Das Werk der Bücher von Stephan Naumann

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel „Das Werk der Bücher“, , 321 Seiten. ISBN 3839211395.

Kurzgefasst:

Mitte des 15. Jahrhunderts. Der menschenverachtende Richter Tanner ist bis ins hohe Alter kinderlos geblieben. Sein Unmut darüber treibt ihn zu einem schicksalhaften Pakt mit dem Teufel. Der Bastard Nathan, den er mit einer Dirne zeugt, wird jedoch nicht nur ihm sehr schnell unheimlich. Während eines Feuers, das ihm durch seine Verbindung mit der Hölle nichts anhaben kann, erhält der hinterhältige Junge seine wahre Bestimmung: Er soll die bedeutendste Erfindung seiner Epoche, Gutenbergs Buchdruck, zu Gunsten des Teufels missbrauchen. Nathan macht sich auf den Weg nach Mainz …

Das meint Histo-Couch.de: „Düstere Teufelsphantasien und Reim-Orgie“

von Rita Dell'Agnese

Durch die Unterstützung des Teufels gelingt es dem bis dahin kinderlosen Richter Tanner, der sich durch besondere Grausamkeit auszeichnet, einen Bastard zu zeugen: Nathan. Das Kind entwickelt sich zum Ausbund des Bösen. Eine Nonne erkennt zwar die Gefahr, kann aber Nathan nicht stoppen. Denn der Teufel hat das Kind als Werkzeug auserkoren. Er schickt den Jungen nach Mainz, um dort die neue Errungenschaft der Menschheit, Gutenbergs Buchdruck, für sich zu missbrauchen. Offenbar kann sich dem teuflischen Jungen nichts in den Weg stellen.

Einem Alptraum entsprungen

Stephan Naumann greift bei seinem Roman tief in die Kiste der teuflischen Phantasien. Und zwar so tief, dass der historische Roman eher im Fantasy-Bereich angesiedelt ist, denn tatsächlich auf einer historischen Ebene. Düster, diabolisch und abstoßend präsentiert sich die Geschichte gleich zu Beginn, und so bekommen die Leser einen Vorgeschmack auf den Alptraum, der ihnen bei der Lektüre von Das Werk der Bücher präsentiert wird. An Nathan ist nichts Menschliches, der Autor zeichnet ihn als Ausgeburt der Hölle, lässt den Jungen in rasendem Tempo teuflische Kräfte entwickeln und macht aus ihm schon im zarten Babyalter ein Geschöpf des Schreckens. Diese bedrückende Phantasie zieht sich als roter Faden durch den ganzen Roman. Und sie ist – für einen historischen Roman – grenzwertig.

Dialoge in Reimform

Nicht ganz nachzuvollziehen ist die Marotte, nahezu sämtliche Dialoge – davon gibt es im Roman allerdings nicht übermäßig viele – in Reimform zu gestalten. Diese seltsame Ausdrucksweise der Protagonisten macht es nicht leichter, mit dem diabolischen Werk umzugehen. Sie legt sich wie eine düstere Wolke über das an sich schon bedrückende Werk. So mag man sich stellenweise durch den klebrig-teerigen Sumpf der Hölle kämpfen, setzt man sich mit dem Gelesenen auseinander. Durch die Reimform entsteht ein stockender Duktus, der dem Mittelalter – die Geschichte spielt im 15. Jahrhundert – eine lähmende Düsterkeit verleiht, die den tatsächlichen Verhältnissen wohl nur zum Teil gerecht wird. Die vom Autor geschilderten Gräuel beziehen sich wohl eher auf die literarische Note des Verfassers als auf die Lebensweise der Menschen im 15. Jahrhundert.

Gutenberg nicht im Zentrum

Enttäuscht sein dürften alle, die sich von diesem Buch einen Roman erhofft haben, der den Buchdruck von Gutenberg ins Zentrum rückt. Denn Gutenberg spielt erst in der zweiten Hälfte des Buches eine Rolle, und auch hier dreht sich die Geschichte vornehmlich um den teuflischen Nathan und die tapfere Nonne, die der Ausgeburt des Bösen Einhalt gebieten möchte.

Stephan Naumann zollt in diesem Roman dem Trend zu düstereren Teufelsgeschichten Tribut und lässt die historische Komponente in den Hintergrund treten. Dass er dies gekonnt tut, zeigt sich in der sprachlichen Vielfalt, auf die der Autor seine Erzählung bettet. Sehr geschickt lässt er die Geschichte durch zwei Schwestern der tapferen Nonne erzählen. Dadurch erzeugt er gegenüber seinen eigenen Phantasien eine Art Distanz, die sich als Faszinosum über den Roman stülpt und ihn davor rettet, bestenfalls angelesen im Regal verschwinden zu lassen.
Dennoch sollte sich jeder, der zu diesem Buch greift, bewusst werden, dass er hier nicht einen fundierten Roman über Gutenberg in Händen halten wird, sondern einen Ausflug in die Welt der Fantasy unternimmt.

Zwar beweist Naumann erzählerisches Geschick und sprachliches Können, doch dem Genre „Historische Romane“ vermag er über weite Strecken nicht richtig gerecht zu werden.

 

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