Fortune de France von Robert Merle

Buchvorstellungund Rezension

Fortune de France von Robert Merle

Originalausgabe erschienen 1977unter dem Titel „Fortune de France“,deutsche Ausgabe erstmals 2000, 414 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Edgar Völkl u. Ilse Täubert.

»Fortune de France« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Frankreich im 16. Jahrhundert – es tobt der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Die Christen beider Parteien metzeln einander fröhlich nieder. Noch in der kleinen Welt von Burg Mespech im Perigord spürt der junge Pierre de Siorac den Riss, der durch das Land geht. Sein Vater, der Baron, ist Anhänger der reformierten Religion: die Mutter bleibt Papistin. Trotzdem ist Mespech für Pierre der Ort, an dem er sich geborgen fühlt. Und hier lernt er auch jene Begabungen auszubilden, die ihn später – in der guten Stadt Paris – in gefährlichen Zeiten am Leben erhalten werden: tolerant zu sein im Glauben, schlagfertig, listig, intelligent im Leben und natürlich absolut unwiderstehlich.

Das meint Histo-Couch.de: „Hervorragender Beginn einer dreizehnteiligen Reihe“94Treffer

Rezension von Almut Oetjen

Fortune de France (Schicksal Frankreichs) erzählt aus dem Leben von drei Generationen der adligen Familie Siorac in Zeiten der Glaubenskriege und umspannt den Zeitraum von 1545 bis 1643. Der erste Roman hat durch seinen Titel der aus dreizehn Bänden bestehenden Reihe ihren Namen gegeben.

Die Hugenotten Jean de Siorac und Jean de Sauveterre, zwei Offiziere und Freunde, die sich als Brüder begreifen, erwerben nach ihrem Armeedienst die im Périgord liegende Baronie Mespech und bauen sich dort eine Existenz auf. Jean heiratet die Katholikin Isabelle de Caumont und gründet eine Familie, deren Kinder nicht alle von Isabelle sind. Sein zweiter Sohn ist Pierre, der Erzähler des Romans. Bis auf Isabelle bekennen sich alle auf Mespech zum Calvinismus. Religions- und staatspolitische Interessenlagen führen zu gewalttätigen Übergriffen von Katholiken auf Hugenotten und schließlich zum ersten Hugenottenkrieg. In diesen werden die Bewohner von Mespech verwickelt.

Einige Personen, die wir durch die Geschichte begleiten

Erzähler der Familiengeschichte ist Pierre de Siorac. Pierres Vater Jean war kein Adliger von Geburt, sondern stammte aus einer Apothekerfamilie. Da ihm nach einem Duell die Todesstrafe drohte, flüchtete er und konnte seine Ausbildung zum Mediziner nicht vollenden. Er kämpfte für Frankreich, wurde im Gegenzug rechtlich entlastet und aufgrund seiner Leistungen im Krieg in den Adelsstand erhoben. Zu Beginn Junker, wird er nach seinem Einsatz in der Schlacht um die Stadt Calais, die die Franzosen von den Engländern zurückerobern, zum Ritter geschlagen und in den Stand eines Barons erhoben.
Er häufte während seiner Dienstzeit Ersparnisse an, statt seinen Sold zu versaufen und für Huren auszugeben und erwarb nach seiner Entlassung aus der Armee mit seinem Weggefährten Jean de Sauveterre Mespech. Mit 32 Jahren heiratet Jean die streng katholische, fünfzehn Jahre alte Isabelle de Caumont.
Pierres Vater ist ein Mann, der kein sexuelles Abenteuer auslässt, seien es adlige oder in seinem Gesinde befindliche Frauen. Auf diesem Wege bekommt er mit Samson einen Halbbruder, der ihm ein guter Freund wird.
Francois ist Pierres älterer Bruder, der Erstgeborene und deshalb Erbe von Mespech, ein ängstlicher und arroganter Junge, mit dem Pierre und Samson nicht viel zu tun haben. Über Francois erfahren wir im ersten Teil nur sehr wenig.
Maligou ist als Nachfolgerin von Cabusse die Köchin von Mespech. Sie ist lebensbejahend und abergläubisch, betet auch nach ihrer Bekehrung noch Heilige an, damit diese ihr nicht schaden.
Kammerjungfer Franchou verlässt Isabelle und geht in die Stadt. Als dort die Pest Einzug hält, holt Jean sie zurück auf die Baronie.
Miroul lebt seit 1563 als Diener Pierres auf der Burg, nachdem er während eines Einbruchsversuchs Schwachstellen der Anlage aufzeigte und auf Bitten Pierres nicht als Dieb hingerichtet wurde. Miroul und Samson begleiten Pierre zu dessen Medizinstudium nach Montpellier. Mit dem Aufbruch des Trios endet der erste Band der Reihe.

Das Ineinandergreifen von privater und öffentlicher Sphäre

Merle entwickelt zwei Handlungsbögen, die Familiengeschichte der Sioracs und die öffentliche Geschichte, in der es um Politik geht. Beides verbindet er auf vorzügliche Weise miteinander. Am Mikrokosmos Mespech zeigt Merle, wie die Politik auf das Leben der Menschen wirkt. Wie der Glaubenskrieg zum Konfliktverursacher auf der privaten Ebene gerät, das wird sehr plastisch an der Ehe von Jean und Isabelle durchbuchstabiert. Gerade dieses Problemfeld motiviert die Entwicklung Pierres zu einem für diese Zeit sehr toleranten Menschen. Er erfährt, dass die Repressionen der Katholiken, unter denen die Protestanten bis hin zu Folter und Mord leiden müssen, eine Form der Machtausübung sind, und dass sein Vater als Herr von Mespech gegen die Bediensteten ebenfalls Macht ausübt und sie so zu Protestanten bekehren lässt, auch wenn er nur mit Entlassung aus seinen Diensten droht, was in Zeiten des Hungers und großer Arbeitslosigkeit eine unattraktive Alternative ist. Und so lassen sich die Katholiken auf Mespech nach einer Lehrstunde durch den protestantischen Geistlichen und eine Diskussion bekehren, werden offen zu Protestanten und manche von ihnen bleiben heimlich Katholiken und beten weiterhin zu ihren vielen Heiligen.

Fazit

Der historisch akkurate Abenteurroman Fortune de France wird geistvoll und humorvoll erzählt. Dass der Zusammenhang zwischen Macht, Politik und Sexualität ein sehr enger ist, das erwähnt Merle bereits auf der ersten Seite. Bei aller sachlichen Genauigkeit ist Merle in erster Linie daran interessiert, eine mitreißende Geschichte zu erzählen, in der politische Auseinandersetzungen von verbalen Gefechten über Machtkämpfe bis hin zu Kriegen thematisiert werden, in der die Pest und die Glaubenskriege das Leben der Menschen mitbestimmen.
Merles Detailgenauigkeit ist verblüffend und führt beispielsweise dazu, dass man sich die Burg Mespech bildlich vorstellen kann.

 

Ihre Meinung zu »Robert Merle: Fortune de France«

arno zu »Robert Merle: Fortune de France«26.04.2017
Ich hab Fortune de France alle Bände gelesen und wenn jemand denkt die Handlung flacht mit der Zeit ab, der irrt sich gewaltig. Ich habe den ersten Teil gelesen und war infiziert, habe mir dann erst alle weiteren Bände besorgt und habe dann noch einmal in einem Rutsch alle Bände gelesen, das war ein tolles Erlebnis.
Roxi zu »Robert Merle: Fortune de France«24.04.2017
Auch ich finde, dass dieses Buch ein gelungender Auftakt zu einer spannenden Reise durch die Geschichte ist.
Schon mehrere Male habe ich die komplette Buchserie gelesen, ich weiß nicht genau, ob es 12 oder 13 Bücher sind.
Nachdem ich Teil1 gelesen habe, wollte ich nur noch mehr. Robert Merle erzählt uns hier Geschichte, manchmal amüsant - mal ernst. Faszinierend wurde es für mich, als der König von Navarra, später Henry IV., ins Spiel kam.
Nicht nur unterhaltend, auch lehrreich, aber keine schwere Kost.
maupe zu »Robert Merle: Fortune de France«21.06.2011
Anders als den Auftakt zu einer Serie kann man dieses Buch nicht beschreiben. Dafür geschieht zwar einerseits, durch den längeren Zeitbogen bedingt, einiges und wiederum, was den eigentlichen Hauptprotagonisten betrifft, wenig.

Die Geschichte beginnt beim Vater. Und es ist ein Pluspunt an dem Buch, dass schon dieser Teil faszinierend geschrieben ist. Nicht stur in modernen Dialogen, jedoch auch nicht zu überdreht im altertümlichen geschrieben. Handeln und Sprache wirken real.

Pierre, der Sohn, wächst halt heran und wird geprägt von der Zeit der Hugenotten und Katholiken unter Katharina von Medici.

Am Ende möchte man doch wissen, wie Pierre es nun schaffen wird, sich zu behaupten. Das nächste Buch steht schon auf der Liste.
aki zu »Robert Merle: Fortune de France«03.05.2011
Ich habe dieses Buch - den ersten Band der 13-bändigen reihe - auch schon mehrfach gelesen! Wer Liebhaber historisch genauer und fesselnder historischer Romane ist, wird hier bestens bedient! Ich kann es nur jedem empfehlen dieses Buch zu lesen! Aber Vorsicht es besteht die Gefahr, dass man sich weitere Bände kauft! ;)
anath zu »Robert Merle: Fortune de France«05.08.2007
Ich lese dieses Buch nun wohl schon zum dritten Mal und bin immer wieder fasziniert.Da blättert sich ein Almanach französischer Geschichte auf.Es wird disputiert,gefochten,gelebt und geliebt.Zusammenhänge werden sehr genau erklärt und es wird deutlich,wie Frankreich in einen derart grausamen Religionskrieg geraten konnte. Dazu das ausgesprochen interessante Leben des Pierre de Siorac und seine Familiengeschichte...Spannend und amüsant,so fesselnd erzählt,daß ich mich kaum davon losreißen kann!
Dieses Buch sollte man gelesen haben!
Ihr Kommentar zu Fortune de France

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.