Der Minnesänger von Tim Pieper

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel „Der Minnesänger“, , 480 Seiten. ISBN 3-453-47099-0.

Kurzgefasst:

Mitte des 12. Jahrhunderts: Es ist ein Privileg, als Sohn eines unfreien Lehnsherrn in einem Kloster ausgebildet zu werden. Hartmann von Aue weiß das zu schätzen. Als sich der junge Mann in die Nachbarstochter Judith verliebt, lernt er das Harfespielen nur, um seiner Angebeteten ein Lied zu singen. Bis der Minnesänger sie wiedersieht, vergehen Jahre voller Sehnsucht und Gefahren. Jahre, die den Ritter auf den Kreuzzug führen und die zu Unrecht des Giftmordes beschuldigte Heilerin in den Kerker. Wird er ihr je von seiner Liebe singen können?

Das meint Histo-Couch.de: „Das Hohelied der Minne stark gesungen“

von Carsten Jaehner

Im Jahr 1164 gelingt es Dankwart von Aue, seinem Herrn und Fürsten in einer Schlacht das Leben zu retten. Als Dank dafür darf sein zweitgeborener Sohn Hartmann, sonst ohne Aussicht auf irgendeine Karriere, unstandesgemäß in einem Kloster das Schreiben und Rechnen lernen. Als sechsjähriger geht Hartmann ins Kloster und sieht für die nächsten sieben Jahre nichts anderes mehr.

Als er dreizehnjährig erstmals zu Ostern wieder nach Hause darf, lernt er seine Freundin aus Kinderspieltagen, Judith, neu kennen. Beide verlieben sich ineinander, wissen sich jedoch nicht recht auszudrücken, obwohl eigentlich alles klar ist. Hartmann muss zurück ins Kloster und verspricht, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Durch Krankheit und Verpflichtungen jedoch kommt er erst zwei Jahre später wieder und muss feststellen, dass Judith inzwischen verheiratet ist – mit einem Mann, den sie nicht liebt und den sie auf Druck vor allem ihrer Mutter geheiratet hat. Für Hartmann geht eine Welt unter. Aber er gibt nicht auf, und allen Widrigkeiten zum Trotz findet er Trost in der Kunst der Musik und des Minnesangs. Bald kommt er in die Dienste des neuen Fürsten und macht Karriere, aber Judith geht ihm nicht aus dem Kopf. Und auch sie hat Hartmann nicht vergessen.

Gute Darstellung von Ort und Zeit

In die hochmittelalterliche Welt des Minnesangs entführt Autor Tim Pieper den Leser in seinem Erstlingswerk Der Minnesänger, und er tut dies anhand eines der seinerzeit berühmtesten und heute zu den zwölf alten Meistern des Minnesangs gehörenden Hartmann von Aue. Wortgewandt beschreibt er eine Zeit, in der man wusste, wo man hingehörte, und wenn man das mal vergessen hatte oder aufstreben wollte, dann wurde man schon an seinen Stand erinnert.

Einfühlsam und mit großer Sorgfalt entsteht ein mittelalterliches Bild, in dem sich der Leser schnell zu Hause fühlt, und auch nach aufgezwungenen Lesepausen ist man sofort wieder „drin“ im Roman. Das schafft nicht jeder Autor, gerade in einem Debütroman. Die Figuren sind klar gezeichnet, auch die Standesunterschiede und die Beweggründe der einzelnen Personen sind klar herausgearbeitet und erleichtert dem Leser das Verfolgen der Handlungsstränge. Diese sind geschickt miteinander verwoben, und auch, wenn man ahnt, wie es endet, lässt man sich immer wieder gerne überraschen.

Der „Böse“ schwächelt nach hinten heraus

Geht Judith Ehemann zu Beginn der Ehe doch sehr brutal vor, ist seine Durchtriebenheit, die im Folgenden die Brutalität ablöst, allerdings so nicht recht stimmig mit der vorherigen Charakterisierung. Hier verliert der vermeintlich „Böse“ des Romans doch an Intensität. Etwas übertrieben scheinen auch Judith Fähigkeiten als Heilerin, zumal diese doch nicht so entscheidend sind, wie der Klappentext dem Leser glaubhaft machen will.

Für einen der größten Minnesänger aller Zeiten spielt gerade gegen Ende der Minnesang doch eine sehr untergeordnete Rolle. Hier hätte doch, ausnahmsweise, mehr übertrieben werden dürfen und tatsächlich der große Erfolg Hartmanns mit mehr Beispielen dargestellt werden können.

Trotz dieser kleinen Unebenheiten in der Erzählung ist jedoch ein Roman entstanden, der den Leser durchaus zufrieden stellt und der einen hervorragenden Einblick in Zeit und Sitten und Gebräuche gibt. Was allerdings stark vermisst wird, ist ein Anhang mit einer kurzen Darstellung der historischen Person Hartmann von Aue. Es ist einfach zu wenig über ihn bekannt, als dass da drüber hinweg gegangen werden könnte. Und gerade die Passagen, wo die historische Überlieferung einmal etwas hinterlassen hat, sind die stärksten in der Erzählung. Auch die spärliche Überlieferung seines größten Erfolges Erec wäre eine Erwähnung wert gewesen. Alles in allem aber bleibt ein gelungener Roman, und man freut sich auf ein neues Werk des Autors.

 

Ihre Meinung zu »Tim Pieper: Der Minnesänger«

bonomania zu »Tim Pieper: Der Minnesänger« 20.02.2010
Auch mich hat dieser Schmöker gepackt, ich konnte keine Minute mit lesen aufhören.

Da Steffi in ihrer Rezi schon alles so vortrefflich beschrieben hat, bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich mich schon auf Tim Piepers neuesten Roman freue.

Im Klappentext steht: Für alle Leser von Wolf Serno und Peter Prange.
Ich finde der Autor hat (s)einen ganz eigenen Stil, der mich total gefesselt hat.
Von mir gibt es 80 Punkte
Steffi zu »Tim Pieper: Der Minnesänger« 12.01.2010
Spannende und romantische Mittelaltersaga!

Ein historischer Roman aus dem Hochmittelalter sollte es sein. Der Name der Hauptfigur war mir noch vage aus dem Studium bekannt, also gab ich dem Buch eine Chance. Um es gleich vorweg zu nehmen - dieser Schmöker hat mich gepackt. Ich habe ihn geradezu verschlungen.

Im Jahre des Herrn 1160. Als zweitgeborener Sohn eines unfreien Dorfschulzen hat Hartmann nur wenig Chancen, etwas aus seinem Leben zu machen. Ein tristes Dasein erwartet den aufgeweckten Jungen. Nur durch die Tapferkeit seines Vaters erhält er die Chance, in der Klosterschule von Sankt Georgen das Lesen und Schreiben zu lernen. In dem Herzog von Zähringen findet er einen großzügigen Förderer und muß am Freiburger Hof zahlreiche Anfeindungen überstehen, bis er einer der berühmtesten deutschen Dichter wird. Nur auf der persönlichen Ebene ist ihm kein Glück beschieden. Seine Jugendliebe Judith bleibt lange unerreichbar. Irgendwann begreift Hartmann, dass es im Leben nur wenige Dinge gibt, für die es sich wirklich zu kämpfen lohnt, und er geht große Risiken ein, um doch noch eine Chance auf eine Zukunft mit Judith zu haben.

Die Inhaltsangabe auf der Rückseite gibt nur die Liebesgeschichte wieder. Die Story bietet aber noch mehr. Die einzelnen Schicksale der Familienmitglieder, Kriege, Kräuterkunde, Sehnsucht, Ritterturniere, die höfische Kunst, politisches Ränkespiel und natürlich die Minne werden so geschickt verwebt, dass mir nie langweilig geworden ist. Hinzu kommt, dass die Handlung an vielen verschiedenen Orten spielt. So eröffnet sich dem Leser ein buntes Panaroma, das ihn beiläufig über die unterschiedlichen Lebensbereiche des Mittelalters informiert. An den zahlreichen Details merkt man sofort, wie gründlich der Autor recherchiert hat. Die Charaktere sind so lebensecht gezeichnet, dass ich jederzeit mitfiebern konnte. Wirklich gut hat mir auch die bildhafte Schreibweise gefallen. Ich konnte alles genau vor mir sehen.

Schon lange hatte ich kein so schönes Leseerlebnis mehr. Jedem, der gerne spannende und bewegende historische Romane liest, kann ich den Minnesänger" wärmstens empfehlen.

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