Die dunklen Krieger von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Warriors of the Storm“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 496 Seiten.ISBN 3-499-27218-0.Übersetzung ins Deutsche von Karolina Fell.

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Kurzgefasst:

Ein brüchiger Friede herrscht in England. Das Königreich Mercia im Norden wird nun von Æthelflæd regiert, Tochter des verstorbenen Königs Alfred. An der Nordgrenze des Landes hat sie ihren erfahrensten Kriegsherren installiert, Uhtred ist sein Name. Und aus dem Norden kommt auch der Feind, ein mächtiges Heer aus Iren und Nordmännern, angeführt vom furchtbaren Ragnall Iverson. Ragnall hat einen Bruder, mit dem Uhtred sich in der Vergangenheit schon gemessen hat, den er als Krieger achtet und dem er seine Tochter zur Frau gegeben hat. Bald kommt Zweifel auf im Reiche Mercia, woran Uhtred sich am Ende mehr gebunden fühlen wird: an Lehnseid oder Blutverwandtschaft.

Das meint Histo-Couch.de: „Kämpfe für und mit der Familie“95Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Uhtred von Bebbanburg ist an der Nordgrenze des Landes, das von Ragnall Ivarson bedroht wird. Ragnall fällt in das Land ein und will es erobern, und er hat ein großes Heer und viele Krieger, die für ihn in den Kampf ziehen. Uhtred hingegen hat nicht viele Krieger, untersteht dafür aber seiner Herrin Æthelflæd, Tochter von König Alfred und Herrscherin über Mercien. Ragnall hat einen Bruder, Sigtryggr, der er allerdings sein Feind ist. Und Sigtryggr hat eine Frau. Stiorra heißt sie und ist die Tochter von Uhtred von Bebbanburg.

Zwar ist klar, dass Ragnall angreifen wird, doch nicht wann und von wo. Uhtred sendet seine Boten aus, um festzustellen, was Ragnall vorhat. Als die ersten Kämpfe gekämpft sind und Ragnalls Herr dezimiert, aber immer noch übermächtig ist, beschliesst Uhtred, nach Irland zu gehen und dort Sigtryggr und seine Tochter Stiorra zu holen – gegen den Willen seiner Herrin Æthelflæd. Er stellt fest, dass Ragnall seine Männer erpresst und sie keineswegs folgsam wären, wenn sie die Wahl hätten. So erweitert Uhtred sein Heer um in den Kampf gegen Ragnall zu ziehen.

Große Erzählkunst

Bereits zum neunten Mal schickt Bernard Cornwell seinen Helden Uhtred von Bebbanburg in die Schlacht(en), und so mancher Leser vermutet, dass dies doch langweilig sein müsse, immer dieselben Leute metzeln sich durch die Schlachtfelder, der Gute siegt, es fliesst reichlich Blut, Frauen haben nichts zu sagen und am Ende wird durchgeatmet und sich auf die nächste Schlacht vorbereitet. Am Ende der Buchreihe, deren finaler Band noch nicht in Sicht ist, steht die große Vereinigung der Britischen Lande, ein England, oder Englaland, wie Alfred es sich erträumt hat. Man muss sagen, die Leser, die das vermuten, haben Recht.

Denn genau das ist es, was die Romane der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell auszeichnet. Er erzählt aus der Sicht eines Kämpfers, wie England entstand, und das tut er ausführlich, detailgetreu und dabei äusserst unterhaltsam. Immer wieder lernt der Leser viel über die Zeit und die Sitten und Gebräuche der Sachsen, Dänen und Nordmänner, vor allem auch über die Nordischen Götter und die Christen mit ihrem einen genagelten Gott, und schon fühlt man sich hineinversetzt in das 9. Jahrhundert in Britannien, als das Leben noch so ganz anders war als heute.

Taktik und Schlachtengeschehen

Cornwells Beschreibungen von Schlachten oder auch nur kleinen Kämpfen sind eher Beschreibungen von Taktik und Überlegungen und kommen natürlich nicht ohne die eine oder andere blutige Nase (unter anderem) aus. Doch ist dies immer ein Mittel, sich in die Kämpfer hineinzudenken und nachzuvollziehen, was in Ihnen vorgeht, bevor sie sich in die Schlacht stürzen. Somit entzieht der Autor der Schlacht zwar nicht das Grauenvolle, aber er macht es persönlicher und damit verstehbarer.

„Wir schrecken vor der Schlacht zurück, Angst schlägt ihre Krallen in uns, die Zeit scheint stehen zu bleiben, über allem liegt eine Stille, obwohl tausend Mann brüllen, und in diesem Moment, wenn wildes Entsetzen das Herz anfällt wie ein in die Enge getriebenes Tier, muss man sich in all das Grauen stürzen.

Denn der Gegner fühlt genauso.“

Die dunklen Krieger ist bislang der wohl familiärste Band der Reihe. Neben seinem Sohn, der auch Uhtred heisst und der tapfer mitkämpft, kehrt auch Uhtreds jüngster Sohn wieder ins Geschehen zurück. Einst verstossen, weil er Christ und zudem Priester wurde und nun Pater Oswald heisst (statt Uhtred), ist er trotzdem sein Sohn, und wenn die Zauberin Brida, einst Geliebte Uhtreds, sich des Jungen Priesters angenommen hat und ihn gequält hat, ist es an der Zeit für den Vater, sich um seinen Sohn zu kümmern und um dessen Peinigerin, jeder so, wie sie bzw. er es verdient.

Die Familie

Neben den Söhnen schart Uhtred auch seine Tochter Stiorra und seinen Schwiegersohn Sigtryggr um sich, beide haben auch eine Tochter, und was gäbe es für einen wichtigeren Grund zu kämpfen als die Familie, und das tut Uhtred ausgiebig. Zur Hilfe steht ihm wie schon so oft Finan, der tapfere Krieger, und auch sonst trifft man immer wieder alte Bekannte, die nur zu gerne ihr Schwert für den Großen Uhtred ziehen und den Nordmännern um Ragnall zu zeigen, wer Herr im Lande ist.

Mit Die dunklen Krieger hat Cornwell einen intensiven neunten Band seiner Saga geschrieben, der Fans wieder begeistern dürfte und Neugier auf den zehnten Teil macht. Die üblichen Beigaben wie Karten, Namensregister und einem erklärenden, hochinteressanten Nachwort ergänzen den hervorragenden Roman, den man sich als Cornwell-Fan und auch generell als Fan gut geschriebener historischer Romane nicht entgehen lassen sollte. 

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Die dunklen Krieger«

Manfred Rathunde zu »Bernard Cornwell: Die dunklen Krieger«28.11.2016
BERNARD CORNWELL –

Uhtred 9 - Die dunklen Krieger

Wyrd biđ ful āræd. Ja, das Schicksal. Ist launisch, nicht vorhersehbar, eigentlich gar nicht gut drauf in vielen Fällen. Uhtred von Bebbanburg macht wieder seine Aufwartung und tobt, derzeit, in Mercien, das mittlerweile von Æthelflæd, der Tochter Alfred des Großen, König von Wessex, der, von Anfang an, von einem geeinten England geträumt hatte, regiert wird, herum. Edward, ihr Bruder und der Thronfolger des beherzten Sachsenkönigs, gurkt seiner Schwester nur hinterher. Uhtred, eigentlich ist er ja schon ein alter Mann, der mal eher seinen Enkeln beim Spielen zugucken sollte und so manche Geschichte erzählen könnte, am Kamin im heimatlichen Palas, der seinen Traum der Rückeroberung Bebbanburgs immer hinter die Interessen seiner ehemaligen, oder noch Geliebten, Æthelflæd zurück gestellt hat, darf sich dann mal wieder richtig ins Licht rücken, so alt ist er dann wohl doch noch nicht. Verwenden wir „Erfahren“. Bernard Cornwell hat mit Uthred einen Charakter erschaffen, den viele Autoren gesucht haben, nur, wenige haben ihn gefunden. Uhtred von Bebbanburg hat mittlerweile viele Leser. Nicht nur, weil sogar die Katzen mitlesen, zumindest die Kater, die heißen ja jetzt so und, wenn man schon einen Namensgeber hat, sollte man auch wissen, warum. Bernard Cornwell lässt die alte Zeit farbenfroh wieder auferstehen, würzt sie mit seinem Humor und stellt Uthred immer wieder vor Aufgaben, wo jeder andere mal, aber ganz schnell sich abgewandt hätte. Aber Humor hat der Mann, bis zum Abwinken. Und den lässt er auch mal richtig raushängen, so dass man Tränen in den Augen bekommt. Ragnall, der Grausame, ist auf dem Marsch, sich North Umbrien unter den Nagel zu reißen, die nördlichen Gebiete über Mercien. Sobald er dort sicher ist, kann er Æthelflæd´s Herrschaft erschüttern und er ist stark genug, sich auch von Uthred nicht einschüchtern zu lassen, vor allem, weil Edward den Befehl gab, keine Feindseligkeiten nach Norden zu tragen, ohne sein Zutun. Er will seiner Schwester, die ja schon, fast kampflos, Mercien vereinnahmt hat, keinen weiteren Triumph gönnen. Das der Bebbanburger Spross das etwas anders sieht, war dann doch zu erwarten. Im Norden sitzt ein schwacher Regent, den Ragnall noch nicht mal eines Lächelns würdigen würde, nur wäre der Grausame ein recht unruhiger Nachbar. Uthred und auch Æthelflæd wissen es. Alfreds Traum ist wieder bedroht und wenn auch mit viel Widerwillen, musste Uthred anerkennen, das Alfreds Traum die einzige Alternative ist, Frieden auf die Inseln zu bringen, Æthelflæd wusste es schon immer. Nur gurkt ja Edward daneben noch herum, angeblich Ostanglien zu befrieden. Dabei will der Königssohn nur Zeit schinden, um selbst stark genug zu werden und den eigentlichen Machern der vorenglischen Geschichte, die Salamischeiben vom Brot zu klauen. Wie die Geschichte beweist, ist es ihm nicht so wirklich gelungen. Æthelflæd ist die erste Regentin auf Britannien, auch wenn nur in einem kleinen Teil, und alle Elisabeths hatten da mal das Nachsehen, die Bürde einer späteren Geburt, obwohl so manche auch kämpfen musste. Cornwell ist ein begnadeter Schriftsteller und gehört auf die Liste der Suchtmittel, gegen die es wirklich keine Therapie gibt. Er mischt Historie und seine eigenen Fantasien zu einem eigenen Gebräu, das man auch das Bier, halt, das Pils der Literatur nennen muss. Schmeckt wunderbar. Ob Uthred das so recht ist, dürfte jedoch stark bezweifelt werden. Er wird wieder, zum Kastanien aus dem Feuer holen verdonnert und verrennt sich dabei. Toll, wenn man sich, plötzlich, einem Schildwall gegenüber sieht, der viermal so stark ist, wie der eigene. Und der erwartete Verbündete lieber in der Kirche hockt und vor sich hin Psalmen intoniert und labert, als zu kämpfen. Uthred hatte es noch nie leicht und Bebbanburg liegt noch in weiter Ferne. Alt werden ist dann doch etwas für Leute, die Krieg führen nicht auf ihrer Agenda haben.

(Rowohlt)

ISBN 978-3-499-27218-9 490 Seiten 10,99€ (D) 11,30€ (A)

Bernard Cornwell – Der leere Thron – Archiv Dez. 2015
steffi_109 zu »Bernard Cornwell: Die dunklen Krieger«03.06.2016
„Ein brüchiger Friede herrscht in den Reichen der Angelsachsen. Mercien im Norden wird nun von Athelflaed regiert, Tochter des verstorbenen Königs Alfred: eine Frau, geboren zum Herrschen. An der Nordgrenze des Landes hat sie ihren erfahrenen Kriegsherrn installiert, Uthred ist sein Name.
Und aus dem Norden kommt auch der Feind, ein mächtiges Heer aus Iren und Nordmännern, angeführt vom furchtbaren Ragnall Ivarson. Ragnall hat einen Bruder, mit dem Uthred sich in der Vergangenheit schon gemessen hat, den er als Krieger achtet – und den seine Tochter zum Mann genommen hat. Bald kommt Zweifel auf im Reiche Mercien, woran Uthred sich am Ende mehr gebunden fühlen wird: an Treueid oder Blutsverwandschaft.

Der neunte Band der Uthred-Saga beginnt so wie wir ihn kennen und lieben – im Schlachtengetümmel. Bernard Cornwell schafft es mit seiner ausergewöhnlichen Schreibweise dass der Leser trotz 1 jähriger Lesepause (in meinem Fall) sofort wieder im Geschehen ist. Er nimmt uns mit in die Blutigen Kriegszüge und beschreibt sehr detailreich das Leben und Sterben in dieser Zeit.
Uthred ist immer noch Kriegsherr in Mercien und steht dem furchterregenden Heer von Ragnall und Brida gegenüber. Es kommt zu mehreren großen Schlachten um das umkämpfte Land. Trotz des ausdrücklichen Befehls Athelflaeds, in Mercien zu bleiben, kommt Uthred seiner unter Belagerung stehender Tochter und Sigtryggr zu Hilfe. Nach der Befreiung Sigtryggrs herrscht zwischen ihm und Ragnall ein Bruderkrieg.
Bernard Cornwell gelingt es wie kein anderer seine Figuren über die Buch-Reihe hinweg verändern zu lassen und sich trotzdem treu zu bleiben. Von mir gibt es für dieses Buch eine klare Leseempfehlung! Uthred ist mittlerweile wie ein alter Freund geworden, mit dem man lacht, flucht, kämpft und oft an den Göttern zweifelt.
Mercien ist erstmal gesichert und ich bin gespannt wie die Geschichte und vor allem die Eroberung Bebbanburgs weiter geht.
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