Die Brillenmacherin von Titus Müller

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel „Die Brillenmacherin“, , 437 Seiten. ISBN 3352007179.

Kurzgefasst:

England im Jahr 1387. Die Kunst des Brillenmachens, das schwierige Linsenschleifen aus unregelmäßigem Glas und das kunstvolle Schnitzen feiner Holzgestelle, beherrschen nur wenige Meister in Europa. Courtenay, der Erzbischof von Canterbury, weiß um die Bedeutung der Brillenmacher. Als Herren über die Sehkraft und damit über die Schrift haben sie noch dort Macht, wo mit Schwertern nichts mehr auszurichten ist. Um den Geheimbund der Bedeckten Ritter zu zerschlagen, die für Vernunft und Wissenschaft kämpfen und den vogelfreien Bibelübersetzer Hereford verstecken, will sich Courtenay diese Macht zunutze machen. Doch Elias Rowe, der beste Brillenmacher weit und breit, ist nicht willens, seine Sache zu unterstützen. Eines Morgens findet ihn seine junge Frau Catherine umgeben von seinem Wekzeug – tot. Um dem Mörder ihres Ehemanns auf die Spur zu kommen, eignet sich die junge Witwe sein Handwerk an und gerät mitten in den Machtkampf zwischen dem Erzbischof und den Geheimbündlern. Erbittert streiten die Gegner, und Catherine verliebt sich in den Ritter Latimer. Am Ende muss sie all ihr optisches Können aufwenden, um sich und den Mann ihres Herzens zu retten. 

Das meint Histo-Couch.de: „;Intrigantes Mittelalter mit Durchblick“;

von Carsten Jaehner

Schon vor den Zeiten Martin Luthers hatte die Kirche Angst vor Neuerungen und Aufklärung. Um ein dunkles Geheimnis der Kirche und einen Geheimbund, der dagegen kämpft, geht es in Titus Müllers Roman „Die Brillenmacherin“, in der die Frau eines Brillenmachers ungewollt in genau diesen Konflikt gerät.

Catherine, die Frau des Brillenmachers Elias Rowe, hat von ihrem Mann viel gelernt. Sie leben im England des Jahres 1387, als sie eines Tages ihren Mann tot auffindet. Wenig später wird ihr Haus niedergebrannt und auch das Haus ihres Bruders Alan erleidet das gleiche Schicksal. Durch die Kontakte ihres Mannes kommt sie als Brillenmacherin in die Dienste des Erzbischofs von Canterbury, William Courtenay, der auch Alan als Bogenschützen aufnimmt. Erst spät bemerkt sie, dass sie ein Kind erwartet.

Gegner des Erzbischofs ist seit geraumer Zeit Thomas Latimer, Mitglied des Hosenbandordens und Vertrauter des Königs. Catherine wird als Spionin zu ihm gesandt und schließlich weiß sie nicht mehr, welcher Seite sie vertrauen soll. Schließlich sind die Absichten Latimers ehrenhaft, geht es doch um ein Buch, dessen Erscheinen die Kirche unbedingt verhindern will. Es entbrennt ein Kampf mit Lügen und Intrigen, in dem Catherine immer wieder zwischen beiden Seiten hin- und hergerissen ist. Und für sie wird es auch nicht leichter, als sie für Latimer bald mehr als nur Sympathie empfindet. Er ist jedoch unglücklich verheiratet und schafft es nicht, seine Ehe in die gewünschten Bahnen zu lenken. Zudem ist seine Frau Anne auch kein Unschuldslamm.

Gute Verwicklungen der Intrigen

Titus Müller legt mit der „Brillenmacherin“ einen Roman vor, der sehr detailverliebt eine spannende Geschichte erzählt. Die Figuren sind so klar gezeichnet, wie es die Handlung zunächst zulässt, ohne zu verraten, wer auf welcher Seite steht. Die Verwicklungen innerhalb der verschiedenen Parteien sind geschickt konstruiert und logisch nachvollziehbar, was der Spannung sehr zugute kommt. Auch die Beschreibungen des historischen Englands sind ansprechend und gut formuliert.

Catherine selbst wird als Frau vorgestellt, die klar ihren Absichten folgt und dies auch weiterhin versucht, als ihr Kind geboren ist. Damit hat sie zwar einen Schutz für sich, allerdings kann das Kind auch gut als Druckmittel gegen sie benutzt werden. Grausames Mittelalter. Generell sind alle Charaktere gut gezeichnet, wenngleich sie häufig den bekannten Klischees folgen. Die Nebenfiguren bleiben hingegen ein wenig blass, hier hätte man sich Menschen mit mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Catherines Zweifel

Was allerdings auf Dauer nervt, sind Catherines ständige Zweifel, die sie über die verschiedenen Parteien hegt. Dass sie zweifelt, ist ja nicht verkehrt, aber so häufig und so seitenlang, dass sich ständig das gleiche wiederholt, nur in anderen Worten, das tut dem Roman auf Dauer nicht gut. Hier hätte man einige der Stellen gerne weglassen können. Dahingegen ist die Sorge um ihr Kind schon eher verständlich, allerdings geschieht das meist zu einem unangemessenen Zeitpunkt, nur nicht dann, wenn man sich als Leser selbst Sorgen machen würde. Hier fehlt in manchen Abschnitten die konsequente Einhaltung des Charakters.

Dennoch ist Titus Müller ein über weite Strecken spannender und lesenswerter Roman gelungen, der auf knapp 440 Seiten einen schönen Einblick in den englischen Kirchenstreit gibt. Die beiden Karten am Ende des Buches helfen, sich bei den Reisen zu orientieren. Liebhaber dieser Zeit werden an diesem Buch ihre Freude haben. Und das Ende des Buches lässt es durchaus zu, dass es eine Fortsetzung geben könnte. Sollte es sie geben, wäre das erfreulich, wenn nicht, bleibt trotzdem ein geschlossener Roman, den man gerne gelesen hat.

Ihre Meinung zu »Titus Müller: Die Brillenmacherin«

MyLady zu »Titus Müller: Die Brillenmacherin« 03.12.2008
Zu allererst eine kurze Frage! Gibt es von der Brillenmacherin eine Fortsetzung?

Sprachlich war das Buch hervorragend, auch die Handlung an sich fand ich sehr gut nur eines fand ich schade.
Erstens hätte ich mir gewünscht, aufgrund des Titels, das die Brillenmacherkunst etwas mehr in den Vordergrund tritt und zweitens hatte das Ende für mich etwas Unvollkommenes! Irgendetwas fehlte, ich habe das Gefühl obwohl ich fertig bin mit dem Buch das es noch nicht abgeschloßen ist. Darum meine anfängliche Frage.
Nichts desto Trotz fand ich das Buch sehr spannend, die Charaktere super und ich hätte auch nichts gegen eine Fortsetzung:-)
Im Großen und ganzen eine gute zwei in Sachen Noten.
Kerstin C. zu »Titus Müller: Die Brillenmacherin« 01.06.2008
Tolle Geschichte und eine Sprache, die auffällt - man mag sich wundern, wenn man sieht, wie jung der Autor noch ist - aber haben uns auch nicht schon in anderen Jahrhunderten junge Genies immer wieder begeistert?
Das macht Spaß beim Lesen, weil man dabei auf intelligente Weise unterhalten wird, fernab von plumpen Plattitüden und daher stark mitfiebern kann.
Für mich ganz großes "Kopfkino" - bravo, Titus Müller - und weiter so!!!!!!!!!
Willy zu »Titus Müller: Die Brillenmacherin« 29.11.2007
Dieser junge Autor kann schreiben!
Lektüre, die einfach nur Spaß gemacht hat: klug, belesen, witzig, gefühlvoll - die Szenen mit dem kleinen Kind einfach zum Niederknieen! Mochte das Thema und die Art, wie damit umgegangen wurde - und besonders die Differenziertheit in der Personenzeichnung, die diesen Roman so wohltuend von anderer Massenware abhebt.

Weiter so, Titus Müller!

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