Belgravia von Julian Fellowes

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Belgravia“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 448 Seiten.ISBN 3-570-10324-2.Übersetzung ins Deutsche von Maria Andreas.

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Kurzgefasst:

Belgravia beginnt am Vorabend der Schlacht von Waterloo, dem 15. Juni 1815, als in Brüssel die Herzogin von Richmond einen prächtigen Ball für den Herzog von Wellington gibt. Kurz nach Mitternacht kommt die Nachricht, dass Napoleon unerwartet die Grenze überschritten hat. Wellington und seine Truppen müssen umgehend in die Schlacht ziehen. Eingeladen zum Ball sind auch die Trenchards, die durch Geschäfte mit der Armee reich geworden sind. Auf ihre schöne Tochter Sophia hat Edmund Bellasis, der Sohn und Erbe einer der prominentesten Familien des Landes, ein Auge geworfen. Nach diesem Abend wird nichts mehr so sein wie zuvor. Fünfundzwanzig Jahre später werden die beiden Familien noch immer von dem dunklen Geheimnis verfolgt, das am Vorabend der Schlacht von Waterloo seinen Anfang nahm.

Das meint Histo-Couch.de: „"Downton Abbey“ im Herzen Londons!„72

Rezension von Christina Wohlgemuth

Brüssel, am Vorabend der Schlacht bei Waterloo. Auf einem sagenhaften Ball trifft sich ein Liebespaar – bis der Mann in die Schlacht muss. Die Tochter des englischen Geschäftsmanns Trenchard bleibt allein zurück. Fünfundzwanzig Jahre später begegnen sich die Familien des Liebespaares erneut – und werden von der Vergangenheit eingeholt. Um eine neue Liebe zu ermöglichen, müssen sich zwei Frauen zusammentun, die unterschiedlicher nicht sein können …

Julian Fellowes ist einer der geistigen Väter der populären Serie Downton Abbey – und auch hier befasst er sich wieder mit der britischen Gesellschaft. In der Mitte des 19. Jahrhunderts spielend führt der Autor seine Leser in den Londoner Stadtteil Belgravia, wo sich James Trenchard einen Namen mit Investitionen in Bauunternehmungen gemacht hat. Der Autor führt in eine Welt, in der das aufstrebende Bürgertum die Vorherrschaft der alten Adelsfamilien in Frage stellt – und in der es von Intrigen nur so wimmelt …

Klassische Konstellationen mit bekannten Zutaten

Wer in Belgravia die Neuerfindung des Rades erwartet, wird enttäuscht sein. Julian Fellowes begibt sich auf vertrautes Terrain – nicht nur mit Downton Abbey, auch mit seinen weiteren Romanen hat sich der Autor bereits in diesen Gefilden bewegt. Die Routine spürt man und lässt die Geschichte elegant wirken – hinzu kommen alt bekannte Handgriffe: eine Liebe, die an Standesgrenzen zu scheitern droht, leidenschaftliche Mütter, die für ihre Kinder kämpfen, Intrigen und Tratsch.

Das ist grundsätzlich der Stoff, aus dem spannende Romane gemacht werden können – leider kränkelt das Buch nach einem sehr guten Prolog an seinen Figuren, die in ihrer Entwicklung leider stereotyp bleiben und wenig Raum für Überraschungen lassen. Die Figuren entwickeln sich konsequent, bleiben dem Leser aber seltsam distanziert. So wird dem Leser ein grundsätzlich interessanter und spannender Einblick in eine Epoche der gesellschaftlichen Umwälzungen präsentiert – leider schafft es der Autor erst im letzten Drittel, den Leser emotional mitzunehmen und ihm das Schicksal seiner Figuren ans Herz zu legen. Vorher bleibt eine gewisse Distanziertheit.

Überzeugende und gut zu lesende Darstellung der gesellschaftlichen Umstände

Gewinnen kann das Buch über die Darstellung der Zeit und der Gesellschaft, in der es sich abspielt: die Mitte des 19. Jahrhunderts, in der sich England vom “Menschenfresser" Napoleon erholt, ist eine Zeit, in der die alten Ständegrenzen sich nach und nach auflösen und die Geschäftsleute nach oben dringen. Das verzweifelte Ringen des Adels um seine alten Machtpositionen wird ebenso überzeugend dargestellt wie die Aufstrebungsbewegungen der niederen Stände. Das Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienerschaft wird ebenso beleuchtet, wenn auch hier leider die dünne Charakterisierung einiges Potenzial verschenkt.

Letzten Endes ist Belgravia ein solider Gesellschaftsroman, der die damaligen Umstände spannend darstellt, jedoch auf Ebene der Figurenzeichnung hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Möglicherweise hätten dem Roman 100 bis 200 Seiten mehr gut getan, um der Charakterentwicklung mehr Raum zu geben.

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