Die Heilerin von Canterbury von Celia L. Grace

Buchvorstellungund Rezension

Die Heilerin von Canterbury von Celia L. Grace

Originalausgabe erschienen 1993unter dem Titel „A Shrine of Murders“,deutsche Ausgabe erstmals 1994ISBN 3-453-88105-2.Übersetzung ins Deutsche von Marian Balkenhol.

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Kurzgefasst:

Kathryn Swinbrooke, Heilerin und Ärztin im Canterbury des 15. Jahrhunderts, erhält vom Erzbischof einen Auftrag. Sie soll die Giftmorde an Wallfahrern aufklären. Jeder der Morde ist mit einem Zweizeiler am Kirchenportal angekündigt worden. Als Kathryn feststellt, dass die Zweizeiler auf Versen aus den Canterbury Tales von Chaucer basieren, ist sie dem Täter schon sehr dicht auf den Fersen. Und der trachtet ihr natürlich nach dem Leben.

Anmerkung: Aktuell ist der Roman nicht als Einzelversion erhältlich. Das Buch, dass Sie oben sehen, enthält die ersten vier Romane der Swinbrooke-Reihe. (Histo-Couch im Juni 2007)

Das meint Histo-Couch.de: „;Ein vielfach aufgelegter Klassiker“;85Treffer

Rezension von Jörg Kijanski

Canterbury, 1471: Die Schlachten von Barnet und Tewkesbury sind geschlagen. Das Haus Lancaster ist am Boden, die siegreiche York-Dynastie kommt an die Macht. Auch Canterbury bleibt von dem Högepunkt der „;Rosenkriege“ nicht verschont, denn viele Bewohner der Stadt haben sich dem Lancaster-Clan zur Seite gestellt, was sich nun bitter recht. Immer wieder rollt der Leichenwagen mit den Köpfen der hingerichteten Menschen durch die Stadt, Bürgermeister Faunte ist untergetaucht und die Ratsversammlung ihrer Rechte beraubt. Doch als wäre dies nicht schon alles schlimm genug für die leidgeprüften Einwohner Canterburys, so treibt auch noch ein geheimnisvoller Mörder sein Unwesen.

Dabei sucht er sich seine Opfer immer unter jenen Pilgern aus, die den Schrein des toten Thomas Becket aufsuchen, von dem sie sich die verschiedensten Wunder erhoffen. Vier Pilger sind bereits tot. Vor jedem Mord wurde immer ein Pergament an die Türen der Kathedrale geheftet, auf dem ein Knittelvers auf den Berufsstand des nächsten Opfers hinwies. Diese Verse erweisen sich als Paradoxien auf ein Werk des berühmten Dichters Chaucer und weisen darauf hin, dass der Mörder des Lateinischen mächtig ist. Die Art und Weise der Giftmorde sowie die Tatzeiten lassen zudem den Schluss zu, dass ein Arzt oder Apotheker aus Canterbury der gesuchte Täter sein muss.

Colum Murtagh, Marshall des königlichen Haushalts und neuer Sonderbeauftragter der Stadt, soll in der Mordserie ermitteln, bevor der wirtschaftliche Schaden, den ein Rückgang der Pilger verursachen könnte, zu groß wird. Da Murtagh jedoch mehr Soldat denn Ermittler und zudem fremd in Canterbury ist, bittet der Erzbischof die Heilerin Kathryn Swinbrooke, die ebenfalls als Ärztin praktiziert, Murtagh bei seinen Untersuchungen zu helfen. Schon bald rückt eine Gruppe von Ärzten in das Visier der Ermittlungen, doch die Morde gehen unaufhörlich weiter …

Facettenreicher Debütroman

Celia L. Grace’ Debütroman überzeugt auf ganzer Linie. Er beschreibt anschaulich die politische Lage in Canterbury vor dem Hintergrund der „;Rosenkriege“, schildert eindrucksvoll den Lebensalltag im Mittelalter, bietet einen spannenden Krimiplot mit mehreren Tatverdächtigen und erfreut durch eigenwillige Charaktere.

Master Sonderbeauftragter, Lord von den Inseln oder wie immer Ihr Euch nennt. Haben wir uns einer Gesetzesübertretung schuldig gemacht? Und wenn ja, warum wird dieser Fall dann nicht vom Sheriff oder vom Coroner oder von der Ratsversammlung untersucht?„
“;Weil wir weder einen Sheriff, noch einen Choroner, noch eine Ratsversammlung haben! Dank Faunte und anderen seines Schlages hat unsere Stadt ihre Freiheit eingebüßt. Master Murtagh handelt in diesem Fall im Auftrag des Königs.

Zudem vermittelt „;Die Heilerin von Canterbury“ Einblicke in die Arbeit der Ärzte sowie die Rolle der Frau, die damals (zumindest im Berufsstand einer Ärztin) mehr Rechte genoss als überwiegend vermutet wird.

Sympathische, gegensätzliche Charaktere

Kathryn Swinbrooke ist eine herzliche, aber auch etwas in sich gekehrte Frau, die den Tod ihres Vaters noch nicht gänzlich überwunden hat und zudem von einem anonymen Briefeschreiber erpresst wird. Dieser deutet an, dass ihr Vater bei dem Tod ihres verschwundenen Ehemanns Alexander Wyville ein klein wenig mitgeholfen haben könnte. Aber Kathryn will von all dem nichts mehr wissen, zu groß ist die Freude, dass ihr ebenso trinkfester wie gewalttätiger Mann nicht mehr gegenwärtig ist.

Ein krasser Gegensatz zu Kathryns eher vornehm-zurückhaltenden Charakter ist ihre Magd Thomasina. Derb-frivol, bereits dreimal verheiratet, steht die dralle Amme mit ihrem losen Mundwerk ihrer Herrin ständig zur Seite, zumal wenn Ungemach droht. Dieses glaubt Thomasina zu sehen, als Kathryn mit dem robusten Kriegshelden Murtagh zusammen arbeiten soll und dieser gar bei Kathryn einzieht. Ungehobelte Männer, noch dazu Iren, sind der Haushälterin ein besonderer Graus. Aber mit zunehmender Handlung erweist sich, dass auch in Murtagh ein weicher Kern steckt und so bahnt sich hier womöglich eine kleine Liebesgeschichte an, welche sich zumindest in den folgenden Romanen entwickeln könnte.

Einblicke in das Leben einer Ärztin im Mittelalter

Das Leben einer Ärztin im Mittelalter, noch dazu als alleinstehende Frau, ist nicht immer einfach, denn vorwiegend gilt dieser Beruf als männliche Domäne. Alle möglichen und höchst abenteuerlich anmutenden Salben werden für die unterschiedlichsten Gebrechen zubereitet, so dass man froh ist, in der heutigen Zeit zu leben. Aber auch der Alltag der überwiegend armen Einwohner ist nicht besonders erbaulich. Teilweise müssen in den Elendsvierteln Fackeln an den Haustüren tagsüber brennen, so dunkel sind einzelne Gassen.

Da gibt es Aufhänger. Man hat Seile von einer Wand zur anderen gespannt, so daß die Säufer im Sitzen schlafen können. Ihre Oberkörper werden dann von diesen Seilen gehalten. Morgens geht der Wirt hinunter und reißt sie aus dem Schlaf, in dem er die Seile losbindet.

Viel mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, außer dass die Spannungskurve in diesem bildreichen Mittelalter-Spektakel konstant hoch gehalten wird und dass die Auflösung selbst – einem klassischen Konstrukt folgend, welches man so schon x-fach gelesen hat – durchaus akzeptabel ist.

Bliebe nur die Frage, warum der Heyne-Verlag behauptet, dass Celia L. Grace das Pseudonym einer „;englischen Historikerin“ sei? Tatsächlich handelt es sich bei dem Autor um Paul Doherty. Wie, kennen Sie nicht? Dann aber sicher Paul Harding (Achtung Pseudonym!) oder …

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