Badisches Wiegenlied von Gitta Edelmann

Buchvorstellungund Rezension

Badisches Wiegenlied von Gitta Edelmann

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Badisches Wiegenlied“,, 378 Seiten.ISBN 3839220122.

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Kurzgefasst:

Baden 1847. Als sich in Offenburg Demokraten aus ganz Baden treffen, ahnt Anna nichts von der bevorstehenden Revolution. Doch bald müssen sie, ihr Bruder Franz und ihre Freundin Luise zwischen Aufständen, Barrikadenkämpfen und Besatzungstruppen ihren Weg finden. Gleichzeitig sucht ein „Radikalenmörder“ die Stadt heim und hinterlässt junge Männer mit durchschnittener Kehle, bevor er spurlos verschwindet. Und dann ist da noch ein preußischer Spitzel, dessen Lächeln Annas Herz schneller schlagen lässt ...

Das meint Histo-Couch.de: „Vom Streben nach Freiheit“82

Rezension von Christina Wohlgemuth

Im Baden des Jahres 1847 kippt die Stimmung immer mehr. Das Volk schielt begierig nach den Errungenschaften der Französischen Revolution, doch die preußische Dominanz will die mit dem Wiener Kongress wieder hergestellt Ordnung nicht aufgeben. Nur zaghaft gibt es erste Verfassung und Volksvertretungen. Immer wieder werden die Hoffnungen des Volkes enttäuscht, Versprechen gebrochen. Inmitten dieser Zeit sucht die junge Anna in Offenburg ihren Weg. Ihre Freundin Luise kämpft begeistert für die Demokratie und die Rechte der Frauen und auch ihr Bruder engagiert sich. Doch in der Stadt geht ein Mörder um, der junge Radikale tötet. Und dann ist da noch ein junger Preuße, für den Anna eine Schwäche hat …

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte sich für das Gebiet Deutschlands mehr als schwierig dar. Zu Beginn des Jahrhunderts sah man sich Napoleons Eroberungsfeldzug gegenüber, die Gebiete am Rhein wurden französisch. Doch mit der Eroberung kamen auch die Errungenschaften der Französischen Revolution. Mit der Beschwörung der Einheit der Nation riefen die Herrschenden ihre Bürger zum Widerstand gegen den französischen Besatzer auf. Doch nach Waterloo sollte durch den Wiener Kongress die alte Ordnung wiederhergestellt werden. Die Ideen waren in den Köpfen der Menschen.

Die Gedanken sind Freitag

Die Epoche der 1848er Revolution wird in der deutschen Erinnerung sehr stiefmütterlich behandelt – das spiegelt sich auch in den historischen Romanen wieder, von denen es zu diesem Thema nur sehr wenige gibt. Die 1848er Revolution wird häufig als großes Scheitern begriffen – das Paulskirchenparlament aufgelöst, der Versuch, dem preußischen König die Kaiserkrone anzutragen, gescheitert. Letzten Endes kam die Reform von oben. Doch der Anteil der Bevölkerung an der Durchsetzung der Ideen sollte nicht zu gering geschätzt werden.

Der Roman erzählt die Erhebung der Menschen und ihres Strebens nach Freiheit am Beispiel der fiktiven Familie Burger, die im badischen Offenburg lebt. In der Stadt stellt die Autorin zu Beginn der Geschichte glaubhaft und anschaulich die verschiedenen Strömungen dar, sortiert die Figuren und stellt sie zugleich dem Leser vor. Anna, die Tochter der Familie, teilt die freiheitlichen Gedanken ihres Bruders, aber gleichzeitig scheint sie auch noch in den alten Traditionen gefangen. Im Gegensatz dazu ihre Freundin Luise, die nicht nur die politisch revolutionären Ideen verkörpert, sondern auch ein neues und modernes Verständnis von der Rolle der Frau hat. So ist der Roman nicht nur eine Geschichte über demokratische und republikanische Ideen, sondern auch eine Geschichte darüber, wie sich das Selbstverständnis der Frau gewandelt hart. Dabei erzählt die Autorin in einem sehr angenehmen Stil und mit spannender Figurenzeichnung, so dass der Leser schnell Interesse am Schicksal der Figuren entwickelt.

Ein Kriminalfall, der nicht wirklich nötig ist

Neben dem Einblick in die Geschehnisse der Jahre 1847 bis 1849 bei denen die Autorin ein wenig Vorwissen voraussetzt, so dass unerfahrene Leser ein wenig ins Schlingern geraten können entwickelt sich noch eine schön erzählte, zarte Liebesgeschichte um die Protagonistin Anna. Ein anderer Handlungsstrang dreht sich um Morde an republikanischen jungen Männern. Dieser Handlungsstrang trägt jedoch kaum zur Geschichte bei. Diese ließe sich ohne Weiteres auch ohne die Morde erzählen, und zwar ohne dass man die Geschichte als solche ändern müsste. Leider verschwindet der Kriminalfall immer wieder über mehrere Kapitel im Nirwana, und lässt den Leser somit eher unzufrieden zurück.

Badisches Wiegenlied ist dennoch ein unterhaltsamer und auch lehrreicher historischer Roman über eine wichtige und viel zu oft unterschätzte Epoche. Ein Roman, der einen tiefen und authentischen Einblick in die Seele eines Volkes gewährt, dem zu viele Versprechungen gemacht und die dann gebrochen wurden, ein Volk, das sich nach Freiheit und Demokratie sehnt. Der Weg dahin wird noch steinig und schwer, aber schließlich erfolgreich sein.

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