Der blaue Tod von Boris Meyn

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel „Der blaue Tod“, , 224 Seiten. ISBN 3-499-23894-2.

Kurzgefasst:

Ein Kind wird gesucht, ein Kind, das es nie geben durfte. Anwalt Sören Bischop wird eingeschaltet, denn zur Polizei will seine Mandantin nicht. In diesem heißen Sommer 1892 verfolgt Sören alle Spuren, und er gerät tief in die Abgründe einer Stadt, die so rasant wächst wie das Elend ihrer Ärmsten. Immobilienhaie und Arbeitsvermittler bestimmen über das Leben in den lichtlosen Quartieren, Brutstätten nicht nur des Verbrechens, sondern einer Gefahr, die alle bedroht …

Das meint Histo-Couch.de: „;Kurzweiliger historischer Krimi, nicht nur für Hamburger interessant“;

von Jörg Kijanski

Hamburg im August 1892. Advokat Sören Bischop erhält in seiner Kanzlei von zwei Frauen Besuch, die unterschiedlicher kaum sein können. Die ältere Frau stammt aus einer der bekanntesten Hamburger Familien und bittet Bischop, das Kind ihrer Schwester zu suchen, welches auf Drängen ihres inzwischen verstorbenen Vaters direkt nach der Geburt als Kostkind an eine Landamme abgegeben wurde. Doch die Geburt liegt bereits 21 Jahre zurück und außer dem Namen der Amme, so es denn ihr richtiger Name ist, gibt es keine weiteren Informationen, nicht einmal hinsichtlich des Geschlechts. Die andere Frau hat hingegen ein ganz aktuelles Problem, denn ihr Verlobter soll den Wirt der „;Möwe“ im Streit erstochen haben und ist seitdem untergetaucht.

Bei seinen Ermittlungen kommt Bischop nur langsam voran und dabei einigen einflussreichen Persönlichkeiten in die Quere. Zudem häufen sich in mehreren Stadtvierteln Fälle von plötzlich auftretenden Erkrankungen. Immer mehr Ärzte vermuten, dass eine Cholera-Epidemie die Stadt bedrohen könnte und sich der Erreger über die Trinkwasserleitungen verbreitet. Doch die Stadtoberen weigern sich eine entsprechende Warnung nach Berlin weiterzugeben. Die Angst, die Stadt könnte unter Quarantäne gestellt und damit die Wirtschaft erheblich beeinträchtigt werden, ist zu groß. Zumal die finanzstarken Kräfte der Stadt ohnehin schon genug Probleme haben. Immer mehr Arbeiter fühlen sich zu den Gewerkschaften und zu einem noch neuen Klassenfeind hingezogen, dem Sozialdemokraten.

Sehr facettenreicher Einblick in die Hamburger Stadtgeschichte

„;Der blaue Tod“ ist bereits der vierte Roman um Rechtsanwalt Sören Bischop, der im vorliegenden Band gleich an mehreren Fronten zu kämpfen hat. Als Ausgleich findet er in der jungen Musikerin Mathilda Eschenbach die große Liebe. Die Charaktere sind insgesamt gelungen dargestellt, nur vereinzelt fallen einige Figuren dem geringen Buchumfang zum Opfer, was jedoch nicht als störend zu empfinden ist. Problematischer ist da schon, dass es Autor Boris Meyn ein wenig übertreibt, wenn er seinen Protagonisten innerhalb Hamburgs auf Reisen schickt, denn die Aneinanderreihung vieler Straßennamen ist doch eher uninteressant und wirkt zeitweise so, als habe man hier den Stadtplan abgeschrieben.

Cholera, menschenunwürdige Lebensbedingungen und zu allem Übel muss man sich den Job auch noch ertrinken

Der historische Teil des Romans ist sehr interessant und überzeugt auch Nicht-Hanseaten. Die Themenvielfalt reicht von einer der größten Epidemien der Stadtgeschichte bis hin zu den wirtschaftlichen Verstrickungen einflussreicher Geschäftsleute, die sich gerne auch um nicht ganz so saubere, dafür aber umso einträglichere Geschäfte kümmern. Detailliert werden die Praktiken dargestellt, wie nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeiter an neue Jobs kommen. Sie müssen sich diese in bestimmten Kneipen ertrinken. Wer am meisten trinkt wird vom Wirt vermittelt, der hierfür wiederum eine Provision erhält. Oftmals wird diese mit der für den Schankraum zu zahlenden Pacht verrechnet, so dass der Geldfluss im Kreise verläuft und letztlich immer wieder bei den gleichen Leuten landet.

Beeindruckend und gleichermaßen bedrückend ist zu lesen, unter welchen Bedingungen viele Menschen damals leben mussten. Die Situation in den Krankenhäusern ist ebenfalls dramatisch, so dass es fast schon zur Nebensache gerät, dass Künstler wie der Komponist Gutsav Mahler oder der Maler Max Liebermann bei dem konservativen Bürgertum nicht so richtig ankommen wollen.

Insgesamt überzeugt „;Der blaue Tod“ als interessanter Ausflug in die Stadtgeschichte Hamburgs. Wer sich insbesondere für das Arbeitermilieu beziehungsweise Sozialgeschichte interessiert ist hier auf jeden Fall richtig. Allein der Krimiplot hat eine entscheidende Schwäche, er ist (wohlwollend formuliert) sehr stark konstruiert, denn hier scheinen alle selbst noch so kleinen Details miteinander zusammen zu hängen.

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