„Herz und Hirn unterscheiden sich doch deutlich“ Björn Bedey

Die Histo-Couch im Interview mit Verleger Björn Bedey über Historische Romane, Verlagsgründungen und dies und das

Histo-Couch: Herr Bedey, würden Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?

Björn Bedey: Als Holsteiner liebe ich das Meer und die Weite. Der Kontrast zwischen der Großstadt Hamburg und meinem Leutewagen auf der Wiese inspiriert mich. Von Natur aus bin ich ein praktisch veranlagter Landmensch, der auch auf seinem Trecker glücklich ist.

Begegnungen mit Menschen schätze ich sehr – Menschenmassen schrecken mich ab. Meine Vielseitigkeit lebe ich: Ich bin meist weiß oder schwarz – selten grau.

Mich interessieren und bewegen Menschen – vor allem die Geschichten der Menschen – und es ist mir eine Passion, diese Geschichten in Form von Büchern weiterzuerzählen.

Histo-Couch: Sie haben 2008 den Acabus Verlag gegründet. Wie kommt man heutzutage auf die Idee, einen Verlag zu gründen?

Björn Bedey: Die Autoren und meine Volontäre haben mich in die Richtung gedrängt oder besser geführt. Obwohl wir damals ein reiner Fachbuchverlag waren, haben wir immer wieder Anfragen von Belletristik-Autoren erhalten. Meine Volontäre waren ganz versessen darauf, auch mal einen Roman zu lektorieren. Irgendwann habe ich dann nachgegeben und Romane lektorieren lassen – parallel haben wir das Konzept zum Belletristik-Imprint entwickelt. Lust hatten wir alle auf Bücher fürs Herz – also zur Unterhaltung! Die Marschrichtung war dann auch schnell klar: Literatur von neuen deutschen Schriftstellern mit der besonderen Note. Wir veröffentlichen viele Titel, die genreübergreifend sind und nicht dem Mainstream entsprechen. Das macht den Vertrieb sehr schwer – ist aber unsere Nische, in der wir uns wohl fühlen. Schließlich war und ist uns ein persönlicher, offener und ehrlicher Umgang mit unseren Autoren und Lesern sehr wichtig. In den ersten Jahren haben wir dann viel probiert und dazugelernt. Mittlerweile ist der acabus Verlag eine bekannte und feste Größe unter den deutschen kleineren unabhängigen Verlagen, mit mehr als 200 lieferbaren Titeln und mehr als 20 Neuerscheinungen pro Jahr. Zahlreiche Nominierungen und Platzierungen bei Buchpreisen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Histo-Couch: Wie sind Sie auf den Namen des Verlages gekommen?

Björn Bedey: Der Name leitet sich aus einer Sage ab, die mir meine Urgroßmutter als Kind öfter erzählt hat. Das acabus ist darin eine Chimäre – also ein Mischwesen. Und was könnte besser zu unserem Programm passen? Wir bewegen uns mit unserem Verlagsprogramm bewusst zwischen dem Alltäglichen und Bekannten – gehen neue Wege – und können so unsere offenen Leser immer wieder überraschen und begeistern. 

Histo-Couch: Wie geht so eine Verlagsgründung vonstatten?

Björn Bedey: Am wichtigsten ist das Team – die Menschen hinter dem Verlag. Mit Daniela Sechtig war die heutige Programmleitung von Anfang an dabei und konnte acabus entscheidend prägen.

Darüber hinaus ist das Ganze eher unspektakulär. Durch den Kauf eines ISBN-Blockes bei der deutschen ISBN-Agentur wird ein neuer Verlag mit einem individuellen ISBN-Präfix geboren. Aufgrund der bei uns bereits existierenden Fachbuchverlage war fast alles vorhanden: Lektorat, Herstellung, Metadatenmanagement, Vertriebsstrukturen und Verwaltung. Nur wenige Anpassungen waren notwendig. Im Bereich Graphik und Marketing mussten wir allerdings vollkommen neue Wege gehen Herz und Hirn unterscheiden sich da dann doch deutlich.

Histo-Couch: Auf der Histo-Couch geht es ja um Historische Romane, die in Ihrem Verlag auch erscheinen. Warum haben Sie dieses Genre mit dazu genommen, wo es doch zum Teil schon totgesagt wird?

Björn Bedey: Geschichte ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Romane aus diesem Bereich sind sicherlich auch Moden unterworfen, können aber auf eine Stammleserschaft zurückgreifen. Da unsere Titel keinen Zugang zum Massenmarkt haben, spielt das Thema der Massentauglichkeit keine Rolle für uns. Im Gegenteil – wir machen sehr gute historische Romane, die anders sind als die Titel von der Bestsellerliste und auch vor der Genrestammleserschaft bestehen können. Hinzu kommt, dass Geschichte eine persönliche Leidenschaft von mir ist. Seit Jahren gebe ich historische Biographien und Sachbücher in unserem SEVERUS Verlag heraus. Leider komme ich immer weniger dazu, auch Einleitungen und Vorworte zu verfassen …

Histo-Couch: Sie sagen, dass die Titel Ihres Verlages keinen Zugang zum Massenmarkt haben – warum ist das so?

Björn Bedey: Dies ist in der Struktur des Buchvertriebs begründet. Wenige Konzernverlage bestücken die Bestsellerlisten – einfach durch optimale Präsentation in den Buchhandlungen mittels sogenannter Werbekostenzuschüsse. Unabhängige Kleinverlage haben einfach nicht die finanziellen Mittel hier mitzuspielen. Die Massentauglichkeit von Titeln geht aus meiner Sicht aber meist auch auf Kosten der Qualität – in dieser Hinsicht können wir damit auch gut leben …

Histo-Couch: Wieviele Historische Romane sind bislang bei Acabus erschienen?

Björn Bedey: Gut 30 Titel – darunter auch einige mehrbändige Romane. Historische Romane sind ein wesentlicher und fester Bestandteil unserer Programmplanung.

Histo-Couch: Lesen Sie selber alle Romane, die in Ihrem Verlag erscheinen?

Björn Bedey: Ich lese fast alle Romane, die im acabus Verlag erscheinen. Romane aus den Genres, die ich auch privat schätze, lese ich immer. Aber die Zeit ist endlich und meine Aufgabenfelder sehr vielseitig. Der Inhalt eines jeden unserer Bücher ist mir aber natürlich bekannt.

Histo-Couch: Haben Sie einen Lieblings-Histo-Roman aus Ihrem Verlag? Und auch einen, der nicht in Ihrem Verlag erschienen ist?

Björn Bedey: Ja – ganz klar: „Mönchsblut – Die Chronik des Nordens. Kampf im Heidenland zwischen Hammaburg und Haithabu“ von Sven R. Kantelhardt. Wie dem Titel zu entnehmen ist, läuft dieser allerdings auch außer Konkurrenz, da er in meiner Region spielt und mir viele Handlungsorte sehr vertraut sind. Was ich an dem Autor Sven R. Kantelhardt so schätze, ist sein bedingungsloser Anspruch auf historische Korrektheit. Auch an diesem Titel kann man unser Profil erkennen: regionale Themen aus unseren Landen, die bisher noch keine große Öffentlichkeit haben. In seinen Folgewerken „Hengist und Horsa“ und „Brand und Mord“ (Band 1 und 2 der „Britannien Saga“) beschreibt Sven R. Kantelhardt den Weg der Sachsen auf die Insel. Ich freue mich auch sehr auf das mehrbändige Werk von Jörg Olbrich zum Dreißigjährigen Krieg. Der erste Teil „Der Winterkönig“ erscheint im Herbst.

Natürlich lese ich auch fremd …Es fällt mir allerdings schwer, hier einen konkreten Lieblingsroman zu nennen. Letzte Woche habe ich gerade „Der Winterpalast“ von Eva Stachniak über Sophie von Anhalt-Zerbst gelesen und davor „Intrige“, ein Roman über die Dreyfus-Affäre von Robert Harris.

Histo-Couch: Wenn man Ihrem Profil bei Facebook folgt, sieht man Sie in großer Frequenz bei zahlreichen Messen auftauchen. Wie wichtig sind Buchmessen egal welcher Größe heutzutage?

Björn Bedey: Die regionalen Buchmessen haben mehrere Funktionen. Das Thema Buch tritt in diesem Kontext zumindest für kurze Zeit in den Fokus der Menschen. Wir als Verlag kommen direkt mit den Lesern in Kontakt, was ansonsten eher schwierig ist. Die direkte Rückmeldung zu Titeln, Covern oder zur Programmplanung ist für uns sehr wichtig. Unsere Autoren erhalten die Möglichkeit zu lesen und wir können uns mit Autoren treffen, die wir aufgrund der Entfernung sonst nur selten sehen. Schließlich können wir auch Bücher verkaufen – ohne die sonst üblichen Handelsmargen. Buchmessen sind die Partys der Buchbranche!

Histo-Couch: Wie sehen Sie den eBook-Markt?

Björn Bedey: Er ist da und hat auch seine Berechtigung. Das eBook wird in den nächsten Jahren weiterhin ein kleiner Nebenmarkt bleiben. Über die Presse wurde das Thema sehr stark in den Vordergrund gestellt – ohne dass die Nachfrage hierzu irgendwie in einem Verhältnis stand. Für die großen Player wie Amazon ist das eBook sehr viel wirtschaftlicher als das Print-Buch – aus diesem Grund wird auch weiterhin versucht werden, den Lesern das eBook aufzuzwingen, aber das wird in Deutschland aufgrund des flächendeckenden Buchhandlungsnetzes und der kulturellen Verankerung in den älteren Generationen wenig Erfolg haben.

Histo-Couch: Hand aufs Herz Haben Sie schon mal einen Roman abgelehnt, der dann in einem anderen Verlag groß herausgekommen ist?

Björn Bedey: Das bekommt man nicht wirklich mit. Bei der Vielzahl der uns eingesandten Manuskripte ist das aber sicherlich schon sehr oft vorgekommen! Wir lehnen Manuskripte ja nicht immer nur ab, weil sie unseren Qualitätsanspruch nicht erfüllen, sondern auch oft, weil wir einfach im entsprechenden Genre keinen Bedarf haben. Schließlich hängt der Erfolg einer Buchveröffentlichung von so vielen Faktoren ab, dass dieser nur sehr schwer vorhersehbar ist.

Histo-Couch: Wenn Sie selber einen Roman schreiben würden und könnten (zeitlich gesehen), in welchem Genre wäre er angesiedelt und was wäre ungefähr die Handlung?

Björn Bedey: Meine schriftstellerischen Ambitionen lagen und liegen eher im Sach- und Fachbuchbereich. Ich habe großen Respekt vor meinen Autoren, die das belletristische Handwerk beherrschen und auch noch das schriftstellerische Talent mitbringen. Am ehesten würde ich eine Biographie über einen einfachen Tagelöhner des 19. Jahrhunderts im Ostseeraum schreiben. Aus meiner Familiengeschichte hätte ich da einige Ansatzpunkte …

Histo-Couch: Geben Sie lieber Einzelromane oder Reihen heraus?

Björn Bedey: Beides macht Spaß! Aber um die Frage zu beantworten: Einen Mehrteiler, der sich sehr gut verkauft, ziehe ich einem Einzelroman, der sich sehr gut verkauft, vor. Darüber hinaus freue ich mich persönlich über mehrteilige Romane, wenn das Niveau gehalten werden kann. Eine gute, unterhaltsame Geschichte könnte für mich gerne ewig dauern – so wie das Leben!

Histo-Couch:  Mal herumgesponnen: Wo sehen Sie Ihren Verlag in zehn Jahren?

Björn Bedey: In zehn Jahren werden wir noch bekannter sein als heute. In den Bereichen historischer Roman, Fantasy und Gegenwartsliteratur sind wir eine feste Größe für Leser, Autoren und Handel. Wir stehen für deutsche, anspruchsvolle sowie moderne Literatur!

Das Interview führte Carsten Jaehner.

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