Das Erbe der Königin von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „The Boleyn Inheritance“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 544 Seiten.ISBN 3-404-16389-3.Übersetzung ins Deutsche von Barbara Först.

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Kurzgefasst:

Jeder bei Hofe weiß, dass die Frauen Heinrichs VIII. gefährliche leben. Hat er einmal das Augenmerk auf eine gerichtet, so schwebt die Königin an seiner Seite in Lebensgefahr. Die Deutsche Anna von Kleve kommt als vierte Gemahlin des Herrschers nach England. Die schüchterne junge Frau ist fasziniert vom höfischen Leben, doch schon bald begreift sie, welche Abgründe hinter der schillernden Fassade lauern. Nach Katharina von Aragorn und den Boleyn-Schwestern versucht neben Anna nun auch ihre Hofdame, die bildhübsche Katherine Howard, sich bei Heinrich durchzusetzen. Ihnen ist allen bewusst, dass sie in eine Löwengrube geraten sind, aus der sie sich nur schwer wieder befreien können. Nur eine von ihnen kann die Gunst Heinrichs, die Krone Englands und den Kampf um Leben und Tod gewinnen …

Das meint Histo-Couch.de: „Leben und Sterben am Hofe Heinrichs VIII.“85Treffer

Rezension von Bettina Weiß

 

Der Preis für die Krone Englands kann das eigene Leben sein

(Zitat vom Klappentext)

 

Nach dem Tod der Königin Jane Seymour im Jahre 1537 plant Heinrich VIII. eine neue Ehe einzugehen. Im Jahre 1539 wird unter anderem Anna von Kleve als mögliche Kandidatin von Hans Holbein gemalt, zu diesem Zeitpunkt setzt der Roman ein. Das weitere Geschehen wird aus Sicht der späteren Königin Anna von Kleve sowie ihren Hofdamen Katherine Howard und Jane Boleyn, der Schwägerin der früheren Königin Anna Boleyn, geschildert. Heinrich wird von seinen Beratern gedrängt, Anna von Kleve als Ehefrau zu wählen, obwohl er nach einer verhängnisvollen ersten Begegnung mit Anna daran kein Interesse mehr hat. Trotz allem feiern sie die Hochzeit, und Anna von Kleve bemüht sich nach Kräften, dem alternden und kranken König eine gute Ehefrau zu sein. Sie scheitert allerdings an ihrer konservativen Erziehung und den höfischen Intrigen. Auch hat der König bereits eine neue Favoritin ins Auge gefasst: die junge und bildhübsche, aber sehr naive Katherine Howard soll die Nachfolgerin werden. Und Jane Boleyn könnte erneut zum Stolperstein einer englischen Königin werden und die eigenen und die familiären Interesse über alles andere stellen.

Drei Erzählerinnen und drei Blicke auf die Ereignisse

Die drei Frauen schildern jeweils abwechselnd als Ich-Erzählerin die Geschehnisse am englischen Hof zwischen den Jahren 1539 bis 1547. Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven und den Eigenheiten der Erzählerinnen entsteht eine ganz eigene Spannung und es entwickelt sich ein Reiz, dem Geschehen zu folgen. Die Charaktere der drei sehr verschiedenen Frauen werden nachvollziehbar und mit Tiefe entwickelt. Anna von Kleve ist unerfahren, sehr konservativ erzogen und durch die mangelhaften Sprachkenntnisse zunächst sehr eingeschränkt. Trotz allem steht sie dem Leben in England aufgeschlossen gegenüber und sie ist eine gute Beobachterin, die mit ausgeprägter Menschenkenntnis auf die höfische Welt reagiert. Katherine Howard ist ein sehr naives junges Mädchen, dessen Interesse auf schöne Kleider, Schmuck und das höfische Geplänkel begrenzt sind. Sie wird so zum Spielball ihres machtbesessenen Onkels, des Herzogs von Norfolk. Jane Boleyn kommt als Schwägerin der hingerichteten Königin Anne Boleyn an den Hof zurück. Sie wird von der Autorin als sehr gespaltener Charakter gezeichnet, die mit ihrer eigenen Geschichte und ihrer Beteiligung an der Hinrichtung der Schwägerin und des Ehemannes kämpft und zugleich sich wieder einen Platz am Hofe und ein dauerhaftes Auskommen sichern will. Ihr Schicksal ist eng mit dem der Königinnen verbunden. Wer wird die Löwengrube des englischen Hofes überleben ?

Leben am Hofe Heinrichs VIII als Tanz auf der Rasierklinge

Der Roman bezieht seine Spannung aus der von der Autorin gewählten Erzählweise, welche die unterschiedlichen Ereignisse am Königshof durch die drei Protagonistinnen ganz verschieden wahrnehmen lässt und auf diese Weise den Leser mit in die Handlung einbindet, da er angeregt wird, sich selbst ein Bild von dem höfischen Leben zu machen. Der Roman ist insgesamt flüssig zu lesen, auch wenn die geschichtlichen Ereignisse in die Handlung einfließen, geht das Romanhafte nicht verloren. Die Charaktere der Protagonisten finden sich in der Sprache wieder, so dass auch dieser abwechslungsreiche Stil sehr reizvoll zu lesen ist. Obwohl Heinrich VIII. in diesem Roman mehr ein Nebenfigur ist, ist die Gefährlichkeit und Sprunghaftigkeit seines Charakters in den Erzählungen der drei Frauen durchgängig spürbar. Sie genießen die Vergnügungen des Hofes in vollen Zügen, sind sich des Tanzes auf der Rasierklinge aber immer bewusst. Auch hierin liegt ein Reiz des Romans.

Ein kleiner Kritikpunkt ist der für die deutsche Ausgabe gewählte Titel, der wenig aussagekräftig ist. Der englische Originaltitel, deutsche Übersetzung „Die Boleyn – Erbschaft“, vermag den Charakter des Romans in seiner Vielschichtigkeit besser zu erfassen, da die Vermächtnisse der Familie Howard-Boleyn eine zentrale Rolle spielen. Dies tut der Freude an dem Buch jedoch keine Abbruch.

Insgesamt ein sehr reizvoller Roman um die Tudor-Könige und insbesondere Heinrich VIII., der die eher vergessenen Königinnen Anna von Kleve und Katherine Howard in den Mitteilpunkt stellt und doch viel über die späten Jahre des legendären Königs zu erzählen vermag.

 

Ihre Meinung zu »Philippa Gregory: Das Erbe der Königin«

Ulla Hotschicke zu »Philippa Gregory: Das Erbe der Königin«07.10.2011
Ein einzigartiges Buch.Ich konnte nicht aufhören zu lesen,wunderbar diese Ich-erzählungen.Wann zuletzt ich ein so faszienierendes Buch gelesen habe,weiß ich nicht.Man fühlt sich hineinversetzt in die Personen,man fühlt mit Ihnen Leid und Freud.DANKE LIEBE PHILIPPA!!!Es war mein ertses Buch dieser Autorin und wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein.
toma zu »Philippa Gregory: Das Erbe der Königin«17.07.2010
Ich habe "die Schwester der Königin" nach 400 Seiten abgebrochen ... siehe meinen Kommentar zu DEM Buch ... und eigentlich nicht vorgehabt, noch einmal einen historischen Roman von P.G. zu lesen.

Dann aber haben mich die beiden Kommentare hier doch SO neugierig gemacht, dass ich meinem Vorsatz untreu geworden bin.
ZUM GLÜCK, denn ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es in knapp 2 Tagen ausgelesen.

Ich habe über die Frauen Heinrichs VIII. schon sehr viel gelesen, Romane und auch Biografien.
Von daher kann ich sagen, dass es der Autorin glänzend gelungen ist, die fiktiven "Ich-Erzählungen" der 3 Hauptpersonen mit den tatsächlich belegten historischen Fakten in Einklang zu bringen und (eine) wirklich spannende und berührende GESCHICHTE zu schreiben.

Fazit: SEHR LESENSWERT und 90°
anath zu »Philippa Gregory: Das Erbe der Königin«09.07.2010
Ein wirklich beeindruckendes Buch und es gehört zu den besten, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe. Dabei schienen mir zunächst weder Anna von Kleve noch Katherine Howard sonderlich interessant. Die Autorin schafft es jedoch, sie dem Leser nahe zu bringen. Ganz wunderbar dabei die gewählte Erzählweise:drei sehr unterschiedliche Frauen erzählen die Geschichte jeweils aus ihrer eigenen Sicht. Da ist die kluge und mit viel diplomatischem Geschick ausgestattete Anna, da ist die verräterische und stets auf ihren Vorteil bedachte Jane Boleyn ,Lady Rochfort, und da ist ein kleines Mädchen mit Namen Katherine Howard , ein Teenie wie er im Buche steht. Für jede von ihnen findet Philppa Gregory einen ganz eigenen Stil und jede von ihnen spiegelt so das Geschehen bei Hofe und das Verhalten des immer paranoider werdenden Königs wider. Seltsam anrührend, wenn Katherine immer wieder ihre Besitztümer zählt, ganz erstaunlich, wie konsequent Jane Boleyn Schuld und Verrat verdrängt, bewundernswert, mit welcher inneren Größe und mit wieviel politischer Klugheit Anna von Kleve ihr Schicksal trägt.
Dabei baut sich eine enorme Spannung auf, ungeachtet der Tatsache, daß der Leser ja schon längst weiß, wie das Schicksal der drei Frauen aussieht und wer am Ende auf dem Schafott landen wird.Deutlich wird dabei auch, zu welch einem Ungeheuer sich Heinrich VIII. entwickelt hatte und wie das gesamte Land unter ihm litt.
Dieses Buch kann ich nur dringend weiter empfehlen !
Hedwig zu »Philippa Gregory: Das Erbe der Königin«22.01.2010
Als Fan von Heinrich VIII habe ich mir dieses Buch angeschafft und bin begeistert.
Davor hatte ich noch kein Buch von Frau Gregory gelesen, kenne nur den Film
"Die Schwester der Königin".
Das Buch wird in der ICH Form erzählt, was ja nicht immer so ideal ist, in dem Fall passt es aber gut.
Denn es erzählen drei Personen, Anna von Kleve, Katherine Howard und Jane Boleyn.
Der Autorin ist es meiner Meinung nach sehr gut gelungen, den jeweiligen Charakter der Erzählerin zu spiegeln, und die (möglichen) Gedankengänge der drei Frauen aufzuzeigen.
Anna, welche mit so viel Hoffnung in das neue Land kommt, endlich weg von ihrem Bruder und einem engstirnigen Hof, sie möchte eine gute Königin sein, eine gute Mutter für die Kinder des Königs und eine gute Ehefrau, sie ist auch bereit, einen alten und kranken Mann zu ehelichen, sie ist auch für eine Zeit glücklich nur dann ändert sich alles und sie muss um ihr Leben fürchten..................
Katherine, jung und schön, voller Leben und Hoffnung auf Tanz, schöne Kleider und die Liebe zu jungen schönen Männern, alles das soll ihr zum Verhängnis werden. Eigentlich ist sie unschuldig, ein einfältiges junges Mädchen, welches an die Seite des Königs gedrängt wird und es mit dem Leben bezahlt.
Jane Boleyn, sie war mit dem Bruder von Anne verheiratet und musste Anne und ihn doch verraten, damit sie nicht auch ihr Leben verlor. Nun darf sie wieder an den Hof, darf wieder einer Königin dienen und für den Onkel alles erkunden. Und noch einer Königin darf sie dienen, ihrer Verwandten Katherine......................
Trotz mancher Skrupel, erfüllt sie ihre Pflicht bis zum Ende.

Wer Romane über dieses Thema mag, wird mit diesem Buch viel Freude haben.
Ich bin von diesem spannenden und berührenden Roman begeistert .
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