Das Sakrament von Tim Willocks

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel „The Religion“, deutsche Ausgabe erstmals 2006 , 640 Seiten. ISBN 335200739X. Übersetzung ins Deutsche von Ulrike Seeberger.

Kurzgefasst:

Die Insel Malta wird von den Türken belagert. Nur ein Mann, so scheint es, kann den Christen noch helfen: Der Deutsche Mattias Tannhäuser wurde als Zwölfjähriger von den Türken entführt und ist bei ihnen aufgewachsen. Er kennt ihre Kultur und ihre Waffen. Um ihn auf die Insel zu locken, schickt der Großmeister des Malteser Ordens die schöne Contessa Clara nach Sizilien, wo Tannhäuser mit einem jüdischen Freund erfolgreich Handel treibt. Schafft die Contessa es, Tannhäuser nach Malta zu locken, darf sie ihn auf die Insel begleiten, auf der ihr verlorener Sohn lebt. Doch kaum hat sich Tannhäuser entschieden, den Christen zu helfen, wird sein Haus zerstört, sein Freund gefoltert – die Inquisition ist ihm auf den Fersen. Der Inquisitor Ludovico versucht mit aller Macht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Was Tannhäuser auf Malta finden könnte, würde den Untergang der Inquisition bedeuten.

Leseprobe

Das meint Histo-Couch.de: „;Schwert und Schweiß für den Johanniterorden“;

von Carsten Jaehner

Tief im Süden Europas, noch südlicher als Sizilien, liegt wie ein Bollwerk mitten im Mittelmeer die Insel Malta. Durch seine zentrale Lage war diese nur 246 Quadratkilometer große Insel schon immer ein strategisch wichtiger Punkt für viele Völker und Kulturen und daher immer wieder von verschiedenen Eroberungen betroffen. Von der Steinzeit über die Phönizier und Römer bis hin zu den Spaniern im 13. Jahrhundert wechselten die Besatzer recht häufig. Dabei wurde die Insel zu einer fast uneinnehmbaren Festung ausgebaut.

Eine sehr wenig bekannte historische Begebenheit, die doch von zentraler Bedeutung für das Christentum ist, ist die Belagerung von Malta im Jahr 1565. Im Jahr 1530 übertrug Kaiser Karl V. dem Johanniterorden die Mittelmeerinsel südlich von Sizilien und baute Malta zu ihrem neuen Stützpunkt aus. Nach Abspaltung einiger protestantischer Mitglieder wurden sie bald bekannt als „;Malteserorden“;.

Vor allem den osmanischen Kriegsflotten, die im Mittelmeerraum aktiv waren, war der Orden ein Dorn im Auge. Unter Süleyman II. dem Prächtigen hatten die Osmanen den gesamten östlichen Mittelmeerraum unterworfen, und Malta stellte einen hervorragenden Stützpunkt dar. Der Malteserorden baute seine Befestigungen aus, und so wollten die Osmanen die Insel erobern. Die osmanische Flotte war bislang ungeschlagen.

Die Belagerung von Malta

In diese spannungsgeladene Ausgangssituation setzt Tim Willocks seinen großen Roman, der während der viermonatigen Belagerung und sowohl kurz davor als auch kurz danach spielt. Mattias Tannhäuser, Sohn eines sächsischen Schmiedes, der in die Karpaten ausgewandert ist, muss mit ansehen, wie seine Familie von den Türken niedergemetzelt wird, wird aber von den Türken, die auf der Suche nach Knaben als „;Sklaven des Todes“; sind, mitgenommen und von den Türken aufgezogen. Nach seiner Lossagung von den Türken lebt er in Sizilien, treibt allerlei legalen und illegalen Handel und ist gleichermaßen respektiert und gefürchtet, politisch neutral und eigentlich nur an ertragreichen Geschäften interessiert.

Der Johanniterorden auf Malta versucht, Tannhäuser und seine Fähigkeiten durch eine List für sich zu gewinnen, immerhin gilt er als erfahrener Kämpfer, der die Türken besser kennt als jeder andere. Diese List kommt – natürlich – in Gestalt einer Frau, der Comtessa Carla, die ihn bittet, ihren vermissten Sohn von Malta zu holen. (Lesen Sie mehr in unserer Leseprobe.) Schon oft ist ihr die Fahrt dorthin versagt worden, da die Insel evakuiert wird und jeder unnötige Esser fortgeschafft wird. Mit seinem Freund und Weggefährten Bors von Carlisle, einem englischen Hünen, und der Dienerin von Carla, dem Mädchen Amparo, macht er sich nun auf den Weg nach Malta, nicht wissend, was auf der Insel so alles passieren wird.

 

Erfreuliche Liebe zum Detail

Tim Willocks legt hier mit seinem ersten historischen Roman gleich ein großartiges Buch vor, bei dem man von der ersten bis zur letzten Seite gleich mitten im Geschehen ist. Aufgebaut wie ein klassisches Drama in fünf Akten mit Prolog und Epilog, schafft er eine Atmosphäre, die es einem leicht macht, dem Geschehen zu folgen. Überhaupt, alles, was dort passiert, das wird beschrieben, als wäre man direkt dabei, auf jeden Fall wünscht man sich, man wäre dabei. Man ist den Figuren so nah, wie man einer Romanfigur nur sein kann. Niemals wird man von Willocks allein gelassen, niemals schreibt er irgendwelche überflüssigen oder unwichtigen Dinge.

Dabei gefallen vor allem die detailreichen Beschreibungen in allen Facetten, die dieser Roman zu bieten hat. Seien es Pferde, Kampfarten, Waffen oder nur die Beschreibung der Insel, ihrer Natur und Geographie, stets hat man Gefühl, mit den handelnden Personen direkt vor Ort zu sein und die Geschichte selbst hautnah mitzuerleben. Um es sich noch besser vorstellen zu können, sei hier lobend die angefügte Landkarte von Malta erwähnt, die einem die Insel noch näher bringt.

Starke Persönlichkeiten statt blasse Nebenfiguren

Auch die Charakterisierung der einzelnen Charaktere ist überaus gelungen. Die Hauptperson, Mattias Tannhäuser, kommt dabei nicht immer nur sympathisch daher, aber man ist immer auf seiner Seite. Sein Kumpan Bors von Carlisle ist ein ebensolcher Hüne wie er. Die Dialoge zwischen den beiden sind köstlich zu lesen, man merkt, dass die beiden schon eine lange Strecke gemeinsamen Weges miteinander gegangen sind und auch noch gehen werden. Die beiden Frauen, Comtessa Carla und ihre hellseherische Gefährtin Amparo, bestechen durch ihre Reize und betören damit das eine und andere Herz. Auch Tannhäusers Gegenspieler, der Inquisitor Ludovico, ist zwar noch jung, aber doch schon grausam und hintertrieben genug für einen mächtigen Mann der Kirche, um ihm sein ihm zustehendes Schicksal zu gönnen.

Auch wenn der Weg der Personen eigentlich vorgezeichnet ist, so hält Willocks doch immer wieder kleine Überraschungen parat, die die Geschichte doch nicht so einfach verlaufen lässt, wie das vielleicht hätte sein können. Und es gibt mehr als nur eine Person, die die letzte Seite des Buches nicht lebend erreicht. Romanfiguren sind eben auch nur Menschen.

Schlachten, Bösewichte und die Liebe

Die Tatsache, dass nicht nur die Geschichte auf einem realen Hintergrund basiert, sondern auch die Charaktere teilweise reale Hintergründe und Vorbilder haben, macht die Geschichte sehr dicht und die Handlung realistisch. Wenn die Malteser auf ihren Mauern stehen und einen Angriff der Türken nach dem anderen abwehren, kann man sich gut vorstellen, wie sehr die Sommerhitze einem die Arbeit erschwert.

Dabei hat die Geschichte neben Kämpfen und Krieg alles zu bieten, was das Leserherz begehrt: ein Mann zwischen zwei Frauen, ein verlorener Sohn, einen durchtriebenen und skrupellosen Bösewicht, große Schlachten, aber auch die kleinen ruhigen Momente, in denen das Leben kurz anhält und die aber für das innere Seeleleben wichtig sind.

Dieses Buch sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Es ist ein rundum gelungenes Werk, das Sie nur ungern vor der letzten Seite wieder aus der Hand legen werden. Und selbst dann eigentlich nicht. Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung, an der Willocks schreibt (Lesen Sie dazu mehr im Interview), diesen Standard halten kann. Es wäre ihm und seinen Charakteren zu wünschen.

Sollten Sie in Ihrem Bücherregal keinen Platz mehr haben, dann schmeissen irgend ein anderes weg, oder, noch besser: Kaufen Sie ein neues Regal. Und wenn es nur für dieses Buch ist. Sie werden es nicht bereuen. Und sollten Sie zudem das Bedürfnis entwickeln, das Spiel auf der Gambe zu erlernen – lassen Sie sich nicht aufhalten. Es gibt heutzutage viel zu wenige, die das noch beherrschen.

Ihre Meinung zu »Tim Willocks: Das Sakrament«

M.Reinsch zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 30.05.2011
Eigendlich ist das buch für mich absolut faszinierend gewesen - soll heißen: manchmal konnte ich es aus Interesse/Spannung nicht aus der Hand legen, und dann wieder fast an Langeweile/Ödnis wegwerfen.
Die extreme Charactertiefe wäre z.B. hervorzuheben (eigendlich super, aber manchmal doch schon so tief, das es zu viel wurde). Die ganze Geschichte ist eigendlich so lebendig geschrieben, dass Sie einen wirklich am Schauplatz des Geschehens da bei sein lässt (wo bei auch die beiden Karten helfen). Kampfsequenzen passen gut zu einem Cornwell oder Iggulden, während die "sanften Passagen" einer Charlotte Link Ehre machen würden. Besonders gut hat mir die Detailgenaugigkeit in fast allen Fragen der Geschichte gefallen. Selbst kleine Details sind sehr gut rechergiert und umgesetz worden.
Ein echter Spannungsbogen kommt leider erst ab S.600 für mich auf, aber das ganze Buch ist eigendlich eine große Geschichtsstunde zum Thema "Johanniter-Orden", und Aufbau der osmanischen Armee. nach dem ich das letzte Kapitel gelesen hatte, erschienen mir die Vorhergehenden wie eine Overtüre für eben diese Kapitel (für mich eigendlich der Schlüssel zum Roman).
Fazid. Nicht unbedingt meine Epoche, aber sehr lesenswert! 93°
Micha
Stefan83 zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 17.02.2008
Vorneweg: Wer „Das Sakrament“ von Tim Willocks kauft, sollte trotz des irreführenden Titels keinen weiteren Dan-Brown-Verschnitt um religiöse Geheimsekten erwarten, denn es handelt sich um einen historischen Roman und, meiner Meinung nach, um einen der besten der letzten Jahre. Der Inhalt lässt sich schnell zusammenfassen: Der Mittelmeer-Insel Malta droht, nachdem einige Jahre zuvor schon Rhodos gefallen ist, eine Belagerung durch das Heer der Türken. Eine kleine Gruppe von wenigen tausend Soldaten, darunter auch Ritter des Johanniterordens, soll den Angriff zurückschlagen. Um für die kommende Schlacht jegliche Chance zu nutzen, lockt man den Deutschen Mattias Tannhäuser, welcher seine Kindheit im Osmanischen Reich verbracht hat, auf die Insel. Gemeinsam mit ihm erlebt der Leser eines der wohl blutigsten Gemetzel der Geschichte, als Welle um Welle von türkischen Angreifern gegen die Wälle der Ordensfestung stürmt. Besteht oft Gefahr, dass man bei der Schilderung eines derart gewaltsamen Konflikts unbewusst einer Seite den Makel des Bösen verpasst, gibt Willocks keiner den Vorzug. Mit viel Sensibilität nähert er sich den Weltreligionen Christentum und Islam an, und skizziert den beiderseitigen religiösen Fanatismus genauso wie die große Kraft, welche aus dem Glauben erwächst. Dank der absolut gelungenen, wenngleich auch mitunter etwas zu heroischen Figur Tannhäuser, erhält der Leser Zugang zu beiden Lagern, kann er die Sichtweise beider Seiten nachvollziehen. Und obwohl das Kämpfen einen Großteil des Buches in Anspruch nimmt, bleibt die Spannung fast durchgehend erhalten. Dies liegt in erster Linie an der lebendigen, bildreichen Sprache des Autors, die unter anderem Einblicke in die damalige Strategie der Kriegsführung gewährt und mit ihrer Detailtreue nicht nur der Schlacht den heroischen Charakter nimmt, sondern gleichzeitig dem Werk epische Züge verleiht. Überhaupt spielt „Das Sakrament“ was Sprache und Stil angeht auf höchstem Niveau. Großes Lob an die deutschen Übersetzer. Insgesamt ist Willocks eine abenteuerliche Geschichte um Liebe (Die oftmals etwas gestelzt und zu konstruiert wirkenden romantischen Beziehungen der Figuren bleiben einer der wenigen Kritikpunkte) und Glauben, Obsession und Intrige, Krieg und Verrat gelungen, die geradezu nach einer Verfilmung schreit und welche angesichts der religiösen Konflikte im Nahen Osten und Europa wohl nie an Aktualität verlieren wird. Auf die geplanten Fortsetzungen darf gespannt gewartet werden.
K. Hauptfleisch zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 06.09.2007
Was mich am englischen Original "The Religion" besonders fasziniert, ist der Reichtum der Sprache von Tim Willocks. Wenn in der deutschen Fassung nur halb so viel herüberkommt, ist "Das Sakrament" schon deshalb lesenswert. Mehr als die reine Story reizen mich davon abgesehen die historischen Hintergründe und die Vielschichtigkeit der Charaktere in dem Roman.
Klaus-Peter Dannenberg zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 17.03.2007
Ein wunderbares Buch,für Menschen, die Historik und Waffenkunst gerne miteinander verbinden. Detailgetreue Schilderungen der Bewaffnung der beteiligten Kämpfer eingebunden in eine spannende Geschichte um Liebe und Tod fesseln einem dermaßen, daß man das Buch garnicht aus der Hand legen kann.
Für mich eines der besten Bücher in der Beschreibung des Malteser-bzw. Johanniterordens.
Patrick K. zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 20.12.2006
Das Sakrament: Ich habe den 750 seitigen Roman nun heute zu Ende gelesen und mein Fazit ist:absolut empfehlenswert. Pro:Interessante und abwechlungsreiche Charaktere-eine historisch detailierte Beschreibung der Geschehnisse im Zeitraum der Belagerung Maltas(hoher Lerneffekt!)-eine sehr lehenswerte und realistisch anmutende Handlung.Contra:nur 750 Seiten-manchmal zu gefühlsbetonte Schreibweise.Dies war mein erster historischer Roman und er macht Lust auf mehr.Wem es also Spaß macht,beim Lesen eines Buches auch sein Wissen zu erweitern, der sollte zugreifen!
Stefan zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 08.10.2006
Malta 1565: Zwei Frauen lieben denselben Mann. Dieser Mann kann sich nicht wirklich für eine dieser beiden Frauen entscheiden. Eine der Frauen ist im Sinne der Inquisition eine Hexe, die andere auf der Suche nach ihrem Sohn, den man ihr direkt nach der Geburt weggenommen hat. Ein Inquisitor, der Vater des Jungen, will die Welt von allem Bösen befreien und zudem mehr Macht haben. Und zu allem „Überfluss“ belagern die Türken die Insel.
Das sind die Zutaten des Romans. Nicht viel Neues, aber dennoch versprechen sie eine interessante Erzählung…

Positiv muss in jedem Fall erwähnt werden, dass Tim Willocks sich an die geschichtlichen Fakten und Daten hält. Auch Kleinigkeiten werden aufgeführt, wie z.B. die Explosion eines Pulverfasses in Reihen der Malteser oder die maltesische Kavallerieattacke auf das Lazarett der Türken. Ledigleich „der große Bluff“ fehlt. Auch lässt er die damaligen Oberbefehlshaber mitspielen, sei es direkt oder indirekt. Was mir auch besonders gut gefallen hat, ist, dass er nicht nur die Schlachten beschreibt, sondern auch die Versorgung der Truppen, das Leid und Elend der Verwundeten und die damaligen Operationsmethoden.

Die ersten 200 (zweihundert!) Seiten dienen der Einleitung und Beschreibung der Charaktere, die schon einige Herausforderungen bestehen müssen. Hier fällt bereits das leicht klischeehafte auf. Die männlichen Protagonisten sind eiskalte Mörder, der eine sexbesessen und geldgierig, der andere im eigenen Kampf gegen die „Dämonen der Lust“ und machthungrig. Die Frauen verkörpern selbstverständlich „das schöne Geschlecht“, haben wunderschöne Brüste - was immer mal wieder erwähnt werden muss. Sie sind durchaus mutig, aber im entscheidenden Moment ergeben sie eher in ihr Schicksal. Trotz der langen Einleitung ist dieser Teil interessant und auch durchaus spannend geschrieben und macht Appetit auf mehr.
Doch es folgen 100 (einhundert!) Seiten, in denen so gut wie nichts Aufregendes passiert. Erst dann beginnt die richtige Suche nach dem verlorenen Sohn, was durchaus ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel ist, aber irgendwie auch nicht so richtig spannend. Diese Suche ist, nebst der Kriegshandlungen, das eigentliche Thema der folgenden 200 (zweihundert!) Seiten. Zwischendurch kommt der Inquisitor nach Malta und ich glaubte, dass nun endlich der Roman an Fahrt gewinnt. Leider Nein! Erst nach 600 (sechshundert!) Seiten (von 760) wird der Inquisitor böse und die Geschichte endlich einigermaßen spannend.

Ich habe den Eindruck, dass Tim Willocks das Beschreiben liebt. Denn immer wieder, vor allem nach interessanten Passagen, nimmt er die Spannung durch längere Beschreibungen raus. Sicherlich ist es gut, wenn man als Leser die Personen kennt, versteht wie sie handeln. Genauso ist es nicht schlecht, wenn man die Städte und Landschaften beschrieben bekommt und man das Gefühl hat mittendrin zu sein, doch geschieht das allzu sehr auf Kosten der Spannung, was bei mir dazu führte, dass ich mich streckenweise durch den Roman gequält habe.
Richtig spannend ist die erzählte Geschichte nicht wirklich und für meinen Geschmack zu lang geraten. Zudem ist Einiges leicht vorhersehbar und manches wird auch schon frühzeitig verraten. Genauso fehlen auch überraschende Wendungen. Und wenn man den Ausgang des damaligen Krieges bereits kennt, ist das Buch noch weniger spannend.
Merkwürdig finde ich, dass sich die Frauen wehrlos den Intrigen des Inquisitors ergeben. Sind nicht gerade die Frauen die besseren Intriganten? Natürlich ist das ein Klischee, aber es hätte zum Roman gepasst und ihn vielleicht richtig spannend gemacht, zumindest im Schlussteil!

Fazit: Dieses Buch macht eher den Eindruck ein Drehbuch zu sein, das nach seiner Verfilmung schreit. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass mit dem richtigen Regisseur und Schauspielern der Film ein Erfolg wird, wenn der Schwerpunkt auf dem stattgefundenen Krieg liegt. Denn die „Nebenhandlung“, eine Liebesgeschichte, ist etwas fad und merkwürdig.
Cait zu »Tim Willocks: Das Sakrament« 21.09.2006
Der Titel dieses Romans – Das Sakrament – gibt auf dem ersten Blick nicht viel vom Inhalt des Buches preis. Erst zum Ende erschließt sich dem Leser, was der Buchtitel bedeuten könnte:
Sacramentum wird von Tim Willocks mit Berufung gleichgesetzt, wendet man diese Definition auf die Personen des Romans an, so erkennt man, dass nahezu alle Figuren entweder ihrer persönlichen Berufung nachgehen oder auf der Suche nach ihr sind - einige finden sie, andere bleiben erfolglos.
Die Hauptperson – Mattias Tannhäuser – ist auf der Suche, Comtessa Carla findet sie und der Inquisitor Ludovico lebt sie, um nur einige Charaktere zu nennen.
Tim Willocks ist es unwahrscheinlich gut gelungen, diesen roten Faden sehr subtil durch sein gesamtes Buch zu ziehen.

Aber nicht nur das hat der Autor aus meiner Sicht phantastisch gemacht.
Am Beeindruckendsten finde ich sein Gespür für die Charaktere.
Willocks schafft Menschen, die nicht nur glaubhaft und wunderbar facettenreich sind, sondern sich zudem auch noch, während einer recht kurzen Zeitspanne von etwa vier Monaten, weiterentwickeln. Und das absolut glaubwürdig und nachvollziehbar.

Am meisten Eindruck hat Mattias Tannhäuser auf mich gemacht. So ist er auf der einen Seite ein sehr einfühlsamer, aber direkter Mann und auf der anderen Seite ist er ein grausamer, kaltblütiger Krieger, wenn es die Situation erfordert.
Das gefällt mir sehr, denn so hat der Autor es geschafft, Mattias nicht nur eine Schwarz- oder Weiß-Färbung zu verpassen, sondern all seine Facetten hervorzuheben.
Und das hat er nicht nur bei Tannhäuser geschafft, sondern bei all seinen Hauptfiguren!
Auch die „Bösen“ haben noch menschliche, vielleicht sogar sympathische Züge und schaffen es zumindest für kleine Momente, dem Leser Mitleid zu entlocken.

Tim Willocks stellt den Krieg sehr realistisch und greifbar dar, manchmal meinte ich, ich könnte Blut und Schweiß riechen, die Sonne auf meiner Haut spüren, Ängste und Sorgen wirklich empfinden.
Aber auch die Kleinigkeiten und ruhigen Momente zwischen den Schlachten haben einen besonderen Platz in diesem Buch und werden von Willocks ebenso wunderbar gewürdigt.
Er haucht nicht nur den Figuren, sondern auch den Tieren, der Natur und den Ereignissen greifbares Leben ein: Kopfkino aller erster Güte!

Aufbau, Stil und Sprache fügen sich fast einzigartig zusammen.
Gleich auf den ersten Seiten wird man gnadenlos und ohne Schonung mitten ins Geschehen „geworfen“ und erst auf der letzten Seite entlassen. Für jeden Tag gibt es ein eigenes Kapitel, das sowohl datiert als auch mit den Handlungsorten betitelt ist. Das gefiel mir sehr gut, bekommt man dadurch ein ganz eigenes Gefühl für den Ablauf des Krieges auf Malta.

Es gibt keine „Stolpersteine“ beim Lesen, der Text liest sich wunderbar leicht und flüssig, ohne dabei zu simpel oder anspruchslos zu wirken. Langeweile kam nie auf, im Gegenteil, es ist ein wahrer Page-Turner!
Die Dialoge kommen nie gestellt oder verkrampft rüber. Gerade die Gespräche zwischen Bors und Mattias vermitteln ein tiefgehendes Gefühl von Wärme und inniger Freundschaft.

Da der Schauplatz dieses Romans das belagerte Malta ist, kommt der Leser nicht um ausführliche Schlachtszenen und detailliert beschriebene Grausamkeiten rum.
Für sehr zart besaitete Leser, könnte es stellenweise vielleicht ein wenig zu grausam sein. Ich zähle mich eigentlich nicht dazu, doch musste auch ich ab und zu wirklich schlucken.
Die letzten 70 Seiten hatten es für mich dann emotional noch mal so richtig in sich. Immer wieder hab ich geweint, geschluckt oder einen dicken Kloß im Hals gehabt und mit so mancher Entscheidung des Autors kann ich mich nicht anfreunden, auch wenn es so am realistischsten ist.

Aber es gibt auch Kritik, wenn auch nicht viel:
Einiges war mir persönlich ein wenig zu sehr vorhersehbar und die Spannung hätte sich sicherlich stellenweise noch erhöhen lassen, hätte der Autor ein paar Geheimnisse länger vor dem Leser bewahren können.
Der Beginn wirkte zeitweise ein bisschen konstruiert und auch Mattias’ Frauenbesessenheit des Anfangs nervte mich manchmal.
Diese Anlaufschwierigkeiten lösten sich im Laufe des Romans aber in Luft auf und machten Platz für ein wirklich wunderbares, sehr lesenswertes Buch!

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