in diesen Werken sehe, die andere als Kunst oder gar Schönheit betrachten.

Alle Charaktere, allen voran Gifford selbst, insbesondere Connie, aber auch Harold oder Harry, sind sehr facettenreich und authentisch beschrieben. Connie in ihrer tiefen Liebe zu ihrem Vater mochte ich von Beginn an, ebenso fand ich die landschaftlichen Beschreibungen und den aufkommenden Sturm stilistisch sehr faszinierend. Der Epilog ist ein stimmiger Schluss; der Plot in höchstem Maße spannend: Ich konnte das Buch wirklich nicht beiseite legen.

Fazit:

Ein ganz außergewöhnlicher, wundervoll-düsterer Roman, der mich fesseln konnte, der auch teilweise verstörend war. Kate Mosse gelingt es, das düstere viktorianische Zeitalter herauszubeschwören, große und sehr tiefe menschliche Emotionen zu beschreiben und die verheerenden Konsequenzen, die Verletzungen (sowohl physisch wie auch psychisch) zuweilen nach sich ziehen können. Eine absolute Leseempfehlung mit 5 * und 97° auf der Histo-Couch und einen herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für Lesestunden, wie sie spannender (und einfühlsamer) nicht sein können!
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