Die Beutelschneiderin von Helga Glaesener

Buchvorstellung

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Die Beutelschneiderin“,, 432 Seiten.ISBN 3-471-35101-9.

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Kurgefasst:

Nürnberg, 1522: Die schlaue Cressi Nabholz will als Gaunerin hoch hinaus. Doch sie wird verraten und zur Verstümmelung durch den Henker verurteilt. Der junge Geistliche David rettet sie in letzter Minute. Er steckt Cressi zur Besserung in ein Kloster. So will er auch seine eigenen Gefühle für sie im Zaum halten. Doch schon bald flieht die temperamentvolle Frau und taucht in Würzburg unter. Ihr Herz schlägt hoch, als sie dort wieder auf David trifft. Diesmal schickt er sie nicht weg, sondern bietet ihr Arbeit auf seinem Gut an. Aber irgendetwas stimmt nicht. David wird überfallen und verschwindet kurz darauf spurlos. Auf der Suche nach ihm begibt sich Cressi erneut in die Unterwelt.

Ihre Meinung zu »Helga Glaesener: Die Beutelschneiderin«

Timo Linden zu »Helga Glaesener: Die Beutelschneiderin«30.06.2017
Man könnte schon über das Cover streiten, aber da ich mich davon generell nicht beeinflussen lass, bleibt es mal außen vor...

Das Hin- und Herspringen zwischen den Protagonisten in den Anfangskapiteln find ich klasse! Man bekommt die beiden Sichtweisen wie Lebensumstände prima erläutert und ist somit schnell gefangen... aber das war es dann auch schon! Tut mir leid. Zu schnell verfällt das Buch in einen Krimi im Rosamunde-Pilcher-Stil. Die Ereignisse sind vorhersehbar. Ziemlich genau ab den, in meinen Augen völlig unverständlichen und viel zu frühen Zeitsprung im Buch... "zwei Jahre später...".

Historisch leichte Kost! Ok...
Dabei muss ich eindringlich meinem Vorredner widersprechen! Hier ist überhaupt nichts eingehend recherchiert - jeder Realschüler, sofern in Geschichte einigermaßen aufgepasst könnte mehr über diese Zeit berichten! Eben genau "Tilman Riemenschneider" ist doch das beste Beispiel - der Name wird einfach nur kurz, in einem Satz erwähnt!

Zum Ende hin wird versucht, die Spannung etwas zu strecken, in dem immer mal wieder ein Kapitel eines vermeintlich unbekannten eingeworfen wird - gute Idee, mäßig umgesetzt!
Das Ende ist absolut hagebüchen! Aber, da sich der Stil in den letzten 100 Seiten ja herauskristallisiert hat, auch nicht verwunderlich.

Den Wunsch eines Glossar kann ich ebenso nicht nachvollziehen - aber gut, er würde auf einer halben Seite Platz finden!

Zu vernichtend sollte meine Kritik jetzt auch nicht werden, man kann das Buch immerhin sehr schnell lesen, um ebenso schnell wieder ein Neues beginnen!!
Darf mich nur nicht mehr drüber ärgern, dass es so vielversprechend begann.....
PMelittaM zu »Helga Glaesener: Die Beutelschneiderin«24.04.2015
1522: Cressi Nabholz lebt zusammen mit ihrem väterlichen Freund Utz von Gaunereien in Nürnberg. Als sie einen großen Coup landen will, wird sie erwischt und landet schließlich in einem Kloster. Bei ihrer Gerichtsverhandlung lernt sie den Theologiestudenten David von Bimbach kennen. David ist in einer Zwickmühle, er soll sein Studium beenden, gleichzeitig möchte er aber auch das väterliche Gut retten. Davids und Cressis Wege kreuzen sich von nun an öfter, ebenso wie beider Schicksale.

Schon der erste Blick auf und ins Buch ist angenehm, das Cover gefällt mir sehr gut, sowohl farblich als auch das Motiv, erwähnenswert sind noch der schöne alte Druck des alten Nürnberg auf den inneren Buchdeckeln sowie die schön gestalteten Kapitelinitialen. Schön wäre noch ein Glossar gewesen, denn es werden doch einige Worte verwendet, die das Geschehen zwar sehr authentisch machen, die aber nicht jeder kennt – und auch ein Nachwort hätte ich mir gewünscht, in dem ein bisschen auf die Hintergründe der Zeit eingegangen wird und das über tatsächliche Ereignisse und (notwendige) Fiktion erzählt, für mich eigentlich ein Muss in einem (guten) historischen Roman, zumal ich es schön finde, auch etwas dazu zu lernen. Um es vorweg zu nehmen: Der Roman hat mir trotzdem sehr gut gefallen, so dass es deswegen keinen Punktabzug geben wird.

Helga Glaesener hat ein großes Erzähltalent, man fängt an zu lesen und ist in der Geschichte gefangen, mir fiel es sehr schwer, den Roman aus der Hand zu legen. Erzählt wird sehr spannend, die Geschichte wirkt authentisch, der historische Hintergrund, auch wenn er nur dezent einfließt, scheint gut recherchiert. Der Hintergrund der Bauernaufstände und so manche Namen (wie z. B. Tilman Riemenschneider) verschaffen Lesern, die sich schon ein bisschen in der Epoche auskennen, den ein oder anderen Aha-Effekt.

Das Hauptgewicht liegt allerdings auf den Charakteren, ihrer Entwicklung und den Beziehungen untereinander. Cressi war mir von Anfang an sympathisch. Sie wirkt manchmal etwas naiv, wenn man aber die Zeit mit ihrem Aberglauben bedenkt und dass sie bislang keine Bildung genossen haben kann, wirkt genau das sehr glaubhaft. Jeder Charakter ist so glaubhaft gezeichnet, die meisten auch sehr tiefgründig.

Die Geschichte hat mich immer wieder überrascht. Ich hätte z. B., schon auf Grund des Covers, mit vorwiegend romantischen Anteilen gerechnet, bekommen habe ich aber sehr viel Spannung – was mir entgegen kommt. Ich hatte nicht erwartet, dass der Roman sich schon fast zu einem Krimi entwickelt, dass ich so viel Miträtseln kann, es mehr als eine Überraschung gibt und ich mehr als einmal an der Nase herum geführt werde.

Der Roman ist mein erster von Helga Glaesener gewesen und wird sicher nicht mein letzter sein. Er ist sehr packend geschrieben, hat eine lesenswerte und sehr spannende Geschichte mit mehreren überraschenden Wendungen und wartet mit interessanten Protagonisten auf, die sich schnell ins Herz schleichen und mit ebenso interessanten Antagonisten, die nicht alle gleich als solche zu erkennen sind. Mit anderen Worten: Ein perfekter Roman, den ich gerne jedem ans Herz legen möchte, nicht nur Fans historischer Romane, denen aber besonders.
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