Das Mädchen im schwarzen Nebel von Ivonne Hübner

Buchvorstellungund Rezension

Das Mädchen im schwarzen Nebel von Ivonne Hübner

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Mädchen im schwarzen Nebel“,, 400 Seiten.ISBN 3839221269.

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Kurzgefasst:

Das Zigeunermädchen Rosana und ihren Clan verschlägt es 1813 in die Nähe von Weißenberg in der Oberlausitz. Nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters, der zu Unrecht in einem Weißenburger Gefängnis saß, verbannt die Stadt den Clan aus der Gegend. Genau drei Jahre später findet der Jungköhler Lorenz einen bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichnam in seinem Kohlenmeiler. In der Nähe wurden Rosana und ihre Familie gesichtet. Fasziniert von den Zigeunern versucht Dr. Cornelius Waldeck, Licht in die Verbrechen zu bringen. Hat sich der Clan für den Tod von Rosanas Vater gerächt?

Das meint Histo-Couch.de: „Die Leiche im Kohlenmeiler“65

Rezension von Yvonne Schulze

Dr. Waldeck ist zurück, aber leider ohne Jakub und Mathilde, die neben Dr. Waldeck die wichtigsten Figuren im ersten Teil der in der Oberlausitz angesiedelten historischen Krimireihe von Ivonne Hübner waren. Der Cliffhanger aus dem ersten Teil Lausitzer Musen wird nicht aufgelöst, dafür kommen am Ende dieses Romans noch weitere offene Fäden dazu. Fans des Dreiergespanns Waldeck-Jakub-Mathilde, die sich auf ein Wiedersehen mit diesen Figuren gefreut haben, werden enttäuscht und der Verbleib von Jakub und Mathilde bleibt ungewiss. So begibt sich Dr. Waldeck nun allein auf Mörderjagd, nachdem der Köhler Lorenz in seinem Meiler eine verkohlte Leiche gefunden hat, deren Identität alle vor ein Rätsel stellt. Zur gleichen Zeit taucht eine Zigeunergruppe in der Gegend auf. Das Zigeunermädchen Rosana und ihre Familie haben vor drei Jahren just in dieser Gegend auf dem Hof des Bierbrauers Oswald überwintert, bis Rosanas Vater zu Unrecht des Bierpanschens beschuldigt wurde und unter mysteriösen Umständen im Gefängnis ums Leben kam. Es stellt sich recht schnell heraus, dass die unbekannte Leiche im Meiler etwas mit den Geschehnissen vor drei Jahren zu tun haben muss und Dr. Waldecks Spürsinn ist wieder gefragt. Akribisch sammelt er Puzzlesteinchen um Puzzlesteinchen, die allerdings lange kein richtiges Bild ergeben wollen.

Sympathischer Hobbydetektiv und stereotype Figuren

Ivonne Hübners neuer Roman ist zwar der zweite Teil einer Reihe, er kann aber ohne weiteres für sich allein gelesen werden und man muss den Vorgänger nicht kennen. Wer Lausitzer Musen jedoch gelesen hat, wird bekannte Personen vermissen, die im ersten Teil eine Rolle gespielt haben. Dr. Waldeck ermittelt wieder in gewohnt souveräner Art und geht auch diesmal gerne ungewöhnliche Wege. Sein einziger Fehler ist nur, dass er sich wieder in die falsche Frau verliebt, ansonsten hat er kaum Ecken und Kanten. Eine interessante Figur ist dagegen der Köhler Lorenz, der in seiner Charakterzeichnung ansatzweise etwas Tiefe bekommt. Alle anderen Charaktere werden von der Autorin in die Schubladen brave Helden, schöne kluge Frauen, hässliche und hinterhältige Bösewichte etc. eingeordnet. Wie ein Kohlemeiler aufgebaut ist und funktioniert, das weiß der Leser nach der Lektüre dieses Buches allerdings dann ganz genau.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielen in diesem Roman die Zigeuner, vor allem das Mädchen Rosana. Dass das Leben der Zigeuner kein Zuckerschlecken war, ist hinlänglich bekannt, sowie auch die strengen Regeln und Hierarchien innerhalb eines Clans. Das Bild, das die Autorin in ihrem Roman vom Leben der Zigeuner entwirft, ist dagegen ein recht weichgezeichnetes, das wenig Ähnlichkeit mit dem durch Vorurteile, Entbehrungen und Ablehnung geprägten realen Leben des fahrenden Volkes jener Zeit hat, auch kommt die Kultur der Zigeuner hier kaum zum Tragen und reduziert sich auf die üblichen Klischees.     

Wenig Historisches und Null Lokalkolorit

Die Erzählung wechselt ständig zwischen den Ereignissen im Jahr 1813 und denen drei Jahre später im Jahr 1816, die Jahreszahlen zu Beginn eines jeden Kapitels helfen bei der Orientierung. Diese Jahreszahlen und die Kapitelüberschriften sind auch die einzigen Hinweise auf die Epoche, in der wir uns befinden. Eine zeitliche Einordnung der Handlung wäre ansonsten schwierig geworden, denn historische Ereignisse oder bekannte Zeitgenossen jener Zeit werden nur sehr rudimentär in Nebensätzen erwähnt. Eigentlich hätte die Handlung zu jeder x-beliebigen Zeit spielen können, es wäre kaum aufgefallen.

Ein Manko dieses Romans ist – und dieses Problem tauchte auch schon in Lausitzer Musen auf -, dass die Autorin zwar die Oberlausitz zum Ort ihrer Handlung wählt, auf regionale Besonderheiten dann aber so gut wie gar nicht eingeht. Tiefe Wälder, Köhlerei, Bierbrauer und eigensinnige Menschen gab es in vielen Teilen Deutschlands. Irgendwie drängt sich einem der Eindruck auf, dass sich die Autorin in der Geschichte ihrer Oberlausitzer Heimat kaum auskennt.

Mangelhaftes Lektorat

Der größte Kritikpunkt ist allerdings und das muss man hauptsächlich dem Gmeiner Verlag vorwerfen das gehäufte Auftreten von Rechtschreib-, Grammatik-, Interpunktions- und stilistischen Fehlern. Außerdem bedient sich die Autorin einer leicht antiquierten Sprache, wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist, nur leider gelingt ihr dies nur bedingt und wirkt oft recht holprig. Und sie liebt das Wort „betreffend“, das sie gerne und oft verwendet.

Massentaugliches Histotainment

Alles in allem ist Das Mädchen im schwarzen Nebel ein solide erzählter historischer Krimi für das Mainstreampublikum, der den genretypischen unkomplizierten Handlungsmustern folgt und primär unterhalten will. Er lässt sich entspannt lesen und stellt keine großen Anforderungen an den Leser. Der Spannungsbogen ist nicht allzu hoch und der erfahrene Krimileser wird sehr schnell herausfinden, in welcher Richtung die Auflösung zu suchen ist. Historische Fakten tauchen nur als sporadisch eingestreute Randnotizen auf, was den historischen Hintergrund austauschbar macht, auf der anderen Seite aber die Leser freuen wird, die gern einen verklärten Blick in die Vergangenheit werfen und mit möglichst wenig Geschichtswissen konfrontiert werden wollen.     

Ihre Meinung zu »Ivonne Hübner: Das Mädchen im schwarzen Nebel«

mabuerele zu »Ivonne Hübner: Das Mädchen im schwarzen Nebel«30.09.2017
„...Wenn die Leute nicht viel wissen, lach nicht über sie, denn jeder von ihnen weiß etwas, was du nicht weißt...“

Wir schreiben das Jahr 1816. Der Köhler Lorenz erwacht mit schweren Kopf und muss feststellen, dass der Meiler brennt. Doch es sollte noch schlimmer kommen, denn er findet darin eine Leiche. Dr. Cornelius Waldeck kommt, um sich den Toten anzusehen.
Dann wechselt das Geschehen ins Jahr 1813. Eine Gruppe Zigeuner, die als Zirkusleute arbeiten, fliehen vor dem Krieg .Zu ihnen gehört Rosana. Die junge Frau erlernt das Handlesen. Ihre Mutter Olivia ist Seiltänzerin, hatte aber nach einem schlimmen Sturz schmerzhafte Verletzungen, die sie nun über den Winter ausheilen muss.. Das Gesetz verlangt von ihnen, das sie sich ein festes Winterquartier suchen. Das gibt ihnen der Brauer Oswald, der dafür ihre Arbeitskraft fordert.
Die Autorin hat einen fesselnden historischen Krimi geschrieben. Die Geschichte spielt in der Lausitz. Es gibt einen Vorgängerband. Obwohl ich den nicht kenne, hatte ich kein Problem, dem Geschehen zu folgen. Nur an wenigen Stellen wird auf die Vorgeschichte hingewiesen. Das weckt allerdings Interesse daran.
Der Roman spielt über weite Strecken abwechselnd im den Jahren 1813 und 1816. Nach und nach wird mir als Leser klar, wie die Ereignisse zusammengehören und dass manches, was 1816 geschieht, ihre Wurzeln im Jahre 1813 hat.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Die Personen werden gut charakterisiert. Dr. Waldeck ist nicht nur Arzt. Er versteht es auch, Spuren zu lesen und logische Schlüsse zu ziehen. Seine Untersuchungen des Toten werden detailliert geschildert. Erstaunlicherweise öffnet er zwar den Brustkorb, aber der Bauchraum bleibt unversehrt. Die damals aktuelle Gehirnlehre, die der Arzt praktiziert, wird allgemeinverständlich erläutert. Außerdem lässt er sich von Lorenz erklären, wie ein Meiler angezündet wird und warum die vollständige Verbrennung der Leiche nicht funktioniert hat.
Nachforschungen ergeben, dass in der näheren Umgebung keine Person vermisst wird. Für den Polizisten, der Wert auf schnelle Erfolge und nicht auf gründliche Arbeit legt, ist damit erst einmal Lorenz der Täter.
Die Autorin arbeitet gekonnt die Hierarchie der damaligen Zeit heraus. Die Fischer, Harzer und Brauer fühlten sich den Köhlern überlegen und schauten auf sie herab. Noch eine Stufe tiefer standen die Zigeuner. Doch auch bei ihnen gab es Reibereien zwischen den einzelnen Familien. Auch vor dem Gesetz war nicht jeder gleich. Was bei den Einheimischen mit einer Geldbuße geahndet wurde, konnte für die Zigeuner das Todesurteil bedeuten.
Schön fand ich die Einbeziehung von Sagen und Sprichwörtern der Zigeuner. Obiges Zitat ist ein Beispiel dafür.
Geschickt wurde die Geschichte in größere historische Ereignisse eingebettet. Vor allem der Krieg gegen Napoleon hinterließ seine Spuren in der Gegend. Es war eben nicht egal, ob man in den Teil der Lausitz wohnte, der zu Sachsen oder zu Preußen gehörte.
Eine akribische Spurensuche und manchmal auch eine Prise Zufall führen endlich zum Namen des Toten. Damit hat man aber lange noch nicht den Täter. Es macht Spaß, Dr. Waldecks Gedankengänge zu verfolgen. Natürlich darf manch ungewöhnliche Liebesgeschichte im Ablauf des Geschehens nicht fehlen.
Es geht um Trauer und Rache, um Zuneigung und Hass. Nicht zuletzt hat der Aberglaube der Zeit seinen Part.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Gekonnt werde ich als Leser schon auf die nächste Geschichte eingestimmt.
venatrix zu »Ivonne Hübner: Das Mädchen im schwarzen Nebel«29.09.2017
In seinem zweiten Kriminalfall hat es Dr. Cornelius Waldeck gleich mit mehreren Verdächtigen zu tun. Er weiß noch nicht, welch komplexer Fall auf ihn zukommt als er die verkohlte Leiche aus dem Kohlenmeiler von Lorenz begutachten muss.

Was haben die Zigeuner mit der Sache zu tun? Immerhin sind die nun zum zweiten Mal in der Gegend und jedes Mal gibt es Zores.

Einmal gepantschtes Bier, das die halbe Ortschaft auf den Lokus zwingt und in dessen Folge der Capo der fahrenden Truppe verhaftet wird und im Gemeindekotter stirbt.

Und nun drei Jahre später die Leiche im Kohlenmeiler. Wie hängt das zusammen? Und wieder gerät auch Lorenz in den Fokus der Ermittlungen. Damals vor drei Jahren musste er sich als Deserteur verstecken.

Cornelius Waldeck ist mit der Recherche vollauf beschäftigt und hat trotzdem ein Techtelmechtel mit der schönen Wahrsagerin Esmeralda.

Meine Meinung:

Ein interessanter historischer Krimi, der sich mit Vorurteilen Fremden gegenüber beschäftigt.

Fazit:
Gerne gelesen und mit 4 Sternen bewertet.
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