Die List der Wanderhure

  • Droemer-Knaur
  • Erschienen: Januar 2014
  • 2
  • Droemer-Knaur, 2014, Titel: 'Die List der Wanderhure', Originalausgabe
Die List der Wanderhure
Die List der Wanderhure
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Rita Dell'Agnese
781001

Histo-Couch Rezension vonSep 2014

Spannende Ergänzung der Wanderhuren-Reihe

Die Fans der Wanderhure können sich freuen: das Autorenpaar Iny Lorentz schickt Marie und Michel auf eine weitere abenteuerliche und gefahrvolle Reise. Dieses Mal werden die beiden nicht getrennt, sie dürfen sich gemeinsam den Gefahren stellen. Spätestens bei dieser Beschreibung wird der echte Fan der Reihe jedoch aufmerken. Ist doch die Geschichte längst beim Schicksal der mittlerweile erwachsenen Kinder des Paares angekommen. Tatsächlich setzt Die List der Wanderhure zeitlich gesehen etwa dort ein, wo der dritte Band der Reihe aufhört. Und hier liegt auch die große Schwäche dieses Bandes begraben. Wer alle Teile kennt, wird sich schwer tun, sich ganz auf diesen neuen Zwischenband einzulassen. Das Wissen um das weitere Schicksal der Protagonisten legt sich lähmend auf die an sich gut konzipierte Story. Wer jedoch das Glück hat, erst neu in die Wanderhuren-Reihe einzusteigen, wird sich über das Abenteuer des klugen und leiderfahrenen Paares freuen.

In ihr neuestes Abenteuer werden Marie und Michel verstrickt, als sie sich Anfang des 15. Jahrhunderts von Kibitzstein aus aufmachen, um mit dem Bischof in Würzburg über einen Kredit zu sprechen, den sie dem immer in Geldnöten steckenden Geistlichen gewähren sollen. Auf ihrem Weg nach Würzburg begegnet den beiden Kibtzsteinern eine seltsame Reisegruppe: Es sind Hartwin von Frommberg und seine Gefolgsleute, die die junge Donata aus dem Waldkloster abholen wollten, wo diese als Schwester Justina sich einem geistlichen Leben widmen wollte. Doch um die Erbfolge der von Frommbergs sicher zu stellen, ruft Donatas Vater seine Tochter aus dem Kloster zurück, um sie mit seinem Bruder Hartwin zu verheiraten. Noch bevor die Delegation aber das Waldkloster erreicht, wird dieses von grimmigen Ordensleuten überfallen. Der Äbtissin Isabell de Melancourt gelingt es, Schwester Justina aus dem Kloster fliehen zu lassen, um Hilfe herbei zu holen. Unterwegs trifft diese just auf ihren Onkel und seine Leute. Anfänglich begegnet Donata Marie noch mit Misstrauen, doch schnell merkt sie, dass sie die einzige Vertraute ist und lässt sich von ihr nach Würzburg bringen. Der pflichtbewusste Michel erklärt sich bereit, im Waldkloster nach dem Rechten zu sehen. Donata soll die Truppe begleiten, um ihnen den geheimen Weg ins Kloster zu zeigen. Das aber bedingt, dass auch Marie mit von der Partie ist. Erst nach und nach zeigt sich, dass hinter dem Überfall weit mehr steckt, als nur die Gier nach den Reichtümern des Klosters: Die Suche nach dem heiligen Gral.

Solides Handwerk

Das Autorenpaar Iny Lorentz wird seinem Namen als Bestsellerautoren auch hier gerecht, ohne Frage. Abgesehen von der ärgerlichen Sache mit der Chronologie steht das neueste Wanderhurenwerk den anderen fünf Bänden der Reihe in nichts nach. Die bereits bekannten und vielseits geliebten Protagonisten beweisen sich auch hier wieder als sympathische Helden, die sich selbst vor üblen Gegnern nicht fürchten und sich für ihre Überzeugung und den ihnen anvertrauten Menschen wacker ins Zeug legen. Die Leserinnen und Leser treffen einmal mehr den König Sigismund an, der sich erneut als unzuverlässiger Herrscher erweist, wenn er auch nicht unsympathisch wirkt. Mit Isabelle de Melancourt ist eine weitere Figur hinzugekommen, die sehr empathisch und überzeugend agiert. Der Not geschuldet, dass die Figur in der weiteren Reihe nicht mehr vorkommt, muss das Autorenpaar sie leider auch gleich wieder los lassen. Doch dieser Winkelzug geschieht auf eine überzeugende und nachvollziehbare Weise. Hier zeigt sich einmal mehr das Geschick des Autorenpaars, sich auf neue Situationen einzustellen und ihre eigenen Geschichten wo nötig auch etwas zurecht zu biegen.

Noch nicht ausgereizt

All jenen, die mit hochgezogenen Augenbrauen abwinken und darauf hinweisen, dass sich die Wanderhuren-Geschichte längst tot gelaufen hat, beweist das Autorenpaar, dass die Geschichte noch längst nicht ausgereizt ist. Die umfassende Recherche zu den damaligen Ereignissen lässt genug Spielraum, um neue Abenteuer zu kreieren, die nicht bloßer Abklatsch unter veränderten Bedingungen der bereits bekannten Abenteuer sind. Die Leser können mit Marie und Michel nicht nur mitfiebern und mitleiden, sie erfahren auch ein gutes Stück über die Politik in Europa Anfang des 15. Jahrhunderts und über Gepflogenheiten und gesellschaftliche Entwicklungen. So bietet auch dieser Wanderhuren-Band eine Fülle von geschichtlich interessanten Details und ist eine gut geschriebene Fundgrube für alle Freunde des Mittelalters.

Die List der Wanderhure

Iny Lorentz, Droemer-Knaur

Die List der Wanderhure

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