Der letzte Pfeil von Frank Schlößer

Buchvorstellungund Rezension

Der letzte Pfeil von Frank Schlößer

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Der letzte Pfeil“,, 240 Seiten.ISBN 3954517752.

»Der letzte Pfeil« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Am Pass zum Ötztal liegt ein Mann, erschossen mit einem Pfeil. Jetzt erzählt der Mörder seine Geschichte. Als die Sippe aus dem Tal einen Mann vor den Wölfen rettet, ahnt niemand, welches gefährliche Wissen er mit sich bringt. Der Fremde kennt das Geheimnis des „Sonnensteins“, aus dem er Schmuck, Werkzeuge und vor allem Waffen herstellen kann. Der Sonnenstein verändert nicht nur das Leben der Sippe mehr, als sie sich je hätte vorstellen können, sondern macht auch Feinde auf sie aufmerksam, die nach den neuen Waffen gieren.

Das meint Histo-Couch.de: „Ich habe Ötzi getötet“75

Rezension von Birgit Borloni

Als 1991 der „Mann vom Tisenjoch“ oder der „Mann vom Hauslabjoch“ gefunden wurde, war das eine weltweite Sensation. Besser bekannt ist der gefundene Körper als „Mann aus dem Eis“ oder einfach „Ötzi“, eine Mumie aus der Steinzeit.

Um seinen Tod, die dazugehörigen Umstände sowie um sein Leben ranken sich zum einen viele Mythen, zum anderen gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Theorien dazu. Letztere hat Frank Schlösser geschickt zusammen gewoben und daraus seinen Debütroman Der letzte Pfeil geschaffen, der den Glauserpreis in der entsprechenden Kategorie gewonnen hat.

Einblicke in das Leben eines Mörders

Als Erzählperspektive wählt Schlösser eine ungewöhnliche Sichtweise, nämlich die des Mörders. Der Leser weiß von Anfang nicht nur, dass der namenlose Protagonist „Ötzi“ töten wird, sondern auch, welche der Figuren „Ötzi“ repräsentiert, doch das tut der Spannung keinen Abbruch. Geschickt eingestreute Hinweise auf das weitere Geschehen, den Mord und seine Gründe halten einen bei der Stange. Zudem wendet sich der erzählende Protagonist immer wieder direkt an den Leser, so als ob dieser mit ihm am Feuer säße und zieht ihn damit immer tiefer in die Geschichte hinein.

Es zeigt sich aber auch der Nachteil der Ich-Perspektive, denn die meisten Figuren bleiben blass, da ihre Gedanken, Gefühle und Beweggründe definitiv zu kurz kommen. Die einzige Ausnahme bildet der Schmied, der vom Protagonisten genau beobachtet und analysiert wird und der neben seinen Taten auch einige seiner Gedanken und Absichten preisgibt.

Steinzeitliche Gesellschaft

Schlösser entwickelt seine Geschichte, die Hintergründe und Motive, die zur Tat führen, langsam. Das gibt ihm genug Zeit, ein Panorama des steinzeitlichen Lebens in einem Alpental zu entwickeln. Er beschreibt das Leben in Abhängigkeit der Jahreszeiten, die Arbeitsteilung innerhalb der Sippe, die Sitten und Gebräuche. Es ist interessant zu lesen, welche Umgangsformen damals herrschten, wie weit entwickelt die Gesellschaft damals vermutlich schon war. Allerdings treten auch hier und da Längen auf, der Spannungsbogen flacht doch mehrmals deutlich ab.

Mit der Ankunft eines Fremden, des „Schmieds“, ändert sich jedoch viel, denn er bringt das Geheimnis des „Sonnensteins“, der Kupfergewinnung, mit sich. Das revolutioniert das Zusammenleben, und die damit einhergehenden Veränderungen in den Abläufen der täglichen Arbeit stellt der Autor ebenfalls kurzweilig und informativ dar. Besonders faszinierend sind die beschriebenen Prozesse zur Kupfergewinnung. Mit welch einfachen Mitteln sie damals gelang, ist schon erstaunlich.

Die populäre Theorie, dass „Ötzi“ damals mit Kupfergewinnung zu tun haben musste, da in seinen Haaren erhöhte Metallkonzentrationen festgestellt werden konnte, wurde mittlerweile von einigen Wissenschaftlern infrage gestellt. Allerdings erst nach der Veröffentlichung des Buchs, so dass man dem Autor keinen Vorwurf machen kann, diese Theorie in seiner Geschichte aufgegriffen zu haben.

Sprachlich nicht durchgehend überzeugend

Sprachlich ist es anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, sich einzulesen, da der Protagonist in seiner eigenen, einfachen Sprache erzählt. Doch im Laufe der Geschichte wird diese Sprache immer passender, da sie dem namenlosen Erzähler seine eigene Stimme gibt. Leider gelingt es Schlösser nicht, diese Sprache wirklich konsequent durchzuhalten. Während es einige Ausdrücke wie „klatschen“ für Sex oder „Sonnenstein“ für Kupfer gibt, die die Steinzeit näher rücken lassen, gibt es wieder Stellen, in denen moderne Ausdrücke und Worte verwendet werden, so dass der vorherige Eindruck wieder zerstört wird. Auch sind die Gedanken des Protagonisten teilweise in einer sehr komplexen Sprache dargestellt, was in deutlichem Gegensatz zur seiner gesprochenen Sprache steht 

In der Skizzierung der steinzeitlichen Gesellschaft zeigt Schlösser auf, wie leicht Täuschung und Manipulation zum gewünschten Erfolg führen, wenn sie überzeugend genug vorgetragen werden und wie leicht Menschen gegeneinander aufgebracht werden können. Genau darin liegt auch ein Spiegel unserer heutigen Gesellschaft, denn bei einem Blick in die Onlinewelt und vor allem der sozialen Medien stellt man fest, dass wir uns in dieser Hinsicht seit der Steinzeit offenbar nicht viel weiterentwickelt haben.

Ihre Meinung zu »Frank Schlößer: Der letzte Pfeil«

Ihr Kommentar zu Der letzte Pfeil

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.