Das große Spiel von Claude Cueni

Buchvorstellungund Rezension

Das große Spiel von Claude Cueni

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Das große Spiel“,, 448 Seiten.ISBN 3-453-26529-7.

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Kurzgefasst:

1671 in Edinburgh geboren, verspielt John Law bereits in jungen Jahren das Vermögen seines Vaters. Draufgängerisch auch sein Umgang mit den Frauen. Scharen von gehörnten Ehemännern frohlocken, als Law nach einem Duell mit tödlichem Ausgang das Land verlassen muss. Während seiner Flucht quer durch Europa kommt ihm die bahnbrechende Idee, Geld nicht länger mit den immer knapper werdenden Edelmetallen zu decken. John Law erfindet das Papiergeld, doch seine Idee findet kein Gehör. Erst als er Anfang des 18. Jahrhunderts nach Frankreich gelangt, bekommt er seine Chance. Der Herzog von Orléans, gerade zum Regenten gekürt, findet Gefallen an der Vorstellung, die enormen Staatsschulden quasi per Druckerpresse zu tilgen. 1716 gründet Law die Banque Royale und gibt erstmals Papiergeld aus. Seine Idee bewährt sich, der Handel blüht, und John Law häuft ein Vermögen an, das ihn zum reichsten Mann seiner Zeit macht, ja vielleicht zum reichsten Mann, der jemals gelebt hat. Doch irgendwann holt ihn seine Spielernatur ein.

Das meint Histo-Couch.de: „;Eine unglaubliche, aber wahre Lebensgeschichte“;90Treffer

Rezension von Silvia Lewald

Wahrscheinlich kennen die meisten Menschen John Law nicht, auch mir war sein Name bis zu diesem Buch kein Begriff. „;Das große Spiel“; erzählt die Lebensgeschichte dieses Mathematikers und Frauenhelden allerdings in einer spannenden Art und Weise und lässt die eigene Unwissenheit in den Hintergrund treten.

John Law, geboren 1671 in Edinburgh, lebt für eine Idee, die ihn in ganz Europa berühmt macht. Als junger Mann verspielt er das Vermögen seines Vaters und muss nach einem Duell, sehr zur Freude einiger gehörnter Ehemänner, das Land verlassen. John flieht zunächst nach London, wo er sein Glück am Spieltisch versucht. Seine genialen mathematischen Fähigkeiten lassen ihn schnell in die oberen Gesellschaftskreise aufsteigen. Er ist überall gern gesehen und außerordentlich beliebt bei der Damenwelt, was er sich zunutze macht, denn er ist kein Kostverächter.

Immer mehr ist er von der Idee besessen, Geld nicht länger mit den immer knapper werdenden Edelmetallen zu decken, sondern Papiergeld in Umlauf zu bringen. Doch der König von England will davon nichts hören, sein Horizont erfasst sicher auch nicht die Vorteile, die das Papiergeld mit sich bringen würde. John reist durch halb Europa und lernt nicht nur einflussreiche Leute kennen, sondern erfährt auch wirtschaftliche Missstände und die Auswirkungen der Kriege, die ständig geführt werden.

1701 kommt er nach Paris und lernt den Duc d’ Orleans kennen. Nach dem Tod des Sonnenkönigs verlieh er, gerade zum Regenten gekürt, seinem schottischen Freund die französische Staatsbürgerschaft, ließ ihn zum Katholizismus konvertieren, machte ihn zum Generalkontrolleur der Finanzen und gestattete ihm die Gründung einer Bank. Durch die Herausgabe des Papiergeldes blüht die Wirtschaft auf und die Armut geht zurück. Auch der Bruder von John, beide haben ein Verhältnis wie Kain und Abel, kommt nach Paris um seinen Bruder finanziell zu erleichtern.

John häuft ein Vermögen an und wird zum reichsten Mann seiner Zeit, doch der Reichtum ist ihm nicht wichtig. Ihm geht es nur darum mit seiner Idee die Welt zu verbessern. Leider hat er in seinen mathematischen Berechnungen den Faktor Mensch außer Acht gelassen. Der Herzog von Orleans findet Gefallen an der Vorstellung, die enormen Staatsschulden per Druckerpresse zu reduzieren und löst damit die erste Inflation aus. Neid, Gier und Dummheit machen sich auch unter der Bevölkerung breit und John kommt zu einer bitteren Erkenntnis…

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik

Claude Cueni gelang mit seinem zweiten großen historischen Roman ein brillantes Meisterwerk. Die Hauptfigur wird so emotional beschrieben, dass sie sofort sympathisch erscheint und man das Gefühl hat selbst am Geschehen teilzunehmen. Man muss wissen was mit ihr passiert, wie sie mit ihren Gegenspielern fertig wird. Man freut sich mit John, man leidet mit John- ganz so, wie es in einem guten historischen Roman sein muss.

Durch die Gliederung in Kapitel und die genauen Angaben von Ort und Zeit in Form von Überschriften, findet der Leser sich gut zurecht. Mit Witz und Komik beschreibt Cueni die Aristokratie des 17. und 18. Jahrhunderts in Europa. Der Leser erhält nicht nur Einblick in die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in dieser Zeit, sondern wird auch in das gesellschaftliche Leben eingeführt mit seinen Sonnen- und Schattenseiten.

Sehr direkt, manchmal ist die Sprachwahl schon schockierend, beschreibt er die hygienischen Verhältnisse dieser Zeit. Erstaunlich ist mit welcher Arroganz und Ignoranz Machtpositionen benutzt wurden, um sich persönlich darzustellen und sich zu bereichern. Dies machen gut verständliche Dialoge deutlich.

Nicht nur für Mathe-Asse ein Muss

Auch wer kein großer Mathematiker ist und vom Bankwesen nicht viel versteht, sollte das Buch unbedingt lesen. Es ist nicht nur Geschichtsunterricht allererster Güte, sondern auch brillante Unterhaltung. Obwohl keiner ermordet wird – was Fans von historischen Krimis womöglich langweilen könnte – ist dieser Roman spannend bis zur letzten Seite. Der Leser fiebert mit John Law mit und will ihm am liebsten als persönlicher Berater zur Seite stehen.

Trotz vieler Rückschläge lässt John sich von seiner Idee nicht abbringen, sie ist sein Leben. Diese Lebenseinstellung regt den Leser zum Nachdenken über sein eigenes Leben an. Auch 300 Jahre später werden sich viele Leser wünschen ein bisschen wie John Law zu sein und auch schwierige Situationen derart gut meistern zu können.

Ein unterhaltsamer, spannender Roman, der es auf alle Fälle verdient, gelesen zu werden.

Ihre Meinung zu »Claude Cueni: Das große Spiel«

arthez zu »Claude Cueni: Das große Spiel«05.08.2009
Ich war enttäuscht - was hätte man aus dem Leben des John Law herausholen können... ein dichtgepackter 1.000 Seiten Schmöker hätte es werden können, ein Wirtschaftsthriller verquickt mit einer interessanten Lebensbeschreibung.

Leider wurde es das nicht, leidenschaftslos erzählt und die ganze Nationen umspannenden Geldgeschäfte zu kurz angerissen.

Schmale 50 Grad von mir.
MariaAmalia zu »Claude Cueni: Das große Spiel«05.03.2009
Claude Cueni schildert in seinem Roman das Leben des begnadeten barocken Mathematikers und Finanzgenies John Law, der mit seinen Visionen einer neuen Finanzpolitik seiner Zeit damals weit voraus war (seine Ideen wurden eigentlich erst so richtig im 20. Jahrhundert umgesetzt).

Es ist sicher nicht einfach, 40 Jahre eines bewegten Lebens, wie John Law es geführt hatte, in einen "nur" reichlich 400 Seiten langen Roman zu "pressen". Hier hat es aber auf jeden Fall sehr gut funktioniert und es zeigt auch, dass gute historische Romane nicht zwangsläufig dicke Wälzer sein müssen. Der Autor zeigt viele Facetten dieser faszinierenden und vielschichtigen Persönlichkeit und es gelingt ihm, Historie und Fiktion in einen historischen Kontext zu bringen und eine sehr authentische Geschichte zu erzählen; flott und interessant, ohne Längen und mit einem gewissen Spannungsbogen.

Man muss kein Finanzexperte sein, um der Handlung folgen zu können. Der Autor erzählt seine Geschichte so, dass sie auch für solche Nichtzahlenmenschen wie mich nachvollziehbar ist. Bisschen Interesse für Finanzpolitik sollte man aber schon haben, ansonsten könnten einige Textpassagen schnell langweilig werden.

Die Riege der Nebencharaktere erinnert zum Großteil an das Who-Is-Who der französischen Gesellschaft und der Autor versucht, sich auch bei seinen Nebenfiguren weitestgehend an die historischen Vorbilder zu halten. Ein Personenregister wäre hier sicher nicht schlecht gewesen, jedenfalls fehlt dieses bei der mir vorliegenden Ausgabe des Bertelsmann-Clubs.

Dass sich der Autor hier und da die eine oder andere kleine dichterische Freiheit nimmt und die Historie dem Gesamtkonzept seiner Romanerzählung anpasst, kann man ihm getrost nachsehen.

Allerdings sind ihm gravierende Fehler in Bezug auf Zeremoniell und Hofetikette unterlaufen. Das wird ganz besonders bei der Begegnung John Laws mit König Ludwig XIV. bei dessen morgendlichem "Lever" in Versailles deutlich. Dieses Lever unterlag einem bis ins kleinste Detail vorgeschriebenen Protokoll, was hier im Roman leider nicht mal ansatzweise Beachtung findet und völlig daneben gegangen ist.

Grobe Schnitzer sind dem Autor auch bei den Anreden passiert. Von König Ludwig sprach man nicht als "Ihre Majestät", denn das ist bekanntlich die Anrede für weibliche Monarchen. Liest man z. B. den Satz: "Entspannt parlierte Ihre Majestät, charmant, gebildet, galant." (S. 282, Bertelsmann-Ausgabe), meint man beim Lever der Königin zu sein und nicht beim König. Die ersten zwei, drei Mal war dieser Fauxpas ja noch ganz witzig zu lesen, spätestens ab dem vierten Mal wurde es dann allerdings nervig, zumal dieser Fehler fast in jedem Satz vorkam und der ganzen Szene eine unfreiwillige Komik verlieh. Ein männlicher Monarch war grundsätzlich "Seine Majestät" wenn man über ihn sprach und "Eure Majestät" wenn man direkt mit ihm sprach.

Der zweite Kritikpunkt ist die leider viel zu moderne Sprache. Der Autor legt seinen Protagonisten Worte und Redewendungen in den Mund, die dem heutigen modernen Sprachgebrauch entsprechen, aber im 17./18. Jahrhundert völlig unbekannt waren.
Tempe zu »Claude Cueni: Das große Spiel«05.03.2009
Dieses Buch war mir am anfang etwas zu wieder. Doch mit der Zeit ensteht eine Spannung die den Leser zum weiter lesen drängt. Eingentlich ist die Geschichte eher traurig, da er sein ziel nicht erreichen kann und somit sein werk unvollendet lässt, mal ne schöne abwechslung aber nicht hoch emphelnswert.
M. T. zu »Claude Cueni: Das große Spiel«13.12.2008
Das Buch ist nicht schlecht. Wirklich nicht. Aber wenn sich mir die Frage aufdränger würde, ob es auch nur im entferntesten literarisch hochwertig ist, würde ich doch mit leichtem Gewissen Nein! sagen. Ob es lustig ist? Teils, aber um ehrlich zu sein, eher selten.
Historisch gesehen jedoch ist es wirklich interessant. John Law wird als eindrucksvolle Person dargestellt, ohne Zweifel ein Mann von Welt. Aber nja... am Ende hat man dann doch das Gefühl sich durch ein Buch gequält zu haben, dass man lieben in der Buchhandlung hätte lassen sollen.
Rolf.P zu »Claude Cueni: Das große Spiel«29.09.2008
Zu erst einmal sei gesagt, dass das Buch einem eine zähe Einlesezeit erspart. Schon ab der ersten Seite ist die Geschichte interessant, der Einstieg ist dem Autor gut gelungen.
Manche Bücher sollte man einfach gelesen haben: wen interessiert es nicht, woher unsere Banknoten und der Handel mit Aktien ihren Ursprung fanden?
"Das große Spiel" ist ein überaus spannender und lehrreicher historischer Roman über John Law of Lauriston, der seinen Lesern die Entstehung unserer heutigen Finanzsysteme auf unterhaltsame Weise nahe bringt, selbst wenn man sich bisher nie für Finanzfragen interessiert haben sollte.
Es ist, als würde man die Geschichte selber durchleben. Die dreckigen Städte, die Armut, aber auch die Orgien der Reichen oder die Begegnungen mit anderen bekannten Größen wie dem Autor von Robinson Crusoe, Daniel Defoe oder Montesquieu, der einen Bericht über Law im Auftrage des französischen Hofes verfasste.
Die faszinierendste Figur ist natürlich John Law, der vielleicht 200 Jahre Vorsprung auf seine Zeit hatte. Mathematik-Genie, Finanz-Genie, er gründete sogar die hoch-komplexen Optionen und Futures, die auf den heutigen Finanzmärkten gehandelt werden.
John Law war nicht nur in Finanzbereichen ein Visionär, sondern erkannte auch sehr früh den Wert der Kunst (Da Vinci, Michelangelo, etc.).
Er verstand, dass trotz Hindernisse, der große Faden des menschlichen Fortschritts nie reißen würde. Seine Finanz-Theorie ist heute noch eine Säule der modernen Demokratien. Claude Cueni hat es zudem verstanden, die Handlungen aus dieser brisanten Epoche auf solch lebendige und spannende Art niederzuschreiben, dass man nebst einem historischen Roman, mit peinlich genau recherchierten Daten, auch noch eine gehörige Portion Unterhaltung erhält.

Alles in allem ein absolut zu empfehlendes Buch. Glückspiel, Liebe, Hass, Neid, Duelle, immenser Reichtum und Bankrott, unfähige Staatsoberhäupter, all dies lässt den Roman abwechslungsreich und farbenfroh sein.
Das Buch ist ein Meilenstein, es ist einfach ein Buch, das man lesen muss!
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