Die gute Stadt Paris von Robert Merle

Buchvorstellungund Rezension

Die gute Stadt Paris von Robert Merle

Originalausgabe erschienen 1980unter dem Titel „Paris ma bonne ville“,deutsche Ausgabe erstmals 1992, 706 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Edgar Völkl.

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Kurzgefasst:

Der Roman führt in das Frankreich der Hugenottenkriege und das Paris des Jahres 1572, wo Katholiken und Protestanten einander niedermetzeln. Pierre de Siorac, frischgebachener Doktor der Medizin, muss sich, wegen eines Duells von der Todesstrafe bedroht, in die Hauptstadt flüchten, um die Gnade des Königs zu erflehen. Dort wird der verwegene junge Mann in den Strudel der Bartholomäusnacht gerissen.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Pariser Bluthochzeit als literarisches Thema“92Treffer

Rezension von Almut Oetjen


Die gute Stadt Paris, der dritte Band der Reihe Fortune de France, setzt die Geschichte der Familie de Siorac zur Zeit der Hugenottenkriege fort. Mit rund 600 Seiten, die sich auf nur zehn Kapitel aufteilen, ist er der umfangreichste Band der Reihe. Der zweite Band endet kurz nach der „Michelade“, dem Massaker von Nîmes im September 1567 und der Rückkehr der drei Freunde Pierre, Samson und Miroul nach Montpellier. Der dritte Band beginnt mit dem Aufenthalt der Freunde auf Mespech und mehreren kleineren Auseinandersetzungen zwischen Papisten und Hugenotten, von denen auch das Umfeld Mespechs nicht verschont bleibt. Am 23. März 1568 wird der Vertrag von Longjumeau geschlossen. Pierre und Samson reisen, begleitet von Miroul, wieder nach Montpellier und setzen ihre Studien fort. Im August 1571 erhält Samson den Meisterbrief als Apotheker. Am 14. April 1572 erlangt Pierre den Doktorgrad. Pierre freundet sich mit dem Katholiken Giacomi an, der ihm in der Fechtkunst überlegen ist. Kurz darauf werden die drei Freunde von Pierres Vater nach Mespech zurückgerufen. Sie geraten in einen Hinterhalt des Räuberbarons Fontenac. Pierre tötet seinen Gegner im Duell, was verboten ist, weshalb er nach Paris muss, den König um Gnade zu bitten. Als die Freunde in Paris ankommen, steht die Hochzeit zwischen Margot, der Schwester des Königs, und dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra bevor.

Der Spott und die Eitelkeit

Pierres Leben wird weiterhin bestimmt durch Gewalt und Liebschaften. Die gute Stadt Paris beschreibt im ersten Teil das Leben Pierres und seiner Lieben. Köstlich ist die Doktorprüfung unseres Helden beschrieben. Um das nötige Geld zu beschaffen, einen kleinen Teil für den bürokratischen Part, einen großen für die Feier nach der erfolgreichen Prüfung, wendet sich Pierre einmal mehr an die eitle Madame de Joyeuse, die ihm hundert Dukaten aushändigen lässt. Die Gegenleistung dafür flüstert sie ihm ins Ohr: „Mein Liebling, macht mit mir, was ich so mag!“ Weitere dreißig Dukaten erhält er von einer Jungfrau, die jedoch Jungfrau bleibt. Die triduanes, die drei Tage währende Doktorprüfung, zeigt dem Leser aufgeblasene und missgünstige Prüfer. Doktor Pennedepié, der griechischen Sprache so gut wie unkundig, kennt nur ein paar Zitate und Sprachbrocken, mit denen er Prüflingen regelmäßig Fallen stellt. Bei Pierre scheitert er, weil dieser von Doktor d’Ássas gewarnt wird und auf dessen Anraten Zitate von Hippokrates auswendig lernt, die er seinem Prüfer Pennedepié mit Überzeugungskraft, aber inhaltlich sinnlos im Prüfungskontext vorträgt. Die anderen Prüfer sagen nichts dazu oder genießen die Posse. Interessant ist hier auch das Gespräch darüber, ob der Uterus der Frau einteilig oder zweigeteilt ist. Hier kommen Forschungsergebnisse von Galenus und Vesalius ins Spiel. Die Doktorfeier gerät selbstredend zum Exzess, der Pierre anschließend mittellos dastehen lässt.

 

Nur wer die Dinge einfach nimmt, lebt glücklich.

 

Die gute Stadt

Der wichtigste Handlungsort ist Paris mit seinen Menschen, den einfachen Bürgern wie auch dem Adel. Einzig wichtig scheint bei gegebener Herkunft die äußere Codierung zu sein, durch Kleidung, Frisur und Umgang. Hygiene ist zumeist sekundär, jedoch in Kombination mit gesellschaftlichem Umgang in Badehäusern durchaus akzeptabel. Modisch ist die – abgesehen vom Haupt – Vollenthaarung junger Galane. Pierre kommt nach wie vor kaum an einer Frau vorbei, die ihn nicht abweist. Er muss lernen, dass die beste Waffe in der feinen Gesellschaft das spitze Mundwerk ist. Hier bietet der Roman reichlich kurze und abwechslungsreiche Episoden, die auf hohem Niveau unterhaltsam sind. Das Paume-Spiel (Jeu de Paume), Vorläufer des Tennis, bietet wiederholt Gelegenheit zu schönen Figurenbeschreibungen, insbesondere der König Karls IX.

Die Bartholomäusnacht

Mehr noch als in den beiden Vorgängern gibt Merle den historischen Hintergründen und den politischen Ereignissen Raum. Besonders intensiv beschreibt er die Bartholomäusnacht, eines der wichtigsten Ereignisse, wenn nicht das wichtigste Ereignis in der Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Hugenotten.
Am 23. August 1572 kam es zur Eheschließung zwischen dem Hugenotten Heinrich, König von Navarra, und der Schwester König Karls IX., der katholischen Prinzessin Margot (Margarethe von Valois). Am Feiertag des Heiligen Bartholomäus, dem 24. August 1572, läuteten die Glocken der Pariser Kirche Saint-Germain l’Auxerrois zum Abschlachten der Hugenotten. Admiral Coligny, ein Führer der Hugenotten, wurde in seinem Haus ermordet. Um die 10000 Hugenotten fielen dem landesweiten Massaker zum Opfer, davon rund 2000 allein in Paris. Die ranghohen Heinrich von Navarra und Heinrich von Condé blieben verschont, mussten aber ihrem Glauben abschwören.

Die gute Stadt Paris ist ein weiterer spannender und intelligenter historischer Abenteuerroman über den Hugenotten Pierre de Siorac. Die Hugenottenkriege spannen sich über eine Vielzahl Episoden, die das Spektrum von Komik bis Entsetzen abdecken und immer hervorragend ausgearbeitet sind.

 

Ihre Meinung zu »Robert Merle: Die gute Stadt Paris«

Iris zu »Robert Merle: Die gute Stadt Paris«08.11.2012
Merle führt einem sehr realistisch die damligen Geschehnisse, aber auch die Befindlichkeiten der damaligen Bevölkerung vor Augen. Insgesamt ensteht vor dem Leser ein sehr rundes und vollständiges Bild über das alltägliche Leben, die Kirche, den Wissensstand von damals und die Gepflogenheiten bei Hofe. Die Sprache passt sich ebenfalls der damaligen Zeit an. Ein sehr gelungenes Buch, das gleichzeitig auch spannend geschrieben ist.
Susannah zu »Robert Merle: Die gute Stadt Paris«19.02.2010
1572 - ein Jahr, das in Frankreich für ein grausames Blutvergießen steht. In eben diesem Jahr treffen wir den jungen hugenottischen Baronssohn Pierre de Siorac wieder, der soeben Doktor der Medizin geworden ist und seine Heimreise antritt. Doch das Glück scheint dem jungen Mann nicht hold, als er in ein Duell verwickelt wird, seinen Angreifer tötet, und ob seines Glaubens plötzlich vom Galgen bedroht wird. So muss, zusammen mit seinem Bruder Samson und seinem Freund Giacomo, nach Paris, um dort die Gnade Karls IX. zu erflehen. Kein leichtes Unterfangen, bedenkt man, dass derKönig katholischen Glaubens ist und Pierre zu den "Ketzern" gehört. Und sofort beeindruckt ihn diese Stadt Paris, die so anders ist als die anderen Städte. Leider auch grausamer,wie er sieht, denn an allen Ecken und Enden wird das Feuer des Hasses geschürt und die Flamme des Zorns angefacht. Hetzerische Reden und nicht zuletzt Intrigen am Hofe machen die Pariser scharf wie Bluthunde, die nur darauf warten, ein Massaker abzuhalten. Nach der Vermählung der Schwester des Königs mit dem hugenottischen König von Navarra ist es soweit. In der Nacht zum Feiertag des Heiligen Bartholomäus leuten die Glocken, und ganz Paris macht sich zu einem schlachten auf, dessen Opfer die Seine nahezu verstopft. Und mitten in dieser Bartholomäusnacht hängt Pierres Leben mehr als einmal am seidenen Faden ...

Der dritte Teil der langen Reihe, mit Sicherheit der bisher dramatischste. WIr lernen zum ersten Mal die mächtigen Frankreichs kennen: Karl IX.,der leidenschaftlich gerne Trompete und Ball spielt und sich rasch erzürnt, seine Mutter, Katharina von Medici, die immer schwarz trägt und den Teufel im Herzen, wie man meinen könnte. Wieder haucht Merle jenen Figuren diese wundervolle Lebendigkeit ein, wie man sie nur selten findet. Sein Gespür für historischen Humor ist ebenso beeindruckend wie seine Liebe zum (historischen) Detail, ohne dabei den Leser zu ermüden. Gerade die Darstellungen der Bartholomäusnacht sind ergreifen und schockieren den Leser, der nicht glauben will, wie eine ganze Stadt sich so im Blut ertränken konnte.

Freunde französischer Geschichte - in Robert Merle habt ihr einen eurer Meister gefunden!
anath zu »Robert Merle: Die gute Stadt Paris«15.08.2007
Pierre muß nach Paris reisen um dort das Pardon des Königs zu erbitten.Unabkömmliche Begleiter sind Miroul und Samson.Die Stimmung in Paris ist aufgeheizt gegen die Hugenotten.Viele Hugenotten sind in der Stadt um die Hochzeit des Prinzen Heinrich von Navarra mit der Prinzessin Margot mit zu erleben.
Als dann das Grauen der Bartholomäusnacht beginnt,können Pierre und Miroul nur hoffen,dem Morden irgendwie zu entkommen...

Ich habe bereits mehrere Bücher gelesen,die die Bartholomäusnacht schildern.Keines war so minutiös recherchiert wie dieses. Merle liefert ein Sittenbild von Stadt und Zeit,verbunden mit historischer Akuratesse.Bewundernswert,spannend und mitreißend.
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