Die Heilerinnen von Aragón von Guido Dieckmann

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Die Heilerinnen von Aragón“,, 480 Seiten.ISBN 3-499-27175-3.

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Kurzgefasst:

Emirat Granada, 1359. Behütet von ihrem Großvater Samu, dem jüdischen Leibarzt des Emirs Muhammad, wachsen die Cousinen Floreta und Ceti Seite an Seite auf bis der weltoffene Emir von seinem eigenen Halbbruder gestürzt wird. Floreta und Ceti werden auf dem Sklavenmarkt verkauft, doch es gelingt ihnen die Flucht ins Königreich Aragón. Nur ihre Liebe zu Pflanzen und Kräutern gibt den jungen Frauen die Kraft, an ihrem Traum festzuhalten: Sie wollen Heilerinnen werden. In dem gutmütigen Kapuzinermönch Pablo und dem blinden Sahin, einem Gewürzwarenhändler aus ihrer Heimat Granada, finden sie ihre Lehrer. Doch Neid, Intrigen und Lügen bedrohen ihre Freundschaft. Und ihr Leben ...

Das meint Histo-Couch.de: „Der Traum vom Heilen“86Treffer

Rezension von Annette Gloser

Als im Jahr 1359 der junge Emir Muhammad in Granada gestürzt wird, endet jäh das behütete Leben der Cousinen Floreta und Ceti. Ihr Großvater Samu, Leibarzt und Berater des Emirs, findet den Tod. Die jungen Mädchen sollen in die Sklaverei verkauft werden. Aber ihnen gelingt die Flucht in das christliche Königreich Aragon. Ceti scheint ihr Glück mit dem starken Ruben gefunden zu haben. Floreta dagegen muss sich wohl damit abfinden, dass ihr großer Traum nie wahr werden wird. Immer wieder hat sie sich vorgestellt, einmal als Ärztin zu arbeiten, aber das kleine Dorf, in dem sie jetzt lebt, bietet ihr keine Ausbildungsmöglichkeit. Dann jedoch wird das ruhige Leben der jungen Frauen brutal zerstört und Floreta beschließt, nach Zaragoza zu gehen, in die Hauptstadt Aragons. Vielleicht findet sie ja doch noch eine Möglichkeit, ihren Traum zu verwirklichen und so das Erbe ihres Großvaters anzutreten. Noch ahnt sie nicht, welche bösartige Intrige gegen sie in Gang gesetzt wurde und wie sehr ein Netz aus Lügen und Betrügereien ihr Glück und auch ihr Leben bedrohen wird.

Nur scheinbar eine heile Welt

Guido Dieckmann geht mit Die Heilerinnen von Aragon zurück in eine Zeit, in der nur ein Teil der iberischen Halbinsel christlich war und als ein einiges Königreich Spanien noch in weiter Ferne lag. Und das glückliche Zusammenleben dreier Religionen fand auch in dieser Zeit nur in den Träumen einiger Idealisten statt. Weder das Emirat Granada noch die christlichen Königreiche waren eine Insel der Seligen, auf der jeder nach seiner eigenen Fasson selig sein konnte. Die beiden Protagonistinnen Floreta und Ceti stammen aus einer jüdischen Familie und wachsen im moslemischen Granada auf. Zwar ist ihr Großvater ein geachteter Mann, aber nicht alle Einwohner Granadas schauen mit Wohlwollen auf die Juden und Christen im Emirat und der junge Emir wird auch wegen seiner friedliebenden und fortschrittlichen Politik gestürzt. Später leben die beiden jungen Frauen in Aragon, dessen König ein frommer Christ ist, sich jedoch um Toleranz gegenüber seinen andersgläubigen Untertanen bemüht. Doch die Situation in seinem Land ist schwierig, er ist in einen Krieg mit Kastilien verstrickt, die katholische Kirche kämpft um mehr Einfluss und zwischen den meist christlichen Bürgern und Juden und Moslems als Minderheiten in der Bevölkerung herrscht nicht immer friedliches Einvernehmen.

Der Roman bietet hier einen tiefen Einblick in diese Konflikte. Eine spannungsreiche Geschichte lässt keine Langeweile aufkommen und wirklich böse Bösewichte spinnen fiese Intrigen gegen sehr sympathische Helden. Aber es gibt auch diese Grauzone mit den viel interessanteren Protagonisten. Mit jenen, die man nicht so richtig einordnen kann, die sich nicht entscheiden können, die egoistisch ihre eigenen Ziele verfolgen und manchmal doch etwas Gutes tun oder ein bitteres Schicksal erleiden müssen.

Die Welt der Frauen

Guido Dieckmann erzählt mit viel Engagement und mitreißender Fabulierfreude die Geschichte seiner beiden Heldinnen. Sein Lebensbild von Floreta und Ceti ist fiktiv, beide Frauen sind jedoch historisch belegt und haben tatsächlich gelebt und als Ärztinnen gearbeitet. Der Autor schenkt ihnen in seinem Roman jedoch nichts. Vor allem Floreta muss hohe Mauern überwinden, um letztendlich doch an ihr Ziel zu gelangen. Denn auch bei den Juden war es für eine Frau nicht einfach, einen Beruf zu erlernen und selbständig zu leben. Immer wieder wird die junge Frau mit Engstirnigkeit, mit Verweisen auf die ihr zustehende traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter und auch mit Neid konfrontiert. Ceti dagegen, die es sich zur Aufgabe macht, pflegende Essenzen für die Damen des Königshofes herzustellen, muss gegen die Forderungen der Kirche antreten, die Duftwasser und Schönheitssalben als eitles Teufelswerk verurteilt. Der Autor hat hier zwei sehr unterschiedliche Protagonistinnen geschaffen, die – jede für sich – ihre eigenen Wege finden, Schwierigkeiten zu bewältigen. Dabei gelingt es ihm, die Welt der spanischen Frauen im Mittelalter für den Leser zugänglich zu machen. Viele Details schmücken die Geschichte aus und geben Einblick in das Leben der Frauen im Aragon des 14. Jahrhunderts.

Spannend und interessant

Die Heilerinnen von Aragon ist spannende und interessante Lektüre, ein buntes Genrebild und gleichzeitig die beeindruckende Geschichte zweier starker Frauen. Der Roman hat also recht viel zu bieten und ist durchaus geeignet, Urlaubsabende oder entspannte zu bereichern. Offenbar hat der Autor recht intensiv recherchiert denn er wartet mit vielen historischen Fakten auf, die dem Roman Atmosphäre geben. In seinem Nachwort geht der Autor noch einmal auf diese Fakten ein und es lohnt sich, auch diese Seiten am Ende des Buches zu lesen. Alles in Allem also ein Buch, welches man gerne weiter empfiehlt.

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