Hiobs Brüder von Rebecca Gablé
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel „Hiobs Brüder“, , 912 Seiten. ISBN 3-431-03791-7.
Kurzgefasst:
England 1147: Eingesperrt in einer verfallenen Inselfestung, fristen sie ein menschenunwürdiges Dasein, weil sie nicht zu den Kindern Gottes zählen: Simon hat die Fallsucht. Edmund hält sich für einen toten Märtyrerkönig. Regy ist ein Mörder und so gefährlich, dass er an einer Kette gehalten werden muss. Losian hat sein Gedächtnis und seine Vergangenheit verloren. Ausgerechnet Letzterem fällt die Führung dieser sonderbaren Gemeinschaft zu, als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet. Er bringt die kleine Schar zurück in die „wirkliche“ Welt, wo Hunger, Not und Rechtlosigkeit herrschen. Auf ihrer Reise gelangt er zu erschreckenden Erkenntnissen über den Mann, der er einmal war. Und gerade als er einer Frau begegnet, mit der ein Neuanfang möglich scheint, beginnt Losian zu ahnen, dass er die Schuld an dem furchtbaren Krieg trägt, der England zugrunde zu richten droht …
Das meint Histo-Couch.de: „Ein typischer und doch untypischer Gablé-Roman“
von Volker Faßnacht
Spinalonga – eine Insel für Leprakranke
Angeregt durch die Strand-Aussicht eines Kretaurlaubs auf die kleine vorgelagerte Insel Spinalonga, die früher das Ghetto für die Leprakranken Griechenlands war, begründet sich die Idee für den Plot des von den Fans lange Zeit erwarteten und nun erschienen neuen Romans von Rebecca Gablé: Hiobs Brüder.
Man muss sich einmal vor Augen führen, wie beklemmend das Gefühl der Kranken gewesen sein muss, wenn sie durch das Tor der Festungsanlage geführt wurden, wohlwissend, dass sie diese Insel lebend nie wieder verlassen würden.
Genauso ergeht es Simon de Clare, der aufgrund seiner Fallsucht von der eigenen Familie verstoßen wurde und von einigen Mönchen auf solch eine Insel verbracht wird. Dort trifft er auf „Menschen ohne Seele“ und Menschen, die laut der Lehrmeinung der Kirche im Mittelalter nicht nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Beide sind somit von den anderen Menschen fernzuhalten, um diese nicht auch noch zu verderben: Losian, der sein Gedächtnis verloren hat, King Edmund, der sich für den englischen Märtyrerkönig hält, die siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric, Oswald mit Downsyndrom, Regy der Serienmörder und der verrückte Luke, der glaubt, eine Schlange lebe in seinem Bauch und noch viele andere – mehr oder weniger – Verrückte und körperlich Missgestaltete, definitiv aber arme Teufel, die ihr Leben gefangen auf dieser Insel verbringen müssen.
Ein Unglück als Glücksfall für die ungewöhnliche Gemeinschaft
Glücklicherweise können einige Überlebende schon bald nach Simons Ankunft auf der Insel flüchten. Manch einer der Protagonisten ist aber schon so lange dort gewesen, dass die plötzlich gewonnene Freiheit gar nicht mehr so erstrebenswert ist. Schließlich muss die Gemeinschaft ab jetzt ihr Leben selbst in die Hand nehmen und fürs Überleben kämpfen, und das ist natürlich schwierig genug, zumal sie auch immer wieder auf Ablehnung durch die Bevölkerung stoßen.
Das ist der ungewöhnliche Teil an dem neuen Gablé-Roman, der erfrischend neue Ideen und für Menschen unseres Zeitalters manch nachdenkenswerte Begebenheit zu erzählen weiß. Nachdenkenswert deshalb, weil viele grotesk anmutende Verhaltensmuster der Menschen im Mittelalter gerade eben auch noch in unserer Gesellschaft Gültigkeit haben bzw. erschreckenderweise bis heute wahrnehmbar sind (Behandlung Behinderter im 3. Reich, Stigmatisierung Behinderter bis zum heutigen Zeitpunkt).
Auch die Behandlung der englischen Unterschicht durch die Autorin ist so noch nicht da gewesen, da ihre Bücher üblicherweise von Königen oder Adeligen handeln.
Auch Gablé-Fans werden ihre Story im Roman wiederfinden
Trotzdem ist Hiobs Brüder auch wieder ein unverkennbarer Roman von Rebecca Gablé. Spätestens ab Mitte des Buches schildert die Autorin wieder ein spannendes Erzählepos, bei dem die Leserschaft jederzeit mit den Protagonisten mitfiebert. Ein ständiges Auf und Ab der Gefühle, wenn Losian wieder ein Stück seines Lebenspuzzles zusammensetzen kann oder wenn Rebecca Gablé scheinbar eine Weiche stellt, nur um die Handlung wenige Kapitel danach wieder in völlig andere Bahnen zu lenken.
Auf alle Fälle ist der zweite Part wieder politischer und geschichtsträchtiger und handelt einmal mehr von den Adeligen und Herrschern, so wie man es bei den bisherigen Romanen der Autorin ja immer gewohnt war.
Verbindendes Element beider Teile ist die durchgängige Glaubwürdigkeit der Geschichte, bei der es wieder schwer fällt, zielsicher zu erraten, was Fiktion und was Wirklichkeit ist. So ist auch Hiobs Brüder ein toller Roman, bei dem das Kopfkino von Anfang bis zum Schluss zum Einsatz kommen kann, der die englische Geschichte farbenfroh und spannend zu vermitteln weiß und bei dem viele Leserinnen und Leser wieder ein ganzes Wochenende am Stück auf dem Sofa verbringen werden. Gut 900 Seiten dürften in den meisten Fällen dafür ausreichend sein.
Es ist eines der Markenzeichen von Rebecca Gablé: Eintauchen in die Welt des englischen Mittelalters, mitfiebern mit den Protagonisten und freuen, wenn es doch wieder irgendwie versöhnlich ausgeht. Das hat sie bei Hiobs Brüder erneut eingehalten. Und das ist gut so.
Ihre Meinung zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«
- anath zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 12.01.2010
-
Am Anfang las ich das Buch mit Spannung und Spaß. Dann kam der Moment, in dem es für mich schwierig wurde, der Autorin die Handlung abzunehmen. Ich habe mich dann entschlossen, das Buch als realhistorisch orientiertes Märchen aufzufassen und weiter zu lesen - und das war gut so, denn sonst wäre ich um einen wunderbaren Lesegenuß gekommen.
Der schwierige Punkt kam, als ich mir vorstellte, wie die arme Miriam die von jahrelanger Verarbeitung von Schweinefleisch und Blut verunreinigte Burgküche kaschert (und aus leidvoller Erfahrung nach diversen Umzügen weiß ich, was das für eine Arbeit ist!),als ich mir vorstellte, wie sie unkundige Mägde davon abhält, ihr milchiges und fleischiges Geschirr anzufassen oder gar zusammen zu stellen. Oder wie läuft das zu Pessach, wenn das dritte obligatorische Geschirr hervorgeholt wird, vorher aber muß alles Mehl und was aus Mehl hergestellt und/oder gesäuert ist aus der Küche verschwunden sein ? Wie mag Alan von Helmsby also mit Klein Aron durch die einzelnen Räume der Burg gestapft sein, mit Feder und Holzlöffel bewaffnet, um zur Freude seines Sohne kleine Bröckchen Gesäuertes (extra ausgelegt von Miriam damit das Kind seinen Spaß hat) mit der Feder auf den Holzlöffel zu fegen um alles zusammen dann im Burghof zu verbrennen ? Und alles ohne Mikweh - die doch unerläßlich ist ,schon alleine ,um Geschirr und Besteck zu kaschern, aber auch für das Tauchbad nach der Menstruation...
Wie gesagt, das war der Punkt an dem mir bewußt wurde, warum Rebecca bei Ivanhoe nie eine Chance hatte und an dem ich die Realo-Schiene verließ.
Und trotzdem war es ein tolles Buch, so zum Wegschmökern an kalten Dezemberabenden. Interesanteste Figur war für mich der offenbar mit einer eher leichten Epilepsie geschlagene Simon de Clare.Leicht deshalb , weil er nur eher selten Grand-mals und praktisch gar keine Petit-mals(Absencen) hat. Aber das ist wohl auch die Grundvoraussetzung dafür, das er seinen Weg gehen kann. Bei ihm wird eine wirkliche Entwicklung deutlich, vom jammerigen Teenie zum gewieften Diplomaten. Und dank Rebecca Gablés Erzähltalent habe ich doch eine Seite überschlagen. Simons Weg durch den Tunnel in die Burg konnte ich mir nicht antun, ich kriegte klaustrophobische Zustände, es kam einfach zu echt bei mir an. Kompliment an die Autorin.
Insgesamt als ein Buch, an dem ich ziemlich zu arbeiten hatte. Ich habe es trotzdem mit viel Spaß gelesen und es war eines der besten, die ich im vergangenen Jahr in die Hand bekam.
- spielpfeife zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 10.01.2010
-
"Hiobs Brüder" war mein erstes Buch von Rebecca Gable, wird aber keinesfall das einzige bleiben. Es hat mich total gefesselt, weil es - was in Mittelaler-Romanen nicht allzu häufig vorkommt - richtiggehend Wissen vermittelt, und das auf eine sehr angenehme Art. Ohne schulmeisterliches Gehabe und ohne Besserwisserei. Ich finde auch, dass die Figuren sehr schwarz-weiß angelegt sind, aber das hat mich nicht gestört. Für mich ist ein Buch dann gut, wenn ich friere, wenn "kalte" Szenen beschrieben werde und wenn ich mir die Protagonisten bildlich vorstellen kann (und sie dann evtl. sogar anders aussehen, als sie die Autorin beschreibt: mein Losian ist z.B. schwarzhaarig). Der einizge Makel, den das Buch hat, ist gleichzeitig ein großer Vorteil: die Sprache. Rebecca Gable ist mit Sicherheit keine große Wortakrobatin, aber sie beschreibt Dialoge und Sachverhalte mit viel Gefühl und menschlicher Wärme. Die Sprache ist zu "modern" für das Mittelalter, aber so gestelzte pesudo-mittelalterliches Gesülze mag ich eben nicht in Romanen. Da lese ich dann lieber den Parzival im Original...
- Nomadenseele zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 19.12.2009
-
Ich kann stolz vermelden, bis Seite 470 durchgehalten zu haben.
Dabei bedient das Buch alle Mittelalter-Roman-Klischees, aber einfach zuviel des Guten: Der hochgebildete, jüdische Arzt samt hübscher Tochter, die Guten sind gut und die Bösen richtig schlecht – genau da beginnt bei Rebecca Gablé wie üblich das Problem: Die Figuren sind Karikaturen ihrer Rolle, weil sie keine weitere Dimensionen aufweisen. Da gibt es eine Gruppe schwacher Menschen, die wie eine Wagenburg der Umwelt gegenübersteht – fertig. Auch aus Losians Selbstfindungsprozess, um den es ohnehin im ganzen Buch geht, hätte man etwas rausholen könnem, aber dazu fehlt der Autorin das Format. Es ist einfach langweilig ihn zu begleiten und damit ist das Buch selbst als Mittelalter-Schmöcker verfehlt.
Fazit:
300-400 Seiten weniger und dafür dichterer Stoff hätten daraus ein gutes Buch werden lassen können.
- Krimi-Tina zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 14.12.2009
-
Der junge Simon de Clare wird aufgrund seiner Epilepsie auf einer Insel eingesperrt, die als Gefängnis für Schwachsinnige und Verrückte dient.
Es gelingt den Bewohnern., u.a. dem Kreuzritter Losian, der sein Gedächtnis verloren hat, dem am Down Syndrom leidenden Oswald, King Edmund, der sich für die Reinkarnation des heiligen Edmund hält, den Siamesischen Zwillingen Godric und Wulfric und dem gemeingefährlichen Reginald (der leider ein wenig zu sehr Hannibal Lecter nachempfunden ist), nach einer verheerenden Sturmflut zu entfliehen und sie starten ihre Odyssee durch England.
Das historische Umfeld ist wieder schön getroffen, das Buch schließt mit etwas Abstand an „Die zwei Königreiche“ an, wir befinden uns in der anarchischen Zeit des Thronkrieges zwischen König Stephen und Kaiserin Maud, die erst durch die Krönung Heinrich Plantagenets ein Ende fand. Zu dessen Triumph in dieser Geschichte unsere Freunde nicht unwesentlich beitragen
Ich habe dennoch mich anfänglich schwer getan mit dem Buch. Nicht so sehr wegen dem Szenario. Die Idee ein Häuflein Leute, von denen jeder den einen oder anderen Defekt hat, steht einander durch alle möglichen Gefahren bei, ist sehr bestechend. Aber irgendwie kommt genau das am Anfang des Buches nicht zum Tragen, die Autorin konzentriert sich zu sehr auf die Figur des Losian. Auch kommt die Handlung trotz aller Fährnisse nicht recht in Schwung.
Erst als Losian sein Problem gelöst hatte, schlug der Gable-Virus wieder zu und ich habe den Rest des Buches in einem Rutsch gelesen. Und ab da funktioniert plötzlich auch das obige Konzept. Ja, natürlich passieren wieder ganz ähnliche Dinge wie in den bisherigen Romanen von Gablé, aber die Schilderungen sind so lebendig und spannend, dass ich das gerne verzeihe.
Leider geriet der Teil um die Throneroberung Heinrich Plantagenets dann im Vergleich etwas zu kurz.
Fazit: Schön, aber Fr. Gablé hat einfach schon bessere Bücher geschrieben.
- Franny Hartmann zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 28.11.2009
-
Hiobs Brüder habe ich sehnsüchtig erwartet, nachdem ich bereits alle vorher erschienenen Bücher der Autorin verschlungen hatte.
Die Geschichte erscheint weniger vielschichtig verglichen mit den vorherigen Romanen dieser wunderbaren Autorin, jedoch deshalb nicht weniger spannend.
Persönlich finde ich es schade, dass es keine weitere Fortsetzung der Warringham-Saga gab und dass dieses Buch "nur" etwas mehr als 600 Seiten umfasste.
Rebecca Gablé hat einen außergewöhnlich mitreißenden und warmherzigen Erzählstil, der wie ich glaube, besonders bei weiblichen Lesern sehr gut ankommt. Ken Follett kann sich meiner Meinung nach in keinster Weise mit ihr messen, den emotionalen "Tiefgang" hat er in seinen bisherigen Büchern aus meiner Sicht noch nicht bewiesen.
Ich selbst arbeite mit multipel psychisch erkrankten Menschen und fand es lobenswert gut gelungen, wie die Autorin diese Charaktere ins Mittelalter und die politischen Verhältnisse der Zeit platzieren konnte. Die Gablés´sche "Schwarz-Weiß-Malerei", wie sie in vorherigen Kritiken geäußert wurde, stört mich beim Mitfiebern wenig, da die Autorin dem Leser stets den Raum gibt, selbst zu bewerten, ob sich die Protagonisten "richtig" oder "falsch" verhalten, soweit wir das heutzutage überhaupt noch bewerten können .
Frau Gablé, haben Sie herzlichen Dank für ein weiteres wunderbares Machwerk!
- Sophie zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 15.11.2009
-
Das Buch war natürlich wieder toll und ein neuer bLickwinkel auf das Mittelalter war sehr interessant.
Jedoch hat etwas gefehlt, etwas wie das richtige Einfühlen in die Hauptperson und ich habe mir schwer gtan die selbe Begeisterung aufleben zu lassen wie bei den anderer Gable büchern.
Dennoch ist das eni tolles Buch ds man lesen sollte, da Frau Gable einfach die Beste auf Ihrem Gebiet ist, wenn das auch nicht Ihre bestes Buch ist.
- Klaus Kröger zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 15.11.2009
-
Auch "Hiobs Brüder" haben mir gefallen. Als Schwerbehindertenvertretung hat mich besonders das Thema "Menschen mit Gebrechen im Mittelalter" fasziniert. Frau Gable hat den Stoff mit viel Einfühlungsvermögen behandelt. Der Anfang des Romans bot viel Neues, als eine der Hauptfiguren geheilt wird, verläuft das Buch aber wieder in den üblichen Bahnen. Dies schadet dem Lesevergnügen aber nicht. Spannung und historische Infos entschädigen für manche Schleife.
Nur eine Kritik kann ich mir nicht sparen: Bestimmte Formulierungen sollte sich die Autorin verkneifen. So kommt die Floskel "sei so gut" dauernd vor, auf S. 185 gleich zweimal. Dies ist schade und sollte von Lektoren korrigiert werden.
- maupe zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 04.11.2009
-
Wer die Autorin schon gelesen hat und ihre vorherigen Bücher mag, der wird auch dieses Buch lieben. Bei mir ist es auf jeden Fall so. Bei Gable erwarten einen geschichtliche Ereignisse hervorragend vor einem ausgebreitet, ohne das man vor den vielen Namen zurück schrecken muss. Denn sie versteht es einfach, die Personen und Ereignisse mit ihrem/ihren Helden zu verbinden.
Sehr schön auch, dass es ein Treffen mit altbekannten Namen und Orten gibt für all jene, die "Das zweite Königreich" gelesen haben. Das Buch ist zwar zur Verständnis nicht zwingend erforderlich aber ich nahm diese ´Fortsetzung` sehr gerne auf.
Und ich muss olympia zustimmen, Regy ist der faszinierendste Charakter in diesem Buch.
Alles in allem ein sehr schöner Roman, er hat mir Spaß gemacht.
- Lexa zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 23.10.2009
-
Ich war auch sehr gespannt auf das neue Gablé-Buch.
Der Einstieg war hervorragend und über weite Strecken hatte ich großes Lesevergnügen, spritzig geschrieben, interessante und liebenswerte Gestalten mit individuellen Charakteren, spannende Geschichte.
Bis gut nach der Hälfte des Buches einer der Protagonisten eine Heilung seiner Krankheit erfuhr. Von nun an gings bergab. Der Geheilte begab sich mit seinen Gefährten blaß und farblos durch die Seiten, die Begebenheiten vorhersehbar, einige Handlungen unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Einzig die geschichtlichen Ereignisse informativ und wie immer gut recherchiert. Auf den letzten 100 Seiten erfährt die Handlung nochmal eine leichte Steigung, bis dann endlich Schluß ist.
Mein Fazit: Das Buch hätte gerne nach ungefähr 500 Seiten enden können. Dann wäre es ein gutes Buch.
- olympia zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder« 08.10.2009
-
Das neue Buch von Rebecca Gablé befasst sich mit einem sehr ungewöhnlichen Thema. Es handelt von Menschen, die entweder ein körperliches oder geistiges Manko haben. Auf eine Insel werden alle Kreaturen gebracht, die vor Gott nicht einwandfrei geschaffen sind. Mönche bringen diesen Mensch, oder Krüppel, einmal in der Woche das Allernötigste zum Leben vorbei, ansonsten sind ganz auf sich alleine gestellt. Unter ihnen befinden sich Losian, der sein Gedächtnis verloren hat und Simon, der an epileptischen Anfällen leidet.
Als nach einem gewaltigen Sturm ihr Gefängnis auf der Insel zerstört wird, bietet sich einigen von ihnen die Chance zur Flucht...
Ich war äußerst gespannt auf das neue Buch von Rebecca Gablé und begann sofort zu lesen als ich es erhielt.
Das Thema ist ungewöhnlich, aber schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass die Autorin es hervorragend verstanden hat, dieses doch nicht so einfache Thema mit dem entsprechenden Feingefühl so aufzubereiten, dass eine spannende und vielschichtige Geschichte entsteht.
Die Protagonisten sind Losian und der junge Simon. Weitere äußerst wichtige Figuren sind Oskar, ein Junge mit Down Syndrom, Lukas, der meint, dass eine Schlange in seinem Bauch wohne, Wulfric und Godric, die siamesischen Zwillinge, King Edmund, der sich für einen Heiligen hält und letztendlich noch Regy, ein bestialischer Massenmörder.
Alleine die unterschiedlichen Figuren verheißen eine interessante Geschichte und Rebecca Gablé enttäuscht den Leser auch nicht. Vielschichtig, bunt und in einem rasanten Tempo nimmt die Geschichte einem von Beginn an mit in diese eigentümliche Welt mit den sonderbaren Gestalten. Simon kommt sich minderwertig vor, da er immer damit rechnen muss, einen Anfall zu bekommen. Eigentlich wäre er der Erbe des großen Gutes seines Vaters, der bereits verstorben ist, aber sein Onkel hat ihn verraten und wegen der Fallsucht verstoßen. Losian kann sich an nichts mehr erinnern. Er weiß nur, dass er einen Mantel der Kreuzfahrer trug, als man ihn verletzt fand und da er jede Nacht von schrecklichen Albträumen heimgesucht wird, ist er sich sicher, dass er in der Vergangenheit Schreckliches getan haben muss.
Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und was die doch etwas sonderbar anmutende Gruppe alles erlebt Ich war wirklich begeistert, da ich von der Autorin auch die Trilogie über die "Waringhams" las, die mir zwar sehr gut gefiel, aber als großes Manko die sehr schwarz/weiß gezeichneten Figuren auffielen. Sehr positive überraschte mich nun dieses Buch. Aber leider nur so lange, bis Losian sein Gedächtnis wieder findet und aus ihn ein nicht unbedeutender Mann wird...
Ab diesem Zeitpunkt wird das Buch wieder ein "typischer Gablé". Typisch dahingehend, dass die Autorin eine selten feine Begabung hat, den Leser so an ihre Erzählung zu binden, dass er sich in einem richtigen Sog befindet und einfach weiter lesen muss. Typisch weiters, dass die politischen Hintergründe nicht nur perfekt und akribisch recherchiert sind, sondern auch wunderbar mit der Erzählung verwoben sind.
Aber leider auch typisch dahingehend, dass die Figuren sehr stark abgegrenzt in Gut und Böse sind. Gablé ist zwar bemüht ihrem Protagonisten einen vielschichtigen Charakter zu vermitteln, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie trotzdem nicht an seinem perfekten Lack kratzen möchte und so lässt sie all die "schlimmen Dinge" seinem ersten "Ich" tun und jetzt, nach dem er sein Gedächtnis wieder gefunden hat, tritt die wundersame Wandlung ein und er wird wieder ein perfekter Held.
Die einzig wirklich herausragende Figur ist die von Regy. Regy (eigentlich Reginald de Warenne) erinnert einen unweigerlich an "Hannibal Lecter" vom "Das Schweigen der Lämmer". Äußerst intelligent, aber unberechenbar. Meines Erachtens die beste Figur aller Bücher die ich bis jetzt von der Autorin las.
Auch auf die sehr ausgeschmückten und detailliert beschriebenen Sexszenen hätte ich gut und gerne verzichten können.
Fazit:
Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit äußerst interessanten Einblicken in die Politik des 12. Jahrhunderts. Wer sich nicht daran stört, dass die Protagonisten die Guten sind ohne Fehl und Tadel und die Bösen so richtig böse, wird mit diesem Roman ein wunderbares Buch in den Händen halten. Wer jedoch auf anspruchsvolle Kost mit vielschichtigen Figuren hofft, wird enttäuscht werden.
Letztendlich ist ausschlaggebend was man sich erwartet und was man lesen möchte. Unbestritten ist, dass Gablé eine begnadete Erzählerin ist (obwohl die Sprache nicht außergewöhnlich ist), die es versteht, den Leser so zu fesseln, dass er das Buch unbedingt zu Ende lesen möchte.
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!

