Mori Ôgai

Der japanische Schriftsteller Mori Ôgai wurde 1862 in Tsuwano, einer kleinen Residenzstadt in der heutigen Provinz Shimane, als Mori Rintarô geboren. Seine Familie stellte seit 13 Generationen den Arzt des Ortes und gehörte somit dem Stand der Samurai an. So wurde auch beschlossen, dass Rintarô als ältester Sohn Arzt werden sollte.

So ging die Familie 1872 nach Tokio, nachdem der Junge bereits in der Heimat die damalige Medizinersprache Holländisch gelernt hatte. Nun begann er auch, die neue Medizinersprache Deutsch zu lernen und besuchte ab 1874 zwölfjährig einen Vorbereitungskurs der staatlichen Medizinschule, in die er 1877 eintrat. Zudem lernte er auch die Klassische Literatur Chinas und Japans.

Er schloss sein Studium 1881 ab und wurde 1883 zunächst Arzt beim Militär. Schon ein Jahr später wurde er auf eigenen Wunsch nach Deutschland geschickt, wo er in Leipzig, Dresden, München und Berlin Hygiene und Heeressanitätswesen, u.a. bei Robert Koch studierte. In dieser Zeit entstand auch das Doitsu nikki, das Deutschlandtagebuch, das auch in deutscher Sprache erschienen ist.

1888 ging er mit seiner deutschen Freundin Elise Wiegert zurück nach Japan, allerdings wurde ein Hochzeit sowohl von der Familie Mori als auch von der Armeeführung abgelehnt. So musste Elise wieder nach Deutschland reisen und Mori wurde in eine arrangierte Ehe gezwungen, die nach einem Jahr bereits wieder geschieden wurde.

In den folgenden Jahren wurde er im medizinischen und literarischen Bereich sehr aktiv. Neben Übersetzungen von wissenschaftlichen Arbeiten ins Japanische schrieb er auch literaturkritische Artikel und erste Erzählungen. Die erste und bekannteste ist Maihime von 1890 (dt. Die Tänzerin bzw. Das Ballettmädchen), in der er seine Beziehung zu Elise Wiegert verarbeitet hat. Unterbrochen wurde sein literarisches Schaffen durch den Japanisch-Chinesischen Krieg (1894/95), in dem er als Arzt in der Mandschurei und in Taiwan tätig war. Ab 1899 war er in Kokura tätig und ab 1902 wieder in Tokio. Im Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) war er wieder als Militärarzt in der Mandschurei tätig und diente sich so innerhalb von zwanzig Jahren zum Generaloberarzt hoch. Sein Unwille, Beriberi als Nahrungsmangelkrankheit anzuerkennen, was der oberste Marinearzt bereits belegt hatte, führte allerdings im Krieg gegen Russland zu 27.000 Todesfällen im japanischen Heer.

In seiner Zeit in Kokura heiratete er ein zweites Mal und wurde nach seinem Sohn aus erster Ehe noch dreimal Vater. Im Jahr 1907 begann seine zweite literarische Schaffensperiode, in der er viele Werke deutscher Autoren übersetzte. Zu ihnen gehören auch Goethes Faust I und Faust II, die 1913 erstmals in japanischer Sprache erschienen. Dazu kamen auch einige halbautobiographische Werke.

Nach seinem Abschied vom Militärdienst wurde er 1917 Generaldirektor der Kaiserlichen Bibliotheken und Museen. Er starb 1922 in Tokio. Seine Werke sind in Japan immer noch Pflichtlektüre an den Schulen. Seine Gesamtwerk ist in 38 Bänden erschienen, und viele Japaner besuchen noch heute den Starnberger See nur aufgrund seiner Novelle Utakata no ki (dt. Wellenschaum) von 1890. In Berlin Mitte gibt es seit 1989 die Mori-Ôgai-Gedenkstätte der Humboldt-Universität. Seine Schriften erschienen unter dem Namen Mori Ôgai, wobei Mori der Familienname ist und Ôgai das Pseudonym seines Vornamens Rintarô.

Historische Romane von Mori Ôgai:

  • (1890) Wellenschaum (Novelle)
    Utakata no ki
  • (1890) Das Ballettmädchen Rezension (auch unter Die Tänzerin erschienen)
    Maihime
  • (1913) Die Wildgans
    Gan

Weitere Romane von Mori Ôgai:

  • (1891) Der Bote
    Fumizukai
  • (1909) Vita Sexualis
    Wita sekusuarisu
  • (1913) Der Untergang des Hauses Abe
    Abe Ichizoku
  • (1915) Sansho Dayu
  • (1916) Flachkahn
    Takasebune