Die Treppe zum Himmel von Beatrice Colin

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „To Capture What We Cannot Keep“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 416 Seiten.ISBN 3-404-17465-8.Übersetzung ins Deutsche von Britta Evert.

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Kurzgefasst:

Paris 1887: Mitten in der Stadt soll das höchste Bauwerk der Welt entstehen – der Eiffelturm. Obwohl der Turm den Spott der Pariser Gesellschaft auf sich zieht, arbeitet der Ingenieur Émile Nouguier unermüdlich daran. Er ist überzeugt, dass der Bau gelingen wird, denn er hat alles genau berechnet. Seine Gefühle dagegen lassen sich nicht berechnen, und so verliebt sich der angesehene Ingenieur ausgerechnet in die verarmte Witwe Caitriona Wallace. Während der Turm unaufhaltsam in die Höhe wächst, scheint die Liebe zwischen Émile und Caitriona zum Scheitern verurteilt ... 

Das meint Histo-Couch.de: „Ein ganz anderer Blick auf das Wahrzeichen von Paris“85Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Caitriona Wallace ist fasziniert. Sie erlebt in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts den Bau des Eiffelturms mit. Obwohl die feine Gesellschaft die Nase über das „hässliche“ Bauwerk rümpft, kann sich die junge Witwe dem Werk nicht entziehen. Das liegt aber nicht nur an der ungewöhnlichen Konstruktion, sondern am jungen Ingenieur Émile Nouguier, den sie bei einer Fahrt mit dem Fesselballon kennen lernt. Cait fühlt sich sofort zu dem jungen Mann hingezogen, zieht aber eine ernsthafte Verbindung zu ihm nicht in Betracht. Denn sie weiß um ihre untergeordnete Stellung. Mit schmerzendem Herzen versucht sie, den Ingenieur mit ihrem Zögling Alice Arrol zu verkuppeln, die nach Ansicht von Cait hervorragend zu dem jungen Mann passen würde. Doch Émile ist mehr an der vielschichtigen Cait interessiert. Sie aber hat ein düsteres Geheimnis, das zwischen ihr und dem Glück mit dem jungen Ingenieur steht.

Der Eiffelturm

Es ist ein ganz spezielles Werk, das Beatrice Colin vorlegt: weniger die Liebesgeschichte von Cait und Émile als vielmehr die Geschichte des Eiffelturms vermag zu fesseln. Nicht alle sind sich dessen bewusst, dass nicht Gustave Eiffel den Turm entworfen hat, dem er als Namensgeber dient, sondern Émile Nouguier und Maurice Koechlin. Hier wird von Eiffel eine Facette enthüllt, die nur in wenigen Schriften zu finden ist. Weniger ein genialer Ingenieur mit Vision als vielmehr ein despotischer und selbstsüchtiger Mann, der sich zu gerne mit fremden Federn schmückt, präsentiert sich in diesem Werk. Die Autorin versäumt es nicht, dem Leser aufzuzeigen, weshalb die beiden jungen Ingenieure nicht vehement dafür einstehen, dass sie als die Erbauer des Eiffelturms in die Geschichte eingehen. Mit viel Detailliebe schildert Beatrice Colin den Bau des Wahrzeichens von Paris, das wesentlich länger stehen bleibt, als es zunächst beabsichtigt war. Der Umstand, dass Émile Cait einige Dinge erklärt, gibt der Autorin die Möglichkeit, Details zu schildern, ohne dozierend zu wirken. Allerdings gerät sie in Gefahr, etwas langatmig zu werden.

Die Liebesgeschichte zwischen Émile und Cait widerspiegelt die Zeit, in der die Geschichte spielt: Das zu Ende gehende 19. Jahrhundert. Hier weist Beatrice Colin ein gutes Geschick auf, die gesellschaftlichen Zusammenhänge sichtbar zu machen und den Leser auf eine Zeitreise mitzunehmen. Diese Mischung zwischen Aufbruchsstimmung und im Alten behaftet zu sein, kommt sehr gut zum Ausdruck. Interessant ist die Situation, dass Cait mit ihren beiden Schützlingen Alice und ihrem jüngeren Bruder James Zeit so lange Zeit in Paris weilt, obwohl die Familie in Schottland lebt. Der Witwe wird damit eine enorme Verantwortung aufgebürdet, zumal weder Alice noch ihr Bruder James sich den Wünschen der Begleiterin unterwerfen. Die Konstellation der Gesellschaft lässt zu, dass sich die junge Witwe und ihre Schützlinge gut darin bewegen können, wenn ihnen auch gewisse Grenzen gesteckt sind.

Weniger überzeugend als der Plot ist leider die Figurenzeichnung. Sie bildet die eigentliche Schwäche des Romans, wenn auch auf recht hohem Niveau. Sowohl Cait als auch Émile fehlen Ecken und Kanten. Sie sind zu brav, zu klar „gut“, zu perfekt. Stimmiger ist Alice, die in vielem dem Bild entspricht, das man sich von einem Mädchen in ihrem Alter und mit ihrer Herkunft machen muss, setzt man dies ins Verhältnis zu der Zeit, in der sie lebt. Auch James ist an sich ein interessanterer Charakter als die beiden Protagonisten, begibt sich der Heranwachsende doch auf die Suche nach sich selber. Es scheint, als wären bei diesen Hauptcharakteren, die dennoch im zweiten Glied der Geschichte stehen, weniger Druck auf ein perfektes Bild gelegen, was eine freiere Entwicklung ermöglichte. 

Beatrice Colins Roman Die Treppe zum Himmel erfüllt alle Anforderungen an einen historischen Roman. Dass er sich nicht ganz aus der breiten Masse befreien kann, liegt einerseits an der komplexen Geschichte des Eiffelturms und dessen Konstruktion, die hin und wieder etwas ermüdend sind. Andererseits wünschte man sich etwas weniger verzehrende Liebe und etwas kantigere Charaktere.

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