Rungholts Sünde von Derek Meister
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel „Rungholts Sünde“, , 540 Seiten. ISBN 3-442-36311-X.
Kurzgefasst:
Lübeck, zur Passionszeit 1392: Eine Hitzewelle erstickt die Stadt, doch den ehrbaren Bürgen gefriert das Blut in den Adern. Es werden Leichen gefunden, mit Steinen in der Brust an Stelle des Herzens. Auf Bitten des Magistrats ermittelt der bärbeißige Patrizier Rungholt mit seinen Helfern Kapitän Marek und der aufgeweckten Chirurgin Sinje, deren kecker Widerspruchsgeist und medizinische Kenntnisse ihn ziemlich faszinieren. Doch die Lösung des bizarren Falls liegt nicht in der Fremde, sondern bei Rungholt selbst: in seiner größten, ungesühnten Sünde – und bei einem frommen Wanderprediger…
Das meint Histo-Couch.de: „;Glänzend gelungene Fortsetzung“;
von Jörg Kijanski
Bereits Derek Meisters Debütroman „;Rungholts Ehre“ wurde für den begehrten Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „;Bestes Krimi-Debüt“ nominiert. Grund genug, einen kritischen Blick in den zweiten Fall des jähzornigen Kaufmannes zu werfen.Lübeck, 1392: Die Brunnenbauer Allrich und Nantwig stoßen bei ihrer Arbeit auf ein altes Kellergewölbe und finden dort den Leichnam eines Mannes. Diesem wurde das Herz herausgeschnitten und stattdessen ein faustgroßer Stein in seinen Körper gelegt. Richteherr Kerkring steht vor einem Rätsel, denn wie konnte der Tote überhaupt in den zugemauerten Kellerraum hineinkommen und was hat es mit dem Stück einer Stola auf sich, welches sich ebenfalls im Körper des Ermordeten befindet?
Kerkring bittet den Patrizier Rungholt den Mordfall aufzuklären, da dieser zwei Jahre zuvor bereits einmal einen Mörder dingfest machen konnte. Rungholt erklärt sich nur recht widerwillig einverstanden, denn eigentlich ist er ganz mit den Bauarbeiten seiner eigenen Brauerei beschäftigt, bei der rein gar nichts klappen will. Doch die Zusage Kerkrings, Rungholt bei seinem Antrag auf Erlangen des Gutrechtes zu helfen, lässt Rungholts Bedenken schwinden. Der junge, karrieresüchtige Richteherr ist ihm allerdings noch immer nicht geheuer, da dieser vor zwei Jahren gegen Rungholts Lehrjungen Daniel in besagtem Mordfall ermittelte. Doch inzwischen ist einiges passiert: Daniel ist geschäftlich in London unterwegs und seine Frau, Rungholts Tochter Mirke, erwartet ihr erstes Kind.
In Lübeck selbst herrscht große Unruhe dieser Tage und dies nicht nur wegen der Fastenzeit und unerträglicher Temperaturen. Conrad van der Hune, der sogenannte „;Schlächter von Visby“, sitzt in der Fronerei und wartet auf seinen Prozess. Da geschieht ein zweiter Mord und erneut findet man bei dem Toten anstelle des Herzens nur zwei kleine Steine vor. Die Zeit drängt immer mehr, da laufen Rungholt und sein Schiffskapitän Marek Bolge dem Mörder und seinem Helfer direkt in die Arme …
„Pfusch am Bau“ eines Jähzornigen
Gleich das erste Kapitel beginnt fulminant und man weiß sofort, dass er wieder da ist. Rungholt, jener jähzornige Lübecker Kaufmann, der am liebsten mit dem Kopf durch die Wand rennt.
Nein! Nein! Nein!„, belferte Rungholt und wischte sich das Kinn. Etwas Speichel war ihm aus dem Mund gelaufen, so laut hatte er geschrien. Er stippte dem kleinen Handwerksmeister mit dem Ellenstab gegen die Brust. “Wenn ich dir sage, du sollst den Kessel weiter nach vorne setzen, dann hat das zu sein, wie ich das will!„
“Aber Herr, ich dachte...„
“Herrgott! Was du denkst, das ist mir der Schiss an meinem fetten Arsch wert.
Der erfolglose Baumeister Hebestrith und seine Arbeiter haben einen schweren Stand. Plagten Rungholt in seinem Debütroman noch unerträgliche Zahnschmerzen, so wurmt ihn diesmal, dass der Bau seiner Brauerei alles andere als voran kommt. Schlechte Stimmung ist da natürlich vorprogrammiert, zumal er es auch zu Haus nicht leicht hat. Mirke, seine 15jährige Tochter, ist schwanger und so müssen Rungholt und seine Frau ihr Zimmer räumen. Aus diesem wird er regelmäßig hinauskomplimentiert, immer dann, wenn Mirke Schmerzen hat und es sich um eine reine „;Frauensache“ handelt.
Mehrere Handlungsstränge sorgen für Spannung
Neben den beiden vorgenannten „;privaten“ Handlungssträngen sorgt „;Rungholts Sünde“ aber auch ansonsten für spannende Lesefreude. Da ist zunächst die „;Kernstory“, die Jagd nach einem unheimlichen Serienmörder, der seinen Opfern die Herzen entfernt und nebenbei entwickelt sich die Inhaftierung des Massenmörders van der Hune auch anders als erwartet. Hier darf einmal mehr der Richteherr Kerkring den „;Bösewicht“ geben. Zwei alte Streithähne treffen also erneut aufeinander und – so viel darf verraten werden – eine Fortsetzung dieser Fehde ist so gut wie sicher.
Doch zurück zum Serienmörder. Gab es in „;Rungholts Ehre“ nur einen wirklich Verdächtigen, so verrät Derek Meister im vorliegenden Buch schon sehr früh die Identität des Mörders, in dem er diesen namentlich in die Story einführt und zunehmend mehr Platz einräumt. Abwechselnd werden Rungholt und der Mörder bei ihren Taten begleitet und so ergibt sich der Spannungsbogen aus den Fragen nach dem Motiv und was bis zur Aufklärung noch alles passieren wird. Christi Höllenfahrt spielt dabei keine unwesentliche Rolle.
Wiedersehen mit vielen alten Bekannten
Die in „;Rungholts Ehre“ schon angedeutete Reise Rungholts nach Russland wird hier nun endlich aufgelöst und so erfährt man in mehreren ausführlichen Rückblenden, was sich damals ereignet hat und warum die geliebte Irena sterben musste. Am Ende steht Rungholts Sünde fest, er hinterlässt ein blutiges Schlachtfeld – und Irena.
Wer den ersten Teil gelesen hat, darf sich auf ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten freuen. Hierbei haben aber deren Bedeutungen für die Geschichte mitunter stark gewechselt.
War Mirke im ersten Teil noch eine der Hauptfiguren, so taucht sie hier nur noch sporadisch (im Bett liegend) auf. Dafür rückt Kapitän Marek Bolge in den Mittelpunkt der Handlung und steht Rungholt unermüdlich zur Seite. Gemeinsam übrigens mit der Heilerin Sinje, die hier ebenfalls deutlich mehr Platz findet als in dem Debütroman. Nicht immer zur Freude Rungholts. Winfried der Kahle ist erneut mit von der Partie und, wie schon angesprochen, Richteherr Kerkring.
Alles in allem ist „;Rungholts Sünde“ eine glänzend gelungene Fortsetzung, die einen erneut schlagartig ins Mittelalter entführt.
Ihre Meinung zu »Derek Meister: Rungholts Sünde«
- happymartina zu »Derek Meister: Rungholts Sünde« 12.02.2009
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Mich hat noch keins von Derek Meisters "Rungholt" Büchern enttäuscht. Auch wenn ich sonst kein großer Krimi-Fan bin, so stört mich der Krimi hir nicht im geringsten. Ob es an dem Schauplatz Lübeck liegt, oder an der unsympathischen gestalt von Rungholt, weiß ich nicht so genau, aber ich habe die Rungholt Bücher liebgewonnen.
- anath zu »Derek Meister: Rungholts Sünde« 25.11.2007
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Rungholts Geschichte ist spannend und schlüssig erzählt. Der Leser hat den Vorteil, den Mörder recht früh kennen zu lernen und muß sich so nicht mehr das Hirn zermartern,wer es denn nun gewesen sein könnte. Er kann sich zurück lehnen und beobachten, ob der grantige Rungholt es schafft, der Falle zu entkommen.
Problematisch erscheinen mir nun beim Lesen des zweiten Buches vor allem zwei Dinge. Meister läßt offenbar gern Handlungen parallel ablaufen. Leider gerät die Nebenhandlung - in diesem Fall um den Verräter van der Hune - nicht so spannend wie der Hauptteil der Geschichte.Mir persönlich würde es sinnvoller erscheinen,die story mehr auf einen Punkt zu konzentrieren.
Der zweite Punkt ist Rungholt selbst. Auch im zweiten Buch erlebt man ihn nicht in bester Verfassung.Er muß fasten,seine Brauerei wird nicht fertig, seine Tochter kriegt gerade ein Kind und er selbst eine Herzattacke nach der anderen. Er ist cholerisch und brüllt rum,bricht anderen Leuten die Nase und beschimpft sie. Er verliert eindeutig Sympathiepunkte und das ist jammerschade denn er ist wirklich eine Besonderheit in der Histo-Krimi-Landschaft.
Wie soll das nur mit ihm weitergehen ? Ich bin gespannt, ob sein Erfinder die Kurve kriegt.
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