Die Feuer von Murano von Giuseppe Furno

Buchvorstellungund Rezension

Die Feuer von Murano von Giuseppe Furno

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Vetro“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 992 Seiten.ISBN 3352008639.Übersetzung ins Deutsche von Annette Kopetzki.

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Kurzgefasst:

1569, die freie Republik Venedig steckt im Klammergriff zwischen den anrückenden Osmanen und dem immer mächtiger werdenden Kirchenstaat. Als eine Explosion in der Werft einen halben Stadtteil vernichtet, ist man schnell von Brandstiftung durch die Türken überzeugt, das Klima der einst so liberalen Serenissima ist vergiftet. Indessen ermittelt Andrea Loredan, Dogensohn und Anwalt des Volkes in einer Serie von mysteriösen Morden. Sie führen ihn auf die Spur eines Spiones in Mönchskutte, eines verschollenen Glasbläsers und einer Geheimgesellschaft weiser Frauen, die von der Kirche verbotene Bücher verstecken. Als Andrea und die Segelnäherin Sofia sich plötzlich auf der Seite der von der Inquisition und der mächtigen papsttreuen Partei Venedigs Verfolgten wiederfinden, wird ihr Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit zum Kampf um ihr Leben und ihre Liebe.

Das meint Histo-Couch.de: „Opulentes Venedig- Epos“89Treffer

Rezension von aho

Im Jahr 1569 herrscht lebhaftes Treiben in der Serenissima. Der Handel blüht, aber auch die Inquisition wird immer mächtiger. Durch den Index des Trienter Konzils wird die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. Die Produktion oder der Besitz bestimmter Bücher, die im Index genannt sind, ist gefährlich und wird schwer bestraft. Die Beziehungen zum Osmanischen Reich sind angespannt. Als Venedig am 13. September plötzlich von einem verhehrendem Feuer heimgesucht wird, werden schnell Stimmen laut, dass nur die Türken dahinter stecken können.

Für den Dogensohn, Andrea Loredan überschlagen sich die Ereignisse. Er arbeitet als Pflichtverteidiger für Straftäter, die in den Pozzi, also den Kerkern des Dogenpalastes einsitzen. Plötzlich sieht er sich mit mehreren ungeklärten Todesfällen konfrontiert. Da ist zum einen die ehrwürdige Äbtissin des Klosters der Celestia. Sie richtet während des Unglücks, in Sterben liegend, noch wichtige Worte an Andrea, die dieser jedoch nicht deuten kann. Zum anderen ist da der Tod des kleinen Tonino Ruis. Er soll während des großen Tumults der Feuersbrunst schändlichen Kirchenraub begangen haben. Anschließend wurde er niedergestochen. Als Täter wird sein größerer Bruder Gabriele Ruis gefangen genommen. Verzweifelt wendet sie die Witwe Sofia an Andrea. Sie bittet Andrea ihr zu helfen und den ihr noch gebliebenen Sohn zu verteidigen. Eine schwierige Aufgabe für den Anwalt. Während er noch versucht, sich über die ganzen Ungereimtheiten klar zu werden, ereignet sich ein weiterer Todesfall. Eine junge Novizin des Klosters Celestia, die Informationen für Andrea hatte, wird tot aus dem Kanal geborgen.

Auch die weltliche Gerichtsbarkeit hat nach dem großen Feuer Venedigs alle Hände voll zu tun. Der Brand hat einen Teil der Schiffswerft samt Flotte vernichtet. Es gilt schnell wieder alles aufzubauen um für eine Schlacht gegen den Feind, das Osmanische Reich, gerüstet zu sein. Der Rat der Zehn, der auch für die Staatssicherheit verantwortlich ist, versucht unter Folter aus dem florentinischen Maler ein Geständnis zu erpressen, dass er ein Spion der Türken ist. Die Hinweise hierfür beziehen die hohen Herren der Serenissima ihrerseits von einem Spion, der für sie arbeitet. Doch die Rolle des Spions, der sich als Mönch Angelo Ricchio ausgibt, wird im Verlauf immer rätselhafter. Außerdem nehmen die Venezianer auch noch einen alten Türken gefangen. Auch bei diesem versuchen sie durch Folter herauszubekommen, ob er etwas mit dem Feuer zu tun hat. Dieser Mann wird ebenfalls ein Klient von Andrea Loredan. Die ganze Sache wird für Andrea immer verworrener. Und während er ermittelt, überschlagen sich die Ereignisse, die sogar ihn selbst in Mordverdacht bringen …

Grandioser Debütroman mit leichten Schwächen

Guiseppe Furno liefert mit Die Feuer von Murano einen sehr umfangreichen Roman mit fast 1000 Seiten über die Serenissima des 16. Jahrhunderts ab. Die Beschreibungen der damaligen Lagunenstadt sind sehr bildhaft und ausführlich. Der Leser kann also komplett in die Umgebung eintauchen und sich alles durch die Erklärungen vorstellen. Auch die Erläuterungen, wie genau der venezianische Rechtsstaat aufgebaut ist und wer welche Rolle spielt, nimmt einen beachtlichen Teil des Romans ein.

Es ist sehr lobenswert, den Leser so detailgetreu einzuweisen. Allerdings kommt es an manchen Stellen zu Wiederholungen, die das Geschehen dann unnötig in die Länge ziehen. Auch was die Aufzählung italienischer Namen und Bezeichnungen betrifft, neigt der Autor zu absolutem Perfektionismus. Auf den Leser wirkt es leider etwas ermüdend, wenn der Lesefluss ständig von italienischen Begriffen unterbrochen wird. Von den fremdsprachlichen Hürden abgesehen, ist der Sprachstil leicht anspruchsvoll. Das Buch fordert schon eine gewisse Konzentration und kann nicht eben mal nebenher gelesen werden.

Wachgerüttelt wird man trotz allem immer wieder während des gesamten Werkes von verblüffenden Wendungen der Handlung. Diese Momente spornen den Leser stets an, weiterzulesen und sind dem Autor als großes Plus anzurechnen. Guiseppe Furno gelingt es, dem Leser eine sehr bildhafte Darstellung des historisch wahren Kerns seines Romans zu vermitteln. Die Wichtigkeit der Stadt bezüglich Handel und der Glasbläserkunst ist trefflich beschrieben und auch wenn man darüber schon manches weiß, erfährt man doch noch Wissenswertes. Weiterhin vermittelt er eine tolle Vorstellung der Macht der Inquisition in der damaligen Zeit.

Von Anfang an laufen verschiedene Handlungsstränge nebeneinander her. Teils führt es auch zu leichten Verständnisschwierigkeiten, bis sich der Knoten wieder löst und man die Bedeutung für das Romangeschehen erkennt. Kleine Nebenhandlungen tragen eher zur Verwirrung bei und es wäre besser gewesen, wenn der Autor hier etwas gekürzt hätte. Man gewinnt den Eindruck, dass Furno vor Tatendrang und Ideen explodiert und alles sofort in seinen ersten Roman packen wollte. Hauptkritikpunkt dieses Werkes neben den eben genannten kleinen Schwächen ist einzig die im Roman geschilderte Seeschlacht. Hier braucht man als Leser doch etwas Überwindung weiterzulesen. Der Kampf zieht sich unendlich in die Länge und ist ebenfalls viel zu ausführlich beschrieben. Wäre nicht die spannende Kernhandlung des „historischen Krimis“, die den Leser neugierig auf die Auflösung macht, wäre man eventuell geneigt an diesem Punkt des Buches aufzugeben.

Feuer, Wasser, Erde, Luft

Der Hauptprotagonist des Romans Andrea Loredan ist dem Leser von Beginn an sympathisch. Er ist in seinem Handeln ein absoluter Ehrenmann und korrekt. Man stellt sich als Leser einen Traummann ohne Fehler vor. Er hilft Sofia Ruis auch über die legalen Mittel hinaus, ist danach aber auch bereit für sein Fehlverhalten absolut gerade zu stehen. Um den jungen Advokaten herum gibt es noch so viele andere beteiligte Personen im Roman, dass ein übersichtliches Personenregister wünschenswert und hilfreich gewesen wäre. Die beteiligten Personen wirken aber alle authentisch und sind gut ins Romangeschehen eingebunden.

Sehr hilfreich für den Leser ist ein mehrere Seiten umfassender Anhang, in dem Furno sehr detailgetreu den wahren historischen Hintergrund und die Begebenheiten in Venedig im 16. Jahrhundert schildert. Daran schließen ein Glossar mit Worterklärungen der wichtigsten italienischen Begriffe und eine historische Karte der Serenissima an. Das fulminante Werk hat Furno in die vier Elemente unterteilt, diese sind in durchnummerierte Kapitel unterteilt. Die Covergestaltung mit dem goldenen Löwen ist für einen „Venedig- Roman“ perfekt gelungen.

Trotz der benannten Schwächen ist der Roman vor allem für Fans der Lagunenstadt absolut empfehlenswert. Es ist ein toller spannender Thriller mit historischem Hintergrund. Hoffentlich legt Guiseppe Furno nochmal einen Roman dieses Niveaus nach.

Ihre Meinung zu »Giuseppe Furno: Die Feuer von Murano«

Angela zu »Giuseppe Furno: Die Feuer von Murano«07.06.2015
Tja - ich hatte die nötige Geduld nicht. Habe den Roman als Hörbuch angefangen. Am interessantesten fand ich noch die Einleitung. Aber dann habe ich aufgegeben.
Wer hat wann gebrannt, wer ist wie zu Tode gekommen, und wer hat wie lange dazu gebraucht.
Ohne Nährwert.
Leider muss ich mindestens 150 Zeichen eingeben, aber das Talent, auch ein uninteressantes Ereignis breitzutreten habe ich leider nicht.
Monika zu »Giuseppe Furno: Die Feuer von Murano«30.01.2014
Einen so tollen Schmöker habe ich schon lang nicht mehr gelesen. Man hat das Gefühl, selbst im Venedig des 16. Jahrhunderts zu sein, in seinen prunkvollen Gebäuden, engen Gassen, kalten, unterirdischen Gefängnissen, die langsam volllaufen, wenn das acqua alta einbricht. Als alte Seglerin haben mich natürlich auch die ausführlichen Beschreibungen des Schiffsbaus im Arsenale, der Werft Venedigs, und der großen Seeschlacht von Lepanto begeistert. Man muss sich dem Roman allerdings schon widmen, ein bisschen Zeit und Konzentration mitbringen, denn die Handlung ist ebenso komplex wie die politischen Verwicklungen dieser spannenden Zeit (das freie Venedig muss dem Papst folgen, um nicht von den Türken überrannt zu werden), und es gibt wenig verschiedene Namen für viele verschiedenen Leute (das war wohl damals so). Aber es lohnt sich! Nicht zuletzt dank einer Venedigkarte und einem gut gemachten Anhang, hat man danach das Gefühl, sich nicht nur prächtig unterhalten, sondern auch richtig viel über Venedig erfahren zu haben. Und man will unbedingt sofort hinfahren!
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