Die Hüter der Rose von Rebecca Gablé

Buchvorstellungund Rezension

Die Hüter der Rose von Rebecca Gablé

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Die Hüter der Rose“,, 1238 Seiten.ISBN 3-431-03635-X.

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Kurzgefasst:

England, 1413: Der dreizehnjährige John of Waringham leidet darunter, im Schatten seiner ruhmreichen erwachsenen Brüder zu stehen. Als er glaubt, sein Vater wolle ihn in eine kirchliche Laufbahn drängen, reißt er aus und macht sich allein auf den Weg nach Westminster, um in den Dienst des jungen Königs Harry zu treten. An dessen Seite erlebt er die Wiederbelebung des hundertjährigen Krieges und die legendäre Schlacht von Agincourt. Doch Johns Gefangennahme setzt dem fröhlichen Ritterdasein ein jähes Ende. Kardinal Beaufort, des Königs Onkel und trickreichster Diplomat, kann ihn schließlich freikaufen. Der mächtige Kardinal ist seit jeher Johns väterlicher Freund, und selbst als John mit dessen Tochter Juliana durchbrennt und somit unerlaubt eine Lancaster heiratet, überdauert diese Freundschaft. König Harrys plötzlicher Tod auf dem Höhepunkt seines Ruhms schafft jedoch ein gefährliches Machtvakuum, sodass niemand mehr sicher ist, der einen Tropfen Lancaster-Blut in den Adern hat. Und während auf den Schlachtfeldern Frankreichs eine Jungfrau auftaucht, die die englischen Besatzer aus dem Land jagen will, beginnt John zu begreifen, dass er nicht nur um das Leben des kleinen Thronfolgers Henry bangen muss, sondern auch um das seiner eigenen Kinder…

Das meint Histo-Couch.de: „1106 Seiten lebendiger Geschichte“99Treffer

Rezension von Annalena Brix

Liebhaber historischer Romane kommen an Rebecca Gablé nicht vorbei. Sie schreibt die Geschichten nicht nur, sie verschreibt sich ihr. Mit Liebe zum Detail und Respekt vor dem historischen Stoff fesselt sie jedesmal aufs Neue.

Die nächste Generation

Nach acht Jahren schenkt Rebecca Gablè ihren Lesern eine Fortsetzung ihres historischen Debüts „Das Lächeln der Fortuna“. Die Hauptfigur des Romans ist John of Waringham, der jüngste Sohn Robins of Waringham. John ist inzwischen 13 und hat bereits seinen eigenen Kopf. Um einer kirchlichen Karriere zu entgehen, nimmt er reißaus, um sich am Hof des Königs verdient zu machen. Dort betritt er eine ihm unbekannte Welt, findet Freunde und begegnet dem König. Schon bald lernt er die vielen Gesichter des Krieges kennen, denn der König erhebt Anspruch auf den französischen Thron.

John of Waringham ist natürlich nicht die einzige Figur, die die Verknüpfung zum ersten Buch herstellt. Abgesehen von seinen Brüdern Edward und Raymond finden sich einige Sprösslinge, deren Herkunft dem aufmerksamen Leser bekannt vorkommen. Selbstverständlich spielen diese nicht immer dasselbe Spiel und so entsteht wieder eine spannende Geschichte aus divergierenden Interessen, Liebe, Krieg und Freundschaft.

Kampf um Kronen

Nach dem Tod von König Henry IV. regiert sein Sohn Harry das stolze England. Er will Frankreichs Thron noch hinzugewinnen. Nach erbitterten Kämpfen auf dem Schlachtfeld, wie in den politischen Lagern, heiratet er die französische Prinzessin Katherine Valois. Der französische Thron scheint näher als je zuvor, doch der französische Prinz kämpft erbittert um die Macht in Frankreich. Doch selbst in seinen eigenen Reihen ist der König nicht sicher. Er entgeht nur knapp einem Mordanschlag und kann selbst seinen engsten Anhängern nie ganz trauen. Sein Leben ist dem Krieg geweiht, denn er befindet sich mehr auf dem Schlachtfeld als in England.

Als Katherine Valois ihm einen Sohn schenkt, scheint seine Nachfolge vorerst gesichert. Doch der kleine Prinz zählt noch kein Jahr, als sein Vater einer Krankheit erliegt. John wird zum Leibwächter des kleinen Königs, für welchen übergangsweise ein Kronrat regiert. Der Junge steht von Anfan an zwischen den Stühlen. Die verschiedenen Machthungrigen wollen Einfluss auf ihn üben oder ihn sogar vernichten. So wird aus Henry VI. ein unsicherer Charakter, die Stärke seines Vaters erreicht er nie.

Fantastische Figuren und Geschichte vom Feinsten

Die Autorin hat mit „Die Hüter der Rose“ wiedermal ein vieldimensionales Buch geschrieben. Wenn man es erstmal begonnen hat, kann man es kaum noch aus der Hand legen. Die Vielzahl der Figuren ist keineswegs verwirrend, da Gablé ihnen allen Leben einzuhauchen vermag. Die Geschichte des Königshauses und der fiktiven Familie Waringham sind geschickt verschachtelt, so dass für den Leser Fiktion und Historie eine Einheit bilden. Neben den drei Henrys existieren weitere historische Figuren, deren Geschichten spannend erzählt werden. Eine von ihnen ist beispielsweise der Waliser Owen Tudor, der es wagt sich in die Königin zu verlieben oder der John Beaufort, der viele Jahre in Kriegsgefangenschaft verbringen muss. „Die Hüter der Rose“ bieten eine fulminante Lesereise ins England des 15. Jahrhunderts. Wer dieses Buch nicht liest, ist selbst schuld!

Ihre Meinung zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«

rolandreis zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«17.11.2015
Vor einiger Zeit war ich schon begeistert vom ersten Band "Das Lächeln der Fortuna". So war ich gespannt wie es auf über 1100 Seiten mit der Story der Waringhams weitergeht. Und wieder einmal konnte Rebecca Gablé mich erfolgreich ins Mittelalter entführen. Die Geschichte um den Sohn des Protagonisten des ersten Romanes Robert of Waringham rückt im zweiten Teil der Saga in den Mittelpunkt. John of Waringham flieht von zu Hause, als sein Vater ihn in die Obhut des Bischofs Beaufort (ein Lancaster) geben will und schließt sich König Harry an. Die Geschichte um John of Waringham, der treu zu seinem König steht und einer der meist geschätzten Männer Englands wird, ist so spannend, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Obwohl auch sehr viel Geschichte und historische Fakten im Buch verarbeitet werden wird man davon nicht erschlagen. Spätestens jetzt bin ich ein Fan von Rebecca Gablé, denn auch dieser Roman hat mich voll begeistert. Die Autorin zeichnet ein packendes Bild des 15. Jahrhunderts, jener Zeit, als England und Frankreich erbittert um die europäische Vorherrschaft und den französischen Thronanspruch kämpften. Bei mir erzeugte dieser Roman wunderbares Kopfkino und daher eine absolute Empfehlung. Ich bin sehr gespannt, wie es im "Spiel der Könige" weitergeht.
Catie zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«01.03.2015
"Die Hüter der Rose" war das dritte Buch, das ich von RG gelesen habe (inzwischen auch dreimal), und ich fand es bislang am berührendsten. Es geht weiter um den Hundertjährigen Krieg, und natürlich hat jeder, der historische Romane liest sich auch mit dem Gedanken beschäftigt und gelesen, was der Krieg eigentlich aus den Menschen macht. Aber selten erfährt man es so eindrucksvoll und noch dazu am Protagonisten. John of Waringham wird bereits früh abgehärtet, aber das scheint ihm nicht unbedingt zum Vorteil zu gereichen. (Für mehr Infos lesen Sie das Buch!!!)
Eine der mir sympathischsten Figuren in diesem Roman ist der Waliser Owen Tudor, der sicher einigen als Begründer der Tudor-Dynastie bekannt sein dürfte. Über ihn ist nicht viel bekannt, es gibt mehr Mythen als Fakten, aber wieder ist RG eine perfekte Mischung aus Geschichte und Fiktion gelungen. "Die Hüter der Rose" knüpft direkt an "Das Lächeln der Fortuna" an. Ich empfehle also allen, klüger zu sein als ich, und die Bücher hintereinander zu lesen.
EvaD. zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«04.03.2012
Für mich war dieses Buch das absolute Highlight der Waringham-Saga. John war definitiv eine sehr spezielle Persönlichkeit, und ich bewundere seinen Charakter mit all den Ecken und Kanten. Auch seinen Bruder Raymond fand ich sehr interessant - auf jeden Fall erheiternd. Das Buch war extrem interessant geschrieben und flüssig zu lesen, von der Spannung ganz zu schweigen.
Ich würde es jedem Fan von historischen Romanen empfehlen - ebenso wie alle anderen Werke von Rebecca Gablé!
Lesley zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«04.02.2012
Der zweite Teil der Saga ist nicht weniger fesselnd als der erste. Gáble erzählt die englische Geschichte unverändert und trotzdem wirkt es so, als habe sie das selbst erfunden. Man entwickelt ein ganz besonderes Gefühl bei ihren Büchern, als wenn man selbst dabei wäre. Die Geschichte ist aufregend und wechselt ständig. Man kann keinen wirklichen Höhepunkt in dem Buch finden, weil die Höhepunkte überall und in jedem Kapitel verstreut sind.
M.Reinsch zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«10.08.2011
Da ich duie gebundene Ausgabe gelesen habe, bin ich auch ein klein wenig froh, das ich das Buch nun zu Ende gelesen habe - mit über 1000 Seiten doch ein Wälzer...
Was für eien Geschichte , die Rebecca Gablé da vor mir ausgebreitet hat! Durch ihre wunderbare Art zu schreiben hat Sie mir dei (doch sehr verzwickte) Zeit der beiden Henrys sehr gut nahegebracht. Wiedereinmal habe ich "gelebte" Geschichte gelesen und war mehr als begeistert. Und wiedereinmal war es sehr schwer ihre fiktiven Figuren aus der tatsächlich geschehenen Geschichte auszublenden - nein "Die Waringhams" gehören nun für mich schon fest zur englischen Geschichte! Gerade die erstaunliche Charactertiefe, die Fr.Gablé ihren sämtlichen Protagonisten zu teil werden läßt, macht es einem sehr schwer, selbst die niederträchtigsten Charaktere und ihre Winkelzüge, nicht gebührend zu begutsachten. Wiedereinmal hat diese Frau es geschafft, mich völlig in den Bann ihrer Geschichte zu holen (und nebenher so manch verkürzte Nacht zu erleben).
Bisher kenne ich nur zwei weitere Autoren, die mich so in Ihren Bann geschlagen haben (Gemmell und Martin). Nun, nach dem Dritten ihrer Bücher, das ich gelesen habe, bleibt mir nicht anderes übrig, als Sie zu meinen Lieblingsautoren zu zählen!
Nur 99°, weil mir ein Namenskglossar fehlte, in dem ich doch gerne nach der Einen oder Anderen Person gesucht hätte...
Stina zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«18.03.2011
"Die Hüter der Rose" beschreibt die Geschichte von John of Waringham dem jüngsten Sohn von Robin of Waringham aus "Das Lächeln der Fortuna". Ein Missverständnis bringt ihn als dreizehnjärigen dazu, Waringham und seinen Vater heimlich zu verlassen um in den Dienst des Königs zu treten. Von da an wird sein Leben von Krieg, Liebe, Hass und Freundschaft bestimmt. Durch seinen Ehrgeiz und sein ritterliches Wesen wird er sehr jung zum Ritter geschlagen, doch durch diese Eigenschaften gerät er auch nicht selten in Gefahr.
Genauso fesselnd wie die Geschichte von John sind die Machenschaften rund um den König und all seinen machthungrigen Feinden und Verbündeten sowohl in England wie auch in Frankreich.

Rebecca Gablé versteht es die geschichtlichen Ereignisse schwungvoll und spannend in einem Roman wiederzugeben.
Stefan83 zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«12.11.2010
Es ist gut möglich, dass es da draußen noch irgendjemanden gibt, der die Welt des Mittelalters weit besser und farbenfroher auf Papier bringen kann, als Rebecca Gablé. Wenn dem so ist, dann hat dieser jemand allerdings bisher nicht zum Stift gegriffen, denn die deutsche Autorin zeigt auch mit der späten Fortsetzung ihres im Jahre 1997 erschienenen historischen Romans „Das Lächeln der Fortuna“, warum sie in Leserkreisen und Feuilleton gleichermaßen als Königin dieses Genres tituliert wird. Mit „Der Hüter der Rose“ ist ihr erneut ein episches Meisterwerk gelungen, das Fiktion und Historie gekonnt verbindet und auch qualitativ nahtlos an den Vorgänger anknüpft. Mehr noch: Band zwei der Reihe um die englische Adelsfamilie Waringham wirkt um einiges reifer, zeigt deutlich den Sprung, den Gablé in ihrer Schreibtechnik in den letzten Jahren vollzogen hat. Sie nimmt gekonnt den Faden auf, ohne schlicht zu wiederholen oder sich in Widersprüchen zu verzetteln, was es sogar Neulingen ermöglicht, ohne Probleme den Einstieg in die Reihe in Angriff zu nehmen. Bei allen anderen wird sich vermutlich, so wie bei mir, ein wohliges Gefühl der Heimkehr einstellen, wenn man die erste Seite dieses mitreißenden Romans aufschlägt und sich an die Geschehnisse am Ende von „Das Lächeln der Fortuna“ zu erinnern beginnt …

Rückblick: England, der dreizehnte Oktober im Jahre des Herrn 1399. Henry of Lancaster wird vom Erzbischof von Canterbury in Westminster gesalbt und zu Henry IV. von England gekrönt. Robin of Waringham, Berater und treuester Verbündeter der Familie Lancaster, reist direkt nach den Feierlichkeiten nach Hause, um seinen neugeborenen Sohn, den dritten mittlerweile, in die Arme zu schließen. Er nennt ihn John, nach seinem langjährigen Freund, den verstorbenen Duke of Lancaster, welcher als John of Gaunt in die Geschichte eingegangen ist.

Fast vierzehn Jahre später begegnen wir John of Waringham nun wieder. Nach dem Tod von Henry IV., der in den letzten Tagen seiner Regentschaft von einer Krankheit schwer gezeichnet war, wird jetzt dessen ehrgeiziger Sohn Henry V, genannt „Harry“, König von England. Er will den immer noch schwelenden langjährigen Krieg mit Frankreich für seine Heimat siegreich beenden und die ihm zustehende Krone beider Länder in Besitz nehmen. Das Volk, von den vielen Scharmützeln mit Franzosen, Schotten und Walisern zermürbt, setzt all ihre Hoffnungen in Harry, der in Auftreten, Erscheinung und Tatkraft ganz dem herrschenden Ritterideal entspricht. Begeistert und bereitwillig folgt es ihrem König. Unter seinen Begleitern wäre auch gern John of Waringham, der wie sein älterer Bruder Raymond an der Seite Harrys kämpfen will, aber insgeheim befürchtet von seinem Vater in eine kirchliche Laufbahn gedrängt zu werden. Wie Robin so viele Jahre zuvor, so nimmt auch John schließlich Reißaus. Er macht sich allein auf den langen Weg nach Westminster und begegnet, nach einigen schmerzhaften Zwischenfällen, dem König.

Auch dank der Fürsprache der Brüder Raymond und Edward wird er trotz seines jungen Alters am Hof zum Knappen ausgebildet. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Waliser Owen Tudor und Harrys Cousin John Beaufort, genannt „Somerset“, zieht er schließlich an der Seite Harrys in den Krieg. Von der langen Belagerung Harfleurs über die berüchtigte Schlacht von Azincourt, wo er zum Ritter geschlagen wird, bis hin vor die Tore von Paris. John wird, wie so viele Jahre zuvor sein Vater Robin, zum engsten Vertrauten des Königs, einem Hüter der Rose (Das Kennzeichen der Lancasters). Er entführt die Liebe seines Lebens, die junge Juliana, um sie gegen den Willen ihres Vaters Henry Beaufort, dem Bischof von Winchester und Onkel des Königs, zu heiraten, der trotz allem einen Narren an John gefressen hat, und, wie einst John of Gaunt Robin, die schützende Hand über den jungen Waringham hält. Und das ist dringend nötig, den Fortunas Launen sind wechselhaft und am am Hofe des Königs wimmelt es nur so von machthungrigen Adligen, ehrgeizigen Königsbrüdern und intriganten Kirchenmännern …

Über 1115 Seiten einen Leser nicht nur bei der Stange zu halten, sondern ihn auch noch auf höchstem Level zu begeistern, zu bannen und zu rühren, das ist wahrlich eine hohe Kunst. Eine Kunst, die Gablé wie scheinbar keine Zweite im Bereich des historischen Romans zu beherrschen versteht. Auch die Begegnung mit der zweiten Generation aus dem Geschlecht der Waringhams ist eine äußerst lohnende, zumal man sich dank John of Waringham stets im Zentrum der geschichtlichen Ereignisse wiederfindet und über dessen Schulter einen Blick auf eine Epoche gewährt bekommt, die von Kriegen und Leid ebenso geprägt war, wie von Frieden, Wohlstand und mittelalterlicher Kunst. Wie schon in ihren anderen Romanen, so ist es auch hier dank der detailgetreuen Schilderungen und liebevoll gezeichneten Figuren gänzlich unmöglich diese dicke Schwarte von Buch längere Zeit aus der Hand zu legen. Während andere Schriftsteller historische Persönlichkeiten lediglich verwenden, um ihren Werken Authentizität zu verleihen, da macht Rebecca Gablé diese lebendig. Und obwohl sich ein Großteil des Buches um die Regentschaft des erfolgreichen und beliebten Königs Harry dreht, deutet sich bereits früh an, dass besonders John of Gaunts Sohn, Henry Beaufort, die Sympathien der Autorin genießt.

Beaufort kommt in vielen Dingen nach seinem Vater. Und wie bei John of Gaunt, so gewinnt auch dieser Lancaster den Leser schnell für sich. Charismatisch, ehrgeizig, aber auch mitfühlend, unterstützend und beratend. All diese Facetten ringt Gablé dieser Figur ab, ohne den historischen Überlieferungen an irgendeiner Stelle zuwiderzulaufen. Überhaupt hat die Autorin bei der Ausarbeitung ihrer Protagonisten einen Riesenschritt nach vorne getan. War Robin of Waringham noch über lange Strecken ein unglaubwürdiger, strahlender Gutmensch, sind in „Die Hüter der Rose“ die Waringham-Sprößlinge weitaus vielschichtiger charakterisiert worden. Mehr noch als John gefällt mir da Raymond of Waringham. Ein Frauenheld und grobschlächtiger Schwerenöter, der erst handelt und dann denkt, aber in Treue zu seinem König steht und der sein Herz am rechten Fleck hat. Seine Eskapaden mit Mägden und Bauerstöchtern sorgen im Buch immer wieder für heitere Momente, verdeutlichen aber auch das Missverhältnis des Ständesystems.

John of Waringham macht dagegen die größte Entwicklung im Lauf der Geschichte durch. Seine anfängliche Kriegsbegeisterung verliert sich mit den Jahren. Seine Träume von Mut, Heldentaten und Ritterlichkeit verblassen angesichts der Gräueltaten bei Azincourt. Der Krieg in Frankreich und seine lange Gefangenschaft samt Folter verändern John of Waringham. Aus einem einstmals aufgeschlossen, neugierigen jungen Mann wird ein zynischer, rachelüstiger Veteran, der die Vergangenheit nur schwer hinter sich lassen kann und selbst von seiner Frau plötzlich nicht wiedererkannt wird. Gablés Schilderungen des gewaltsamen Konflikts sind zwar in keiner Weise so detailgetreu und brutal wie die des Kollegen Bernard Cornwell, aber trotzdem nicht weniger eindringlich. Während der Engländer das blutige Schauspiel in drastischen Szenen beschreibt, sind es hier die leisen Töne, welche beeindrucken. Gablé wagt einen Blick in die Seele des Krieges und zeigt dessen Sinnlosigkeit auf. Über Jahrzehnte geführt, wechselt das Glück mit jeder neuen Regentschaft auf Seiten Frankreichs oder Englands die Seiten. Schnell weicht die Euphorie der Kriegsmüdigkeit. Auch weil mit Johanna von Orleans eine Gegnerin auftaucht, welche den zerstrittenen und fast ausgelöschten französischen Adel vereint und ins Felde führt.

Gablés Auseinandersetzung mit der Jungfrau aus Lothringen ist mutig, spricht sie der heutigen französischen Nationalheldin doch jeglichen Glanz ab. Stattdessen wird uns eine soziopathische Frau mit verklärten Blick gezeigt, die in erster Linie der Hass antreibt und nicht die Suche nach Frieden. Ihr skandalöser Gerichtsprozess gehört zu den düsteren Passagen des Buches und macht eine Lichtgestalt auf verletzliche Art und Weise menschlich. Wie die Autorin das geschafft hat, ohne ihre Objektivität zu vernachlässigen, ist beeindruckend. Trotz ihres Todes mangelt es John aber auch später nicht an erbitterten Feinden, wobei ich mir das ein oder andere Mal gewünscht hätte, dass sich der wackere Waringham nicht immer so arg schnell aus seinen Zwickmühlen befreien würde. Insbesondere beim Zusammentreffen mit den Ketzern gegen Ende ist Gablé vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen.

Dennoch: „Der Hüter der Rose“ ist eine unheimlich intensive Achterbahnfahrt durch die zweite Hälfte des Hundertjährigen Krieges bis zu den ersten Ausläufern der Rosenkriege, die ohne langatmige Passagen blendend unterhält und akkurat-gründliche historische Recherche mit stilistisch geschliffener Fiktion verbindet. Ein Wiedersehen mit alten Freunden, das mehr als lohnt und allen Freunden historischer Romane dringendst ans Herz gelegt werden kann. Das Gablé dabei dasselbe Erfolgsrezept in Punkto Handlungsaufbau wie bei den Vorgängern gewählt hat, mag vielleicht den kritischen Kümmelspalter um seine Ruhe bringen. Das Lesevergnügen kann das allerdings nicht im geringsten trüben.

Chapeau, für diese Leistung, Frau Gablé!
M-L. Bakhaus zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«31.03.2010
Es ist das erste Buch, dass ich von Rebecca Gablé gelesen habe. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um es zu lesen. Diesmal habe ich es in einem Rutsch durchgelesen. Es gefiel mir sehr gut. Die Personen sind lebendig und spannend dargestellt. Man merkt die gute Recherche der Autorin. Es ist nicht das letzte Buch dieser Autorin, dass ich lesen werde.
octavia zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«05.03.2010
Ich habe alle drei Bücher der Trilogie um die Waringhams gelesen, und alle drei sind absolut fesselnd, aber dieses Buch ist mir besonders ans Herz gewachsen. Vielleicht weil sich das Haus Lancaster hier mit König Henry V auf dem Höhepunkt seiner Macht befindet (Azincourt). Auch die unerschütterliche Liebe zwischen John und Julianna hat mich mehr fasziniert als die Liebe zwischen Robin und Blanche. Ein ganz hervorragendes Buch, das ich auch bereits als Hörbuch geniessen konnte (sehr empfehlenswert). Unterm Strich ist die Trilogie rund um die Waringhams absolut phantastisch.
Kaddi* zu »Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose«01.10.2009
Bei mir geht's gerade zum Ende von das Lächeln der Fortuna. Ich muss zugeben, teilweise fand ich es recht kompliziert, all die englischen und schottischen Namen, der Enkel und der Großvater, Neffe etc. haben gleiche oder ähnliche Namen. Es war zum Teil wirklich verwirrend. Aber ich habe die 1200 Seiten innerhalb von wenigen Tagen gelesen, denn es hat mich so in den Bann gezogen,dass ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte.
Die Liebe zum Detail, mit der Rebecca Gablé Waringham, Ferbrook, Burton etc. beschreibt hat mich so in den Bann gezogen, dass ich fast glaubte, selbst ein Teil von der Geschichte zu sein. Ich habe jede Szene vor meinem geistigen Auge gesehen und jeden Windhauch gespürt.
Es ist verrückt =).Bisher wusste ich auch nicht, dass es eine ganze Reihe gibt, aber gleich morgen werde ich mir den neuen Band kaufen. Und ich bin auch jetzt schon gespannt was es Neues in Waringham gibt.

Liebe Grüße...

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