Der Palast der Meere von Rebecca Gablé

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Der Palast der Meere“,, 960 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

London 1560: Als Spionin der Krone fällt Eleanor of Waringham im Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elizabeth I. und der katholischen Schottin Mary Stewart eine gefährliche Aufgabe zu. Ihre Nähe zur Königin schafft Neider, und als Eleanor sich in den geheimnisvollen König der Diebe verliebt, macht sie sich angreifbar. Unterdessen schleicht sich ihr fünfzehnjähriger Bruder Isaac in Plymouth als blinder Passagier auf ein Schiff. Nach seiner Entdeckung wird er als Sklave an spanische Pflanzer auf der Insel Teneriffa verkauft. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei – unter der Bedingung, dass er in den Dienst des Freibeuters John Hawkins tritt. Zu spät merkt Isaac, dass Hawkins sich als Sklavenhändler betätigt – und dass sein Weg noch lange nicht zurück nach England führt ...

Das meint Histo-Couch.de: „Vergnügliches Ende der Waringham-Saga“86Treffer

Rezension von Dirk Jaehner

„Wer Henry sagt, muss auch Elisabeth sagen.“ So kündigte Rebecca Gablé vor einigen Jahren im Histo-Couch-Interview das neue Waringham-Abenteuer an. Nun, 2015, ist es erschienen. Knappe 1000 Seiten dick, erzählt er die Geschichte von den Nachnachnachkommen des Ur-Waringhams Robin. Im fünften Band der Saga um die adeligen Pferdezüchter aus Südengland dreht sich alles um Elisabeth I., ihren Konflikt mit Mary Stuart, ihre Probleme mit den Katholiken, ihre nicht erfolgte Hochzeit und somit die Frage der Thronfolge, das Erstarken des englischen Königreichs zur Seemacht und wie Mitglieder der Waringham-Sippe in dieses große Schema aller Dinge hineinpassen.

Ein Waringham fährt zur See

Unter solchen Voraussetzungen Figuren und Handlungen zu ersinnen, fällt nur auf den zweiten Blick schwer. Die Zutaten sind alle bereits vorhanden: die Waringham-Dynastie mit ihren Verbindungen zum englischen Königshaus, die Tudor-Epoche mit Königin Elisabeth I. auf dem Thron (der Roman beginnt 1560, Elisabeth war seit 1558 Königin) und die Vorliebe der Autorin für Geschichten um das Heranwachsen eines Protagonisten. Jetzt muss dieser Protagonist nur noch eine Eigenschaft besitzen, die ihn von seinen Vorgängern unterscheidet. Und weil unter Elisabeth I. die britische Seemacht eigentlich erst entstand, darf die männliche Hauptfigur seefest sein, weil sie auf irgendeine Art und Weise an dieser Entwicklung teilhat – bekanntermaßen ist die Anfälligkeit für die Seekrankheit in der Waringham-Sippe fast schon sprichwörtlich.

Aus der Art schlägt also Isaac of Waringham, zu Beginn der Geschichte 14 Jahre alt, der bei seinem Onkel Philipp Durham in London lebt. Der wirft ihm nicht ganz zu Unrecht Verantwortungslosigkeit und Egoismus vor. Isaac solle sich lieber mehr für seine Familie und das Gestüt als für Pferderennen und Wetten interessieren. Doch mehr noch als seine Vorfahren wird Isaac von einem brennenden Freiheitsdrang getrieben. Um der Verantwortung seiner Familie gegenüber zu entgehen, schleicht er sich als blinder Passagier auf ein Freibeuterschiff und kehrt erst Jahre später nach einigen Abenteuern in Afrika und in der Karibik nach Hause zurück.

Familienkonflikte

Diese Verantwortungslosigkeit bringt seine älteste Schwester Eleanor gegen ihn auf. Sie gehört dem Hofstaat der Königin an und ist ihr „Auge“ – engste Vertraute, Freundin und wenn es drauf ankommt, ihre Agentin, Botin und Informantin. Ihr ist der parallele Handlungsstrang gewidmet, der nur selten mit dem ihres Bruders in Berührung kommt. Hier findet sozusagen die Einordnung in die historischen Ereignisse statt: die Auseinandersetzung um Elisabeths Nachfolge, der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, Mary Stuarts ständige Umsturzversuche und ihre Hinrichtung und nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit König Philip von Spanien und die Entstehung jener Flotte, die sich erfolgreich der spanischen Armada entgegenstellt.

Eben jene Flotte ist das große Ziel des Buches, der Kampf mit der Armada der heimliche Höhepunkt, auf den die Handlung zuschreitet. Nahezu  jeder Waringham-Roman hat ein solches Ziel. Doch hier liegt es lange im Dunkeln. Eigentlich sogar fast zu lange, denn Isaacs Abenteuer in der Neuen Welt und Eleanors Erlebnisse und ihr Privatleben führen kaum auf das Seeabenteuer hin, sondern dümpeln zunächst vor sich hin.

Altbekanntes und erfrischend Neues

Und hier liegt das Problem, das den Palast der Meere zum schwächsten der Waringham-Romane macht. Die Königinnen-Seite, also der Erzählstrang um Elisabeth und Eleanor, birgt keine Überraschungen. Gablé erzählt die Historie so, wie sie in hunderten bereits vorhandener Versionen bereits erzählt wurde. Die andere Perspektive, die im letzten Roman noch versucht hat, Mary Tudor ihres „Bloody“-Makels zu entkleiden, fehlt hier. Selbst dem Charakter der Königin kann die Autorin keine Seite abgewinnen, die nicht schon vorher in Filmen oder Romanen Thema gewesen wäre. Aber darin liegt wohl auch das Risiko einer solchen Themenwahl.

Der Isaac-Strang ist da der weitaus interessantere. Obwohl er sich in seiner Erzählstruktur stark an seinen Vorgängerromanen orientiert – junger Mann wird außerhalb seiner Familie erwachsen- , möchte man als Leser unbedingt erfahren, wie Isaac es schafft, vom blinden Passagier zum Schiffsjungen zum Sklaven und letztendlich zum respektierten Kaperfahrer mit eigenem Schiff zu werden. Hier liegt dann auch die eigentliche Perle der Gablé-Romane, die andere Sicht der Dinge, verborgen. Oberflächlich betrachtet sind Isaacs Abenteuer als Freibeuter eine altbekannte Mantel-und-Degen-Geschichte. Es werden Schiffe gekapert, Städte überfallen und Burgen ausgeraubt, es wird gemeinsame Sache mit Ureinwohnern gegen die spanischen Besatzer gemacht – kurz, alles was in einschlägigen Romanen und Filmen auch passiert und was sie so beliebt macht. Aber es fehlt, und das ist Rebecca Gablés Verdienst, das Romantisierende, das Verkitschende, das Glorifizierende. Und dabei passiert es dann eben auch, dass der bekannte Weltumsegler Sir Francis Drake seines Heldenmantels verlustig geht. Zwar bleibt er ein hervorragender Seemann, aber er ist auch ein ganz mieser Vorgesetzter, bei dem Egoismus und Opportunismus die vorherrschenden Charaktereigenschaften sind.

Wie immer ist der Roman peinlichst genau recherchiert und trotz alles Wissens flüssig und amüsant geschrieben. So ist es durchaus ein Vergnügen ihn zu lesen, einfach auch aus dem Grund, dass man am Schicksal der sympathisch-chaotischen Großfamilie der Waringhams weiter teilhaben möchte. Leider wird dies wohl der Endpunkt der Saga sein, denn im selben Interview (s.o.) kündigte die Autorin an, dass mit dem Ende der Regentschaft Elisabeth I. auch ihr Interesse am englischen Mittelalter endet. Aber wer weiß. Manchmal tauchen erzählenswerte Geschichten ganz plötzlich und aus dem Dunkeln auf.

Ihre Meinung zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«

SylviZ zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«14.12.2016
Darf ich eine Rezension schreiben, auch wenn ich kaum 100 Seiten von dem Roman gelesen habe? Rebecca Gablés Schreibstil ist nach wie vor super, doch es gelang mir einfach nicht, mich in die Geschichte hinein zu fühlen. Mag auch daran liegen, dass mich nur die ersten beiden der Waringham Saga richtig begeistert haben, mich die darauf folgenden leider nicht so berührt haben. Vielleicht versuche ich es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.
blanche zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«05.07.2016
Der Roman hat mir gefallen, wenn er auch nicht ganz an seine Vorgänger herankommt. das, was wirklich positiv ist, es gibt hier keinen so hundsgemeinen Bösewicht, der die ganze Erzählung lang so gemeine Sachen macht wie in den vorherigen Romanen Usus (ganz besonders weh tut mir noch immer die Episode, an dem dem Lieblingspferd mutwilig der Fuß gebrochen wird von so einem Geschmeiß - da muss ich mich immer sehr aufregen :-) ) Also, diesmal alles ganz okay mit den Charakteren ....viel Spass beim Lesen.
Klaus Kröger zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«19.12.2015
Frau Gable gelingt es - wie immer - Geschichte zu vermitteln. Elizabeth I. wird facettenreich und historisch korrekt dargestellt. Leider ist das Buch nur mäßig spannend und stilistisch nicht wirklich überzeugend geschrieben worden. Formulierungen wie "sei so gut" (30 mal) "seid versichert" und "schätze ich" werden den Hauptfiguren ständig in den Mund gelegt, was die Charaktere aushöhlt. Immerhin lässt Frau Gable Sir Francis Walsingham im Zusammenhang mit der Bartholomäusnacht sagen, "Menschen, die sich aus religiösen Gründen überlegen fühlen, werden zu Bestien". Vor dem Hintergrund des IS-Terrors verblüffend aktuell.
Markus Steinke zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«08.11.2015
Einer der besten Warringham Romane, die Verbindung Durham-Warringham wird vertieft, leider ist das Ende sehr offen und lässt darauf hoffen, dass Frau Gable es sich noch überlegt und die Familie Warringham doch noch weiterleben lässt. Da das Elisabethanische Zeitalter ja noch nicht beendet ist bleibt ja noch etwas Hoffnung.
Vielen Dank auf jeden Fall für das besondere Lese-Erlebniss
NL zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«18.10.2015
Ich habe diesen Band nach 70/80 Seiten weggelegt! Als Gable-Fan hatte ich mich sehr auf den neuen Band gefreut, ihn extra für den Urlaub ausgespart. Aber erstmals schafft es Gable nicht, von Anfang an sinnvolle und klare Handlungsstränge zu komponieren. Viel Platz benötigt sie, um Personen(Konstellationen) einzuführen, historische Zusammenhänge erstmals darzustellen. Auch sprachlich gibt es immer wieder Stilbrüche. Vielleicht hätten die Autorin und der Verlag sich noch mehr Zeit nehmen sollen. Ob ich den Band nochmals zur Hand nehmen werde ..., ich bin mir da gar nicht sicher!
-LENA- zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«02.10.2015
Die Regierungszeit Elizabeth I. wird in diese´n Roman thematisiert mit Protagonisten aus dem Hause Waringham. Elinor als engste Freundin der Regentin immer an ihrer Seite ist und als „Das Auge der Königin“ (wird sehr oft erwähnt) betitelt wird. Isaac, der zur See fährt, an Kaperfahrten teilnimmt und damit den Beginn der Seemacht Englands einläutet.. Breiten Raum nimmt der Konflikt mit Mary Steward und die „Liaison“ zwischen Elizabeth und Robin Dudley ein. Man trifft auf die Zeitgenossen Francis Drake und Shakespeare hat auch seinen kleinen Auftritt.
Für Gablé Fans ist der fünfte Band der Waringham-Saga ein Muß. Diesmal konnte mich dieser Roman im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht ganz überzeugen. Manche Handlungen waren nicht ganz nachvollziehbar, einige etwas überzogen. Es gab auch berührende Szenen und Isaac konnte überzeugen.
schnupi zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«28.09.2015
Dies dürfte wohl der Roman der Wahrnahm Reihe sein. Vieles erinnerte mich an die anderen Romane der Reihe. Isaac wird versklavt, Robin als Stallarbeiter eingesetzt. Elender als sehr starke Frau erinnerte an Blanche. Der König der Diebe war schon im der Hüter der Rose. Alles Personen die in früheren Teilen vorkam. Automatisch setzte man sie mit diesen gleich, und wurde nicht enttäuscht.
Die zwiespältige Elisabeth wurde von ihr sehr gut beschrieben. Da es nun keine Tudors mehr gibt, wird es sich auch keine Warenhaus mehr geben. Bleibt die Frage ob es etwas neues aus der Familie Helmsby gibt. Dieser Name tauchte ja nun wieder auf.
Wer es als erstes Buch von Waringham liest, kommt damit klar ohne die vorherigen zu kennen.
Nach dem ich nun alle Bücher gelesen habe, verstehe ich auch die englische Geschichte etwas besser.
Daenerys K aus A zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«24.09.2015
Der lang ersehnte Teil 5 der Waringham-Saga von Rebecca Gablé erfüllt alle Erwartungen an die Reihe ihrer historischen Romane.

Sofort mit den ersten Zeilen „sieht“ man die Verurteilung auf dem Marktplatz in Cheapside, „hört“ das Getuschel der Schaulustigen und „riecht“ das historische London.

Wir lernen den Protagonisten Isaac kennen, wie er sich offenbar vor einer großen Verantwortung drückt. Doch im Grunde wird immer wieder klar, dass auch er noch die alten waringhamschen Rittertugenden besitzt. Seine Schwester Eleanor ist als Milchschwester der Königin Elizabeth ständig am Hof präsent und dadurch ist der Leser gefangen zwischen historischen Begebenheiten und der wundervollen Geschichte um die Familie Waringham (… und zu meiner großen Freude auch um Familie Durham.)

„Der Palast der Meere“ ist selbstverständlich auch für Leser geeignet, die die vorherigen Bücher nicht gelesen haben. Die Geschichte der jungfräulichen Königin wird wunderbar farbenprächtig und emotional erzählt. Ihr Tudor-Temperament erinnert hin und wieder daran, dass sie die Tochter Henry des VIII ist und auch andere historische Persönlichkeiten werden großartig porträtiert.

Dieses Buch gehört auf jeden Fall in die Kategorie „Lieblingsbuch“!
Entropia zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«21.09.2015
Mit „Der Palast der Meere“ hat die Autorin Rebecca Gablé eine gelungene Fortsetzung der Waringham- Reihe geschrieben. Dieses Buch ist bereits der fünfte Teil, lässt sich jedoch auch gut ohne Vorkenntnisse aus den vorherigen Büchern lesen. Jedoch ist es empfehlenswert, wenn man diese bereits kennt, da so manche Anspielungen auf die bisherigen Familienverhältnisse besser nachvollziehbar sind.

Inhaltsangabe (Quelle: Klappentext):
London 1560: Als Spionin der Krone fällt Eleanor of Waringham im Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elizabeth I. und der katholischen Schottin Mary Stewart eine gefährliche Aufgabe zu. Ihre Nähe zur Königin schafft Neider, und als Eleanor sich in den geheimnisvollen König der Diebe verliebt, macht sie sich angreifbar. Unterdessen schleicht sich ihr fünfzehnjähriger Bruder Isaac in Plymouth als blinder Passagier auf ein Schiff. Nach seiner Entdeckung wird er als Sklave an spanische Pflanzer auf der Insel Teneriffa verkauft. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei? unter der Bedingung, dass er in den Dienst des Freibeuters John Hawkins tritt. Zu spät merkt Isaac, dass Hawkins sich als Sklavenhändler betätigt? und dass sein Weg noch lange nicht zurück nach England führt...

An erster Stelle möchte ich die Gestaltung des Buches loben. Das Cover hat mich sowohl vom Motiv als auch von der Farbgestaltung sofort angesprochen. Außerdem passt es sehr gut zu der jeweiligen Neugestaltung der vorherigen Bücher – ich mag es, wenn anhand der Covergestaltung ein Zusammenhang einer Reihe erkennbar ist. Auch ein hilfreiches Personenregister ist beigefügt, das ich gerne mal zu Rate gezogen habe. Am jeweiligen Kapitelanfang ist eine dazugehörige Szene grafisch dargestellt. Das finde ich ebenfalls sehr ansprechend und man erhält einen kleinen Einblick in die Personen.
Der Schreibstil von Rebecca Gablé hat mich auch diesmal wieder begeistern können. Als Leser hat man sofort ein Bild vor seinem geistigen Auge und fühlt sich einfach wohl. Ich hatte das Gefühl, alte liebgewonnene Freunde wieder zu besuchen und habe mich daher schon sehr auf Waringham gefreut. Dies hat zur Folge, dass ich sofort mitten in der Geschichte war und keine Probleme hatte, in die Story rein zu finden. Auch die umfangreiche Recherche, welche Gablé geleistet hat, ist sofort erkennbar. So werden liebevolle Anekdoten in die Geschichte eingeflochten und mit den fiktiven Handlungen verwebt. Auch lernt man als Leser noch das ein oder andere Wissenswerte über die damalige Zeit und die historischen Persönlichkeiten, welche diese bevölkert haben. Ein hilfreiches und aufschlussreiches Nachwort ist ebenfalls beigefügt. In diesem wird nochmal darauf eingegangen, was den Fakten und was der Fiktion der Autorin entspringt – oder auch, welche Fakten von ihr in die entsprechende Richtung interpretiert wurden sind. Mir hat dieses Nachwort gut gefallen, es hat das Buch noch zusätzlich abgerundet und noch die ein oder andere Frage geklärt. So habe ich z.B. noch einiges über Mary Stuart oder die damals herrschenden Religionskriege zwischen den Papisten und den Reformierten gelernt.
Wie bereits erwähnt, ist dies der langersehnte fünfte Teil der historischen Waringham- Reihe. „Der Palast der Meere“ lässt sich jedoch auch ohne Vorkenntnisse aus den bereits erschienenen Büchern lesen. Er ist auch für Quereinsteiger geeignet, da in diesem Band erneut eine folgende Generation thematisiert wird, welche neue Abenteuer erlebt. In diesem historischen Buch wird das 16. Jahrhundert thematisiert, welches auch als das elisabethanische Zeitalter in die Geschichte eingegangen ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch in „Der Palast der Meere“ ein Blick über den Tellerrand gewährt wird. Als Leser hat man dass Gefühl, dass diese herrschende Aufbruchsstimmung quasi greifbar ist. Plötzlich ist die bisher bekannte Welt zu klein, man will in fremde Welten segeln und diese erkunden. Der Fortschritt ist bemerkbar. Auch der königliche Hof wirkt viel moderner, wenn man die vorherigen Teile miteinander vergleicht ist ein deutlicher Unterschied erkennbar. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Gablé diesmal die Geschichte aus der Sicht von zwei Protagonisten der Familie Waringham erzählt. In den beiden Erzählsträngen schafft es die Autorin gekonnt, die historischen Persönlichkeiten mit den fiktiven Charakteren zu vermengen, eine gemeinsame Perspektive zu verflechten und eine interessante und fesselnde Story zu erzählen. Aber auch die Nebencharaktere konnten mich überzeugen. Auch sie hatten ihre Ecken und Kanten, ihre eigene Persönlichkeit und hatten oftmals entscheidende Rollen. Besonders ist mir Gabriel, der König der Diebe mit seiner Art ans Herz gewachsen. Er ist einfach viel zu charmant, als dass man sich ihm entziehen könnte. Die beiden Protagonisten Eleanor und Isaac erhalten in etwa gleich viel Raum. Zusammen mit Eleanor erlebt man das Leben am königlichen Hof. Sie kennt Elizabeth I schon seit ihrer Kindheit und ist eine ihrer engsten Vertrauten. Eleanor fungiert als das Auge der Königin und in ihrer Position als Spionin erlebt sie so einiges. In ihrer Perspektive erfahren wir einiges über die politischen Gegebenheiten – auch Mary Stuart besuchen wir zusammen mit Eleanor. Auch erleben wir an ihrer Seite Elizabeth hautnah. Auf mich hat sie durchaus real gewirkt und auch schlüssig in sich. Ich hatte ein sehr konkretes Bild vor meinem geistigen Auge und konnte mich gut in ihre Position hineinversetzen. Später liest man auch einiges über die Unterwelt von London, über die Gilde der Diebe. Zusammen mit Isaac bereist man die fremden Welten. Als Heranwachsender hat er sich auf ein Schiff geschlichen, um seinem Schicksal zu entkommen. Er wächst an seinen Aufgaben und wird ein wirklich stattlicher Mann, der immer einen Spruch auf den Lippen hat. Nicht selten hat ihn seine ehrliche Art in gefährliche Situationen gebracht. Auch setzt er sich für die Betrogenen auf See ein, ist strikt gegen den Sklavenhandel und nimmt eine Art „Robin Hood“- Position ein. Durch Isaac lernen wir recht früh den jungen Francis Drake kennen – auch sein späteres Lebenswerk wird mit verfolgt. Nicht selten ist das Schicksal von Drake mit dem von Isaac verbunden. Die Erkundung der fremden Welten hat mir gut gefallen – man erhält u.a. Einblicke von Teneriffa oder Panama, über den Anbau und die Ernte des Zuckerrohrs und bekommt einen kleinen Grundkurs in das Leben als Seemann der damaligen Zeit. Die kurzen Gastspiele, welche in Waringham waren, waren für mich daher ein Ruhepol. Man konnte zwischen den zahlreichen Abenteuern durchatmen und durch den Rosengarten wandern. Diese Auftritte in Waringham waren rar gesät, umso mehr habe ich mich über diese gefreut.
Mein einziger Kritikpunkt ist eigentlich, dass mir manchmal der direkte Einbezug des Lesers in die geschichtlichen politischen Vorgänge gefehlt hat. In den vorherigen Büchern hatte ich das Gefühl, aktiv am Entscheidungsprozess des politischen Ränkespiels teilzunehmen. Anders war es bei „Der Palast der Meere“ – hier wurden eigentlich nur die herbeigeführten Etappensiege berichtet und über mögliche Folgen diskutiert. Nicht selten wurde über mögliche Hochzeitskandidaten für Elizabeth I debattiert. Dennoch hat mir einfach etwas Hintergrundgeschehen gefehlt.
Auch waren meine Erwartungen an das Buch andere – aber das möchte ich der Autorin nicht negativ ankreiden. Ich finde es rückblickend doch recht positiv, dass sie sich für diesen Weg der Geschichte entschieden hat. schließlich wollte man in diesem Jahrhundert über den Tellerrand schauen und neue Welten entdecken – schade fand ich es nur, dass Waringham doch recht kurze Gastaftritte hatte.

Alles in allem ist „Der Palast der Meere“ von Rebecca Gablé ein gut recherchierter historischer Roman, der einen wirklich guten Einblick in das 16. Jahrhundert bietet. Dieses Buch hat es geschafft, mich zu fesseln – ich habe mit den Charakteren mitgefiebert und um diese gebangt. Auf Grund meines einen Kritikpunktes möchte ich 4,5 Sterne geben. Und von mir gibt es noch eine klare Leseempfehlung.
maupe zu »Rebecca Gablé: Der Palast der Meere«21.09.2015
Leider ist dies das erste Buch Gablés, dass mich nicht richtig zu fesseln vermochte. Schon während des Lesens ging mir dies auf und ich grübelte woran es liegen mochte, hatte sie es doch bis jetzt bei jedem anderen historischen Roman vermocht.
Allein das Lesen dauerte über eine Woche und das war schon ein Zeichen an sich.

Mehrere Punkte können der Grund sein, einige davon sind halt persönlich denn der Stil ist wie immer gut und das historische wieder gut recherchiert und im Roman gut eingebunden. Daran liegt es also nicht.

Das eine ist sicher meine Abneigung gegen weibliche Hauptcharaktere. Bei "Spiel der Könige" stieß es mir schon auf und mir gefielen die Passagen mit Blanche weit weniger als die um ihren Bruder Julian. Doch in dem Buch überwog Julian immerhin. Hier jetzt nahm Eleanor einen größeren Rahmen ein als Isaac und der kam mir nicht nur zu kurz sondern blieb auch blass. Was ich schade fand, denn nach der Leseprobe und den ersten Seiten versprach ich mir viel.
Aber da hatte sogar Francis in seinen wenigen Auftritten mehr Ecken und Kanten.

Nächster Punkt, ich mag keine Seefahrerromane. Gut, Gablé versucht es kurz zu halten und die erfrischend andere Darstellung des Drake fand ich sehr interessant, da hätte ich mir wohl mehr Reibungen gewünscht zwischen Isaac und Drake.

Dann ist das Thema Elisabeth inzwischen wohl ermüdend denn ich konnte dem nichts abgewinnen. Diese Befürchtung hatte ich damals auch bei "Der dunkle Thron" in Bezug auf Heinrich VIII. gehabt und wurde sehr positiv überrascht. Bei Eliasabeth leider nicht.

Wie gesagt, es ist halt meine Meinung. Das Buch ist eine gute Arbeit, fällt für mich aber hinter allen anderen Büchern der Autorin zurück.

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