Das weiße Gold des Nordens von Axel S. Meyer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „Das weiße Gold des Nordens“,, 672 Seiten.ISBN 3-499-26714-4.

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Kurzgefasst:

Nordskandinavien, 965. Die Drachenschiffe kamen näher. Dunkle Segel bauschten sich im Wind. Unheil lag in der Luft. Der Wikinger Harald Graufell greift nach der Macht in den Ländern des Nordens. Seine Drachenboote tragen das Kreuz an Bord: Mit dem grausamen Bischof Poppo an seiner Seite will er die Heiden besiegen. Doch um ein großes Heer aufzustellen, brauchen die Verbündeten Gold. Oder das «weiße Gold». Aber das Schiff mit dem kostbaren Narwal-Elfenbein wird von ihrem Erzfeind geplündert: dem dunklen Krieger Hakon. Hakon ist einer der letzten Herrscher, die an die alten Götter glauben – seine Gegner sehen ihn mit bösen Mächten im Bunde. Er setzt alles daran, sein Land und sein Volk gegen Graufell zu verteidigen. Doch er ist von Verrat umgeben ...

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Geschichtslektion aus dem hohen Norden“93Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Skandinavien, 965. Harald Graufell plant, ein grosses Heer aufzustellen und den Norden Norwegens zu erobern. Helfen soll ihm dabei Bischof Poppo, der vehement das Christentum verbreiten will, auch mit unlauteren Mitteln, und vor allem braucht Harald Graufell Geld, viel Geld. Dieses hat er in Form von Narwalzähnen, die zwanzig mal wertvoller sind als Gold.

Doch das "weisse Gold, wie es auch genannt wird, fällt in die Hände von Hakon, Jarl von Hladir, und dieser weiß seine unerwartete Beute gut zu verstecken. Doch Harald setzt nach und tut alles, um die Zähne zu finden und Hladir zu erobern. Währenddessen soll Hakon eigentlich Thordis heiraten, was ihm die Unterstützung der Naumudaler sichern soll, doch obwohl sie die schönste Frau weit und breit ist und er mit ihr bereits eine Tochter hat, interessiert er sich nicht für sie, sondern für das Mädchen Malina, das er liebt, und sie ihn auch.

Durch geschickte Intrigen zwingt Thordis Malina zur Flucht und Hakon zur Heirat mit ihr, doch dies ist erst der Beginn einer Reihe von Betrügereien und Ränkespielen, die Hakon an den Rand einer Niederlage bringen, als Harald Graufells Truppen Hladir erobern. Mit Hilfe der Seherin Asny und seinem Raben plant Hakon Rache.

Die Wikinger kommen!

Axel S. Meyers dritter Roman Das weiße Gold des Nordens entführt seine Leser in eine finstere Zeit und in eine fast noch finsterere Region. Dabei bedient er sich den skandinavischen Sagas und entwirft daraus einen spannenden Wikingerroman, der es durchaus in sich hat und in dem auch nicht mit Blut und Kämpfen gegeizt wird.

Hauptfigur ist Hakon, Jarl von Haldir und somit verantwortlich für viele Menschen, die ihm vertrauen und die ihr Leben in seine Hände gelegt haben. Durch Zufall gerät er an die Narwalzähne, die Harald Graufell für die Finanzierung und Eroberung der Nordküste braucht. Hakon will Harald abwehren, doch der kommt immer näher und will Hladir erobern, und einige Male gerät Hakon, der noch jung und relativ unerfahren ist, an seine Grenzen und derart in Gefahr, dass er sein Volk des öfteren im Stich lassen muss. Hakon ist kein Überheld, im Gegenteil, er hat viele Facetten, eine dunkle Vergangenheit und Probleme mit den Frauen, und dazu als besten und verlässlichsten Freund einen Raben, der, wenn er nicht auf seiner Schulter sitzt, tatsächlich sowohl Spion als auch Waffe ist und dementsprechend auch gebraucht wird.

Herrliche Bösewichte

Neben Harald Graufell ist vor allem Bischof Poppo der Bösewicht des Romans. Er scheut vor keinen Brutalitäten und Quälerein zurück, wenngleich er seine Handlanger zur Ausführung derselben hat. Er will das Christentum verbreiten, und wer den alten Nordischen Göttern nicht abschwört, bekommt auch keine Gelegenheit mehr dazu. Poppo ist eine historische überlieferte Figur, wenngleich nicht konsequent in dieser Brutalität, aber Meyer hat ihn sehr negativ konzipiert und somit bietet er eine herrliche Angriffsfläche und einen hervorragenden Antagonisten.

Die Frauen …

Neben dem drohenden Angriff Harald Graufells sind es vor allem auch die Frauen, die Hakons Leben mitbestimmen. Er lebt zusammen mit seiner Geliebten Malina, hat aber eine Tochter aus einem nächtlichen Zusammensein mit Thordis, der schönsten Frau weit und breit, und um diese Beziehung würden ihn alle beneiden. Aber er hat sich gegen sie und für Malina entschieden, was er immer wieder von seiner nervigen Mutter vorgehalten bekommt. Bergljot heisst sie und schikaniert Malina, wo sie nur kann, und diese Dialoge nehmen den Leser nicht nur für Malina ein, sondern bringen ihn auch gegen die böse Mutter auf. Ihre Schimpftiraden bewegen sich jedoch schon fast am Rande des Amüsements, wenn es nicht so grausam gegen Malina wäre. Hier ist man knapp an einer Klischee-Hexe vorbeigeschrammt.

Man verrät nicht zu viel, wenn man bemerkt, dass Thordis sich an Hakon heranpirscht und ihn hintergeht, wie noch nie eine Frau einen Mann hintergangen hat. Gemeinsam mit ihrem brutalen, aber etwas jähzornigen und einfältigen Bruder schwört sie Rache und sorgt damit für weitere Konflikte.

An Hakons Seite befindet sich stets die junge Seherin Asny, die eine zwielichtige Figur ist und die man nicht richtig einordnen kann. Das tut der Geschichte gut, zumal sie die einzige ist, auf die sich Hakon verlassen kann, und auch sie wird den Roman nicht ohne Schrammen überstehen.

Vielfältige Dramaturgie und viele Überraschungen

Überhaupt geht es ordentlich rund in dem Roman. Es wird gekämpft und gelitten, Taktiken angewandt und verworfen, in Fallen getappt und großartig gesiegt, alles das, was das Herz eines Lesers von Wikingerromanen begehrt. Dabei versteht es der Autor, seine Leser immer wieder zu überraschen, man kann sich nie in Sicherheit wiegen. Manche dieser Überraschungen kommen derart unvorbereitet, dass man kaum glauben mag, dass man das gerade wirklich gelesen hat und lässt einen noch einmal zurückblättern. So muss ein gelungener Roman sein.

Axel S. Meyer beweist auf gut 650 Seiten aus dem Hause Rowohlt, dass Geschichte packend serviert werden kann, und nicht nur Freunde von Wikingerromanen werden ihre Freude an diesem Roman haben. Zwei Karten zu Beginn des Romans sowie ein lesenswertes, ausführliches Nachwort, eine Übersetzungsliste der Ortsnamen und Gewässer/ Inseln und eine Danksagung ergänzen einen hervorragenden Roman, der den Leser sofort für sich einnimmt. Er bietet viele Überraschungen, eine kleine Liebesgeschichte, einiges Gemetzel, viel Taktik und Neben der Haupthandlung einige Rahmenhandlungen, die aber alle ineinander fliessen und so von einer hervorragenden dramaturgischen Übersicht des Autors zeugen. Ordentliche Bösewichte und ein nicht-strahlender Held füllen einen Roman, der auch aufgrund des passend gewählten Covermotivs in jedes Bücherregal für Freunde historischer Romane gehört. Und zudem, hat man einiges über Narwalbein gelernt. Weiter so!

Ihre Meinung zu »Axel S. Meyer: Das weiße Gold des Nordens«

anushka zu »Axel S. Meyer: Das weiße Gold des Nordens«19.01.2016
Nordeuropa, 965: Hakon, der Jarl von Hladir, leistet Widerstand gegen Harald Graufell, der mit Hilfe des grausamen Bischofs Poppo die norwegischen Gebiete unter seine Herrschaft bringen will. Doch dafür brauchen Graufell und Poppo das Elfenbein der Narwalzähne. Und genau diese Lieferung fängt Hakon ab und provoziert so sowohl Poppo als auch Harald Graufell. Nun muss er sein Volk und seine alten Götter gegen den Christen Harald Graufell und den missionierungswütigen Bischof Poppo verteidigen.

"Das weiße Gold des Nordens" ist eine Folgeband, was ich beim Lesen zunächst nicht wusste. Leser von "Das Lied des Todes" werden einige bekannte Charaktere wiederlesen. Ansonsten kann "Das weiße Gold des Nordens" jedoch unabhängig von anderen Büchern des Autors gelesen werden, denn die wichtigsten Ereignisse werden rekapituliert bzw. sind die meisten früheren Charaktere hier keine zentralen Figuren. Gleichzeitig machen die Anspielungen auf frühere Ereignisse Lust darauf, auch die anderen Bücher des Autors zu lesen.

Und auch insgesamt werde ich sicherlich zu weiteren Büchern dieses Autors greifen, da mich "Das weiße Gold des Nordens" über die mehr als 600 Seiten sehr gut gefesselt hat. Beim Lesen darf man allerdings nicht zimperlich sein. Denn im Stile von beispielsweise Bernard Cornwell ist dieses Buch recht gewaltvoll und stellenweise ziemlich brutal. Auch wird streckenweise ein großer Fokus auf diverse Schlachten und Kämpfe gelegt. Die Erzählperspektive wechselt oft und manchmal auch zu Personen, denen kein allzu langes Leben beschert ist. Das kann manchmal irritieren, vor allem, wenn dabei wieder neue Figuren vorgestellt werden. Die Hauptcharaktere sind alle überzeugend gezeichnet und es gibt klare Sympathieträger. Gleichzeitig gelingt es dem Autor jedoch, eine übertriebene Schwarz-Weiß-Zeichnung zu vermeiden, sodass beispielsweise Bischof Poppo zwar ein ganz klarer Gegenspieler und Anti-Sympathieträger für den Leser ist, gleichzeitig gelingt es jedoch, deutlich zu machen, wie sehr diese Figur aus (wenn auch fehlgeleiteter) Überzeugung heraus handelt und wie deren Weltbild aussieht. Diese Fähigkeit des Autors macht alle Figuren authentisch.

Für Fans historischer Romanzen ist dieses Buch ungeeignet. Es gibt zwar eine Liebesgeschichte, aber sie steht nicht im Vordergrund. Das größte Gewicht erhalten ganz klar Kampfszenen und Politik zur Zeit der Wikinger und Kaiser Ottos. Mit diesem Buch taucht man ein in ein sehr rauhes Leben im Mittelalter zwischen allen Fronten. Da ich ein Fan Bernard Cornwells bin und dieses Buch dem generellen Stil Cornwells ähnelt, habe ich mich gut unterhalten gefühlt, mit den Figuren mitgefiebert und das Buch gern gelesen.
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