Hiobs Brüder von Rebecca Gablé

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Hiobs Brüder“,, 912 Seiten.ISBN 3-431-03791-7.

»Hiobs Brüder« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

Kurzgefasst:

England 1147: Eingesperrt in einer verfallenen Inselfestung, fristen sie ein menschenunwürdiges Dasein, weil sie nicht zu den Kindern Gottes zählen: Simon hat die Fallsucht. Edmund hält sich für einen toten Märtyrerkönig. Regy ist ein Mörder und so gefährlich, dass er an einer Kette gehalten werden muss. Losian hat sein Gedächtnis und seine Vergangenheit verloren. Ausgerechnet Letzterem fällt die Führung dieser sonderbaren Gemeinschaft zu, als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet. Er bringt die kleine Schar zurück in die „wirkliche“ Welt, wo Hunger, Not und Rechtlosigkeit herrschen. Auf ihrer Reise gelangt er zu erschreckenden Erkenntnissen über den Mann, der er einmal war. Und gerade als er einer Frau begegnet, mit der ein Neuanfang möglich scheint, beginnt Losian zu ahnen, dass er die Schuld an dem furchtbaren Krieg trägt, der England zugrunde zu richten droht …

Das meint Histo-Couch.de: „Ein typischer und doch untypischer Gablé-Roman“93Treffer

Rezension von Volker Faßnacht

Spinalonga – eine Insel für Leprakranke

Angeregt durch die Strand-Aussicht eines Kretaurlaubs auf die kleine vorgelagerte Insel Spinalonga, die früher das Ghetto für die Leprakranken Griechenlands war, begründet sich die Idee für den Plot des von den Fans lange Zeit erwarteten und nun erschienen neuen Romans von Rebecca Gablé: Hiobs Brüder.

Man muss sich einmal vor Augen führen, wie beklemmend das Gefühl der Kranken gewesen sein muss, wenn sie durch das Tor der Festungsanlage geführt wurden, wohlwissend, dass sie diese Insel lebend nie wieder verlassen würden.
Genauso ergeht es Simon de Clare, der aufgrund seiner Fallsucht von der eigenen Familie verstoßen wurde und von einigen Mönchen auf solch eine Insel verbracht wird. Dort trifft er auf „Menschen ohne Seele“ und Menschen, die laut der Lehrmeinung der Kirche im Mittelalter nicht nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Beide sind somit von den anderen Menschen fernzuhalten, um diese nicht auch noch zu verderben: Losian, der sein Gedächtnis verloren hat, King Edmund, der sich für den englischen Märtyrerkönig hält, die siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric, Oswald mit Downsyndrom, Regy der Serienmörder und der verrückte Luke, der glaubt, eine Schlange lebe in seinem Bauch und noch viele andere – mehr oder weniger – Verrückte und körperlich Missgestaltete, definitiv aber arme Teufel, die ihr Leben gefangen auf dieser Insel verbringen müssen.

Ein Unglück als Glücksfall für die ungewöhnliche Gemeinschaft

Glücklicherweise können einige Überlebende schon bald nach Simons Ankunft auf der Insel flüchten. Manch einer der Protagonisten ist aber schon so lange dort gewesen, dass die plötzlich gewonnene Freiheit gar nicht mehr so erstrebenswert ist. Schließlich muss die Gemeinschaft ab jetzt ihr Leben selbst in die Hand nehmen und fürs Überleben kämpfen, und das ist natürlich schwierig genug, zumal sie auch immer wieder auf Ablehnung durch die Bevölkerung stoßen.

Das ist der ungewöhnliche Teil an dem neuen Gablé-Roman, der erfrischend neue Ideen und für Menschen unseres Zeitalters manch nachdenkenswerte Begebenheit zu erzählen weiß. Nachdenkenswert deshalb, weil viele grotesk anmutende Verhaltensmuster der Menschen im Mittelalter gerade eben auch noch in unserer Gesellschaft Gültigkeit haben bzw. erschreckenderweise bis heute wahrnehmbar sind (Behandlung Behinderter im 3. Reich, Stigmatisierung Behinderter bis zum heutigen Zeitpunkt).

Auch die Behandlung der englischen Unterschicht durch die Autorin ist so noch nicht da gewesen, da ihre Bücher üblicherweise von Königen oder Adeligen handeln.

Auch Gablé-Fans werden ihre Story im Roman wiederfinden

Trotzdem ist Hiobs Brüder auch wieder ein unverkennbarer Roman von Rebecca Gablé. Spätestens ab Mitte des Buches schildert die Autorin wieder ein spannendes Erzählepos, bei dem die Leserschaft jederzeit mit den Protagonisten mitfiebert. Ein ständiges Auf und Ab der Gefühle, wenn Losian wieder ein Stück seines Lebenspuzzles zusammensetzen kann oder wenn Rebecca Gablé scheinbar eine Weiche stellt, nur um die Handlung wenige Kapitel danach wieder in völlig andere Bahnen zu lenken.
Auf alle Fälle ist der zweite Part wieder politischer und geschichtsträchtiger und handelt einmal mehr von den Adeligen und Herrschern, so wie man es bei den bisherigen Romanen der Autorin ja immer gewohnt war.

Verbindendes Element beider Teile ist die durchgängige Glaubwürdigkeit der Geschichte, bei der es wieder schwer fällt, zielsicher zu erraten, was Fiktion und was Wirklichkeit ist. So ist auch Hiobs Brüder ein toller Roman, bei dem das Kopfkino von Anfang bis zum Schluss zum Einsatz kommen kann, der die englische Geschichte farbenfroh und spannend zu vermitteln weiß und bei dem viele Leserinnen und Leser wieder ein ganzes Wochenende am Stück auf dem Sofa verbringen werden. Gut 900 Seiten dürften in den meisten Fällen dafür ausreichend sein.
Es ist eines der Markenzeichen von Rebecca Gablé: Eintauchen in die Welt des englischen Mittelalters, mitfiebern mit den Protagonisten und freuen, wenn es doch wieder irgendwie versöhnlich ausgeht. Das hat sie bei Hiobs Brüder erneut eingehalten. Und das ist gut so.

 

Ihre Meinung zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«

Frau Brandt zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«06.04.2018
Hiobs Brüder ist der beste Gablé Roman - und da gibt es viele großartige zur Auswahl.. Fesselnd von Anfang bis Ende, und es gibt immer wieder diese pointierten Dialoge, die Beschreibungen von Mensch & Natur im 12.Jahrhundert. Um Längen besser als „Die Säulen der Erde“ - garantiert. Einzig die Figur des Regy hat mich über kurze Strecken und während kurzer Momente verwirrt und Loisians Nachsicht ihm gegenüber dann doch auch mal gestört. Aber das fällt nicht ins Gewicht und sei nur am Rande erwähnt. Frau Gablé, ich ziehe den Hut... Mein Tipp: Unbedingt lesen! Bitte mehr davon..
Stefan83 zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«04.10.2015
Worin die größte Kunst beim Schreiben eines guten Buches besteht, darüber mag man sicherlich trefflich streiten bzw. hat ein jeder, seine eigene Meinung. Im Falle des historischen Romans begegnen uns – geschuldet unter anderem den geschichtlichen Entwicklungen, welche sich über Jahrzehnte hinweg vollzogen haben – nicht selten Schmöker von bis zu 1000 Seiten. Natürlich spielt in diesen Fällen dann auch der Erzähldrang des Autors eine gewichtige Rolle. Und hiermit kommt man direkt zu dem Punkt, dem ich persönlich größte Wichtigkeit beimesse und der auch letztlich die Qualität und die Kunstfertigkeit der vorliegenden Lektüre maßgeblich beeinflusst: Der Aspekt der Unterhaltung. Ein Wort, das, wie mir scheint bedingt durch die triviale Unterhaltungsliteratur der Jetztzeit, inzwischen enorm an Wert verloren hat und nicht selten gänzlich kritisch beurteilt wird. Kurzum: Ein Buch, das nur unterhält, kann keinerlei tieferen literarischen Wert in sich bergen, hält keinerlei genauerer Betrachtung stand. Inwieweit man damit den Dan Browns, Ken Folletts oder Stieg Larssons dort draußen Unrecht tut, sei dahingestellt. Aber Fakt ist: Ganz von der Hand zu weisen, ist diese (natürlich sehr oberflächliche) Analyse jedenfalls auch nicht. Es gibt allerdings ebenso Fälle, wo es gerade die dauerhafte Kurzweil ist, welche das Werk über die Masse der anderen hebt. Und damit hätte ich dann auch wieder den Bogen zu den dicken Schwarten im Genre des historischen Romans vollzogen, für die hierzulande vor allem die deutsche Autorin Rebecca Gablé verantwortlich zeichnet.

Im Hinblick auf eine wahre Geschichte (aufgearbeitet von „stern“-Autor Jan Christoph Wiechmann) über siebzehn psychisch kranke und drogenabhängige Männer, die zusammen vor dem Hurrikan Katrina aus einem Obdachlosenasyl in New Orleans geflohen waren und während ihrer langen Odyssee so gut aufeinander achtgegeben hatten, wie sie eben konnten, schreibt Gablé im Nachwort des vorliegenden Romans „Hiobs Brüder“: „Ich wünschte, ich könnte so großartige Geschichten in so knapper Form schreiben, aber wie man an diesem Buch hier wieder einmal unschwer erkennen kann, ist es mir einfach nicht gegeben, mich kurzzufassen.“

Ein ehrliches Geständnis, das aus dem Munde eines anderen Schriftstellers vielleicht für Schweißperlen auf der Stirn des Lektors sorgen dürfte – nicht so jedoch bei Rebecca Gablé. Denn so wenig sie in der Lage ist, den Umfang ihrer Geschichten auf weniger Seiten zu begrenzen, so wenig vermag sie es auch – trotz des epischen Ausmaßes – an irgendeiner Stelle zu langweilen. Eine banale Feststellung, der ich aber höchsten Wert beimesse. Besonders im Beispiel von „Hiobs Brüder“, das auf den ersten Blick zwar für mich alle Voraussetzungen mitbringt, um die übliche, hundertfach wiedergekäute Gutmenschen-Helden-Geschichte zu erzählen, dann aber doch mit einer Mischung aus Innovation und altbekannten Gablé-Tugenden einmal mehr auf ganzer Länge überzeugt und von der ersten bis zur letzten Seite unterhält. Eine auch deswegen bemerkenswerte Leistung, weil die Autorin mit einer traumwandlerischen Sicherheit und Selbstverständlichkeit nun bereits seit über zehn Jahren dieses hohe Niveau im Zweijahres-Rhythmus abliefert.

Doch nun näher zum Buch, welches den Leser abermals ins englische Mittelalter entführt, genauer gesagt ins Jahr 1147. Eingesperrt in einer verfallenen Festung auf der Isle of Whitholm vor der Küste von Yorkshire fristen sie ein menschenunwürdiges Dasein, weil sie nicht zu den Kindern Gottes zählen: Simon de Clare hat die Fallsucht. Edmund hält sich selbst für den gleichnamigen toten Märtyrerkönig. Godric und Wulfric sind an der Hüfte zusammengewachsen. Oswald hat das Down-Syndrom. Luke glaubt, eine Schlange in seinem Bauch zu haben. Regy ist ein soziopathischer Mörder und so gefährlich, das er an einer Kette gehalten werden muss. Und Losian hat sein Gedächtnis und seine Vergangenheit verloren. Ausgerechnet Letzteren fällt die Führung dieser sonderbaren Gemeinschaft zu, als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet.

Losian bringt die kleine Schar zurück in die „wirkliche“ Welt, wo Hunger, Not und Rechtlosigkeit herrschen. Auf ihrer Reise durch das vom Bürgerkrieg (als „Anarchy“ in die Geschichte eingegangen) gebeutelte England gelangt er zu erschreckenden Erkenntnissen über den Mann, der er einmal war. Und gerade als er einer Frau begegnet, mit der ein Neuanfang möglich scheint, beginnt Losian zu ahnen, dass er die Schuld an dem furchtbaren Krieg trägt, der das Land zugrunde zu richten droht...

Mit „Hiobs Brüder“ vollzieht Autorin Rebecca Gablé bisweilen meisterhaft den Spagat zwischen den an sie gestellten Erwartungen und dem Gehen neuer Wege abseits der bisher von ihr genutzten Routen. So kehren wir auf der einen Seite ins englische Mittelalter zurück, um, wie im Nachwort zu ihrem Roman „Das zweite Königreich“ angekündigt, „die seltsamen Begebenheiten um Henrys Regentschaft und was es mit dem Weißen Todesschiff („White Ship“) auf sich hatte (...)“, näher zu beleuchten. Auf der anderen Seite befinden wir uns diesmal zu Beginn weit weg vom Umfeld der Mächtigen, den Königen und Rittern, um uns stattdessen verstärkt mit den damaligen Verlierern der Gesellschaft zu befassen, welche, separiert von dieser, nicht besser als Tiere behandelt und selbst von kirchlicher Barmherzigkeit gänzlich ausgeschlossen werden. Ein gewagter Schritt seitens Gablé, so zumindest mein erster Gedanke, da ich besonders für den weiteren Verlauf die Gefahr gesehen habe, diese äußerst ungewöhnliche und in ihren Fähigkeiten ja auch limitierte Gemeinschaft als Helden zu installieren, welche größeren Einfluss auf die Geschicke anderer nehmen könnten. Nun, ich hätte es natürlich besser wissen sollen – Gablé meistert auch diese Herausforderung mit Bravour.

Ganz im Stil von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ – nicht zufällig auch Gablés Lieblingsbuch – begibt sich der Leser an der Seite der vermeintlich Schwachen auf die Reise, die, einem mittelalterlichen Roadtrip gleich, nicht nur dazu dient, um die ausweglose Lage der Figuren zu unterstreichen, sondern diese dem Leser gleichzeitig auch näher zu bringen. Auffällig hier ist, dass die Autorin diesmal ein wenig länger dafür braucht, das Profil der Protagonisten, allen voran das von Simon und Losian, zu schärfen. Im Falle des Letzteren ist dies aber natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass dieser seine eigene Vergangenheit und damit seinen ursprünglichen Platz im Gefüge des englischen Adels vergessen hat. Dass er diesem angehört, kann er nur aufgrund der Tatsache schlussfolgern, weil er mit einem Kreuzfahrermantel bekleidet auf der Insel das Bewusstsein erlangt hat. Dennoch – es dauert ein bisschen länger als die übliche Zeit, bis man warm wird mit ihm und seinen merkwürdigen Freunden. Das scheint vielleicht auch Gablé bemerkt zu haben, welche nach dem ersten Drittel nach und nach in die adligen Kreise – und damit auch auf sicheres, weil altbekanntes Terrain – zurückkehrt.

Nach „Die Säulen der Erde“ ist „Hiobs Brüder“ erst der zweite von mir gelesene historische Roman, der sich eingehend mit der vielleicht dunkelsten Zeit im englischen Mittelalter, der „Anarchy“, beschäftigt. Eine Epoche, ausgelöst durch den Untergang des „White Ship“ und den damit verbundenen Tod des rechtmäßigen Thronfolgers William, geprägt vom langjährigen Bürgerkrieg zwischen König Stephen und Kaiserin Maud, von immer wieder wechselnden Bündnissen und anhaltender Gesetzeslosigkeit. Rebecca Gablé gibt diese Zeit eindringlich wieder, ohne sich dabei in drastischen Schilderungen zu verlieren oder allzu übermäßige Brutalität zu zelebrieren. Im Gegenteil: Es sind die ruhigen Momente, die uns inne halten und das Ausmaß des Schreckens erkennen lassen, für die dieser Bürgerkrieg bis heute berüchtigt ist und dem schließlich selbst die Beteiligten irgendwann überdrüssig wurden. Der Glaube eine Entscheidung oder den Sieg in diesem Konflikt herbeizuführen – er war irgendwann auf beiden Seiten ins Wanken geraten. Und es ist diese Hoffnungslosigkeit, welche Gablé, besonders beim Beispiel der Belagerung von Wallingford, haargenau einfängt.

Obwohl Stephen und Maud die wichtigen Rollen in diesem Krieg ohne wirkliche Grenzen verkörpern, nehmen sie jedoch verhältnismäßig wenig Raum im Roman ein. Stattdessen konzentriert sich „Hiobs Brüder“, abgesehen von der ungewöhnlichen Gemeinschaft, vor allem auf den jungen Heißsporn Henry Plantagenet, der nichts unversucht lässt, um den englischen Thron zu erobern und später eine der mächtigsten Herrscherdynastien begründen wird. Gablés besonderes Händchen für historische Figuren – es kommt auch hier wieder hervorragend zum Tragen. Nach William, dem Eroberer („Das zweite Königreich“), John of Gaunt („Das Lächeln der Fortuna“) und Henry Beaufort („Die Hüter der Rose“) ist Henry FitzEmpress die nächste geschichtliche Person, die von Gablé, mit viel Sympathie, Witz, Charme, aber auch historisch belegten Eigenschaften bedacht, zum Leben erweckt wird. Wenn man ihr denn überhaupt hinsichtlich der Figurenzeichnung einen Vorwurf machen will, dann den, dass doch die meisten herrschenden Adligen äußerst gut wegkommen. Einen richtigen Unsympathen gibt es in „Hiobs Brüder“ nicht. Genauso wenig wie einen durchgängigen Antagonisten, der Losian und seinen Freunden das Leben schwer macht. Hier hätte ich mir dann doch manchmal einen William Hamleigh (aus Folletts „Die Säulen der Erde“) gewünscht. Auch weil Losian bzw. seine später wiedergewonnene Identität ein wenig zu stark daherkommt, um glaubhaft zu sein oder ein gewisses Gefahrenmoment zu befeuern.

Stattdessen wird die Gemeinschaft Losians durch die Einschränkungen und Krankheiten der einzelnen immer wieder auf die Probe gestellt, geht die Gefahr eher von gesellschaftlichen Begebenheiten als von feindlichen Rittern aus. Das muss besonders Losian feststellen, der sich in ein jüdisches Mädchen verguckt und das schwere Los ihres Volkes an der eigenen Haut erfahren muss. Die Abschnitte von ihm und dem jüdischen Arzt Josua gehören für mich eindeutig zu den Höhepunkten des Buches, wenngleich mir da manch eine Figur für mittelalterliche Verhältnisse dann doch zu modern und aufgeklärt reagiert. Aber ganz ohne künstlerische Freiheit kann halt auch ein historischer Roman seine Wirkung nicht entfalten.

So bleibt am Ende wieder mal die Erkenntnis: Selbst eine in einer gewissen Routine verfangene Rebecca Gablé thront immer noch weit über der im Genre ansässigen Konkurrenz. Wie keine andere vermag sie Geschichte – und in dem Zusammenhang natürlich dann auch geschichtsträchtige Figuren und Momente – lebendig zu machen und gleichzeitig einen Plot zu zimmern, dem man nur mit größten Unwillen den Rücken kehren will. „Hiobs Brüder“ ist ein über die volle Distanz mitreißendes Epos, das trotz des düsteren Kontextes den Wert von Freundschaften über alle Einschränkungen hinaus überaus warmherzig vor Augen führt und ein Loblied auf die Treue singt, welches vor allem auf den letzten Seiten den Leser durchaus zu ergreifen weiß. Denn wie Gimli schon einst sagte: „Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“

Meine Lektüre beende ich äußerst zufrieden und mit der Hoffnung, dass die darauffolgende Epoche noch eines Tages von Rebecca Gablé in Angriff genommen wird. Zwischen 1154 und 1330 ist jedenfalls noch eine Menge Platz für ein oder zwei Romane. Wenn sie also so freundlich wären ...
Catie zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«16.04.2015
Auch bei Helmsby habe ich es so gemacht, wie bei Waringham: Ich habe von hinten angefangen. Schon von Anfang an haben mir Simon und die Zwillinge es mir total angetan, den für die Zwillinge kann man sich sofort begeistern, weil sie so unglaublich lebensfroh sind. Simon ist zunächst das verlorene Lamm, dass sich nur langsam an die Herde gewöhnt, in der es von nun an leben muss. Sein Schicksal geht einem besonders zu Herzen, weil er noch so jung ist und so sehr damit hadert.
Dagegen bin ich zu Losian erst mal auf Distanz geblieben. Warum? Weil er das gleiche auch tut. Dabei ist ER in wirklichkeit das verlorene Lamm (na ja, eher Schaf, kein Lamm, aber Schaf klingt irgendwie so negativ). Ohne Namen und Vergangenheit geradewegs auf einer Insel voller vermeindlicher Verrückter zu stranden, stelle ich mir grausam vor. Aber mit der Zeit nähert man sich dann doch an.
King Edmund ist ein manchmal recht drolliger Kunde, bei dem man nicht weiß, was man jetzt von seiner Geschichte halten soll. Die Ereignisse sprechen dafür, die pure Vernunft (nicht zuletzt die Biologie) dagegen. Luke fing irgendwann an, mir mit seiner Schlange im Bauch auf die Nerven zu gehen, aber eigentlich tat er mir hauptsächlich leid. Oswald auch, aber anders. Ich finde Oswald besticht ganz einfach durch seine Kindlichkeit, Naivität und Fröhlichkeit, dann wieder kommt er einem vor wie ein Kleinkind, wenn er Losian grollt.
Henry Plantagenet ist (wie RG so gerne sagt) einfach eine "Naturgewalt". Ebenso einer meiner Favoriten. Dann, da ich eine Schwäche für wehrhafte Frauen habe, Philippa, die Kommandantin von Wallingford. Obwohl sie nur eine Nebenfigur ist. Irgendjemand muss den armen Simon doch mal von seiner ewigen Düsternis und Melancholie erlösen, hab ich mir gedacht. Und siehe da- sie hat das Wunder vollbracht.
Und dann noch Regy. Natürlich ist er gruselig, aber irgendwo hat er auch etwas ganz und gar unwiderstehlich faszinierendes. Ich würde vielleicht nicht gerade sagen, ich bewundere seine kühle und doch leidenschaftliche Präzision, mit der er seine Opfer qualvoll ins Jenseits befördert, aber irgendwie fällt mir gerade kein anderes Wort ein.
Ich finde auch diesen Roman äußerst gelungen und kann und werde ihm jeden nur empfehlen. Vielleicht ermutigt er ja doch den einen oder anderen, wie Hiobs Brüder, einfach weiterzumachen, egal, wie's gerade kommt.
Yannis zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«25.03.2015
Da melde ich mich auch mal, als absoluter Neuling bei Rebecca Gable. Hiobs Brüder ist so ziemlich mit das Beste, was ich je gelesen habe. Und es wäre wirklich genial, wenn es eine Fortsetzung gäbe, so wie bei den Warringhams.
Mein absoluter Favorit in diesem Buch ist Simon, wie er es mit Hilfe seiner Freunde geschafft hat zu begreifen, dass Fallsucht nicht zwangsläufig bedeutet dass man schwachsinnig ist.
Und auch die anderen... vielleicht sollte man sich das auch in der heutigen Zeit vor Augen führen....
Jana zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«20.07.2014
Dieser Roman ist nun bereits der vierte, den ich von Rebecca Gable gelesen bzw. gehört habe. Zufällig hatte ich unmittelbar zuvor "Das zweite Königreich" gehört, was sich als absoluter Glücksfall erwiesen hat, da "Hiobs Brüder" sozusagen eine Art Nachfolgeoman davon ist. Gefallen hat mir als blinde und somit behinderte Person ganz besonders, dass in diesem Buch endlich auch mal Menschen mit Handicap eine nicht unwesentliche Rolle spielen dürfen. Schließlich sind nicht alle Menschen schlau, schön, gesund und mutig, wie es sonst die meisten Protagonisten sind! Eine sehr anrürende Geschichte mit Tiefgang.
Susannah zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«06.04.2012
England, mitten im 12. Jahrhundert. Auf einer Insel vor der englischen Küste sind die eingesperrt, denen manche eine Seele absprechen. Die von Gott Ausgestoßenen. Einer von Ihnen hält sich für einen toten Märtyrerkönig. Einer hat die Fallsucht. Zwei sind siamesische Zwillinge. Und einer von ihnen - Losian - hat sein Gedächtnis verloren. Ein Sturm eröffent ihnen den Weg in die Freiheit. Doch das von der Anarchy geplagte England ist rechtlos, und für Menschen die Losian und seine Freunde besonders gefährlich. Doch langsam findet Losian zu seiner Erinnerung zurück - und stellt fest, dass er im großen Krieg, der England zu zerreißen droht, eine wichtige Rolle gespielt hat ...

Ich habe von Rebecca Gablé schon viele Romane gelesen. In gewisser Weise ist dieser Roman anders, als seine Vorgänger - und doch erkennt man Frau Gablé vor allem auf den zweiten etwa 450 Seiten wieder.

Anders deshalb, weil ihre Helden zunächst weit entfernt von der Welt der Ritter und Könige sind. Eine Gruppe armer Teufel, die von der Gesellschaft verbannt ein menschenunwürdiges Dasein fristen. Die in einer grausamen Welt zurecht kommen müssen. Doch die Gemeinschaft hält zusammen.

Im zweiten Teil des Buches führt uns die Autorin dann wieder zurück in die Welt der Adligen: der Krieg zwischen Stephen und Maud, die Anarchy, wie sie heißt, wird eindringlich dargestellt, vor allem in ihren Folgen für die Allgemeinheit: marodierende Räuberbanden, Rechtlosigkeit an allen Ecken und Enden. Wie eine Erlösung erscheint den Figuren und auch dem Leser da Henry Plantagenet. Der junge Heißsporn, der einmal über 30 Jahre auf Englands Thron sitzen wird, ist wieder ein hervorragendes Beispiel für Frau Gablés Kunst, historische Figuren lebendig werden zu lassen. Auch Alienor von Aquitanien und Kaiserin Maud sind sehr gelungen. Besonders gefreut habe ich mich persönlich über die leider nur seltenen Auftritte von Thomas Becket.

Besonders einfühlsam beschreibt die Autorin das Verhältnis zwischen Christen und Juden. Auf Unwissen und Vorurteilen beruhend scheinen diese Gruppen unversöhnlich verfeindet. Doch die Wege der Zusammenführung sind da, man muss sie nur beschreiten wollen. Die Beschreibung der Menschen, egal welcher Klasse, egal welchen Alters, egal ob historisch oder fiktiv - es ist die große Stärke der Autorin.

Und nicht nur deswegen hoffe ich, dass Frau Gablé auch ein Buch über die nachfolgende Zeit schreibt.

Wie auch die anderen Gablé-Bücher ohne wenn und aber empfehlenswert!
Entchen zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«19.02.2012
Nachdem ich "Hiobs Brüder", mein erstes Rebecca Gablé-Buch, heute Morgen fertig gelesen auf die Seite gelegt habe kann ich nun sagen, dies ist nicht mein erster historischer Roman, aber einer der Besten, den ich bisher gelesen habe.
Zunächst einmal ist es schon angenehm, dass Gablé sich mehr mit den Männern des Mittelalters befasst (viele andere Autoren ziehen ja eher die Geschichten leidender Damen bzw. Hexenverfolgungen dieser Zeit vor). Dabei wird man zunächst anschaulich an die jeweiligen Leiden der Hauptdarsteller und deren persönliche Probleme damit herangeführt. Dies bildet für mich eine wichtige Grundlage, die sich durch den ganzen Roman hindurchzieht, und man kann die Entwicklungen der einzelnen Charaktere (insbesondere bei Simon de Clare und Oswald) sehr gut verfolgen. Für meinen Geschmack war der Weg, auf dem Losian/Alan of Helmsby seine Vergangenheit wiederfindet etwas zu fantasievoll von der Autorin, aber das mag Ansichtssache sein. Etwas schwierig gestaltet es sich auch die Verwandtschaftsverhältnisse von Alan of Helmsby bzw. Simon de Clare mit den anderen Charakteren nachzuvollziehen (zumindest wenn es für jemanden wie mich einer der ersten Romane zum Thema Großbritannien im Mittelalter bzw. von Gablé ist). Hier wäre eventuell ein Stammbaum am Ende des Romans als Übersicht angebracht gewesen.
Insgesamt ist es aber ein sehr gelungenes Buch, dass neue Einsichten in das Leben der damaligen Zeit und deren Machtverhältnisse gibt.
Klaus-Günther Beck-Ewerhardy zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«14.12.2011
In den Figuren der Brüder Hiobswird deutlich, dass eine augenfällige oder auch nur periodisch augenfällige Behinderung einen Menschen nicht notwendigerweise zur Verzweiflung treiben muss und dass er viele Einschränkungen überwinden kann, selbst wenn seine Umwelt ihm nicht wirklich dabei hilft. Der Aspekt der Selbstwirksamkeit spielt dabei eine große Rolle und die siamesischen Zwillinge leben dies ständig vor, während andere, wie Oswald oder Simon de Clare dies erst im Laufe dieses Romans lernen müssen. Gleichzeitig zeigt sich hier auch an anderen Figuren, dass Vorurteile gegenüber anderen eine Form der Behinderung sein können. Neben der gelungenen Darstellung der damligen Verhältnisse hat mir dieser Aspekt des Buchs neben der Charakterezeichnung eigentlich mit am Besten gefallen.
Auch gefielen mir die zur Abwechslung mal wirklich nachvollziehbar dargestellten Schwertkämpfe. Hier zeigt sich der Wert einer guten Beratung. Sehr zu empfehlen in meinen Augen.
Historia zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«12.04.2011
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich war sehr überrascht, als sich herrausstellte, dass Louisan ein Nachfahre von dem Helden aus "Das zweite Königreich" ist. Die Geschicht war mal etwas anderes. Gefallen hat mir auch die Figur des Regy. Ich habe eine kleine Schwäche für Bösewichte in Büchern. Etwas genervt hat mich King Edmund mit seinen Heiligen.
Silke zu »Rebecca Gablé: Hiobs Brüder«16.11.2010
Super! Super! Super!
In diesem Buch konnte man wieder einmal erfahren wie "barmherzig" Priester im Mittelalter waren. Wie die Kirche, alle die nicht dem Ebenbild Gottes entsprachen, entfernen ließ. Kein Wunder das die "normale" Bevölkerung diesen Menschen ihre Ablehnung spüren ließ, es wurde ihnen ja gepredigt.
Die Protagonisten wurden toll beschrieben. Ich ließ mich von der guten Laune der Zwillinge anstecken und konnte mir Oswald Ritte auf seiner Stute vorstellen. Habe mit Simon gelitten und mit Losian gezittert.
Aber auch die geschichtlichen Aspekte waren super eingeflochten. Rebecca Gable vermittelt einem Wissen ohne Langeweile zu verbreiten. Ihr Schreibstil ist voller Wärme und doch spannend.Total gefreut hat es mich von "alten Bekannten" zu hören. Freue mich jetzt schon auf das nächste Buch.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 20.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Hiobs Brüder

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet.