Sturm in den Himmel von Asta Scheib

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Sturm in den Himmel“,, 384 Seiten.ISBN 3-455-40587-8.

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Kurzgefasst:

Schon mit fünf Jahren besuchte Martin Luther die Schule in Mansfeld. Mit vierzehn wechselte er nach Magdeburg, später nach Eisenach. Orte, die dem Jugendlichen ein Tor zur Welt öffneten. Damals ahnte er noch nicht, dass er einmal die katholische Kirche reformieren würde, und bis heute weiß man wenig über den jungen Luther. Martin Luther war der Sohn ehrgeiziger Eltern. Als Jurist sollte er die aufsteigende Linie der Luthers bis in die höchste bürgerliche Klasse hinaufführen. Er würde der Ratgeber von Fürsten und Magistraten sein. Also lässt man den erst Fünfjährigen auf die Lateinschule bringen. Dort warten neben dem Lateinischen auch Stock und Rute. Beides kennt Martin bereits von zu Hause. Die einzige Zuflucht in dieser Zeit ist ein Baum, der Martin schützt und tröstet. Er ist ihm Ausweg und Versteck. Und schließlich schenkt der Baum ihm das Mädchen. Sie bringt die Liebe in Martins Leben, und damit unlösbare Konflikte.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine andere Sicht auf den großen Reformator“75

Rezension von Rita Dell'Agnese

Wie wurde Martin Luther zu dem Menschen, den er war? Wer war das Kind Martin, welche Streiche heckte der kleine Junge aus, was trieb ihn um? Und nicht zuletzt: Wem verdankte Martin Luther seine Religiosität? Die Autorin Asta Scheib präsentiert eine Version, die genau diese Fragen aufnimmt und Antworten bereit hält. Sie erzählt vom Vierjährigen, der sich unvermittelt neben den Vater stellt und ihn nachahmt, als dieser in einem Streitgespräch einem Besucher sein blankes Hinterteil zeigt. Ein Junge, der von seiner Mutter kaum ein freundliches Gesicht kannte, der sich mit dem gutmütigen Pferd der Familie schließlich auf und davon machte, weil er sich nicht wohl fühlte in der Umgebung seiner strengen Mutter. Nur die Haushälterin Berblin gibt dem Jungen Halt, betet mit ihm und unterstützt ihn, wenn er sich kleine Freiheiten nimmt. Berblin ist es auch, die dafür sorgt, dass im lutherschen Haushalt ein vierzehnjähriges Mädchen namens Madlen aufgenommen wird. Sie soll die große Liebe des Heranwachsenden Luther werden. Sehr zum Missfallen dessen Mutter, die danach trachtet, das unerwünschte Mädchen so schnell wie möglich wieder los zu werden. Martin Luther aber vermag sich ungeachtet des harten und lieblosen Elternhauses zu entfalten und seinen Weg zu gehen. Dabei kommt ihm seine Intelligenz ebenso zu Hilfe, wie die stetige Unterstützung von Berblin, die den Kindern in ihrer Obhut, also auch den jüngeren Geschwistern Martin Luthers, viel Lebensweisheit und eine gutherzige Einstellung mit auf den Weg gibt.

Es fehlt eine Lesehilfe

So interessant der Ansatz ist, den Asta Scheib gewählt hat, so schwierig wird das Ganze für die Leserin, den Leser. Nicht, weil die Autorin es nicht verstehen würde, ein empathisches Bild vom Kind und später Jugendlichen zu zeichnen. Doch fällt es zuweilen sehr schwer, dem Ablauf zu folgen, da die teilweise ausgesprochen kurz gehaltenen Kapitel weder mit einer Jahreszahl noch mit einem Hinweis auf das jeweilige Alter Luthers in diesem Abschnitt versehen sind. So braucht es immer wieder etwas Geduld, bis der Leser auf eine Passage stößt, die Aufschluss darüber geben kann, wie alt der Reformator zu diesem Zeitpunkt gerade war. Hier bräuchte es dringend eine Lesehilfe, die den chronologischen Ablauf sichtbar macht und gleich von Beginn weg den Leser darüber aufklärt, mit welchem Alter er es aktuell zu tun hat. Wünschenswert wäre schließlich auch ein Personenregister, das die Leser darüber aufklärt, bei welchen Figuren es sich um historisch verbürgte Personen handelt und welche Charaktere rein fiktiv sind. Besonders stellt sich diese Frage bei Berblin und Madlen, die beide eine tragende Rolle im Roman einnehmen, jedoch in der gängigen Geschichtsschreibung so nicht auftauchen.

Der Werdegang mit verfolgen

Die Leserinnen und Leser vermögen durch die Sichtweise Asta Scheibs auf den jungen Luther, den persönlichen Werdegang des Reformators mitzuverfolgen. Die Autorin skizziert einen Menschen, in dem man zum einen den späteren Reformator, zum anderen auch diesen unbändigen Freigeist, der in ihm steckt, wieder erkennt. Es fällt leicht, sich auf den kleinen Jungen und seine Gedankenwelt einzulassen. Diese Welt ist schlüssig, ja,  gar schon fast zwingend logisch. Da es über diese Phase des Lebens von Martin Luther kaum leicht zugängliche Informationen gibt, füllt Asta Scheib mit ihrem Roman ein Vakuum. Von ihren bisherigen Romanen ist bekannt, dass die Autorin sich sehr feinfühlig in die Persönlichkeiten ihrer Figuren einliest und ihnen dadurch eine Tiefe gibt, wie sie in kaum einer Biographie zu finden ist. Diese Fähigkeit, ein bekanntes Bild abzurunden und dem Menschen eine unglaubliche Lebendigkeit zu verleihen, bringt Asta Scheib auch hier zum Ausdruck.  So legt sie zum Luther-Jahr ein Buch vor, das sich von der Masse deutlich unterscheidet und den Leser auf eine spannende Reise in die Kindheit des Reformators mitnimmt. Allerdings auch eines, das noch Potenzial zur Verbesserung hätte.

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