„;Das Erfinden von Geschichten liegt mir im Blut“;

Sabrina Capitani erzählt im Histo-Couch- Interview über ihr aktuelles Buch, ihre andere Leidenschaft und über ihr nächstes Projekt

Histo-Couch: Frau Capitani, erzählen Sie uns doch bitte ein wenig über sich.  

Sabrina Capitani: Ich bin in Berlin – dem ehemaligen Westteil – geboren, habe alles mögliche studiert (einschließlich eines Kurses „;Physik für Mediziner“;) und habe schließlich einen Abschluss in Publizistik gemacht. Dann war ich einige Zeit in Italien als Au Pair und für Kunststudien. Ich habe bei verschiedenen Berliner Radiostationen moderiert und nebenher geschrieben. Inzwischen schreibe ich und moderiere ein wenig nebenher… ich bin verheiratet und habe einen dicken Kater namens Monsieur Eddie.  
Histo-Couch: Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?  

Sabrina Capitani: Zuerst muss ich aufräumen. Das klingt ziemlich spießig, aber ich kann mich sonst nicht konzentrieren. Also räume ich auf, mache mir einen doppelten Espresso und setze mich an meinen Macintosh. Dann schreibe ich (oder versuche es wenigstens) diszipliniert etwa vier, fünf Stunden, bis die Batterie alle ist (meine). Dann gehe ich joggen, wenn Zeit ist, mache ich anschließend Yoga-Stretching, um wieder aufzutanken. Ich lese viel und aus vielen verschiedenen Gebieten. Zum Arbeitsalltag gehört auch, dass ich, während ein Buch in Arbeit ist, überall Zettelblöcke herumzuliegen habe, auch am Bett. Dort werden Ideen notiert und dann irgendwann integriert.   

Histo-Couch: Und wie kamen Sie zum Schreiben? 

Sabrina Capitani: Das Erfinden von Geschichten liegt mir wohl im Blut. Schon als ganz kleiner Wurm habe ich ständig fantasiert und mich mit unsichtbaren Freunden unterhalten. Meinen ersten „;Roman“; habe ich mit sieben Jahren geschrieben: fünf Seiten in einem Schulheft. Es war ein „;Western“; mit einer Heldin namens Kitty – einem Cowgirl, das männliche Banditen das Fürchten lehrte :))  

Histo-Couch: Eigentlich heißen Sie mit bürgerlichem Namen Sabrina Korsukéwitz. Was hat es mit Ihrem Pseudonym auf sich, wie kam es dazu?

Sabrina Capitani: Ich habe ja auch schon einige historische Romane unter meinem bürgerlichen Namen geschrieben. Aber den konnte sich niemand merken und ich war es auch leid, dass Leute immer ins Stottern kommen, wenn sie meinen Namen sagen. Also habe ich den Verlagswechsel zu Piper als Anlass genommen, mir endlich ein Pseudonym zuzulegen. Capitani war der Name meines Großvaters mütterlicherseits. Er kam aus Sizilien und hat dort Schreibmaschinen repariert. Es hätte ihm sicher gefallen, dass seine Enkelin auf einer seiner geliebten Schreibmaschinen ihre Karriere begonnen hat. Mein Großvater soll übrigens ein notorischer Lügner gewesen sein ;) 

Histo-Couch: Unter anderem malen Sie in Ihrer Freizeit Aquarelle. Hand aufs Herz: Was macht Ihnen mehr Spaß – das Malen oder das Schreiben?

Sabrina Capitani: Spaß – macht beides, wenn es gut läuft. Aber das sind zwei ganz unterschiedliche Schuhe. Ein Bild zu malen ist ein kurzes Feuerwerk von zwei, drei Stunden. Ein Buch beschäftigt mich mindestens zwei Jahre und gehört viel mehr zu meinem Leben. (Ich male übrigens keine Aquarelle, sondern mit Pastellkreide, poppige Bilder in leuchtenden Farben.)  

Histo-Couch: Neben anderen Veröffentlichungen für Erwachsene erscheint in wenigen Tagen ihr vierter historischer Roman. Warum haben Sie sich für dieses Genre entschieden? 

Sabrina Capitani: Das ist irgendwie so gekommen. Ich habe mich früher eigentlich kaum für Historie interessiert, weil sie mir immer so uninteressant präsentiert wurde: Daten, Kriege, große Namen… dann habe ich einmal in der Provence ein uraltes Ruinendorf gesehen, das mich ganz eigenartig berührt hat. Ich habe mich  erkundigt, was da wohl passiert war. Und eine Story begann sich in meinem Kopf zu formen. Ich sah die Gesichter der Menschen deutlich vor mir, hörte sie sprechen und wollte gern ihre Geschichte erzählen. Inzwischen lese ich sehr viel historische Sachbücher, weil ich von Ideengeschichte fasziniert bin, und zwar da, wo sie das Heute berührt.  

Histo-Couch: „;Das Buch der Gifte“; handelt von Christine Pizan, einer der ersten Schriftstellerinnen überhaupt. Wie kamen Sie auf die Idee das Leben dieser interessanten Persönlichkeit zu porträtieren? 

Sabrina Capitani: Christine spukt schon ganz lange in meinem Kopf herum. Sie ist eine der Schlüsselfiguren weiblicher Geschichte.  In den Sachbüchern und wissenschaftlichen Abhandlungen, die ich über sie gelesen hatte, erschien sie aber irgendwie klagend und moralinsauer. Ein Mensch, der sich gegen so viele Widerstände durchgesetzt und den Drang hatte, sich einzumischen, kann aber so nicht gewesen sein. Deshalb habe ich hier einen Gegenentwurf geschrieben. Meine Christine ist kampflustig und hat Humor. Ich habe aber gezögert, so freizügig mit einer sehr bekannten Figur umzugehen. Sie war nicht eine der ersten Schriftstellerinnen, sondern lediglich die erste von der wir wissen, dass sie sich und ihre Familie mit dem Schreiben ernährt hat.  

Histo-Couch: Christine Pizan war nicht nur eine leidenschaftliche Autorin, sondern auch eine „;Verfechterin des weiblichen Geschlechts“;, wenn man das so bezeichnen kann. In Ihrem Buch kämpft sie für mehr Gerechtigkeit und Gleichheit für Frauen. Ist das ein Thema, das Sie persönlich bewegt?  

Sabrina Capitani: Ja sicher. Schließlich sind mir als Mädchen und als junge Frau eine Menge sexistischer Hindernisse in den Weg gelegt worden. Ich hatte schon aus Märchen gelernt, was Frauen alles nicht können und dürfen. Für junge Frauen ist das heute leichter und ich freue mich für sie. Aber es ist noch lange nicht ausgestanden, wie man an der aktuellen Diskussion sieht. Christine de Pizan hat sich vor allem für Frauen-Bildung eingesetzt. Ansonsten war sie noch weit davon entfernt, „;Feministin“; zu sein. Sie war als mittelalterliche Christin ganz damit einverstanden, dass Frauen den Männern „;untertan“; seien, wie es in der Bibel steht, nur sollten die Frauen gerecht und gut behandelt werden.

Histo-Couch: Sie lassen Christine Pizan in Ihrem neuen Roman vor allem gegen die Verleumdung und Gleichmacherei der Frauen durch die Kirche argumentieren. Konnten Sie sich dabei an anderen Autoren orientieren oder haben Sie selbst zu diesem Thema Recherchen angestellt?

Sabrina Capitani: Recherchiert selbstverständlich! Das lässt sich in zahllosen Sachbüchern finden und auch in Schriften von Kirchenvertretern.  

Histo-Couch: Verraten Sie uns doch schon jetzt etwas über Ihr nächstes Projekt. Wird es wieder ein historischer Roman sein? 

Sabrina Capitani: Ja, es wird ein historischer Roman. Er wird in Südfrankreich spielen, weil ich hier halb und halb zu Hause bin und er wird mit Medizin im Mittelalter zu tun haben. Und mit einer Frau, die nach großen Gefahren und einer sehr schweren Enttäuschung lernen muss, wieder Vertrauen zu fassen und die Menschen an sich heran zu lassen – was heute genauso passieren kann wie damals. Mehr kann ich noch nicht verraten.  

Histo-Couch: Vielen Dank für das Interview! Wir werden unsere Leser weiterhin über Sie und Ihre historischen Romane auf dem Laufenden halten. 

Sabrina Capitani: Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Die Fragen stellte Katharina Lewald.
Gestalterische Aufbereitung von Katharina Lewald.