Halldór Laxness

Der Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness wurde unter dem Namen Kiljan Gudjónsson im Jahr 1902 in der isländischen Hauptstadt Reykjavik geboren. Mit drei Jahren zog er mit seinen Eltern nach Mosfellssveit, wohin er zeitlebens immer wieder zurückkommen sollte. Nachdem er 1919 durchs Abitur fiel, ging er nach Dänemark und hielt sich dort mit journalistischen Gelegenheitsjobs über Wasser. Nach verschiedenen Aufenthalten u.a. in Deutschland ging er nach Italien, wo er vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierte. Seitdem nannte er sich Halldór Kilian Marie Pierre Laxness, benannt nach dem väterlichen Hof Laxness in Mosfellssveit.

Laxness las als Junge schon Bücher von Nietzsche und Freud, die seinen Hang zu Selbstverherrlichung und Größenwahn unterstützten. 1922/23 verbrachte er ein Jahr in einem Kloster in Luxemburg, wo er sich von der Außenwelt abschottete und vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierte. Verpflichtungen einer von ihm geschwängerten Dänin gegenüber entkam er mit der Begründung, als Katholik nicht mehr für die Sünden als Protestant verantwortlich zu sein.

Laxness zog über das isländische „Bauernvolk“ her und stellte sich gegen die alten Tradition, was ihn schlagartig berühmt machte und sogar Diskussionen im Parlament auslöste. 1926 ging er für vier Jahre in die USA, um Drehbücher für Hollywood zu schreiben und berühmt zu werden. Niemand wollte seine Skripte haben, und so kehrte er wieder zurück. Allerdings wandte er sich in den USA dem Sozialismus zu, dem er bis in die 50er Jahre treu blieb.

Trotz seiner politischen Einstellung als Linksintellektueller wurde er mit der Islandglocke 1943 zum gefeierten Nationaldichter, entsprach die Situation im Buch doch genau der der Isländer im aktuellen Zweiten Weltkrieg. Immer wieder sind die Figuren seiner Romane seinen eigenen Ansichten um einiges voraus, und so wandelte er sich schließlich vom kämpferischen Sozialisten zum humanistischen Skeptiker. Folgerichtig erhielt er 1955 für seinen Roman Atomstation als erster und bislang einziger Isländer den Nobelpreis für Literatur.

Die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte Laxness mit seiner zweiten Ehefrau in einem Altersheim, wo er aber immer noch literarisch aktiv blieb. Er starb 1998 in Gljúfrasteinn bei Mosfellsbær.

Romane von Laxness sind in Island häufig einzeln erschienen und in Deutschland, wenn es sich im Prinzip um Fortsetzungen gehandelt hat, unter einem Titel herausgegeben worden, weshalb einzelne isländische Titel nicht einzeln zu finden sind. In späteren Neuausgaben wurden die Werke teilweise umbenannt. Neben seinen Romanen schrieb Laxness auch Essays, Schauspiele, Gedichtbände, Erzählungen und Zeitungsartikel. Einige seiner Romane wurden auch verfilmt.

Neben dem Literaturnobelpreis 1955 erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, so unter anderen den Weltfriedenspreis (1953), den Sonnigpreis (1959) sowie Ehrendoktorwürden an den Universitäten in Åbo, Reykjavík, Edinburgh und Tübingen.

Historische Romane von Halldór Laxness:

Weitere Romane von Halldór Laxness:

  • (1919) Das Naturkind
    Barn náttúrurnar
  • (1924) Am heiligen Berg
    Undir Helgahnúk
  • (1927) Der große Weber von Kaschmir
    Vefarinn mikli frá Kasmír
  • (1931/32) Salka Valka
    1931 Þú vínviður hreini + 1932 Fuglinn í fjörunni
  • (1934/35) Der Freisasse, auch erschienen unter Unabhängige Menschen und Sein eigener Herr
    1934 Sjálfstætt fólk I + 1935 Sjálfstætt fólk II
  • (1937/38/39/40) Weltlicht
    1937 Ljós heimsins + 1938 Höll sumarlandsins + 1939 Hús skáldsins + 1940 Fegurð himinsins
  • (1948) Atomstation
    Atómstöðin
  • (1952) Gerpla, auch erschienen unter Die glücklichen Krieger
    Gerpla
  • (1952) Von daheim ging ich fort
    Heiman eg fór
  • (1968) Seelsorge am Gletscher, auch erschienen unter Am Gletscher
    Kristnihald undir Jökli
  • (1972) Die Litanei von den Gottesgaben
    Guðsgjafabulan
  • (1975) Auf der Hauswiese
    Í túninu heim
  • (1976) Jung war ich
    Úngur eg var
  • (1978) Die Siebenmeistergeschichte
    Sjömeistarsagan
  • (1980) Das Griechenlandjahr
    Grikklandsárið