„Danke für beste Unterhaltung!“

Am 20. September wurde der Sir Walter Scott-Literaturpreis in Speyer vergeben„;Danke für beste Unterhaltung“

Der Sir WalterScott-Literaturpreis hat einen neuen Gewinner: Andreas Izquierdo hat mit seinem Roman „;König von Albanien“ die Jury überzeugt. Der silberne Lorbeer ging an Walter Mock für seinen Roman „;Simplon“. Für seinen jüngsten Roman „;Das Mysterium“ konnte Titus Müller den bronzenen Lorbeer entgegennehmen. Die Preise wurden im historischen Rathaus von Speyer übergeben.

Die Preisträger
Die Preisträger Müller (im roten Hemd), rechts daneben Mock & Izquierdo

Bereits zum zweiten Mal konnte die Autorengruppe Quo Vadis den Sir Walter Scott-Preis übergeben. Die vierköpfige Jury hatte die Qual der Wahl: 81 historische Romane aus den Jahren 2006/2007 waren eingereicht worden. Aus denen galt es, die drei Besten zu küren. „;Man kann mit gutem Recht sagen, dass alle eingereichten Romane gut recherchiert sind“, meinte Juror Michael Hein (Übersetzer und Lektor) in seiner Laudatio.

Allerdings hatte er nicht nur lobende Worte bereit:„;Nie sind mir in einer Epoche so viele starke Frauen begegnet, wie in diesen Romanen.“ Wenn diese Darstellung stimme, habe man es mit einer eigenwilligen Korrektur der Geschichtsschreibung zu tun. Doch daran mochte Juror Hein nicht so richtig glauben: „;Die Handlungen scheinen ein Schema zu erfüllen und fügen dem historischen Roman als Genre nichts Bleibendes hinzu. Es ist solide gearbeitete Dutzendware.“ Leider gebe es wenig Experimente, wenig überraschende Einfälle im Angebot. „;Wer meint, eine beliebige Figur lässt sich in den historischen Roman einbinden, der irrt.“

Heben sich ab

Izquierdo
Izquierdo (links) bei der Preisvergabe.

Die ganzen kritischen Anmerkungen würden nicht für die Spitze der eingereichten Romane gelten, betonte Michael Hein abschließend. Auch Prof. Dr. Jörgen Bracker von Quo Vadis hob hervor, dass es eine besondere Leistung sei, solche Romane – wie die Werke der drei Preisträger – zu schreiben. Die vier Juroren seien zu einem einstimmigen Urteil gekommen. Er freue sich, dass der Preis in diesem würdigen Rahmen – Quo Vadis war Gast im historischen Rathaus von Speyer – übergeben werden könne. Würdig waren denn auch die Worte von Juror Gisbert Haefs (Schriftsteller, Übersetzer, Komponist), die er an den Haupt-Preisträger Andreas Izquierdo richtete: „;Wenn das Handwerk richtig gut ist, kann Kunst daraus werden. Von Kunst habe ich keine Ahnung. Aber dass der “;König von Albanien„ ein Kunstwerk ist, halte ich für eine plausible Erklärung.“ „;Danke für beste Unterhaltung und Glückwunsch.“

Völlig überrascht und berührt zeigte sich Autor Andreas Izquierdo. Er habe keine Ahnung gehabt, dass der Preis an ihn gehen würde, sagte er. Nun sei es eine Genugtuung, erst recht, nachdem der „;König von Albanien“ zunächst von allen Verlagen abgelehnt worden sei. „;Es ist ein Roman, der fast nicht veröffentlicht werden konnte.“ Der Sir Walter Scott-Preis wird dem Roman nun neuen Auftrieb geben, wenn er auch noch weit entfernt vom Traumziel des Autoren ist, dem Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste.

Die Preisträger
Titus Müller steht Redakteurin Rita Dell’Agnese Rede und Antwort im Interview.

Kollektive Leistungen

In der Geschichte der Menschheit gäbe es kollektive Leistungen, die unglaublich seien, sagte Juror Michael Hein und stellte den zweitplazierten Roman „;Simplon“ von Wolfgang Mock vor. „;Ich habe diesen Roman nicht als ausgeprägten historischen Roman gesehen“, freute sich Mock über die Auszeichnung. „;Ich wollte vielmehr zum Ausdruck bringen, dass die Probleme der Menschen im angehenden 20. Jahrhundert ganz ähnlich den Problemen im angehenden 21. Jahrhundert sind.“ Das Schreiben sei ein einsames Geschäft, so Wolfgang Mock, der bereits zwei Krimis veröffentlicht hat. „;Es ist wie eine Droge, sich an den Schreibtisch zu setzen.“ Mocks nächstes Werk, ein zeitgenössischer Roman, soll in rund eineinhalb Jahren erscheinen.

Er habe fast ein schlechtes Gewissen, anderen guten Romanen einen Platz weggenommen zu haben, strahlte der Gewinner des dritten Preises, Titus Müller. „;Das Mysterium“ erzählt einen Ausschnitt aus der Kirchengeschichte„, sagte Juror Mathias Dreger (Buchhändler). Geschrieben sei “;Das Mysterium„ sehr lebendig. “;Die Bücher von Titus Müller werden immer besser, sowohl in ihrem Aufbau als auch in ihrer Sprache.„ Ausgezeichnet wurde – aus einer ganzen Reihe von historischen Werken Titus Müllers – das bisherige Lieblingsbuch des Autors, der meint: “;Der Preis ermutigt mich, etwas zu wagen."

Rita Dell’Agnese

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