Marcellus - Der Merowinger von Michael Kuhn

Buchvorstellungund Rezension

Marcellus - Der Merowinger von Michael Kuhn

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Marcellus - Der Merowinger“,, 400 Seiten.ISBN 3981228537.

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Kurzgefasst:

Germanien und der westen Europas im Jahre 486 nach Christus. Die Strukturen des römischen Imperiums haben dem Druck von Völkerwanderung und inneren Krisen nicht standgehalten. An die Stelle der Imperatoren, Armeeführer und Statthalter sind wilde Kriegsherren getreten, die sich einen gnadenlosen Kampf um die Vorherrschaft liefern. Die Welt der Antike ist in Auflösung begriffen und das Mittelalter hat begonnen. In diesen Jahren wächst Marcellus, ein junger Romane, am Hofe des Rheinfranken Sigibert heran. Mit seinen Freunden, Provinzialen und Franken, erlernt er das Handwerk des Kriegers, das ihm nach dem Willen seines Vaters einen Platz im Leben sichern soll. Die unbeschwerten Tage der Jugend enden, als die Krieger der Alamannen an den Grenzen aufmarschieren, um den Franken die Ländern an Rhein und Mosel zu entreißen. Gemeinsam mit seinen Freunden erhält er angesichts des drohenden Krieges den Auftrag, eine burgundische Prinzessin ihrem Bräutigam, dem ihm verhassen Thronfolger zuzuführen. Das riskante Unternehmen, die ausbrechenden Kämpfe, eine ruchlose Verschwörung gegen das Leben des Merowingers Chlodwig und die Wirrungen der Liebe lassen ihn früh zum Mann heranreifen, der sich auf dem Schlachtfeld von Zülpich beweisen muss.

Das meint Histo-Couch.de: „Abtauchen ins Frühmittelalter“70

Rezension von Eva Schuster

Germanien und Westeuropa im ausgehenden 5. Jahrhundert nach Christus: In den Wirren zwischen der sich auflösenden Antike und dem beginnenden Mittelalter wächst der Romane Marcellus auf. Nach einer anfangs beschaulichen Kindheit hat ihn sein Vater an den Hof von König Sigibert gebracht. Gemeinsam mit anderen Jungen seines Alters wird er hier zu einem geschickten Krieger erzogen und steht wegen seiner aufgeweckten Art in der Gunst des Königs. Sigiberts Sohn Kloderich allerdings hasst Marcellus und nimmt ihm die Bevorzugung durch seinen Vater übel.

Mit knapp zwanzig Jahren ist Marcellus ein gut ausgebildeter Krieger – und muss sich schließlich schneller beweisen als gedacht. Am Hof trifft die Nachricht ein, dass sich Tausende von Alamannen versammelt haben und zu den Grenzen marschieren, um den Franken ihre Länder streitig zu machen.

Marcellus und sein bester Freund Folmar erhalten einen gefährlichen Auftrag: Kloderich soll die burgundische Prinzessin Silinga heiraten, um das Bündnis mit den Burgunden zu festigen. Kurz zuvor ist die Prinzessin mit ihrem Gefolge aufgebrochen und läuft nun Gefahr, den Alamannen in die Hände zu fallen. Marcellus und Folmar werden beauftragt, ihnen entgegenzureiten und die Prinzessin sicher zu geleiten. Sie ahnen noch nicht, dass Kloderich eine Intrige plant, um den Merowinger Chlodwig zu stürzen …

Vom Ende der Antike hin zum Anfang des Mittelalters

Der Übergang zwischen Antike und Mittelalter ist sicherlich ein Thema, das in der Literatur alles andere als verbraucht ist, ebenso die Geschichte der Merowinger. Nach seiner Trilogie über das Leben des römischen Tribuns Marcus legt Michael Kuhn hiermit erneut den Auftakt zu einer Reihe vor, die in einer Zeit des Umbruchs spielt und sich dem Schicksal eines jungen Kriegers widmet. Die Jugendjahre von Marcellus sind schnell erzählt, bereits nach wenigen Seiten ist er zu einem jungen Mann gereift, der sich zum ersten Mal im Krieg bewähren muss. Ebenso schnell verläuft die Rollenverteilung mit Marcellus und seinem Freund Folmar auf der einen und dem intriganten Kloderich auf der anderen Seite. Der Leser ist durch diese raschen Entwicklungen sofort mitten im Geschehen, es gibt kein langes Vorgeplänkel und schon bald brechen die Freunde zu ihrer Mission auf. Der größte Teil der Handlung wird aus Marcellus’ Sicht erzählt, aber zwischendrin schwenkt die Perspektive auch auf Kloderich oder Prinzessin Silinga. Von Beginn an liegt eine unheilvolle Atmosphäre über der Mission, da zum Gefolge auch Hinkmar, genannt „die Ratte“ und ein böswilliger Handlanger Kloderichs, gehört. Spannung bezieht der Roman aus mehreren Fragen – etwa ob es zur sicheren Überführung der Prinzessin kommt, ob sich wirklich eine Heirat zwischen ihr und dem unwilligen Kloderich ergibt, was aus der Verschwörung gegen Chlodwig wird und letztlich auch, ob alle von Marcellus’ Freunden die Mission überleben werden. Interessant ist auch die frühe Andeutung einer romantischen Verwicklung, die den Leser lange im Ungewissen lässt, ob sich daraus tatsächlich etwas ergibt oder nicht.

Wohldosierter Humor

Wie schon in der Marcus-Reihe bietet sich hier eine bunte Mischung aus historischen und fiktiven Charakteren. Die Auflistung der Figuren zu Beginn des Buches klärt darüber auf, wen von ihnen es wirklich gegeben hat, darunter beispielsweise der Merowinger Chlodwig sowie die Könige Sigibert, Ragnachar und Chararich. Somit mischen sich hier auch Fakten wie die Alamannenschlacht von Zülpich mit fiktiven Handlungssträngen und lassen ein Szenario entstehen, das so wirklich hätte stattfinden können. Während Marcellus für einen Protagonisten lange Zeit etwas zu blass bleibt, gehört vor allem Prinzessin Silinga zu den interessanten Charakteren. Schön ist sie, aber auch selbstbewusst, sehr gebildet und ehrgeizig, dazu durchaus herrisch und bestimmt in ihrem Auftreten, aber unter diesen energischen Zügen durchaus sympathisch und faszinierend. Ein gelungener Gegensatz ist ihre ältere Begleiterin und Freundin, mit der sie sich ordentliche Wortgefechte liefert und die im weiteren Verlauf noch eine größere Rolle einnimmt als anfangs gedacht. Zwischen all den dramatischen Entwicklungen kommt auch wohldosierter Humor zum Vorschein, etwa wenn sich die Figuren gegenseitig aufziehen oder ihre Macken hervortreten. Der sprachliche Stil ist hin und wieder etwa zu gestelzt und umständlich, hier gibt es definitiv noch Luft nach oben, alles in allem ist er aber gut lesbar.

Auch in diesem Buch bleibt der Autor zudem seinem Stil treu, eine detaillierte „Spurensuche“ anzuschließen, die sich den Bauwerken des 5. und 6. Jahrhunderts widmet und die die Welt der Merowinger sowie die langsam zerbrechende Welt der Römer repräsentieren. Die eindrucksvolle Spurensuche zeichnet die einzelnen Handlungsstationen des Romans nach, mit dem Fokus auf Ortschaften entlang des Rheins. Über Köln, damals Colonia, erfährt der Leser beispielsweise viel zu Aufbau und Struktur der Stadt, zur Stadtmauer und zur Kirche St. Maria im Kapitol, auch Bonn, Aachen und Zülpich gehören zu den vorgestellten Orten. Zahlreiche Fotos von Ausgrabungen sowie heutigem Zustand geben Einblicke zu Architektur und Bausubstanz, einige Zeichnungen widmen sich dem Alltagsgeschehen wie der zeitgenössischen Kleidung.

Unterm Strich liegt hier ein solider Historienroman vor, der durchaus neugierig auf die weiteren Bände der Reihe stimmt.

Ihre Meinung zu »Michael Kuhn: Marcellus - Der Merowinger«

Annika zu »Michael Kuhn: Marcellus - Der Merowinger«05.01.2012
Mir persönlich gefällt bei den Werken von Michael Kuhn ganz besonders die Teilung in historischen Roman, der natürlich den größten Teil des Buches ausmacht, und Reiseführer. Für Menschen die Geschichte nicht nur erlesen, sondern auch erleben wollen ein unverzichtbarer Schatz.
Freue mich schon auf die Fortsetzungen :)
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