Die ferne Hoffnung

  • Tinte & Feder
  • Erschienen: Januar 2018
  • 4
  • Tinte & Feder, 2018, Titel: 'Die ferne Hoffnung', Originalausgabe
Die ferne Hoffnung
Die ferne Hoffnung
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Karin Speck
701001

Histo-Couch Rezension vonFeb 2018

Kakao, der Lebensmittelpunkt einer Kaufmannsfamilie

Die Familie Hansen, das sind die drei Brüder, Robert, Georg und Karl, die gleichberechtigt das Familienunternehmen leiten. Der plötzliche Tod des Familienoberhauptes Peter Hansen hat sie vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Der Vater hat Schulden hinterlassen und das Geschäft mit dem Kaffee läuft nicht mehr so wie vorher. Robert hat die zündende Idee, es einmal mit Kakao zu versuchen. Schnell wird aus der Idee ein Plan. Schon bald will er nicht nur mit dem Kakao handeln, sondern selbst eine Plantage bewirtschaften. Er begibt sich mit seiner Frau und den Töchtern nach Kamerun. Alles scheint nach Plan zu laufen, wäre da nur nicht seine Ehefrau Elisabeth, die sich mit der Plantage und dem Leben dort so gar nicht anfreunden kann. Für seine Tochter hingegen scheint es der Himmel auf Erden zu sein.

Abenteuer in Kamerun

Die ferne Hoffnung ist der Auftakt einer Reihe um die Kaufmannsfamilie Hansen aus Hamburg. Ellin Carsta schildert das Leben einer Kaufmannsfamilie aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie erzählt von den Sorgen und Nöten der Menschen. Aber vor allem davon, wie sich diese Familie aus den ererbten Schwierigkeiten heraus kämpft. Durch den Erzählstrang auf der Plantage kommt ein bisschen Exotik mit ins Spiel. Dieser Teil schildert glaubwürdig, wie es damals auf so einer Kakao-Plantage zuging. Für Luise ist es ein Abenteuer, aufregend und fremd, aber auch für die Menschen auf der Plantage ist es nicht minder spannend. Interessant sind bestimmt die Einblicke in die Kolonialisierung Kameruns, leider wird dies nur am Rande behandelt. Dafür schildert sie eindrucksvoll, was es gerade für die erst 15 jährige Luise bedeutet, nach Kamerun auszuwandern. Der Leser kann die Unruhe und Aufgeregtheit der jungen Frau förmlich spüren. Später erzählt sie von diesem Fleckchen Erde und schnell entstehen Bilder im Kopf. Die Plantage wächst vor den Augen der Leser.

Zwei weitere Handlungsstränge erzählen von den beiden Brüdern, die in Hamburg geblieben sind. Hier wird geschildert, wie sie darum kämpfen ihr Familienunternehmen wieder aufzubauen. Während Georg sich ganz dem Kontor in der Heimatstadt widmet, zieht es Karl nach Wien. Auch er hat so seine eigenen Ideen, die er verwirklichen möchte. Die Wiener lieben Schokolade in jeglicher Form und Karl will dies für sich nutzen. Ein Getränk, das für uns heute selbstverständlich ist, wird hier zum Mittelpunkt. Die Szenen, die sich vor allem mit der Herstellung des Kakaos befassen, hätten vielleicht ein wenig länger und ausführlicher sein können, in jedem Fall war es interessant zu lesen, wie mit den Kakaobohnen umgegangen wurde.

Schöne Erzählung über eine Familie aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert

Ellin Carsta schildert die Umstände, die dazu führen, dass die Familie einen anderen Weg einschlägt als vom Vater vorgegeben, sehr genau und lässt damit den Leser an dem Schicksal der Hansens teilhaben. Sie gehen dabei mit hanseatischer Gelassenheit vor. Manchmal würde man sich beim Lesen schon ein bisschen mehr Spannung wünschen, aber auf der anderen Seite wechselt Carsta auch immer im richtigen Moment die Szenen. Ihr Erzählstil ist dabei recht modern gehalten und lässt sich somit leicht und locker lesen.

Mit hanseatischer Sturheit setzten die Brüder ihre Idee in die Tat um. Sie scheinen alles richtig zu machen. Aber dann wird doch alles ganz anders, als die Brüder es sich gedacht hatten. Das Leben spielt ihnen sozusagen einen Streich nach dem anderen. Gerade als man sich so richtig mit den Protagonisten angefreundet hat, ist dieser erste Teil dann auch schon vorbei. Der Leser bleibt mit der Frage zurück: Was mag das Schicksal noch für die Familie parat haben? 

Die ferne Hoffnung

Ellin Carsta, Tinte & Feder

Die ferne Hoffnung

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