Die Hexe von Burg Weißenstein von Michael Seitz

Buchvorstellungund Rezension

Die Hexe von Burg Weißenstein von Michael Seitz

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Die Hexe von Burg Weißenstein“,, 424 Seiten.ISBN 3865120814.

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Kurzgefasst:

Bayern im Spätmittelalter: Zwischen den Brüdern Albrecht und Christoph von Wittelsbach entbrennt ein Kampf um das Herzogtum Bayern-München. Lambert von Bärnstein, ein junger Ritter, gerät zwischen die Fronten dieses Krieges. Er verliebt sich in Anna, die in den Wäldern der Sumava untergetaucht ist. Die junge Frau steht unter dem Verdacht, eine Hexe zu sein. Auf der Suche nach dem Mörder seiner Mutter, gerät seine Welt aus ihren Fugen. Er muss erkennen, dass Freund und Feind manchmal nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Die geheimnisvolle Herrin von Burg Weißenstein zieht im Hintergrund die Fäden in einem Intrigenspiel. Erst als Anna spurlos verschwindet, erkennt Lambert die Wahrheit, doch es ist fast zu spät – In Zeiten wie diesen wird ein Mann schneller zum Verräter, als er es jemals für möglich gehalten hätte!

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Geschichte um die letzten Ritter des Herzogtum Bayerns“84

Rezension von Daniela Loisl

Herzogtum Bayern-München 1467. Die junge Anna fristet bei ihren Verwandten ein trostloses Dasein und wird noch dazu von ihrer Tante als Hexe beschimpft. Als sie eines Tages die Flucht ergreift, kreuzt sich durch Zufall ihr Weg mit dem des Ritters Lambert von Bärnstein. Lambert ist auf dem Weg zu seinem Vater, der auf Burg Altnussberg im Sterben liegt. Als Lambert des Mordes beschuldigt wird, ist Anna die einzige Zeugin, die ihn retten kann, aber sie ist nirgendwo zu finden. Lamberts bester Freund ist Christoph von Wittelsbach, der Bruder des Herzog von Bayern-München. Zu allem Überfluss gerät Lambert auch noch zwischen die Fronten der verhassten Brüder und ist bald gezwungen, Position zu beziehen.

Dramaturgie in Hülle und Fülle

Gleich vorweg: Längen kommen in Michael Seitz` Debütroman keine auf, dafür gibt es viel zu viele Ereignisse, denen Schritt für Schritt nachgegangen wird und die sich letztendlich auch verknüpfen. Dem Leser sei auch angeraten, die Geschichte aufmerksam zu verfolgen, da es ansonsten leicht passieren kann, dass man den Faden verliert.

Für ein Erstlingswerk hat der Autor ein sehr komplexes, aber auch interessantes Thema gewählt. Einerseits geht es um den Machtkampf zwischen den Wittelsbacher Brüdern um die herzogliche Führung, anderseits um Verrat und Intrige, um Hexerei, um ein Geheimnis und letztendlich auch um die Liebe.

Seitz hat all die dramatischen Szenen gekonnt aneinandergeknüpft, was aber den Leser große Aufmerksamkeit abverlangt, um nicht den Faden zu verlieren. Manchmal bewegt sich die vielschichtige Erzählung sehr nahe am Abgrund zum Verworrenen, aber der Autor schafft es stets gerade noch, mit Zwischenerklärungen für Klarheit zu sorgen. Etwas mehr Zurücknahme an verschlungenen Wegen, gerade was die Beweggründe einzelner Figuren angeht, wäre ideal. Auch wie die Verknüpfungen zu anderen Darstellern gelöst sind, bedarf es noch etwas mehr an Straffung und einer glatteren Linie. Dies liegt beim Autor aber mehr am Mangel an Erfahrung als am Können, denn letztendlich ist alles stringent.

Michael Seitz kennt die Gegend gut, in der seine Geschichte spielt, das merkt man in vielen liebevoll gezeichneten Szenen. Ob Niederbayern oder Oberösterreich, der Autor beschreibt die Szenerie stets so bildhaft, dass man die Gegend vor Augen hat und auch wieder erkennt.

Mannigfaltige Charaktere

Figuren gibt es in dieser Erzählung jede Menge und obwohl es ein Personenverzeichnis gibt, ist es oft schwer, die einzelnen Darsteller auseinanderzuhalten.

Nicht nur die Protagonisten wie Lambert, Christoph und Anna sind mit viel Liebe gezeichnet, der Autor hat sich bemüht, alle seine Figuren – und diese sind zahlreich – individuell und mit allen Facetten menschlicher Stärken und Schwächen darzustellen. Ebenso begeht Seitz nicht den Fehler vieler anderer Autoren, den Protagonisten im letzten Moment aus gefährlichen Situationen zu retten oder eine Figur auftauchen zu lassen, die die brenzlige Lage meistert. So scheinen gefahrvolle Szenen absolut authentisch und glaubwürdig, und dies darf als großer Pluspunkt im Roman genannt werden.

Er verzichtet auch darauf, seine Hauptfiguren heldenhafte und perfekte Züge zu verleihen, sondern stellt sie einfach menschlich dar, sodass sich ein Identifizieren mit ihnen einfach gestaltet.

Kleine Schwächen

Für einen Debütroman ist Seitz´ Roman sprachlich wie erzählerisch äußerst gut zu lesen und führt flüssig durchs Geschehen. Allerdings stolpert man des Öfteren über Fehler, die einem aufmerksameren Lektorat bzw. Korrektorat nicht entgehen sollten. So passiert es öfter, dass nicht „der Rappe“ sondern „der Rappen“ geschrieben steht, auf einer Doppelseite an die zehn Mal an den Zügel gezerrt und gezogen wird und Sätze vorkommen wie „Lambert gab dem Hengst die Sporen und sprengte ihn neben der Donau entlang.“ (Man kann nur hoffen, dass von dem Pferd noch etwas übrig blieb…). Generell sollte sich der Autor, hat er vor, dem Genre treu zu bleiben, etwas mehr in die Reiterei und die Welt der Pferde einlesen. Auch lassen Ausdrücke wie z.B. „Gemahlin des Henkers“ den geschichtlich Bewanderten etwas stutzig werden, aber dies grenzt schon an Haarspalterei. Die kleinen „Fehler“ machen dem Lesevergnügen zwar keinen Abbruch, wären aber einfach nicht notwendig – ebenso wie darauf jetzt näher einzugehen.

Dieser erste Roman von Michael Seitz zeigt, dass der Autor Potenzial hat und er das Erzählen, was seine Stärke ist, liebt. Das Näherbringen von geschichtlich fundiertem Geschehen in Verbindung mit fiktiven Handlungen beherrscht Seitz auf wunderbare Weise, kann jedoch noch einen guten Schliff vertragen. Man darf gespannt sein, was der Autor in Zukunft noch bietet, denn spannende, kurzweilige und sehr unterhaltsame Stunden beschert sein Erstling auf jeden Fall.

Ihre Meinung zu »Michael Seitz: Die Hexe von Burg Weißenstein«

Michael Seitz zu »Michael Seitz: Die Hexe von Burg Weißenstein«11.02.2014
Hallo, hier meldet sich der Autor selbst zu Wort. Aber ich bin einfach unglaublich stolz über diese Rezension. Als ich vor über fünf Jahren den Plan fasste, mit dem Schreiben wieder zu beginnen, habe ich mir immer vorgestellt, wie es sein würde, wenn mein Buch eine Rezension auf der histo-couch bekommt. Ich bin glücklich, dass dieser Wunsch somit in Erfüllung gegangen ist. Vielen Dank, Frau Loisl. Was das Lektorat betrifft, möchte ich anmerken, dass inzwischen eine 2. Auflage auf dem Markt ist, die mit den kleinen Fehlern aufgeräumt hat. In das Thema "Pferde" werde ich mich noch einlesen. Vielen Dank! Ich wünsche der histo-couch auch weiterhin viel Erfolg. Und den Lesern eine gute Unterhaltung.
Sommer zu »Michael Seitz: Die Hexe von Burg Weißenstein«06.11.2013
Ein unscheinbares, fast zu neutrales Cover, um Lesende aufmerksam zu machen. Das Cover täuscht! In dem Buch steckt alles, was einen sehr guten und fesselnden Historien-Roman ausmacht.
Ich tauchte ein in die Welt des Spätmittelalters in Bayern. Ich erlebte eine Enthauptung, die so real beschrieben wurde, dass ich sogar das Blut fliessen sah, ich erlebte die Angst, die Liebe, die Intrigen hautnah. Ich kam mir vor wie im Theater, bei einer Aufführung, die ich erleben durfte, jedoch war es mir verwehrt, Anna die Hand zu geben, ihr zu helfen, Lambert anzuschreien, dass er in eine Falle tappen wird. Man war mitten im Geschehen und konnte doch nicht helfen, konnte nicht den Ablauf verändern. Stunden später wurde ich aus der Zeit gerissen, als mein Partner meinte, Abendessen wäre auch mal an der Zeit :-) Ich war so tief in diesem Buch drin, dass man gar nicht merkte, wie die Zeit verflog. Ich genoss jede Minute dieses fantastischen Buches und es würde mich sehr begeistern, zu lesen, dass ein weiteres Buch von Michael Seitz veröffentlicht wird. Vielleicht sogar ein weiterer Band?
Ich möchte es nicht unterlassen, auf eine Kleinigkeit, die ich negativ empfand, hinzuweisen.Im Kapitel 4 gibt es ein Erzählstrang, der nicht ganz einfach nach zu vollziehen ist. Es gab somit nur ein Kapitel und ein kleinerer Abschnitt, der den Lesefluss etwas hemmte. Da alles andere so Bildreich geschrieben ist, macht das nicht allzu viel aus. Und man darf es nicht unterschätzen, dass dies ein Debüt-Roman ist. Auch Autoren dürfen Fehler machen :-)

Fazit: Das Buch muss einfach von jedem gelesen werden, der Historische Bücher liebt - vor allem Bücher über Hexen, Intrigen, Inquisition.
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