Tod in Wittenberg von Daniela Wander

Buchvorstellungund Rezension

Tod in Wittenberg von Daniela Wander

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Tod in Wittenberg“,, 336 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Ostern 1523: Unter dem Einfluss von Martin Luthers aufwühlenden Schriften brechen die Nonne Käthe von Bora und ein knappes Dutzend ihrer Mitschwestern auf zur Flucht aus dem Kloster, das jahrelang ihre geistige und tatsächliche Heimat gewesen war. Als sie Ihr Ziel Wittenberg endlich erreichen, wandelt sich Erleichterung in Entsetzen: Eine der Schwestern wird ermordet, eine andere ist spurlos verschwunden. Im Schutze von Doctor Martin Luther setzt Käthe alles daran, die Aufklärungsarbeit tatkräftig zu unterstützen, damit der gewagte Neuanfang der Nonnen nicht zum Scheitern verurteilt ist.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine Tote Nonne, die niemand kennt“58

Rezension von Carsten Jaehner

1523. Luthers Schriften verbreiten sich durch das ganze Land, und auch die Nonnen um Schwester Katharina von Bora fliehen aus ihrem Kloster, um nach Wittenberg zu gehen und dort ein neues Leben zu beginnen. Auf dem Weg nach Wittenberg jedoch verschwinden zwei Schwestern spurlos, wobei eine jedoch ermordet gefunden wird. Die andere bleibt verschollen.

Drei Jahre zuvor hat die Wittenbergerin Katharina Roeseling gegen den Willen ihres Mannes Thomasus einen Mord aufgeklärt, und irgendwie fühlt sie wieder diese Faszination und will dem Schützenmeister Burkhardt helfen, den Fall aufzuklären. Burkhardt jedoch sieht zunächst mehr Sinn darin, den Mord aufzuklären und lässt die Vermisste Nonne ausser acht. Katharina und ihre Freundin Marga, die in Burkhardt verliebt ist und er in sie, aber sie gestehen es sich gegenseitig nicht ein, verfolgen hingegen die Idee, sich um die vermisste Nonne zu kümmern.

Während die übrigen Nonnen nach und nach verhört werden und Käthe von Bora mehr und mehr unter dem persönlichen Schutz Martin Luthers zu stehen scheint, geht es an beiden Suchfronten nicht recht voran. Vielmehr entdeckt man Hinweise auf die jeweils andere gesuchte Person. Als sich die Beweise verdichten, dass zumindest die gesuchte Nonne noch lebt und sie in Gefahr sein könnte und es einen Zusammenhang zur getöteten Nonne geben könnte, wird es auf einmal ein Suchen gegen die Zeit.

Wittenberg zur Luther-Zeit

Bereits zum zweiten Mal schickt Daniela Wander die Dame Katharina Roeseling in verbotene Ermittlungen. Katharina hat sich inzwischen in Wittenberg eingelebt und ein paar Freundschaften gemacht, während ihr Mann Thomasus weiterhin ein bisschen zwiespältig ist. Wiederum geraten sie und ihre Freundin Marga mehr oder weniger zufällig in die Ermittlungen. Margas Angebeteter Burkhardt ist zuständig für die Ermittlungen, kommt aber nicht voran. Alle gefragten Nonnen geben an, sowohl die getötete als auch die vermisste Nonne fast nicht gekannt zu haben. Beide waren nicht freiwillig und nur auf Zeit da, keine von beiden sollte die Weihen empfangen. Man hat fast nie miteinander gesprochen, und es ist allen einfach ein Rätsel.

Natürlich kommt Burkhardt nicht auf das einfachste, nämlich dass es einen Zusammenhang geben könnte. Wäre er darauf gekommen, hätte er vielleicht zunächst in eine andere Richtung ermittelt und das Buch wäre nach 100 Seiten zu Ende gewesen. Da er sich aber zunächst für die Ermittlungen im Mordfall kümmert, beschliesst Marga, ihrem heimlich geliebten Burkhardt zu helfen, und natürlich hilft Katharina ihr. Katharina muss sich immer wieder bei ihrem Mann entschuldigen und Ausreden suchen, damit sie mit ermitteln kann, und da sich dies wie ein roter Faden durch das ganze Buch, wie auch schon durch Aufruhr in Wittenberg zieht, ist man als Leser schnell ermüdet und mag gerne weiterblättern, um nicht die seitenlangen Monologe in Selbstzweifeln und Liebeszweifeln und doch des Nicht-Gehorchens Katharinas über sich ergehen zu lassen. Der Leser versteht dies bereits nach wenigen Seiten, wird von der Autorin aber gerne immer wieder auf Katharinas Charakterschwäche hingewiesen. Das ist fürchterlich und sogar langweilig, hieran sollte die Autorin unbedingt arbeiten.

Der Leser wird genervt

Im Grunde lässt sich sagen, dass sich alle Beteiligten stets für das am weitesten dem logischen Denken entferntesten Schlüssen widmen, und so geht es zunächst lange überhaupt nicht voran, so dass man sich als Leser bereits fragt, wie es denn überhaupt einmal vorangehen mag. Glücklicherweise erscheint der Deus ex Machina in Form des Verlobten der vermissten Nonne, der zufällig auf Katharina trifft, die ihm natürlich gegen den Willen ihres Mannes hilft. Immerhin weiss Thomasus inzwischen, dass Katharina ihm trotz seines Verbotes helfen wird, aber auch das ist keine neue Erkenntnis.

Wenn es am Ende in einem verlassenen Waldanwesen zum Showdown kommt, hat man fast vergessen, dass der Ursprung der Geschichte ja ein Mordfall war. Das Ende kommt recht abrupt und lässt beim Leser ein unbefriedigendes Gefühl zurück, als ob nicht mehr Seiten zur Verfügung gestanden hätten und das Buch doch noch ein zufriedenstellendes Ende haben müsse. So ist dieser zweite Kriminalroman aus Wittenberg mit Katharina Roeseling als unerlaubter Ermittlerin leider keine gelungene Fortsetzung. Zu nervend die Charaktere, zu wenig Handlung, zu viele Zufälle, zu wenig originelle Ideen. Wenigstens hat der Roman nicht das Prädikat „Ein Luther-Roman“ mehr bekommen, denn der Auftritt Luthers rechtfertigt an Masse in keinem Fall eine Erwähnung auf dem Titel. Der Roman hat keine Zugaben wie Nachwort, Personenverzeichnis oder ähnliches und kann eigentlich nur durch seine wenigen Beschreibungen Wittenbergs glänzen. Historisch ist der Roman auf jeden Fall, ein Kriminalfall irgendwie schon, auch wenn man es den Protagonisten nicht anmerkt, aber eine gelungene Fortsetzung nur in Maßen. Sollte die Autorin ihrer Ermittlerin einen weiteren Fall gönnen, muss doch deutlich an mehreren Schrauben gedreht werden, um den Leser in einer spannenden und weniger enervierenden Handlung festzuhalten. Daher leider nur eine bedingte Empfehlung für Leser, die Wittenberg mögen und in 2017 wirklich alles lesen, was den Namen Luther enthält. Als Kriminalfall enttäuscht Tod in Wittenberg leider. Das geht besser!

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