„;Schreiben ist meine Berufung“;

Katia Fox beantwortet die unkonventionellen Fragen der Histo-Couch über Hosenrollen und literarische Vorbilder

Histo-Couch: Bevor wir zu den Fragen über Ihr Buch kommen, interessiert die Leser immer sehr, wie ein Autor zum Schreiben gekommen ist. Wie war es bei Ihnen? Beruf oder Berufung?

Katia Fox: Auch wenn das vielleicht abgehoben klingen mag, ich habe es als Berufung empfunden. Ich fand das Mittelalter als junges Mädchen furchtbar langweilig, bis ich meinen ersten historischen Roman gelesen habe. Das waren Die Säulen der Erde. Sie haben mich zum Lesen dieses Genres gebracht und je mehr ich gelesen habe – Romane, die mir gut gefielen und welche, die ich weniger mochte – desto mehr reifte der Gedanke in mir, ebenfalls zu schreiben. Das ist nun schon über zwölf Jahre her. Da ich weder Historiker noch Schriftsteller war, musste ich unwahrscheinlich viel lernen. Und hier kommen wir wieder zum Beruf: Ich denke, man kann Schreiben lernen, wenn man kritikfähig ist. Talent allein ist das Schreiben wohl bei den wenigsten Autoren, es ist vor allem harte Arbeit.

Histo-Couch: Ihr Debüt Das kupferne Zeichen handelt von einem Mädchen, das sich zunächst zum Schutz als Junge verkleidet und später nur durch die Verleugnung seines wahren Geschlechts seinen Traum, Schmied(in) zu werden, ausleben kann. Aus welchem Grund ist Ihr Buch so erfolgreich? Liegt es vielleicht an der Hosenrolle, an den Fakten über die mittelalterliche Schmiedekunst – oder an etwas ganz anderem?

Katia Fox: Ich habe versucht einen Roman zu schreiben, den ich selbst gerne lesen würde. Dass es so vielen anderen Menschen ebenso geht, macht mich sehr glücklich. Die Schmiedekunst ist ein sehr interessantes Thema, das offenbar sowohl die Frauen, als auch die Männer angesprochen hat. Aber darüber hinaus sind es wohl auch die vielen historischen Details, die den Roman ausmachen. Mein Anliegen ist es dem Leser unauffällig und ohne lehrerhaft zu wirken, so viel Geschichte wie möglich nahe zu bringen, auch wenn die Heldin eine fiktive Figur ist. Ich versuche das zu erreichen, indem ich viele interessante und teilweise sehr wenig bekannte historische Einzelheiten erzähle. Ich nehme die Recherche sehr ernst, verwende sehr viele Beschreibungen aus zeitgenössischen Dokumenten und habe die Korrektheit vieler Details auch von Fachleuten bestätigt bekommen. Ich glaube, dass die meisten Leser das spüren, auch wenn es natürlich einige wenige gibt, die enttäuscht waren, weil sie eine typische Hosenrolle und die üblichen Klischees über das Mittelalter erwartet haben, mit denen das Buch nicht dienen kann.

Histo-Couch: Hosenrollen sind zur Zeit ein beliebtes Thema historischer Romane. Mal angenommen, dieses Motiv wäre absolut out – wie wäre Ellenweores Geschichte stattdessen verlaufen?

Katia Fox: Es ist schön, dass Sie mir diese Frage stellen. Als ich Ellenweores Geschichte geschrieben habe, war mir die Beliebtheit der Hosenrollen nämlich absolut nicht bewusst. Ich habe außer Die Päpstin keinen einzigen historischen Roman mit Hosenrolle gelesen und diese darum auch bei der Entwicklung meines Romans nicht bewusst gewählt. Es hat sich so ergeben, denn ob Sie es glauben oder nicht, starke Protagonisten wie Ellen bestimmen die Handlung ganz enorm. Ebenso wie manche Nebenfiguren, die zunächst nur Statisten sein sollen und sich dann als so präsent erweisen, dass sie einen viel wichtigeren Part bekommen, als ihnen eigentlich zugedacht war. Rose zum Beispiel gehört zu dieser Art Figuren. Aber nun noch einmal zu ihrer Frage: Wäre die Hosenrolle out, dann wäre Ellens Geschichte trotzdem nicht anders verlaufen, denn wie das wahre Leben beugt sich ein Roman nicht nur dem Geschmack der Zeit, sondern vor allem dem dringenden Wunsch des Autors seinen Lesern eine spannende Geschichte zu erzählen.

Histo-Couch: Könnten Sie sich vorstellen die Geschichte Ihrer Heldin Ellen selbst zu erleben?

Katia Fox: Die Geschichte selbst natürlich nicht, ich lebe ja im 21. Jahrhundert und bei aller Liebe für das Mittelalter fahre ich doch sehr gut damit. Trotzdem, der Roman soll den Lesern in erster Linie Mut machen, sich für ihre Ziele einzusetzen, auch wenn sie aussichtslos erscheinen. Viele Menschen zweifeln, ob sie es schaffen können, ihre Wünsche und Träume zu realisieren, fürchten sich vielleicht auch vor einer Niederlage. Ihnen soll Ellen zeigen, woran ich inzwischen ebenfalls fest glaube: dass es sich lohnt für seine Ziele zu kämpfen, zu jeder Zeit und mit aller Kraft. Ellen hat ihre Ziele erreicht, auch wenn es oft schwer für sie war, ans Aufgeben hat sie nie gedacht. Darin sind wir uns ähnlich, nur, dass mein Ziel nicht ein Schwert für den König war, sondern ein historischer Roman …Auch wenn es ein langer Weg war, manchmal steinig und hart und ich immer wieder auch Zweifel hatte, so bin ich heute doch überglücklich, nicht aufgegeben zu haben und kann nur allen raten: macht es wie Ellen, lasst euch nicht unterkriegen, gebt nicht auf!

Histo-Couch: Fiel es Ihnen an einigen Stellen des Romans schwer weiterzuschreiben oder war es für Sie ein einziger „;Schreibfluss“, eine Art Rausch?

Katia Fox: Wie heißt es so schön, Schreiben ist 10% Inspiration und 90% Transpiration und da ist etwas Wahres dran. Bei einem so langen Roman kommt man immer wieder in Phasen, wo man unsicher ist, wie es weiter geht, wo man an einem Scheideweg steht. Soll ich hier lang oder dort lang gehen. In diesen Phasen ist das Schreiben oft eine Qual, aber es notwendig sich ihr zu stellen. Historische Gegebenheiten und Tatsachen ergeben ein manchmal recht enges Korsett, das man nicht ablegen kann, wenn man die Geschichte, also die Historie ernst nimmt und das tue ich! Ellenweore hat mich über zwei Jahre im Alltag begleitet und gehört für mich inzwischen beinahe zur Familie. Sie ist immer bei mir, in jeder Lage. Ich kenne sie wie eine sehr gute Freundin und weiß heute, was sie wann tun würde, aber als der Roman entstand, musste ich sie erst kennen lernen um zu wissen, wer sie ist und das war nicht immer einfach.

Histo-Couch: Über welche Epoche würde es Sie reizen zu schreiben – außer dem Mittelalter?

Katia Fox: Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt und ehrlich, ich habe noch keine Antwort gefunden. Das Mittelalter fasziniert mich einfach zu sehr …

Histo-Couch: Gibt es einen historischen Roman, den Sie gelesen und für gut befunden haben, bei dem Sie spontan dachten: „;Mensch, das könnte ich geschrieben haben.“? Und wenn ja: warum?

Katia Fox: Ich habe einige sehr gute historische Romane gelesen, dass ich einen davon geschrieben haben könnte, habe ich allerdings nie gedacht. Eher, dass ich hoffe, eines Tages auch so toll schreiben zu können.

Histo-Couch: Viele Autoren haben Vorbilder. Falls es Ihnen nicht anders geht – welche Vorbilder haben Sie? Sowohl aus dem historischen, als auch aus dem nicht-historischen Bereich?

Katia Fox: Vorbilder habe ich gar nicht. Es gibt Autoren, die ich sehr schätze, weil sie in meinen Augen gute Romane schreiben, Recherche und Textarbeit ernst nehmen, die haben mich sicher auch in meinem Geschmack und meinem Anspruch geprägt. Aber Idole oder Vorbilder hatte ich ehrlich gesagt nicht einmal in meiner Teenagerzeit.

Histo-Couch: Was glauben Sie: Weshalb lesen so viele Menschen gerne historische Romane? Liegt es vielleicht unter anderem daran, dass man mit dem eigenen Leben unzufrieden ist und sein eigenes Leben als besser bewertet, wenn man liest, wie schlecht es den Menschen in früheren Zeiten teilweise ging?

Katia Fox: Ich glaube, dass das Fremde in der Regel Angst macht und gleichzeitig fasziniert. Beim historischen Roman muss man das Fremde nicht fürchten, da keine Bedrohung davon ausgeht. So kann man sich ganz der Faszination der Geschichte hingeben. Sicher tut es auch vielen Lesern gut zu sehen, dass die Menschen früher unter schlechteren Bedingungen gelebt haben als wir – das ist unbestritten – und dass sie trotzdem ihr Glück finden konnten. Aber die Antwort auf die Frage, warum so viele Menschen (vor allem in Deutschland!) so gerne historische Romane lesen, liegt sicher noch sehr viel tiefer und verführt mich oft zum Philosophieren mit Freunden und Kollegen. Eine konkrete Antwort haben wir aber noch nicht gefunden.

Histo-Couch: Verraten Sie uns noch etwas über Ihr nächstes Projekt?

Katia Fox: Oh ja, sehr gerne. Das Kupferne Zeichen ist der Auftakt zu einer Trilogie, über die ich im Ganzen noch nicht allzu viel sagen möchte. Tatsache ist, dass der zweite Roman so gut wie fertig ist. Es ist die Geschichte von Ellens Sohn, der seinen ganz eigenen Kopf hat und dementsprechend auch nicht vorhat, die Träume seiner Mutter zu seinen eigenen zu machen. Er ist weder begabt für die Schmiede, noch interessiert er sich dafür. Ein Phänomen, das wohl viele Eltern kennen, die hoffen, dass ihre Söhne oder Töchter einmal in ihre Fußstapfen treten. Thema des nächsten Romans ist die Falknerei, ein ebenfalls hochspannender Teil der höfischen Geschichte. Außerdem sind Schwert und Falke die wichtigsten Statussymbole der Reichen und Mächtigen dieser Zeit.

Histo-Couch: Vielen Dank für das Interview und für die Beantwortung dieser etwas unkonventionellen Fragen. Wir werden unsere Leser über Ihre weiteren Projekte informieren.

Katia Fox: Ich danke Ihnen und die Fragen fand ich wirklich sehr gut. Ich würde mich freuen, wenn wir bei Erscheinen des nächsten Romans wieder mit einander sprechen …

Die Fragen stellte Katharina Lewald.
Gestalterische Aufbereitung von Katharina Lewald.