Tochter der Inquisition von Peter Orontes

Buchvorstellungund Rezension

Tochter der Inquisition von Peter Orontes

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Tochter der Inquisition“,, 572 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Steyr, im Jahr des Herrn 1388. Eine Serie grauenvoller Morde, renitente Ketzer und der fanatische Inquisitor Petrus Zwicker stürzen die Stadt in Angst und Schrecken. Angehörige der Waldenserbewegung werden als Ketzer gejagt und gefoltert, Scheiterhaufen lodern auf. Inmitten des rabenschwarzen Geschehens emittelt ein unerschrockenes Paar: Falk von Falkenstein und seine Frau Christine. Dann aber gerät Falk, der selbst ein furchtbares Geheimnis hütet, ins Visier des Inquisitors und damit in tödliche Gefahr.

Das meint Histo-Couch.de: „Komplexer und facettenreicher Mittelalterschinken“89Treffer

Rezension von Nicole Goersch

Steyr, 1388: Klara von Ternberg wird ermordet. Ihr Mann Wernher glaubt nicht an einen zufälligen Raubüberfall und ruft seinen Freund Falk von Falkenstein und dessen Frau Christine zu Hilfe. Während die beiden versuchen, dem Mörder auf die Spur zu kommen, werden sie immer mehr in ein Netz aus Täuschung, inquisitorischen Schrecken und Angst verwickelt. Die als ketzerisch gebrandmarkte Bewegung der Waldenser spielt dabei eine wesentliche Rolle, aber hat sie auch etwas mit dem Mord an Klara zu tun?

Achtgeben und aufmerksam bleiben

Schon zu Beginn des Romans ereignen sich mehrere Gewaltverbrechen, die nicht zimperlich dargestellt werden. Die Geschichte an sich ist komplex und wartet mit parallelen Handlungssträngen auf, die zu Beginn lose nebeneinander herlaufen und im weiteren Verlauf, manche erst auf den letzten Seiten, zueinander finden, wobei selbst kleinere Szenen, die im ersten Moment unwichtig erscheinen, an Bedeutung gewinnen (zum Beispiel als sich das Pferd einen Nagel in den Huf tritt, so dass Falk ein anderes nehmen muss). Dazu zählen auch Andeutungen auf die Vergangenheit der Figuren, die neugierig machen und den Charakteren Tiefe geben.

Das Spätmittelalter in all seinen Facetten

Und die sind nicht immer schön, sondern derb und grausam. Besonders detailliert wird das in der Ketzerverfolgung durch die katholische Kirche dargestellt, was die Waldenser, Anhänger einer religiösen Bewegung, die in Lyon durch Petrus Valdes gegen Ende des 12. Jahrhunderts ihren Anfang nahm, hart zu spüren bekommen. Wenn eine alte Frau um eine Kirche geprügelt wird und das Schauspiel von einer begeisternd johlenden Zuschauermenge begleitet wird, kann man sich die Dynamik, die solche Geschehen hervorgerufen hat, bildlich vorstellen.

Dennoch gibt es auch amüsante Szenen, die gut in die damalige Zeit eingebettet sind, wie zum Beispiel ein stinkender Schweinehirt, der betrunken zu einem Gerichtsprozess erscheint: „Nur mit eisernem Willen gelang es dem Stadtrichter, seine Nase von der Umklammerung seiner Finger zu befreien.“

Kleinere Ungenauigkeiten

Bei solch einem Wälzer seien ein paar Fehler verziehen, insbesondere da diese keinen Abbruch am Lesegenuss der Geschichte darstellen, sondern nur zu kleinen Irritationen führen (auf mehreren Seiten heißt der Prior von Melk statt Beda Bodo oder die Anzahl eines Reitertrupps variiert zwischen acht und sechs).

Dafür gibt es ebenso Details, die das damalige Leben gut einfangen, etwa wenn ein paar Jungen mit einem frühen Fußball durch die Gassen toben oder wenn von dem „Hexenschlaf“ die Rede ist.  Auch die Beschreibung der Foltermethoden ist sehr realistisch und gänsehautgarantierend erzählt.

Erwähnenswert sei zudem die vielschichtige Ausarbeitung der Charaktere, die gut eingefangen sind; selbst jene, die nur am Rande auftauchen, erhalten so ein markantes Gesicht. Dies gelingt vornehmlich in der Gestalt des Inquisitors Petrus Zwicker, der verbohrt auf alle Fragen eine religiöse Antwort als Rechtfertigung parat hält.

Überaus hilfreich und interessant ist am Ende des Romans das Glossar, in dem nicht nur die mittelalterlichen Begriffe wie Gugel oder Fabel erläutert werden, sondern auch die historisch belegten Personen sowie Ereignisse kurz dargestellt werden.

Dieser kurzweilige Roman mit seinen starken Charakteren und mit seinem komplexen Handlungsstrang sollte aufmerksam gelesen werden, ist aber gerade deshalb ein herausragender Lesegenuss. 

Ihre Meinung zu »Peter Orontes: Tochter der Inquisition«

Herodion zu »Peter Orontes: Tochter der Inquisition«22.09.2016
Den Roman zu lesen, macht Spaß. Der Leser taucht in die Zeit des Mittelalters ein. Die Inquisition steht in voller Blüte. Die Ängste und Nöte der damaligen Bevölkerung sind durch den gekonnten Schreibstil gut nachzuvollziehen. In einer Szene, die die Folterung eines Ketzers beschreibt, zeigt sich die gute Recherche des Autors. Man entwickelt automatisch Empathie für das Opfer.

Der Konflikt der Waldenser mit der Kirche ist spannend dargestellt. Aber auch die vordergründig Guten haben dunkle Seiten. Trotzdem ist ihre Bereitschaft, für ihren Glauben zu sterben, bemerkenswert. Die ganze Wut der Kirche auf diese Gruppe zeigt sich in einer Szene, in der eine Gläubige auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Hier zeigt sich die Brutalität der Zeit.

Die Charaktere der beteiligten Figuren sind vielfältig. Selbst der Inquisitor Zwicker zeigt in mehreren Situationen menschliche Züge. Auch der Held Falk von Falkenstein offenbart dunkle Seiten seiner Persönlichkeit. Zudem versteht es der Autor, die Spannung bis zum überraschenden Ende aufrecht zu erhalten.

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