Der Himmel über Palermo von Constanze Neumann

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der Himmel über Palermo“,, 224 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Palermo, 1881: Mit der ganzen Familie reist Richard Wagner nach Sizilien. Auch seine Stieftochter Blandine von Bülow ist dabei, Cosimas Tochter aus erster Ehe. Während Wagner sich zurückzieht, um den Parsifal zu vollenden, nehmen Cosima und ihre Töchter am gesellschaftlichen Leben teil. Vor allem Blandine, sorgt für Aufsehen und erliegt selbst dem Zauber der alten, prächtigen Palazzi, der prunkvollen Feste und einer Landschaft, die keinen Winter kennt. Auf einem Ball in der Silvesternacht begegnet sie Graf Biagio Gravina, Spross einer der ältesten Adelsfamilien der Insel, der ihr schon bald den Hof macht. Könnte sie glücklich werden in dieser fremden, exotischen Welt?

Das meint Histo-Couch.de: „Richard Wagner alleine reicht nicht“75

Rezension von Rita Dell'Agnese

Um der heimatlichen Kälte zu entkommen, reist Richard Wagner im Herbst 1881 mit seiner Familie nach Palermo, wo er den Winter verbringen will. Der exaltierte Musiker lässt sich in Sizilien hofieren und reagiert äußerst verstimmt, wenn sich in dem gediegenen Hotel nicht alles nach ihm richtet. Immerhin will er in Sizilien den Parsifal fertig komponieren. Mit der Familie gereist ist auch Blandine von Bülow, die Tochter aus erster Ehe seiner Frau Cosima. Sie freundet sich bald mit der jungen Sängerin Caterina Scalia an, die danach giert, ihre Stimme dem Maestro vorzuführen. Blandine ist im richtigen Alter, um in die bessere Gesellschaft Palermos eingeführt zu werden. So begegnet die junge Frau Biagio Gravina, dem zweitgeborenen Sohn aus adligem Haus. Blandine erliegt dem Charme des jungen Mannes. Als er schon bald um ihre Hand anhält, glaubt sie, das Glück gefunden zu haben.

Es braucht viel Zeit, um warm zu werden

Die Autorin Constanze Neumann hat viele Details über den berühmten Komponisten Richard Wagner und seine Familie zusammengetragen. An diesem Wissen lässt sie auch ihre Leserinnen und Leser teilhaben. Sie spickt ihren Roman mit vielen Details zu Wagner und seinen Lieben. Während es den eingefleischten Wagner-Fans nicht zu viele Einzelheiten sein können, wird es anderen Leserinnen und Leser im Laufe des Romans etwas zu viel. Die Launenhaftigkeit des Maestros wirkt auf Dauer ermüdend, zumal sie wenig zum eigentlichen Verlauf des Romans beiträgt. Hin und wieder taucht beim Lesen die Frage auf, ob es denn nun um Richard Wagners Befindlichkeit geht, oder um das Glück der Stieftochter Blandine. Immerhin führt der Roman den Untertitel Blandine von Bülows große Liebe. So würde man sich wünschen, näher an Blandine heran zu kommen. Doch bleibt die junge Frau enorm distanziert, sie wirkt blutleer und konturenlos. Dazu kommt, dass Blandine sich eher wie eine junge verwöhnte Frau verhält, denn wie eine verliebte Ehefrau. Es erweckt den Anschein, als könne sich die Autorin nur schwer für die Figur erwärmen. Damit hält sie die Leser ebenfalls auf Distanz, es braucht also sehr viel Zeit, um mit der Protagonistin warm zu werden. Mehr Nähe zu Blandine von Bülow wäre durchaus ein Gewinn für den Roman gewesen, hier hätte man bei den verschiedenen Befindlichkeiten Wagners problemlos Abstriche machen können.

Starke Beschreibung Palermos und seiner Gesellschaft

Während die Handlung verhältnismäßig unspektakulär bleibt und streckenweise gar etwas vor sich hindümpelt, gibt es durchaus starke Elemente in diesem Roman. Zu diesen gehört zweifellos die Darstellung von Palermo im ausgehenden 19. Jahrhundert. Hier erweckt Constanze Neumann etwas zum Leben, über das nur selten geschrieben wird. Die gesellschaftlichen Gegebenheiten sind ebenso facettenreich beschrieben, wie die örtlichen. Die Liebe der Autorin zu Palermo ist mühelos durch die Zeilen zu lesen und bildet die Grundlage für den farbenfrohesten Teil des gerade mal 220 Seiten umfassenden Werkes. Die süffige Sprache, mit der Constanze Neumann ihr Publikum verwöhnt, tut ein Übriges dazu, den Unterhaltungswert des Buches zu steigern.

Constanze Neumann hat viele Fakten zusammengetragen und wollte wohl tatsächlich das Leben der Stieftochter Wagners skizzieren. Dazu hätte sie dem berühmten Komponisten durchaus eine Statistenrolle zugestehen können. So nimmt er aber zu viel Raum ein und verdrängt die junge Blandine zeitweise stark aus dem Rampenlicht, was es den Lesern nicht eben einfach macht, dem Schicksal der jungen Frau mehr als ein gemäßigtes Interesse entgegen zu bringen. Als Durchschnittleser mag man sich eine etwas üppigere Ausarbeitung der Charaktere wünschen und weniger Konzentration auf eine berühmte Figur. Richard Wagner alleine reicht eben doch nicht, um einen historischen Roman spannend zu machen.

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