Mit Müh und Not von Kai Blum

Buchvorstellungund Rezension

Mit Müh und Not von Kai Blum

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Mit Müh und Not“,, 176 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

1886 wird die Millionenmetropole Chicago, deren Bevölkerung zu einem Drittel aus deutschen Einwanderern besteht, zum Schauplatz des ersten Bombenanschlags in der Geschichte der USA. Die Brüder Jack und Bob Hunhoff, zwei ehemalige Polizisten aus Chicago, die jetzt im Dakota-Gebiet leben, kehren an ihre alte Wirkungsstätte zurück, um durch eigene Ermittlungen die Freilassung ihres Freundes Andreas Brenner zu erreichen, der nach dem Anschlag verhaftet wurde.

Das meint Histo-Couch.de: „Blutbad in Chicago“85Treffer

Rezension von Annette Gloser

Anfang Mai 1886 wird Chicago zum Schauplatz heftiger Arbeiterunruhen. Vor allem die Anarchisten rufen zu Streiks und letztendlich auch zum Aufstand auf. Andreas Brenner, der aus dem Dakota-Gebiet in die große Metropole kam und dort für eine Arbeiterzeitung arbeitet, wird Zeuge der großen Kundgebung auf dem Haymarket am 04. Mai 1886 und erlebt sowohl das Bombenattentat als auch die nachfolgende Schießerei mit. Er wird verhaftet und niemand weiß, ob er vielleicht auch als Verschwörer angeklagt werden soll. Seine Frau Sophie bittet die Familie um Hilfe. Umgehend machen sich Bob und Jack Hunhoff auf den Weg. Vor ein paar Jahren haben sie selbst als Polizisten in Chicago gearbeitet. Nun hoffen sie darauf, dem jungen Familienvater Andreas helfen zu können. Aber seit die Hunhoff-Brüder aus Chicago in das Dakota-Gebiet kamen, hat sich in der großen Stadt viel verändert. Und sehr schnell zeigt sich, dass die Polizei gar nicht den wahren Bombenwerfer sucht. Stattdessen soll an den Führern der Arbeiterbewegung ein Exempel statuiert werden um Recht, Ordnung und den Besitz der Reichen zu wahren.

Fortsetzung eines interessanten Projektes

Mit Müh und Not ist der nunmehr dritte Band der Auswanderer-Krimis. Und diesmal trifft die Bezeichnung Krimi auch weit eher zu als bei den beiden Vorgänger-Romanen. Vor allem Jack ermittelt in Chicago und natürlich handelt es sich bei dem Haymarket Riot um ein Verbrechen, das bis heute nicht umfassend aufgeklärt ist. Kai Blum lässt Jack Hunhoff jedoch eine Lösung des Rätsels finden, die durchaus plausibel und im Einklang mit den historischen Fakten ist. Dennoch bezieht der Roman seine Spannung eher aus den Schilderungen des Lebens in der Stadt und aus dem Handeln seiner Protagonisten. Kai Blum hat sich zum Ziel gesetzt, das Leben deutscher Auswanderer mit seiner Romanreihe zu verfolgen. Chicago mit seinen vielen deutschen Einwanderern, seinen deutschsprachigen Zeitungen und ganzen Vierteln, die ein Klein-Deutschland in Amerika erschufen, ist da ein hoch interessanter Schauplatz. Der Autor schildert das Leben der Einwohner Chicagos sehr bildhaft, so dass man eine gute Vorstellung davon bekommt, unter welch harten Bedingungen insbesondere die Arbeiter lebten. Die technischen Errungenschaften der neuen Zeit dürfen natürlich in diesem Roman nicht fehlen und es gibt wirklich amüsante Schilderungen vom Zusammentreffen der Landeier aus der fernen Prärie mit Wunderwerken wie Kabelbahn und elektrischer Beleuchtung. Viele kleine Details aus dem täglichen Leben zeugen von umfassender Recherche des Autors. Aber auch die politischen Gegebenheiten in der Stadt hat Kai Blum sehr akribisch erforscht.

Sozialismus, Kommunismus, Anarchie

Kai Blum gibt seinen Lesern einen recht genauen Überblick über die Arbeiterbewegung in Chicago. Während Polizei und Staatsanwalt alle Verhafteten als Anarchisten über einen Kamm scheren, lernt man als Leser dieses Romans die Unterschiede zwischen Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten kennen. Jack begegnet bei seinen Recherchen Bürgern mit sehr unterschiedlichen Haltungen zum Geschehen, vom sozialistisch orientierten Intellektuellen bis zum Altachtundvierziger, dem vor allem das Ansehen der deutschen Einwanderer als staatstreue Mitmenschen wichtig ist und der die Anarchisten vor allem deshalb verdammt, weil sie dieses Ansehen schädigen. Tatsächlich erkennt man bei der Lektüre dieses Romans, dass nicht nur viele deutsche Einwanderer in der Stadt lebten, sondern vor allem auch viele, teilweise durchaus radikal denkende, deutsche Führer der Arbeiterbewegung. Man spürt regelrecht die gespannte Atmosphäre in der Stadt.

Kai Blums Protagonisten kennt man teilweise bereits aus den früheren Romanen. Allerdings sind diesmal durchaus tiefgehende Charakterisierungen dabei und vor allem Jack Hunhoff, aber auch Polizisten wie der Chefermittler Schaack, sind Figuren mit spannenden Facetten geworden.

Feine Urlaubslektüre!

Zwar ist Mit Müh und Not schon der dritte Teil der Reihe, aber bisher ist er auch der spannendste. Es lohnt sich, auch die vorhergehenden Bände Hoffnung ist ein weites Feld und Man erntet was man sät zu lesen. Aber man kann den neuen Auswanderer-Krimi auch einfach so lesen und hat damit ein spannendes und sehr interessantes Buch in der Hand. In seinem Nachwort geht der Autor noch einmal auf die historischen Ereignisse ein, das lohnt sich zu lesen. Bleibt zu hoffen, dass dieses tolle Projekt fortgesetzt werden kann, denn es bereichert die Landschaft der historischen Romane ungemein.

Ihre Meinung zu »Kai Blum: Mit Müh und Not«

tassieteufel zu »Kai Blum: Mit Müh und Not«03.09.2017
1886 brodelt es in der Millionenmetropole Chicago gewaltig. Die Arbeiter fordern gerechte Bezahlung und einen Achtstundentag und wollen ihre Forderungen mit Streiks durchsetzen. Anarchistische Gruppen rufen hingegen zu Bewaffnung und offenem Aufstand auf. Versammlungen und Blockaden von Streikbrechern werden von der Polizei mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Als es während einer Kundgebung auf dem Haymarket zu einem Bombenanschlag kommt, wird auch Andreas Brenner verhaftet, der aus dem Dakota Gebiet nach Chicago gekommen ist und inzwischen als Setzer bei einer Arbeiterzeitung tätig ist. Seine Frau Sophie bittet ihren Schwiegervater um Hilfe, dieser macht für die Verhaftung seines Sohnes Bob Hunhoff verantwortlich, da Bob Andreas erst mit den revolutionären Schriften in Kontakt brachte. Daher reisen Bob und sein Bruder Jack nach Chicago, wo sie einst als Polizisten tätig waren und versuchen Andreas zu helfen. Doch die Polizei scheint gar nicht daran interessiert zu sein, den wahren Bombenleger zu finden, vielmehr soll an den Arbeiterführern ein Exempel statuiert werden.

Im inzwischen dritten Band seiner "Auswanderer" Krimis widmet sich der Autor erneut der Situation deutscher Migranten Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika. Diesmal in der Metropole Chicago wohin es unzählige deutsche Auswanderer verschlagen hat, deren Traum von einem besseren Leben sich nicht erfüllen konnte. Vor allem die Arbeiter und ihre Familien haben unter den harten Bedingungen zu leiden und beginnen gegen ihre elenden Lebensbedingungen aufzubegehren. Die Arbeiterbewegung will mit Streiks für kürzere Arbeitszeiten und bessere Bezahlung kämpfen, was den Fabrikbesitzern ein Dorn im Auge ist. Für die Mächtigen, die Staatsgewalt und die Polizei sind sie alle Anarchisten, doch auch in der Arbeiterbewegung gibt es viele unterschiedliche Gruppierungen. Hier gelingt es dem Autor gut, die Unterschiede zwischen Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten aufzuzeigen, ebenso wie ihre verschiedenen Mittel, um ihre Ziele zu erreichen.
Mit dem Bombenanschlag auf dem Haymarket am 4. Mai 1886 spitzen sich die Ereignisse zu und die Staatsmacht schlägt gnadenlos zurück, es wird wahllos auf Arbeiter geschossen und die nachfolgende Verhaftungswelle hat weniger das Ziel, den wahren Bombenwerfer zu finden, als insgesamt ein Exempel zu statuieren. Das reale Attentat, das niemals restlos aufgeklärt werden konnte, hat der Autor sehr gelungen mit den fiktiven Geschehnissen rund um Andreas Brenner und dessen Verhaftung verknüpft. Die Brüder Hunhoff, die der Leser schon aus dem Vorgänger kennt, werden nun von Andreas Vater beauftragt, seinem Sohn zu helfen und hauptsächlich Jack Hunhoff, in seiner Rolle als Reporter recherchiert die Details des Bombenanschlags sehr detailliert und so wird am Ende auch eine plausible Lösung gefunden, die durchaus glaubwürdig ist.
Zudem fließen viele kleine Details aus dem täglichen Leben in das Buch ein und vermitteln so ein dichtes Bild der damaligen Zeit. Seit Jacks Zeit als Polizist in Chicago sind einige Jahre vergangen, als er nun in die Stadt zurück kehrt, muß er erkennen, dass es viele technische Neuerungen, wie die Kabelbahn oder elektrische Beleuchtung gibt, die ihm zunächst etwas suspekt erscheinen und ihn als waschechtes Landei erscheinen lassen.
Ein interessantes Nachwort, in dem nocheinmal auf die realen Ereignisse eingegangen wird, rundet das Buch gelungen ab. Insgesamt sind die Auswanderer Krimis eine tolle Idee und es bleibt zu hoffen, dass der nächte Teil nicht zu lange auf sich warten läßt!

FaziT: auch mit dem dritten Band der Reihe gelingt es dem Autor wunderbar, das Leben deutscher Auswanderer zu dokumentieren und deren schweren Weg in ein neues Leben zu schildern. Chicago, mit seinen vielen deutschen Einwanderern und der reale Bombenanschlag auf dem Haymarket bilden dafür einen gelungenen Hintergrund der stimmig mit den fiktiven Geschehnissen verknüpft wird.
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