Die Seidenweberin von Ursula Niehaus

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel „Die Seidenweberin“, , 640 Seiten. ISBN 3-426-66256-6.

Kurzgefasst:

Deutschland im ausgehenden Mittelalter: Die mutterlose Fygen wächst wohl behütet und verwöhnt bei ihrem Vater auf. Doch dann kommt dieser ums Leben und das Mädchen wird in die Obhut eines skrupellosen Onkels gegeben, der versucht, sich an ihr zu vergehen, als sie älter wird. Nur eine wohlmeinende Haushälterin kann das verhindern und schickt Fygen nach Köln, wo sie das Seidenhandwerk erlernen soll. Fygen ist fasziniert von den Stoffen, die sie ein Leben lang nicht wieder loslassen werden …

Das meint Histo-Couch.de: „Ein starkes Buch über starke Frauen!“

von Volker Faßnacht

Geboren als uneheliches Kind – Keine einzige Dummheit willst du in deinem Leben begangen haben? (Arthur Schnitzler)

Der Prolog des Erstlingswerks „Die Seidenweberin“ von Ursula Niehaus ist recht düster gehalten. So ist der Bruder eines „liederlichen Weibsbild“ aus Angst um seinen Ruf als angesehener Kaufmann auf der Suche nach einem finanziell heruntergekommenen Mann, der dumm genug und fremd in der Stadt ist, um sich auf die Sache einzulassen: Heirate meine Schwester, die Hure, um deren neugeborenes Kind ein Vater zu sein, damit es kein Gerede in der Stadt gibt.

Erniedrigt, geschlagen und fortgeschickt – „Handwerk ist durch Gewohnheit erlangte Geschicklichkeit“ (Sully Prudhomme)

Die eigentliche Geschichte setzt zwölf Jahre später ein und erzählt die folgenden Jahre von Fygen Lützenkirchen. Ihr Aufstieg von einem namenlosen Kind mit zweifelhafter Herkunft, über die schweren Lehrjahre bei ihrer ungerechten und grausamen Tante bis hin zur angesehenen Geschäftsfrau, die es in Köln weiter gebracht hat, als man von einer Karriere im 15. Jahrhundert träumen kann. Wohlgemerkt als Frau – eine Frau, die es tatsächlich gegeben hat!

„Jeder Mensch sei König in seinem Gewerbe!“ (aus Arabien)

Das Seidengeschäft zu Köln

Ursula Niehaus versteht es bestens, die Leserschaft auf Fygens Reise mitzunehmen. Zum Einen schildert sie sehr anschaulich die Entwicklung eines unbedarften Mädchens zur erfolgreichen Ehefrau und Geschäftspartnerin. Dabei fühlt man sich ein ums andere Mal auf Augenhöhe mit der Protagonistin. So wundert es kaum, dass man Fygen nach kürzester Zeit einfach lieben muss und die Hände nicht mehr von dem Roman lassen kann. Zum Anderen sind die Einblicke in das Seidenhandwerk – von der Züchtung der Seidenraupe, über das Spinnen der Seidenfäden bis hin zum eigentlichen Weben – äußerst allgemein verständlich. Zudem kommen auch das Färben der Stoffe und das mittelalterliche Handelswesen nicht zu kurz.

 „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“ (Friedrich von Schiller)

Zünfte und Intrigen

Fygen ist ein herzensguter Mensch. Sie ist gerne bereit Anderen zu helfen wo sie nur kann. Manchmal auch, wenn es für sie und ihren Mann nicht gut ist. Ein Grund mag ihre ärmliche Vergangenheit gewesen sein und die daraus entstandene tiefe Dankbarkeit, da sie doch einen ganz anderen Lebensweg einschlagen konnte, als sie eigentlich zu erwarten hatte. Das bringt sie das eine oder andere Mal in brenzlige Konflikte, spätestens als sie auch noch zur Zunftmeisterin des Kölner Seidengewerbes gewählt wird. Der tiefe Hass ihrer Tante und Cousine sorgen für Spannung und einige böse Intrigen und letzten Endes womöglich auch für einen herben Schicksalsschlag, den Fygen völlig unerwartet zu verkraften hat.

Ganz nebenbei erhält der Leser Einblicke in das Wesen und die Arbeitsweise der Zünfte, was für den Teil der Leserschaft wiederum sehr interessant ist, der mehr als einen seicht-unterhaltenden Roman vorzufinden hofft.

 

„Eine Erfolgsformel kann ich dir nicht geben; aber ich kann dir sagen, was zum Misserfolg führt: Der Versuch Jedem gerecht zu werden.“ (Herbert Bayard Swope)

 

Ein starkes Debüt

Ursula Niehaus schafft es in ihrem Roman in bemerkenswerter Weise, den roten Faden in den Händen zu behalten. So sind die Schicksale der Romanfiguren „Onkel Mathys“ und die Haushälterin und „Mutterersatz“ von Fygen etliche Kapitel später wieder aufgenommen worden. Genauso werden die Leser nicht im Unklaren über die weiteren Lehrmädchen von Mettel Elner gelassen. Auch ist das Geheimnis von Fygens Herkunft sehr geschickt inszeniert, da das Mädchen eigentlich nur durch Zufall dahinterkommt, dass es überhaupt eine Unbekannte bei ihrer Herkunft gibt. Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass die Autorin an dieser Stelle leider verpasst, die Spannung länger aufrecht zu erhalten, indem sie einige Andeutungen doch recht früh und vielleicht auch zu deutlich platziert. Andererseits besticht die Geschichte in erster Linie von Fygens Karriere und nicht von der ungeklärten Herkunft der Hauptprotagonistin.

Der Stil, einige Ereignisse im Roman nicht zu beschreiben, sondern im neuen Kapitel – natürlich mit einer kurzen Erläuterung im Nebensatz – als gegeben zu betrachten, ist ungewöhnlich und mancher Leser wird sich daran stören; dies ist aber sicherlich dem Umstand geschuldet, dass immerhin 29 Jahre geschildert werden und dabei keine Langeweile aufkommt. Toll ist die bildhafte und doch gleichzeitig auch so unaufgeregte Sprache des Romans:

 

„Vorsichtig streckte Konrad den Zeigefinger aus und strich sanft über den zarten dunklen Flaum, der das winzige Köpfchen bedeckte. Überraschend öffnete das Kind zwei große, bernsteinfarbene Augen und schenkte Konrad ein blubberndes, zahnloses Lächeln, das wie ein Dolch direkt in sein Herz fuhr. Zum ersten und letzten Mal in seinem Leben verliebte sich Konrad von Bellinghoven wahrhaftig.“

 

Frau Niehaus schreibt über Personen, die es tatsächlich gegeben hat. Und das ist gut so! Möglich, dass das manchmal schwieriger ist, als eine frei erfundene Geschichte zu schreiben, da der Handlungsrahmen teils stark eingeschränkt ist. Ihr gelingt das aber sehr gut.

In Anbetracht eines Erstlingswerks ist das sogar ganz hervorragend.

Ihre Meinung zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin«

tiggger zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 31.03.2013
Allererste Sahne!
Das Buch hat mich einfach nur gefesselt, die Geschichte der Protagonistin, wie sie um ihre Weberei kämpfen musste und auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten empfand ich als sehr gut recherchiert und packend geschrieben.
Ich konnte mich sowohl in die Charaktere sehr gut hinein fühlen, als auch in die damalige Zeit mit alle ihren Unannehmlichkeiten und Problemchen.

5 von 5 Sternen!
TanteTrude zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 11.08.2012
ich habe dieses buch im urlaub immer abends gelesen. nach einer weile konnte ich nach dem mittagessen kaum noch das abendessen abwarten, um weiter zu lesen.

was ich nicht eruieren kann ist die aussprache:
einerseits heißt es: schyssenkehrer (in meinen köpfchen: scheißenkehrer) also "ei", aber Fygen....auch mit "ei"?


über literaturtips des mittelaltes in ähnlichem stil würde ich mich sehr freuen :-)


das buch ist eine leichte kost, schön, wenn man mal abschalteen möchte.

nicht zuletzt: sehr viele worte und redewendungen stammen aus dem webertum,....interessant!
A. Kaiser zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 09.07.2011
Ein sehr interessantes Buch, habe ich gern gelesen. Allerdings heißt es
"Die Mösch" und nicht "Der".
Kann man bei einem Bläck-Fööss-Lied hören, ist ein Lied von Willi Ostermann und der muss es ja wissen. Sonst sicher sehr gut recherchiert. Freue mich auf die Anderen Bücher.
Machen Sie mal weiter so!!
Margrit zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 14.01.2009
Ich finde dieses Buch durchaus lesenswert. Man fängt einfach an zu lesen, und schon ist man mitten in der Geschichte drinnen. Es liest sich leicht flüssig und man muss nicht viel nachdenken oder aufpassen etwas zu verpassen. Auch ist das Buch lehrreich, es bietet viel Information über das Mittelalter aber auch Fachbegriffe der Seidenweberei, wie z.b Kettfaden, werden hier verdeutlicht. Allerdings finde ich das Buch nicht sonderlich "abenteuerlustig" , denn die Handlung kann man größenteils voraussehen und es passiert fast nichts "ungeheuer spektakuläres".
Ich bin der Meinung dass das Buch am Ende langweilig ist.
Figen zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 13.07.2008
Der Ursprung der Name Fygen interessiert mich sehr. Ich stamme aus der Türkei und heiße mit Vornamen Figen. Das Buch hat mir ehrlich gesagt sehr gut gefallen, da ich sehr gerne historische Romane lese bzw. verschlinge. Ich kann es nur weiter empfehlen. Über den Namen werde ich auch mal googlen.
MyLady zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 18.06.2008
Ich fand diesen Roman von der Handlung und dem Schreibstil her sehr sehr gut! Ich war sehr überrascht als ich gelesen habe das es das Erstlingswerk von Ursula Niehaus ist. Hätte ich rein vom Lesen her nicht erkannt. Die Handlung ist genau richtig um entspannt einen guten historischen Roman zu lesen, nicht zu kompliziert oder verschnörkelt. Nicht zu viele Personen die verwirren. Auch das Thema der Seidenherstellung war überaus interessant und ich hoffe bald wieder von dieser Autorin zu hören bzw zu lesen!
biggi zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 22.01.2008
Das buch "Die Seidenweberin" wurde mir geschenkt. ich begann es
zu lesen als ich im krankenhaus lag und auf meine op wartete. Ich bin
weiß gott keine leseratte, aber dieses buch, die geschichte vom leben
im mittelalter, die geschichte von köln und umgebung (ich komme selber aus dem erftkreis) hat mir sehr gut gefallen. es liest sich leicht und flüssig. der relaxfaktor war sehr hoch.
ich empfehle es gerne weiter.
Prinzessin von Kalikut zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 16.01.2008
Das Buch liefert interessantes Hintgrundwissen über Köln und das Seidenhandwerk, manachmal wurde das letztere für meinen Geschmack ein wenig zu sehr im Detail beschrieben, aber ich wusst ja von anfang an, dass das Buch vom Seidenhandwerk handelt. Das Buch bietet rein von der Handlung her und von den Charakteren nicht sehr viele Überraschungen oder "extreme" Wendungen es ist eher konstant geschrieben wie eine Art Biografie. Das Buch zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Fygen und zeigt wie diese vom armen und jungen Landmädchen zur erfahren, selbstbewussten und reichen Seidenhändlerin reift. Ein Buch muss nicht immer extreme Handlungswendungen beinhalten um es spannend zu machen, das Buch war auf seine ganz eigene Art äusserst reizvoll ich kann es jedenfalls weiterempfehlen.
olympia zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 15.10.2007
Habe dieses Buch sehr schnell ausgelesen, da es mir von Anfang bis Ende wirklich gut gefallen hat. Klischeehaft? Ansichtssache, aber ich finde dies nicht so. Wie schon eine andere Leserin schrieb, mal keine Heilerin, Hexe, Hebamme oder sonst dergleichen. Einfach eine gute Erzählung vom Leben und der Arbeit einer Seidenweberin mit viel Information zu dem Gewerbe.

Ja, keine extremen Spannungsbögen und Höhen und Tiefen, aber trotzdem kurzweilig und interessant zu lesen. Man liebt und leidet mit Fygen mit und das bis zum Schluss..........
Ich kann das Buch für Liebhaber dieses Genres nur empfehlen!
Marina(14) zu »Ursula Niehaus: Die Seidenweberin« 23.05.2007
Dieses Buch ist einfach wunderbar ....ich haber es schon nach 4 tagen fertig gelesen ..ich bin davon nicht weggekommen ..ein großes lob an die schriftstellerin

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