Der Vermesser von Clare Clark

Buchvorstellung und Rezension

kaufen bei amazon.de
kaufen bei sofortwelten

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel „The Great Stink“, deutsche Ausgabe erstmals 2005 , 414 Seiten. ISBN nicht vorhanden. Übersetzung ins Deutsche von Rita Seuß, Bernhard Jendricke.

Kurzgefasst:

London 1855. Unter der Stadt erstreckt sich ein gewaltiges Labyrinth von alten Tunneln, das Menschen aller Couleur anzieht. Die einen suchen nach Dingen, die sich zu Geld machen lassen, andere sind auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit. Bis ein grausiger Mord geschieht, der ganz London erschüttert.

Das meint Histo-Couch.de: „;Eine spannende Empfehlung“;

von Bettina Weiß

Ein grausiger Mord in Londons Unterwelt im Jahre 1855 erschüttert die Stadt und führt Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Londons Unterwelt ist durchzogen von einem weitläufigen Labyrinth aus alten Kanälen und Tunneln, welche das stinkende Abwasser der Stadt transportieren. William May ist als Ingenieur und Vermesser für die Londoner Baubehörde tätig, die das marode Kanalsystem erneuern soll. Gerade aus dem Krieg auf der Krim heimgekehrt und stark von den Erlebnissen traumatisiert, zieht er sich so oft es möglich ist in die alten Kanäle zurück, da er sich nur dort richtig wohlfühlt und er seinem Geheimnis nachgehen kann …

Die Glücksritter der Londoner Unterwelt

In den Kanälen sind aber auch die Kanaljäger unterwegs, die Ratten jagen und nach allen verwertbaren Gütern suchen. Ihnen gefällt es gar nicht, dass das alte Kanalsystem erneuert werden soll, denn damit gehen einen wichtige Einnahmequellen und die besten Verstecke verloren. Die Ingenieure und Mitarbeiter der Baubehörde sind daher nicht gern Gesehene in Londons Unterwelt.

Als in dem unterirdischen Labyrinth ein grausamer Mord geschieht und William May in der Nähe des Tatorts verletzt aufgefunden wird, ist er als Täter schnell ausgemacht, zumal er sich seinen Vorgesetzten gerade zum Feind gemacht hatte.

Helfen kann nun nur noch Tom, der Kanaljäger, der mit seinem Hund die Kanäle regelmäßig durchstreift und auch am Tag des Mordes nicht weit vom Tatort war.

Der Geruch der Kanalsysteme durchzieht den Roman

Clare Clark schildert in ihrem Debütroman in zwei von einander unabhängigen Handlungssträngen die Geschichten von William May, dem Vermesser und Tom, dem Kanaljäger. Beide Handlungen scheinen zunächst nur dadurch verbunden, dass sich beide gerne und häufig im Abwassersystem aufhalten, aber dort nicht begegnen. Erst später wird die Verbindung der Handlungen und Personen deutlich und bedeutsam. Auch wenn sich die Protagonisten nie begegnen, entsteht durch die geschickte Verknüpfung der Charaktere eine äußerst spannende Geschichte.

Durch diese Erzählweise kommt ein Spannungsbogen zustande, der von Beginn an bis zum Finale gehalten wird und nicht abreißt. Die Unterwelt und insbesondere der Gestank werden in nachdrücklichen und in starken Bildern geschildert, sodass sich der Geruch während des Lesens durch das Buch zieht und nahezu am Leser haften bleibt.

Die Kloake Londons faszinierend geschildert

Das Leben im London des 19. Jahrhunderts wird in anschaulichen Bildern gezeigt, die düstere und deprimierende Stimmung der Kloake unter der riesigen Stadt entfaltet sich vor dem Leser und übt einen ungeheuren Sog aus. Es entsteht ein fesselnder Kriminalroman.

Die Sprache des Romans ist je nach Handlungsstrang ganz unterschiedlich gewählt. Während die Geschichte von William May in wohl gesetzten Worten erzählt wird, ist die Sprache in der Handlung um Tom sehr einfach und seiner Welt angepasst. Auch durch dieses Stilmittel wird die strikte Trennung der beiden Handlungsstränge verdeutlicht und vertieft.

Vordergründig könnten die Welten von William May und Tom nicht unterschiedlicher sein, doch sobald sie sich in der Unterwelt bewegen, verschwimmen die Welten und werden eins. Durch diese Ambivalenz entsteht eine Faszination, die den Leser das Buch nicht aus der Hand legen lässt.

Ein Buch, das sich deutlich aus der Masse abhebt und eine absolute Empfehlung darstellt.

Ihre Meinung zu »Clare Clark: Der Vermesser«

Samoa zu »Clare Clark: Der Vermesser« 14.05.2010
Eine umwerfend "olfaktorische Erfahrung"…
Mit einer geschickt aufgebauten Handlung, durch zwei vorerst unabhängig scheinende Ereignisabfolgen, deren Spannung sich kontinuierlich steigert und beständig aufrechterhalten bleibt.
Anfänglich jedoch ein wenig verwirrend, da innerhalb von Kapiteln und Absätzen Zeitsprünge auftauchen, die zunächst nicht komplett nachvollziehbar sind.
Auffallend ist die stellenweise sehr lautmalerische, schöne Sprache, mit ausserordentlich plastischen Darstellungen der Londoner Abwasserunterwelt – verbunden mit Geruchsbeschreibungen, die einen gelegentlich, ob ihrer gelungen vermittelten Intensität, zurückzucken lassen.
Die psychischen Abgründe und der geistige Verfall des Hauptprotagonisten werden eindringlich-einfühlsam und glaubhaft nachvollziehbar dargelegt, die Denk- und Handlungsweise aller Personen sind schlüssig eingebettet in das damalige Zeitgefüge.
Somit ein spannendes Lesevergnügen der "etwas anderen Art", jedoch durchaus empfehlenswert!
Karinlinda zu »Clare Clark: Der Vermesser« 08.01.2009
Dieses Buch ist einfach nur voller Schrecken und trotzdem lesenswert und unvergesslich. Der Einstieg ist etwas schwer, weil die Autorin sehr detailiert über den Krim Krieg schreibt. Doch dann läßt es den Leser nicht mehr los und man kann förmlich selbst miterleben wie es in den Kanälen Londons um 1850 zuging. Es ist ein Buch für starke Nerven, das sogar Übelkeit hervorrufen kann. Wunderbar recherchiert ist das Seelenleben der Hauptperson William May, der unter den Folgen seiner Erlebnisse im Krieg leidet, was aber die Außenwelt als Geisteskrankheit interpretiert. Der Höhepunkt für mich war die Zeit in der Irrenanstalt und wie man zur damaligen Zeit mit vermeintlich Geisteskranken umging. Das Ende ist befriedigend, allerdings zu schnell erzählt. Ich hätte mir auch gewünscht zu wissen wie es mit Williams geistiger Krankheit weiter geht, ob er dem Wunsch sich selbst zu verletzen widerstehen kann oder er es nur seiner Familie zuliebe sein läßt.
Andrea Zietz zu »Clare Clark: Der Vermesser« 19.06.2008
Da habe ich wohl ein anderes Buch gelesen. Die beiden handlungsstränge sind doch dauernd miteinander verknüpft. Manches blickt man halt erst ein wenig später, aber je mehr ich gelesen habe um so weniger konnte ich aufhören. Das war wirklich mal ein überzegender Roman. Tolle Figuren. Nie im Leben hätte ich mir über das Londoner Abwasser gedanken gemacht, geschweige denn geahnt, dass dies eine sauspannende Geschichte abgeben könnte. Ich bin völlig begeistert. Das 19. Jahrhundert ist mit allen Sinnen zu erfahren gewesen! Ich kann das Buch nur empfehlen! Lesen! Lesen! Lesen!
Sylvia zu »Clare Clark: Der Vermesser« 21.04.2008
leider muss ich mich in den meisten punkten "adhara" anschließen. Auch ich lese leidenschaftlich gern und auch mich sprach der Klappentext und eine kleine Leseprobe sehr an, doch im weiteren verlauf der Geschichte wurde es zeitweise recht langatmig.
Was mir persönlich aber gut gefiel waren einige der detaillierten beschreibungen zum und um den Charakter William May.
adhara zu »Clare Clark: Der Vermesser« 05.06.2007
Ich kann die Ansicht von Bettina Weiss ganz und gar nicht teilen. Zwar hat mich der Klappentext neugierig gemacht und ich bin voller Vorfreude in das Buch eingestiegen, ich konnte dann aber nichts von faszinierenden Schilderungen der Londoner Kloake ausmachen. Vielmehr fand ich das Buch ausserordentlich langatmig und spannungslos. Auch die so späte Verknüpfung der beiden Handlungsstränge trägt meiner Meinung nach nicht zum Lesegenuss bei. Als begeisterte Leserin musste ich mich richtig dazu zwingen, dieses Buch fertig zu lesen und das passiert eigentlich nur selten.

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!

Ihr Kommentar zu Der Vermesser


Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen:

über die Histo-Couch:

Histo-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2006–2014 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.