Der Pirat von Mac P. Lorne

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Der Pirat“,, 656 Seiten.ISBN 3-426-51748-5.

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Kurzgefasst:

Der berühmt-berüchtigte Pirat der Königin, Francis Drake, iat auf dem Rückweg von seiner Weltumseglung. Bei den Azoren wird er von einem spanischen Schiff entdeckt und verfolgt. Doch sein Ruf ist ihm bereits vorausgeeilt, so dass der Spanier abdreht, als die Golden Hind erkennt und Drake einen Angriff vortäuscht. Am 06.09.1580 läuft die Golden Hind nach fast drei Jahren wieder in Plymouth ein. Während die Mannschaft in die Arme ihrer Frauen oder Verwandtschaft sinkt, steht Drake ein schwerer Gang bevor. Er hat in PatagonienThomas Doughty, der im Auftrag von Lord Burghley die Expedition hintertreiben sollte, hinrichten lassen. Der wahre Grund: Doughty hat vor der Abreise Drakes Frau Mary verführt …

Das meint Histo-Couch.de: „Ein lesenswerter Francis-Drake-Roman“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Schon als kleiner Junge wollte Francis zur See fahren, und dieses Ziel sollte er intensiver erreichen als viele andere vor ihm. Man schreibt das Jahr 1580, als Francis Drake nach dreijähriger Irrfahrt um den Erdball wieder in Plymouth ankommt und als erster Kapitän überhaupt die Welt umsegelt hat. Ganz England ist aus dem Häuschen, nicht nur wegen Drakes Rückkehr, sondern vor allem auch wegen der reichen Beute, die sich in seinem Schiff befindet. Gut für seinen Geldbeutel und den seiner Mannschaft, vor allem aber auch für den Staatssäckel von Queen Elizabeth.

Drake erweist sich als Teufelskerl, der seine Mannschaft im Griff hat und seine Königin um den Finger wickeln kann. Doch privat läuft seine Ehe nicht gut, eine der wenigen Dinge in Drakes Leben, die nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufen. Wie gerne würde er wieder zur See fahren, doch Ihre Majestät gönnt Drake zunächst einmal Ruhe, zumal er auch die Spanier verärgert hat, zu dieser Zeit Englands Staatsfeind Nr. 1 und gerade mit König Philipp, der mit Elizabeths Schwester Maria verheiratet war und nach ihrem Tod Anspruch auf den spanischen Thron erhebt.

Doch Drake wäre nicht Drake, wenn er nicht die erste Gelegenheit nutzen würde, um wieder zur See fahren zu können. Von der Königin längst in den Adelsstand erhoben, ärgert er immer wieder die Spanier, die derweil zur Invasion gegen England aufrüsten. Wie gut, dass Drake einst den jüdischen Kanonengiesser Joachim Gans befreit hat, dessen Forschungen nun den Engländern helfen und die die Spanier schlecht aussehen lassen. Schließlich rüsten sich die Spanier, mit ihrer Armada England zu erobern. Man schreibt das Jahr 1588, und es wird zu einer folgenschweren Schlacht im Ärmelkanal kommen …

Mit England gegen Spanien

Nach vier Romanen um Robin Hood hat sich Mac P. Lorne mit Sir Francis Drake eine neue, knackigere Hauptperson für seinen neuen Roman ausgesucht, der etwas griffiger ist, da er tatsächlich gelebt hat. Auch wenn er, wie so viele Persönlichkeiten, die eine oder andere Lücke in der Biografie hat (gewollt oder ungewollt), so hat Lorne doch genügend Fantasie, diese Lücken sinnvoll und schlüssig zu schliessen.

Nach einem kurzen Prolog findet sich der Leser an Bord der Golden Hind wieder, mit der Drake gerade innerhalb von drei Jahren die Welt umrundet hat und nebenbei das eine oder andere Schiff aufgebracht hat und diese um ihre Fracht erleichtert hat – zudem gibt es goldene Schätze aus Südamerika und den Inseln – die wertvolle Fracht in Zahlen auszudrücken, scheint unmöglich. Das freut nicht nur die Besatzung, sondern bestimmt auch die Königin, für die Drake unterwegs war, wenn auch nicht wegen der Beute.

Drakes Privatleben

Drake hat sich im Laufe der Jahre zu einem furchtlosen, draufgängerischen Tausendsassa entwickelt, der zwar immer auf Beute aus ist, aber dabei nie seine Mannschaft vergisst und selbst immer als Beispiel vorangeht und sich mehr als einer der Ihren sieht. Das macht ihn bei der Mannschaft beliebt und so folgen sie ihm überall hin. Mac P. Lorne beschreibt ihn als solchen Mann, gegen den nicht viel zu sagen ist, wenn nicht eine leicht aufbrausende Charakteristik da wäre und ein Problem, das zu Hause im ehelichen Heim auf ihn wartet. Ist seine Frau fremdgegangen? Drake kann nicht über seinen Schatten springen und hier ist auch der einzige Moment im Roman, wo man vielleicht nicht auf Drakes Seite ist. Solche Momente, die tiefer gehen, hätte man sich noch an ein paar mehr Stellen gewünscht, damit ein runderes Bild über Drake entstanden wäre. So wirkt er doch allzu heldenhaft.

Der Autor nimmt den Leser immer wieder mit auf die abenteuerlichen Segelfahrten Drakes, sei es mit geheimem Auftrag, wo Intrigen im Hintergrund lauern und im Anflug sind, die sich leider später unwichtig in Wohlgefallen auflösen. Lorne spart nicht mit nautische Fachbegriffen, die sich aber entweder selbst erklären, für das Verständnis nicht unbedingt wichtig sind oder die im Anhang erklärt werden. Interessant sind dabei nicht nur die Taktiken, die Drake anwendet und die von Lorne logisch und mitverfolgbar aufgeschlüsselt werden. Auch die Batterien an Kanonen, die mehr und mehr in den Fokus rücken und später über Sieg oder Niederlage entscheiden werden, werden aufgeschlüsselt und mehr oder weniger intensiv kann der Leser mitverfolgen, wie England aufrüstet und Spanien auf seinem Kanonen-Stand stehenbleibt.

Die berühmte Schlacht gegen die Spanische Armada 1588

Überhaupt folgt Lorne sehr exakt den historischen Begebenheiten, die man auch noch einmal im Anhang in einer Zeitleiste kurz überfliegen kann. Dennoch verfolgt man als Leser gebannt, wie sich Drake mit der englischen Flotte in die Hähle der spanischen Löwen begibt, diese demoralisiert und den berühmten Angriff der Spanischen Armada 1588 zu einem Triumph der Englischen Geschichte werden lässt. Diese Schlacht ist der Höhepunkt des Romans und als Leser folgt man den spannenden Schilderungen an Bord mehrerer Schiffe, aus Sicht der Spanier und der Engländer, und man möchte nicht in der Haut desjenigen gesteckt haben, der König Philipp II. die schlechte Nachricht der Niederlage überbracht haben mag. Die Geschichte ist ein Beispiel dafür, dass man mit der Zeit gehen muss, um mit der Welt mithalten zu können. Damals wie heute darf man das Weitergehen nicht verpassen, auch wenn es heute vielleicht nicht ganz so weltpolitisch entscheidend ist.

Lornes Charaktere neben Drake sind ein buntes Sammelsurium an Figuren. Gerade was die Admiralität und die Kapitäne Englands angeht, gibt es immer welche, die gegen den Strom schwimmen, die aber dann auch mit den Konsequenzen rechnen müssen. Elizabeth I. kommt selten vor, schwebt aber irgendwie immer über dem Geschehen, denn schließlich segelt man ja für England, gerade auch als sie persönlich vor ihrer Armee aufkreuzt und ihren Männer Mut zuspricht. Walsingham, der im Hintergrund die Fäden zieht, kommt leider zu wenig vor, hätte aber als Charakter mit seinen vielen Überraschungen noch mehr Würze in den Roman gebracht.

Lobenswerte Ausstattung

Insgesamt ist Der Pirat ein historischer Roman, wie man ihn sich wünscht und der nur wenige Wünsche offen lässt. Dass fast alles glatt geht, kann man dem Autor nicht anlasten, denn man schreibt die Geschichte ja nicht um, nur um solche Aspekte zu bekommen. Der Roman lässt sich flüssig und glatt lesen und dürfte gerade für Fans von Autoren wie Rafael Sabatini, C. S. Forester und ähnlichen eine schöne Bereicherung sein. Der Pirat ist eine launige Geschichtsstunde, in der man mitfiebern kann, obwohl man das Ergebnis schon kennt (aber eben die damaligen hochnäsigen Spanier nicht).

Lobenswert erwähnt werden soll das Buchcover, das deutlich aus dem heutigen Einerlei heraussticht und mit dem der Knaur-Verlag viel passende Fantasie zeigt. Auch die Umschlaginnenseiten sind mit passenden Zeichnungen liebenswert gestaltet. Ein lesenswertes, ausführliches Nachwort, eine Zeitleiste, ein Glossar und ein Literaturverzeichnis ergänzen einen gelungenen Roman, der nicht nur für Abenteurer geeignet ist. Auch wenn er vielleicht nicht die historische Tiefe hat, so ist er doch spannend und lehrreich – was will man mehr?

Ihre Meinung zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«

Dagmar zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«10.09.2017
Vom Geächteten zum Freibeuter...
Zunächst war ich skeptisch, ob dieser Genrewechsel gelingen kann. Ich wurde wahrlich nicht enttäuscht und eines besseren belehrt. Ich konnte das EBook fast nicht aus der Hand legen, so gefesselt war ich. Wieder unglaublich genau recherchiert und so in der Seemannssprache und der Sprache des Jahrhunderts abgetaucht, dass man das Gefühl hat, neben dem Protagonisten auf der Brücke zu stehen. Rasant erzählt, immer mit Spannungsbogen. Mein Fazit: Wer die "Löwen"-Romane mag, wird auf jeden Fall beim "Piraten" keinesfalls enttäuscht!
Roland T. zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«06.05.2017
Das Buch ist eine spannende und unterhaltsame Lektüre über das Leben des Freibeuters und Weltumseglers Sir Francis Drake. Jetzt könnte ich mit den üblichen Floskeln weitermachen und schreiben ich hätte das Buch nicht weglegen können oder es an einem Wochenende durchgelesen. Doch so ist es nicht. Man legt das Werk durchaus mal weg, doch freut man sich da bereits darauf es wieder in die Hand zu nehmen und weiter zu lesen. Ein kraftvoller, spannender und auch entspannender Roman für späte Abende und verregnete Wochenenden, aber auch als eine angenehme Urlaubslektüre könnte ich dieses Buch empfehlen. Auf leichte, informative Art und Weise bringt uns der Autor die Zeiten der mittelalterlichen Seefahrt und die Konflikte der damaligen reichen Großmacht Spanien mit der aufstrebenden Seemacht England näher. Exzellent recherchiert und unkompliziert vermittelt der Schriftsteller sein profundes Wissen über maritime und geschichtliche Ereignisse der damaligen Zeit. Facettenreich schildert er gekonnt den Aufbau und die Bewaffung eines Segelschiffes ebenso, wie das intrigante Leben bei Hofe oder auf hoher See. Das die Handlung des Buches erst nach Drake's Weltumseglung einsetzt, tut dem Roman keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Wer sich für europäische Geschichte im Allgemeinen oder um Seefahrtsgeschichte im Speziellen ineressiert, sollte bei diesem Buch unbedingt zugreifen.
Heide zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«11.12.2016
Leider konnte ich dieses tolle Buch nicht eher lesen, habe es nun aus den Gründen, die aus den vorangehenden Rezensionen bereits angesprochen wurden, regelrecht "verschlungen" und bin begeistert. Wieder einmal hat der Autor eine gelungene Mixtur aus Realität und Erfundenem geschaffen. Er beflügelt mit seinen anschaulichen Beschreibungen die eigene Fantasie. So weiß ich jedenfalls, warum ICH lieber lese als Filme sehe. Dieses Buch kann man auch allen empfehlen, die nicht so sehr an der historischen Wahrheit interessiert sind, sie werden spannend unterhalten.
Ein Lob an den Verlag für die ansprechende Aufmachung dieses wunderbaren Buches.
leseratte1310 zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«21.08.2016
Wer kennt ihn nicht – den Piraten Francis Drake? Mac P. Lorne erzählt uns in seinem Roman mehr über den Menschen Sir Francis Drake. Im Auftrag Ihrer Majestät Königin Elisabeth I. war er als Freibeuter unterwegs und umsegelte dabei die Welt. Nicht nur die Spanier fürchteten ihn wie der Teufel das Weihwasser. Lorne nimmt die bekannten Fakten und füllt phantasievoll Lücken in der Vita Drakes, so dass eine höchst spannende und unterhaltsame Geschichte entstanden ist.
Drake ist ein Mensch, der kein Risiko scheut. Er liebt das Abenteuer und genießt sein Leben als Freibeuter. Selbst in ausweglosen Situation ist ihm das Glück hold und er weiß sich hinaus zu manövrieren. Seine Mannschaft liebt und geht für ihn durchs Feuer, denn im Gegensatz zu vielen anderen Kapitänen stellt er sich nicht über seine Mannschaft. Bei den Kämpfen steht er mitten unter ihnen. Aber auch seiner Königin gegenüber verbiegt er sich nicht. Niemand sonst wagt es, in einer derart lässigen Kleidung zu erscheinen und so undiplomatisch seine Meinung zu äußern. Er ist der Königin sehr ergeben und umgeht dennoch ihre Befehle, wenn sie wieder einmal zu zögerlich ist, weil ihre Berater kein Risiko eingehen wollen und auf Diplomatie setzen. Elisabeth I. schätzt ihren Piraten, denn er bringt ihr schöne Geschenke und füllt die Staatskasse und so kommt es, dass ein Pirat zum Ritter geschlagen wird. Die Feinde Englands fürchten El Draque und zollen ihm doch Respekt.
Aber wir lernen auch den Ehemann kennen, der seine Frau Mary liebt und ihr dennoch nicht verzeihen kann und der später noch einmal eine innige Beziehung mit Elisabeth eingeht. Während seiner Zeit an Land trägt man ihm das Bürgermeisteramt an und er nimmt es und versucht für seine Stadt Plymouth Verbesserungen herbeizuführen.
Doch nehmen ihm gibt es noch einige andere interessante Personen, wie der Mathematiker und Schiffsbauer Baker, der Metallurge Gans und Walsingham, der einen Geheimdienst aufgebaut hat und einen guten Überblick über das politische Geschehen außerhalb Englands hatte. Diesen Männern ist es auch zu verdanken, dass Drake so erfolgreich war.
Neben der Geschichte Drakes sind aber auch die politischen Verhältnisse sehr spannend. Es geht um den Glauben und um die Vormachtstellung in der Welt. Drakes Erfahrung und Strategie ist es zu verdanken, dass den Spaniern Einhalt geboten wird bei der Eroberung immer weiterer Länder, die sie ausbeuten können.
Es hat ungemein viel Spaß gemacht, mit Francis auf Piratenjagd zu gehen.
Tom Weber zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«09.07.2016
Die "Biographie" des Francis Drake wurde in diesem Buch meiner meinung nach äußerst interessant wiedergegeben,die zahlreich verwendeten seemännischen Fachausdrücke und Begriffe erklären sowohl Schiff und Leben auf einem solchem sehr eindrucksvoll, so dass auch mein Interesse an den Schiffen der damaligen Zeit geweckt wurde.
DocRomeo zu »Mac P. Lorne: Der Pirat«06.07.2016
Vom Geächteten zum Freibeuter...
Zunächst war ich skeptisch, ob dieser Genrewechsel gelingen kann. Ich wurde wahrlich nicht enttäuscht und eines besseren belehrt. Ich konnte das EBook fast nicht aus der Hand legen, so gefesselt war ich. Wieder unglaublich genau recherchiert und so in der Seemannssprache und der Sprache des Jahrhunderts abgetaucht, dass man das Gefühl hat, neben dem Protagonisten auf der Brücke zu stehen. Rasant erzählt, immer mit Spannungsbogen. Mein Fazit: Wer die "Löwen"-Romane mag, wird auf jeden Fall beim "Piraten" keinesfalls enttäuscht!
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