Das Erbe der Radlmeiers von Carl Oskar Renner

Buchvorstellungund Rezension

Das Erbe der Radlmeiers von Carl Oskar Renner

Originalausgabe erschienen 1984unter dem Titel „Die Radlmeiers“,, 464 Seiten.ISBN 3475544784.

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Kurzgefast:

Benedikt Radlmeier kehrt aus dem Russland-Feldzug zurück und wird Parkaufseher im Englischen Garten. Dort begegnet er im April 1814 Max I. Joseph. Von da an geht es aufwärts. Sein Sohn Ambros verdankt dem König seine Stellung als Hofkutscher und hofft nun, die Gunst der jungen Charlotte von Hagn zu gewinnen. Diese träumt jedoch von einem Leben als Schauspielerin und benötigt dafür einen Mann mit viel Einfluss. 

Das meint Histo-Couch.de: „Nüchterne Familiengeschichte“73

Rezension von Nicole Goersch

Ambros Radlmeier wächst als Sohn eines Parkwächters auf. Als dieser den König Max I. von Bayern im Englischen Garten trifft, wendet sich das Schicksal seiner Familie. Ambros wird Hofkutscher und bereitet so den zukünftigen Generationen den Weg.

Die Geschichte beginnt 1814 und endet mehr als einhundert Jahre später. Der Leser begleitet also nicht nur Ambros auf seinem Lebensweg, sondern noch ein Stück darüber hinaus den der nachfolgenden Generationen. Dabei treten zahlreiche historisch verbriefte Personen auf, die in dem hauptsächlich in München und Bayern angesiedeltem Ambiente stimmungsvoll agieren.

Altbackene Schreibweise

Leider braucht es etwas, bis die Erzählung in Schwung kommt, was vor allem daran liegt, dass wenig wörtliche Rede benutzt wird. Das hat wiederum den Effekt, dass der Leser schwer an die Charaktere herankommt, stets eine Barriere dazwischen zu bestehen scheint. Gedanken oder tiefergehende Gefühle der Personen werden vollkommen ausgespart.

Hinzu kommt, dass der Roman, erstmals Mitte der 1980er Jahre erschienen, in einer altbackenen Sprache verfasst ist, wie das Beispiel auf S. 47: „gewärtig des Winkes der Hausfrau“ zeigt. Das wirkt äußerst bieder und hemmt den Lesefluss, so dass das erzählerische Schwelgen zu kurz kommt.

Es werden einige historisch belegte Ereignissen erwähnt wie der Neubau des Hoftheaters, allerdings reicht dem Autor dafür eine halbe Seite aus. Das ist schade, weil durch bilderreiche Ausschweifungen die Fantasie des Lesers hätte angeregt und animiert werden können.

Episoden erzählen das Leben

Zwischen den einzelnen Kapiteln vergehen mitunter mehrere Jahre, was aber durch unmittelbare Anmerkungen direkt deutlich gemacht wird. Im Verlauf des Romans werden zudem die Geschichten interessanter, während man sich zu Beginn noch unschlüssig war, weshalb gerade manches ausführlicher dargelegt und anderes nur kurz angeschnitten wurde.

Je mehr man jedoch liest, desto besser findet man sich mit dem rationalen Stil zurecht und kann die Anekdoten genießen, wenn zum Beispiel diskret über Kathrinchens Leben berichtet wird, warum sie ihren Sohn bei der Mutter lässt und auszieht.

Geschichtlich versiert

Besonders hervorzuheben sei, dass Carl Oskar Renner nicht nur ein Kenner des Münchner Ambientes des 19. Jahrhunderts war, sondern auch ein sachverständiger Historiker, der die berühmten und berüchtigten Persönlichkeiten der damaligen Zeit geschickt in den Kontext einbindet, ohne sie dabei bloßzustellen. Da ist es durchaus hilfreich, am Ende in einem Glossar die unbekannteren Begriffe zu erläutern.

In Das Erbe der Radlmeiers steckt ein wenig zu viel geschichtlich-nüchternes Sachbuch, um den Leser wirklich fesseln zu können. Die sachliche Sprache verhindert ein Abtauchen zwischen die Zeilen und ein Mitfiebern mit den Charakteren, so dass die Distanz nie ganz abgebaut werden kann, auch wenn die Begebenheiten im Verlauf des Buches detaillierter werden und das Lokalkolorit sich mehr entfalten kann. Dazu tragen auch ein paar Sätze im Dialekt bei. 

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